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So funktioniert die neue H-1B-Visa Lotterie in den USA
Neues Auswahlverfahren beim H-1B-Visum: Weg vom Zufallsprinzip – hin zu einem gehaltsgeprägten System mit direkten Auswirkungen auf die Auswahlchancen.
20.02.2026
Von Jan Sebisch | Bonn
Mit dem H-1B-Visumsverfahren für das Jahr 2027 wird das bisherige vollständig zufallsbasiert Losverfahren grundlegend verändert. Künftig entscheidet nicht mehr allein der Zufall über die Auswahl – stattdessen wird ein Auswahlverfahren eingeführt, das höher bezahlte Fachkräfte bevorzugt.
Was bleibt unverändert?
Die gesetzlichen Höchstzahlen sowie das elektronische Registrierungsverfahren über die US-Einwanderungsbehörde (U.S. Citizenship and Immigration Service (USCIS) - H-1B Electronic Registration Process) bleiben bestehen:
- 65.000 Visa im regulären Kontingent (Bachelor-Niveau)
- 20.000 Visa im Master-Kontingent (US-Masterabschluss oder höher)
- Gesamt: 85.000 neue H-1B-Visa pro Geschäftsjahr
Was verändert sich?
Die wesentliche Neuerung betrifft die Auswahl selbst. Künftig wird nicht mehr ausschließlich per Zufall ausgelost. Stattdessen hängt die Auswahlwahrscheinlichkeit davon ab, welcher Lohnstufe (Wage Level) das konkrete Stellenangebot zugeordnet ist. Maßgeblich sind die vier Vergütungsstufen des U.S. Department of Labor:
- Registrierungen mit einem Level-I-Gehalt erhalten ein Los im Auswahlverfahren,
- Level II zwei Lose,
- Level III drei Lose und
- Level IV vier Lose.
Je höher also das angebotene Gehalt im Verhältnis zu den jeweils geltenden orts- und berufsspezifischen Vergleichswerten, desto höher ist die statistische Wahrscheinlichkeit, ausgewählt zu werden. Das neue System zielt darauf ab, höher vergütete und in der Regel qualifizierte Positionen zu priorisieren.
Das H-1B-Verfahren wird damit nicht mengenmäßig restriktiver, aber wirtschaftlich selektiver.
Wie sieht der Ablauf des Verfahrens aus?
Die Auswahl wird voraussichtlich in zwei Phasen erfolgen. Zunächst führt der USCIS die Auswahl für das reguläre Kontingent von 65.000 Visa durch. Alle ordnungsgemäß eingereichten Registrierungen nehmen daran teil, unabhängig vom akademischen Abschluss. Nach Abschluss dieses Verfahrens erfolgt eine zweite Auswahlrunde für das Master-Kontingent über 20.000 Visa. An dieser nehmen ausschließlich jene Bewerber mit US-Masterabschluss oder höher teil, die im regulären Verfahren nicht ausgewählt wurden. Diese Bewerber haben damit zwei Auswahlchancen, statt nur einer.
Für das Geschäftsjahr 2027 öffnet das Registrierungsfenster am 4. März 2026 um 12 Uhr (Eastern Time) und schließt am 19. März 2026 um 12 Uhr (Eastern Time). Während dieses Zeitraums müssen potenzielle Antragsteller eine elektronische Registrierung über ein USCIS-Onlinekonto vornehmen und die entsprechende Gebühr entrichten.
Auswirkungen für Unternehmen
Für Unternehmen ergeben sich daraus vor allem strategische Konsequenzen. Zwar bleibt die Gesamtzahl der verfügbaren Visa unverändert, doch wird die Höhe des angebotenen Gehalts künftig zu einem zentralen Steuerungsfaktor für die Auswahlwahrscheinlichkeit. Eine frühzeitige und präzise Analyse der einschlägigen Lohnstufen gewinnt daher erheblich an Bedeutung. Unternehmen müssen prüfen, wie Stellenangebote strukturiert und budgetiert werden, wenn eine höhere Einstufung die Erfolgschancen verbessern soll. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an eine saubere Dokumentation und Compliance, da die korrekte Einordnung in die jeweilige Gehaltskategorie überprüfbar sein muss.
Zum Thema:
- GTAI-Rechtsbericht Neue H-1B-Visaregeln in den USA