Bericht Wirtschaftsumfeld

Schritt 5: Lieferung effizient abwickeln

Jetzt wird das Geschäft operativ. Wir zeigen, worauf es bei Logistik, Transport und Versicherung ankommt und wie Zollverfahren reibungslos abgewickelt werden. Die richtige Dokumentation stellt sicher, dass Ihre Lieferung ohne Verzögerungen ankommt.

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Wie organisiere ich Logistik und Transport zuverlässig bis zum Kunden?

Die Logistik in die Ukraine funktioniert weiterhin, erfordert jedoch deutlich mehr Vorbereitung und Flexibilität als in anderen europäischen Märkten. Unternehmen sollten Transportketten möglichst robust und redundant aufbauen.

Der Großteil des Warenverkehrs läuft derzeit über Polen, Rumänien oder die Slowakei und von dort per Lkw oder Bahn weiter in die Ukraine. Geschäftsreisen und Projektlogistik erfolgen häufig über Polen, insbesondere den Raum Rzeszów.

Wichtige Erfolgsfaktoren sind:

  • erfahrene Logistikpartner mit Ukraineerfahrung,
  • klare Zuständigkeiten für Zoll und Dokumentation,
  • ausreichende Zeitpuffer,
  • kontinuierliche Kommunikation mit Kunden und Spediteuren,
  • regionale Risikoabwägung nach Zielgebiet.

Gerade bei Projektgeschäften empfiehlt sich eine enge Abstimmung mit lokalen Partnern, Zollagenten, Speditionen und internationalen Gebern oder Projektträgern.

Tipp für Exporteure:

Einen kompakten und praxisnahen Überblick über die wichtigsten Zoll- und Einfuhrfragen für die Ukraine, von aktuellen Rahmenbedingungen bis hin zu konkreten Erfahrungen aus der Praxis, sehen Sie in der Aufzeichnung unseres Webinars "Ukraine up-to-date - Zoll in Theorie und Praxis".

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Welche Versicherungsangebote für Ukrainegeschäfte sind am Markt verfügbar?

Das Absicherungs- und Versicherungsangebot für Exportgeschäfte in die Ukraine ist nach wie vor komplexer als beispielsweise in andere Länder der EU.

Mit den Exportkreditgarantien des Bundes (Hermesdeckungen) kann zumindest das Exportgeschäft gegen politische und wirtschaftliche Forderungsausfälle abgesichert werden. Für die Ukraine bestehen Deckungsmöglichkeiten auch für mittel- und langfristige Geschäfte.

Die Versicherung von Transporten gegen Kriegseinflüsse ist bei vielen europäischen Versicherern zumindest nur auf dem Papier möglich. Schäden durch Krieg oder Streik werden zwar im Rahmen von Generalpolicen regelmäßig wieder eingeschlossen, allerdings unter Verwendung sogenannter "Institute War and Strike Clauses". Auf deren Grundlage können Versicherer die benannten Gefahren jederzeit mit einer Frist von 48 Stunden kündigen – und machen davon Gebrauch. Nur für die restlichen Gefahren besteht dann weiterhin Versicherungsschutz.

Dank internationaler Förderung durch Rückversicherungsangebote bieten aber ukrainische Versicherer entsprechende Lösungen an. Diese könnten auch für aus Deutschland organisierte Transporte zum Einsatz kommen, da die meisten deutschen und internationalen Logistikfirmen bei Transporten in die Ukraine sowieso mit lokalen Partnern zusammenarbeiten.

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Welche Zollregelungen und Verfahren sind relevant?

Die Ukraine ist zollrechtlich ein Drittland außerhalb der EU. Alle Lieferungen müssen daher ordnungsgemäß zollrechtlich angemeldet werden.

Besonders relevant sind:

Die Ukraine harmonisiert ihr Zollsystem zunehmend mit dem EU-Zollkodex und digitalisiert die Verfahren schrittweise.

Im Fall der Ukraine gilt es noch stärker als in anderen Exportgeschäften, bestehende Sanktionen und Regionalbeschränkungen zu prüfen, Exportwaren sorgfältig zu klassifizieren, sich frühzeitig mit Zollagenten und Speditionen abzustimmen und regulatorische Änderungen kontinuierlich im Auge zu behalten.

Karin Appel Zollexpertin für Ukraine, Germany Trade & Invest

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Welche Dokumente sind zwingend erforderlich, um Verzögerungen oder Nachforderungen zu vermeiden?

Die konkreten Anforderungen hängen von Produkt, Branche und Liefermodell ab. 

Typischerweise erforderlich sind:

  1. Handelsrechnung,
  2. Packliste,
  3. Frachtpapiere (z. B. CMR),
  4. Zollanmeldedokumente,
  5. Ursprungsnachweise,
  6. ggf. Konformitäts- oder Qualitätszertifikate,
  7. Versicherungsnachweise,
  8. Vertrags- und Zahlungsunterlagen.

Je nach Produkt können zusätzlich notwendig sein:

  • technische Dokumentationen,
  • Sicherheitsnachweise,
  • Importlizenzen,
  • branchenspezifische Zulassungen.

Tipp für Exporteure:

Viele operative Probleme entstehen nicht an der Grenze selbst, sondern durch widersprüchliche oder unvollständige Dokumentation. Deswegen unbedingt achten auf:

  • konsistente Angaben in allen Dokumenten,
  • korrekte Warenbeschreibung und Zolltarifnummer,
  • eindeutige Verantwortlichkeiten zwischen Exporteur, Spediteur und Importeur.

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Wo liegen typische operative Stolpersteine, die ich bereits im Vorfeld verhindern kann?

Typische Probleme entstehen weniger durch fehlende Nachfrage als durch operative Unterschätzung der Marktbedingungen.

Häufige Stolpersteine sind:

  • unvollständige Export- und Zolldokumente,
  • unklare Verantwortlichkeiten im Transport,
  • unrealistische Lieferzeiten,
  • fehlende lokale Ansprechpartner,
  • mangelhafte Prüfung von Sanktionen oder Embargos,
  • unzureichende Zahlungsabsicherung,
  • fehlende Ersatz- oder Servicekonzepte vor Ort.

Im Projektgeschäft kommen hinzu:

  • Änderungen von Ausschreibungsbedingungen,
  • Verzögerungen bei Genehmigungen,
  • Infrastrukturprobleme,
  • kurzfristige Sicherheitsänderungen.

Einordnung für Exporteure:

Wer operative Risiken frühzeitig mitdenkt, verschafft sich in der Ukraine oft einen größeren Wettbewerbsvorteil als allein über den Preis. Entsprechend arbeiten erfolgreiche Unternehmen mit lokalen Partnern, erfahrenen Ukraine-Speditionen sowie klar definierten Notfall- und Eskalationsprozessen und bauen den Markt schrittweise aus.

(Zuletzt aktualisiert: Juni 2026)