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Personalsuche und Personalmanagement
In Mexiko hängt der Erfolg bei der Personalsuche auch vom Standort ab. Abseits des Industriekorridors wird es schwierig.
23.01.2026
In Mexikos Industriekorridor haben sich nicht nur viele nationale und internationale Unternehmen angesiedelt. Die Städte entlang des Korridors bieten auch die Infrastruktur, die vor allem Führungskräfte und ihre Familien erwarten: renommierte Privatschulen und Universitäten, Shopping-Malls und Sportclubs, gute Restaurants und moderne bewachte Wohnviertel.
Fachkräfte suchen Jobs in attraktiveren Regionen
Von Überlegungen, in entlegene Regionen auszuweichen, um Lohnkosten zu sparen, rät die Expertin Rosemarie Fleischmann ab. Sie lebt seit mehr als zwei Jahrzehnten in Mexiko und ist Geschäftsführerin des auf die Vermittlung von Führungskräften spezialisierten Dienstleisters Boege & Business mit Sitz in Mexiko-Stadt. "In solchen Regionen wird man die Mitarbeitenden kaum langfristig halten können", so ihre Erfahrung. Der Aufbau eines erfahrenen Führungsteams sei so nicht möglich.
Für die Besetzung von Leitungspositionen und Fachpersonal greifen Unternehmen häufig auf spezialisierte Personalvermittler zurück. Auf deutsche Unternehmen spezialisiert sind in Mexiko zum Beispiel Boege & Business sowie Acensblue. Auch große internationale Personalvermittlungsagenturen wie Manpower, Michael Page, Morgan Philips oder Hays sind vertreten. Für einfache Tätigkeiten in Produktion und Verwaltung nutzen die Personalabteilungen häufig lokale Medien und soziale Netzwerke sowie spezialisierte Online-Anbieter wie Computrabajo und Indeed.
Auch ungewöhnliche Lösungen dienen der Mitarbeiterbindung
Zur Mitarbeiterbindung sind mitunter Maßnahmen hilfreich, die die soziale Verantwortung des Unternehmens für die Belegschaft im Alltag ganz praktisch unterstreichen. So ist in verschiedenen Regionen des Landes der öffentliche Nahverkehr zu den Industrieparks regelmäßig Ziel von bewaffneten Raubüberfällen. Einige Unternehmen in diesen Gebieten gehen dazu über, eigene Shuttle-Dienste für Mitarbeitende einzurichten. Dieser holt sie an zentralen und vergleichsweise sicheren Orten ab und bringt sie nach der Schicht dorthin zurück.
Vor allen bei jüngeren Mitarbeitenden gewinnt zudem die Work-Life-Balance an Bedeutung und damit eine flexible Handhabung der Arbeitszeiten. Etabliert haben sich auch in Mexiko Hybrid-Modelle mit dem Wechsel von Präsenzpflicht im Büro und Arbeit im Homeoffice.
Die 40-Stunden-Woche gilt offiziell ab 2030
Gesetzlich gilt noch die 48-Stunden-Woche. "In vielen Unternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung ist die 40-Stunden-Woche längst üblich, aber im produzierenden Gewerbe wird die 48-Stunden-Woche schon noch genutzt", weiß Dirk Oetterich, Leiter der Mexiko-Niederlassungen beim Beratungsunternehmen RÖDL.
Regierungspläne sehen vor, die Arbeitszeit ab 2027 jährlich um zwei Stunden zu reduzieren. Ab 2030 gilt dann die 40-Stunden-Woche. Das Jahr 2026 sollen die Unternehmen nutzen, um das Stufenmodell vorzubereiten. Oetterich hält die Maßnahme für fair, schließlich erlaube es die Stufenlösung den Firmen, die Verringerung Schritt für Schritt einzuführen. Natürlich müssten parallel zur Reduzierung Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz in der Produktion integriert werden. Hier gebe es noch reichlich Potenzial.
Zugleich sieht Oetterich aber die Gefahr, dass die Regierung in der Summe den Faktor Arbeit zu sehr verteuern könnte. Entscheidungen in der jüngeren Vergangenheit hätten in ihrer Gesamtheit spürbare Auswirkungen für die Unternehmen. Dazu zählen das Outsourcing-Verbot, die kräftigen jährlichen Anhebungen des Mindestlohns, die Verdopplung des Mindestanspruchs auf Urlaub von sechs auf zwölf Tage und aktuell die Diskussion, das Weihnachtsgeld von 15 auf 30 Arbeitstage zu erhöhen. Auch das seit Juli 2025 geltende Gesetz Ley Silla ("Stuhlgesetz"), das bei stehenden Tätigkeiten regelmäßige Sitzpausen vorschreibt, erschwert laut Oetterich die Abläufe: "Es ist sicher noch ein bisschen Luft nach oben da, aber die Politik darf es nicht überreizen. Sonst gibt es bei den Arbeitskosten eine Spirale ohne Ausweg“, bringt er es auf den Punkt. Die politischen Entscheider dürften nicht aus den Augen verlieren, dass es in einigen Ländern Zentralamerikas, Asiens und zunehmend auch in Afrika Fertigungsstandorte gebe, die als Alternative in Frage kämen, falls der Faktor Arbeit den Standort Mexiko unattraktiv machen sollte.
Das sieht auch Rosemarie Fleischmann so: "Die Nähe zu den USA und die geringen Lohnkosten sind zwei traditionelle Standortvorteile Mexikos. An der geografischen Lage ändert sich natürlich nichts, aber die Politik darf die Löhne und Lohnnebenkosten nicht zu hoch treiben“, warnt sie.
USMCA-Revision sorgt für Unsicherheit auch auf dem Arbeitsmarkt
Für Nervosität auf dem Arbeitsmarkt sorgen die Strafzölle der US-Regierung und die unklare Perspektive des nordamerikanischen Freihandelsabkommens USMCA, dessen Revision Mitte 2026 ansteht. Das belegen auch die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage der AHK Mexiko vom Herbst 2025. Demnach planen nur 32 Prozent der bereits im Land ansässigen Mitgliedsunternehmen, den Personalbestand zu erhöhen. Ein Jahr zuvor waren es noch 44 Prozent. Im Herbst 2025 gaben 56 Prozent der Befragten an, die Beschäftigtenzahl konstant halten zu wollen, 12 Prozent planen demnach Entlassungen.
Darüber hinaus beobachtet Fleischmann einen fast völligen Stillstand bei Neuinvestitionen. Das führe dazu, dass sich besonders das Personal auf Führungsebene von einigen Vorstellungen verabschieden müsse. "Ich habe qualifizierte Kandidaten im Portfolio, die mir im Januar 2025 recht selbstbewusst ihre Zielvorstellungen für eine neue Position genannt haben. Jetzt, knapp ein Jahr später und noch immer ohne Anstellung, haben sie ihre Vorstellungen deutlich reduziert", sagt sie. Eine generelle Entwicklung will sie daran noch nicht festmachen, aber bis zur Klärung der Zukunft des USMCA-Abkommens werde die Situation angespannt bleiben.