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Wirtschaftsausblick | Vereinigte Arabische Emirate

Robustes Wachstum trotz weltweiter Risiken

In den Vereinigten Arabischen Emiraten läuft die Konjunktur gut. Dafür sorgen ein wachsender Ölsektor, kontinuierliche Investitionen und ein Rückgang der Inflation.

Von Heena Nazir | Dubai

Top Thema: Zwischen Ölreichtum und Klimaverpflichtung

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) stehen vor einer großen Herausforderung: Sie wollen ihre wirtschaftliche Entwicklung, die stark auf Erdöl basiert, mit ihrem Engagement für den Umweltschutz in Einklang bringen. Einerseits sind die VAE für ihre umfangreichen Erdölvorkommen bekannt. Diese sollen weiter ausgebaut werden. Andererseits haben sie sich zum Ziel gesetzt, aktiv gegen den Klimawandel vorzugehen. Dafür wollen sie die Treibhausgasemissionen verringern und erneuerbare Energien stärker nutzen. 

Die VAE sind Gastgeber der 28. UN-Klimakonferenz, die vom 30. November bis 12. Dezember 2023 in Dubai stattfindet. Wichtige Themen sind die Anpassung an den Klimawandel, die Finanzierung von Umweltschutzmaßnahmen und die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung. 

Die Ernennung von Sultan Ahmed al-Jaber, dem Chef des staatlichen Erdölkonzerns ADNOC, zum Präsidenten der COP28 sorgt international für Diskussionen und Kritik. Nun wollen die VAE zeigen, dass sie sowohl ihre Erdölproduktion steigern als auch eine führende Rolle im Umweltschutz übernehmen können und das im Schatten des Nahostkonflikts.

Wirtschaftsentwicklung: VAE führen beim Wachstum in den GCC-Staaten

Für das Jahr 2024 erwarten Ökonomen in der gesamten Golfregion ein geringeres Wirtschaftswachstum. Die Ursachen liegen in geopolitischen Spannungen und in der Gefahr einer globalen Rezession. Die Analysten der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) rechnen für die VAE dennoch mit einem soliden Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von real 4 Prozent. Damit liegen die Emirate unter den Staaten des Golfkooperationsrats (GCC) auf Platz 1. 

Die Entscheidung der OPEC+, die Förderkürzungen bis Ende 2024 beizubehalten und zugleich den VAE eine Sondererlaubnis zur Steigerung der Produktion zu gewähren, ist für die Emirate vorteilhaft. Während die Mitgliedsländer der OPEC+ ihre Ölproduktion insgesamt drosseln, um die Weltmarktpreise zu stabilisieren, dürfen die Emirate ihre Fördermenge für 2024 um 200.000 Barrel täglich erhöhen. Damit steigt die Tagesproduktion um 6,6 Prozent auf 3,22 Millionen Barrel.

Allerdings werden die Auswirkungen des Israel-Gaza-Kriegs in den Prognosen vom Oktober 2023 nicht berücksichtigt. Fachleute erwarten eine Beeinträchtigung des Wirtschaftswachstums, jedoch ist das Ausmaß bislang nicht absehbar. Das hängt insbesondere davon ab, ob der Krieg eskaliert und sich in der Region auf weitere Staaten ausbreitet.

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Investitionen zeigen sich robust

Das Investitionsklima in den VAE erweist sich trotz der globalen Unsicherheiten als robust. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2023 stieg der Gesamtwert der in den VAE vergebenen Projekte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 207 Prozent auf etwa 65,5 Milliarden US$. 

Ein Beispiel für die Investitionstätigkeit ist der Ende Mai 2023 genehmigte Masterplan für Palm Jebel Ali. Als Teil des Stadtentwicklungsplans "Dubai 2040" soll die Inselgruppe mit einer Fläche von 13,4 Quadratkilometern doppelt so groß werden wie Palm Jumeirah.

Die beeindruckenden Wachstumszahlen und ambitionierten Expansionspläne stehen jedoch den geopolitischen Risiken der Region gegenüber. Für deutsche Unternehmen ist es daher von größter Bedeutung, die Entwicklungen genau zu beobachten.

Konsum: Inflation sinkt

Die Inflationsrate in den VAE geht zurück: Laut Ökonomen der Weltbank wird die Jahresinflation 2023 voraussichtlich bei 3,3 Prozent liegen und 2024 bei 2,2 Prozent. Der prognostizierte Rückgang ist hauptsächlich auf einen stärkeren Dirham (mit fester Bindung an den US$) zurückzuführen, der Importe günstiger macht. Weitere Gründe sind die straffere Geldpolitik und sinkende globale Rohstoffpreise. Jedoch bleibt abzuwarten, wie lange dieser Trend anhält. Geopolitische Unsicherheiten könnten diesen positiven Effekt dämpfen.

Deutsche Perspektive: Exporte nach Deutschland legen zu 

Angaben der Zentralbank zufolge sanken die Gesamtexporte der VAE im Jahr 2022 um real 16,8 Prozent auf 353,8 Milliarden US$. Die Importe legten hingegen um 7,5 Prozent auf 373,6 Milliarden US$ zu. Rund 60 Prozent davon wurden in Drittländer reexportiert. Die Ökonomen der Weltbank rechnen für 2023 mit einem Anstieg der Exporte um 4,3 Prozent und der Importe um 4,9 Prozent. 

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Laut Statistischem Bundesamt erhöhte sich im Jahr 2022 der Import aus Deutschland um 6,5 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro. Im 1. Halbjahr 2023 stiegen die Einfuhren aus Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um 26,9 Prozent und erreichten rund 4,1 Milliarden Euro. 

Besonders bemerkenswert: Die Exporte der VAE nach Deutschland schossen um 480 Prozent in die Höhe, wobei der starke Zuwachs bei Wasserfahrzeugen (SITC-Position 793) auffällt: Im 1. Halbjahr 2023 wurden Waren aus den VAE im Wert von knapp 2,2 Milliarden Euro nach Deutschland exportiert. Die Position allein umfasste damit den Wert der gesamten Exporte nach Deutschland im Vorjahr 2022. Offizielle Informationen dazu liegen nicht vor. Spekuliert wird über Reexporte aus Russland und den Verkauf von Jachten an eine Werft in Deutschland.

Beträchtliche Wachstumsraten zeigten im 1. Halbjahr 2023 auch der Export von Waren aus nichtmetallischen mineralischen Stoffen (595 Prozent), Eisen und Stahl (239 Prozent) sowie Nichteisenmetallen (15 Prozent) nach Deutschland.

In "Zoll und Einfuhr kompakt - VAE" gibt GTAI einen Kurzüberblick über Einfuhrverfahren, Warenbegleitdokumente, zu zahlende Abgaben sowie Verbote und Beschränkungen.

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GTAI-Informationsangebote zu den Vereinigten Arabischen Emiraten

Weitere Informationen zu den VAE bieten unter anderem unsere Reihen "SWOT-Analyse", "Wirtschaftsdaten kompakt" und "Branche kompakt". Ferner sind auf der GTAI-Länderseite zahlreiche Berichten zum Wirtschaftsumfeld, zu Branchen sowie Rechts- und Zollthemen zu finden.

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