Wirtschaftsumfeld | Indonesien | Wirtschaftsstruktur

Mehr verarbeitende Industrie soll die Wirtschaftsstruktur stärken

Indonesien ist weniger breit industrialisiert als Vietnam, Malaysia oder Thailand. Aufgrund seiner Größe liegt das Land aber bei der industriellen Wertschöpfung insgesamt vorn. 

Oliver Döhne

Von Oliver Döhne | Jakarta

Auf Indonesien entfällt mehr als ein Drittel der Wirtschaftsleistung des südostasiatischen Wirtschaftsbundes Association of Southeast Asian Nations (ASEAN). Der Archipel ist jedoch schwächer industrialisiert als die anderen großen ASEAN-Mitglieder. Die Wachstumsmotoren Indonesiens sind der Rohstoff- und Agrarreichtum, denn das Land verfügt über große Vorkommen an Kohle, Nickel sowie Kautschuk- und Ölpalmen-Plantagen, die hohe Exportgewinne erzielen. Auch Kupfer, Zinn, Bauxit und Gold sind in großen Mengen vorhanden. Die Priorität der Regierung ist es, diese Rohstoffe stärker im eigenen Land weiterzuverarbeiten. Zudem ist ein Schwerpunkt von Präsident Prabowo Subianto, durch vermehrte Nutzung eigener Rohstoffe und Energiequellen unabhängiger von Importen zu werden. 

Industrie ist nur punktuell wettbewerbsfähig

Bisher hat sich eine starke verarbeitende Industrie nur in einigen Bereichen entwickelt, zum Beispiel in der Lebensmittelproduktion. Diese ist für mehr als ein Drittel der industriellen Wertschöpfung im Land verantwortlich und wird von wenigen international tätigen Großkonzernen dominiert. 

Der Archipel ist vor allem Standort für günstige Lohnfertigung etwa in der Sportschuh- und Textilindustrie und bei einigen Produkten der Elektroindustrie. Unternehmen, die eine große Anzahl von Vorprodukten benötigen, stoßen in Indonesien oft auf Lücken in der Lieferkette. Zudem ist der Import aufwendig und auch an qualifizierten Arbeitskräften mangelt es. 

Hochwertige Industriegüter werden daher in Indonesien kaum hergestellt. Angesichts marginaler Investitionen in Forschung und Entwicklung dürfte sich daran vorerst wenig ändern. Ein Ansatz ist ein verstärkter Know-how-Transfer internationaler Firmen an indonesische Fertigungspartner. In der Kfz-Industrie produzieren zum Beispiel indonesische Auftragsfertiger für japanische Erstausrüster Pkw und Motorräder für das Inland und den regionalen Export. Auch in der Elektroindustrie gibt es solche Beispiele. 

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind ein großes Problem. Jedes Jahr drängen drei Millionen Menschen neu auf den Arbeitsmarkt, der sie nicht vollständig aufnehmen kann. Noch immer sind mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen im informellen Sektor beschäftigt.

Seit 2021 läuft eine Liberalisierung des Investitionsrechts. Der Archipel sollte insbesondere jene Produktionsunternehmen anziehen, die ihre Abhängigkeit von China verringern wollen. Noch bleiben die Erfolge weitgehend aus. Der Industrieanteil an der Wirtschaft ist mit 20 Prozent zu niedrig für ein Land mit dem Entwicklungsstand Indonesiens. 

285,7 Mio.

Personen lebten 2025 in Indonesien.

Quelle: Vereinte Nationen 2026

1.446 Mrd.

US-Dollar betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2025.

Quelle: IWF 2026

5.082

US-Dollar machte das BIP pro Kopf damit 2025 aus.

Quelle: IWF 2026

Rang 55

belegte Indonesien 2025 unter den deutschen Exportzielen.

Quelle: Destatis 2026

Rang 109

nimmt Indonesien im Corruption Perceptions Index 2025 ein (unter 182 Ländern).

Quelle: Transparency International 2026

2,9 %

betrug die Analphabetenquote (der über 15-Jährigen) im Jahr 2025.

Quelle: Statistikamt BPS 2025

Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt

Indonesien ist Nischenstandort für deutsche Unternehmen

Die deutschen Exporte nach Indonesien lagen 2025 bei unter 3 Milliarden Euro. Vor Ort sind laut AHK Indonesien/EKONID lediglich etwa 250 bis 300 deutsche Firmen aktiv. Nur wenige Dutzend haben eine eigene Produktion, die meisten unterhalten Büros für Vertrieb und Kundendienst. Deutsche Großkonzerne sind schon lange im Land und erzielen stabile, wenn auch begrenzte Geschäfte.  

Für deutsche kleinere und mittlere Unternehmen ist es deutlich schwieriger, Fuß zu fassen.

Die finanziellen Anforderungen für die Gründung eines Unternehmens mit ausländischen Eigentümern und die Aufnahme der Geschäftstätigkeit in Indonesien wurden im Jahr 2025 etwas gelockert, können aber für kleine und mittelständische Unternehmen weiterhin eine Hürde darstellen. Die Kapitalausstattung des Unternehmens muss nunmehr mindestens 2,5 Milliarden Rupiah betragen. Die Mindestinvestitionssumme beträgt – in Abhängigkeit von der Komplexität des Geschäftsmodells – mindestens 10 Milliarden Rupiah, die jedoch – nach bisheriger Verwaltungspraxis – über einen gewissen Zeitraum erbracht werden kann.

Tom Pagels Partner und Managing Director Indonesien, Rödl

SWOT-Analyse Indonesien

S

Stärken Strengths

  • Großer Markt mit Potenzial
  • Stabiles Wirtschaftswachstum
  • Rohstoffreichtum
  • Junge, digitalaffine Bevölkerung mit vergleichsweise guten Englischkenntnissen
  • Wettbewerbsfähige Löhne
W

Schwächen Weaknesses

  • Nur marginale Einbindung in globale Lieferketten
  • Hohe Logistikkosten
  • Importabhängigkeit
  • Geringe Rechtssicherheit, Intransparenz
  • Schwaches Bildungsniveau, wenige Arbeitskräfte mit Auslandserfahrung
O

Chancen Opportunities

  • Öffnungstendenzen ergeben Erleichterungen für ausländische Firmen
  • Freihandels- und Investitionsschutzabkommen mit der EU (voraussichtlich Anfang 2027 in Kraft)
  • Mehr Weiterverarbeitung von Rohstoffen im Land und wachsender Bedarf an Technologie
  • Guter Ruf von “Made in Germany“
  • Ausbau der Sonderwirtschaftszonen mit interessanten Anreizen
T

Risiken Threats

  • Zunehmend autoritäre Linie der Regierung, plötzliche Eingriffe und Regeländerungen
  • Sinkendes Investorenvertrauen, Kapitalabfluss, Abwertung, Herabstufungsrisiko bei Ratingagenturen
  • Starke Abhängigkeit von China
  • Starke Zentralisierung, Governance- und Transparenz-Bedenken bezüglich Staatsfonds (Danantara)
  • Steigende Unzufriedenheit auf den Straßen, Proteste

Rohstoffweiterverarbeitung ist das Herz der Industriepolitik

Indonesien hat im Vergleich zu den anderen größeren ASEAN-Volkswirtschaften eine schwache Leichtindustrie. Ausnahmen sind das Elektronikcluster in der Freihandelszone Batam nahe Singapur sowie die exportorientierte Textilindustrie. Letztere leidet allerdings unter starkem Wettbewerbsdruck durch China, Vietnam, Kambodscha und Bangladesch. 

Anders ist die Lage in der Rohstoffweiterverarbeitung (Downstreaming). Dem Investitionsboom in der Nickelverarbeitung folgt nun Ähnliches in der Aluminium-Wertschöpfungskette. Flankiert wird das durch Ausfuhrverbote unverarbeiteter Rohstoffe und staatlicher Kontrolle beim Export von Zwischenprodukten. Das Ziel der Regierung ist eine möglichst vollständige Wertschöpfungskette im Land. Als Flaggschiff der Branche gilt die Produktion nickelbasierter Batterien für Elektrofahrzeuge.

 

Dienstleistungen haben den höchsten Anteil am BIP und an BeschäftigtenBedeutung der Wirtschaftszweige in Indonesien; Anteile in Prozent

Sektoren

Anteil am BIP 2025

Anteil an den Beschäftigten 2025

Dienstleistungen

43,9

49,7

Verarbeitendes Gewerbe

19,1

13,9

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

13,1

28,1

Baugewerbe

9,8

6,5

Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung)

8,8

1,1

Energieversorgung

1,0

0,2

Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung, Beseitigung von Umweltverschmutzungen

0,1

0,4

Quelle: Statistikamt BPS 2026

Java ist Schwerpunkt der Industrie

Java ist das wirtschaftliche Zentrum Indonesiens. Auf die Insel entfallen fast 60 Prozent der Bevölkerung und der landesweiten Wirtschaftsleistung. Die Insel hat die mit Abstand beste Infrastruktur des Landes. Die meisten Betriebe der verarbeitenden Industrie liegen um Jakarta herum, die chemische Industrie in der westlich angrenzenden Provinz Banten. Zentraljava punktet mit niedrigen Löhnen und Sonderwirtschaftszonen. Wirtschaftszentrum Ostjavas ist Surabaya.

Bei den anderen indonesischen Hauptinseln liegt der Schwerpunkt auf Landwirtschaft und Rohstoffen. Sumatra ist das Zentrum der Palmölindustrie, fast 20 Prozent der Insel sind mit Plantagen bedeckt. Kalimantan hat große Kohlevorkommen und darüber hinaus große Palmöl- und Kautschukplantagen und baut auch die Bauxitverarbeitung aus. Sulawesi und die Nordmolukken sind Zentren für Nickelabbau und Verarbeitung. Papua soll künftig eine stärkere Rolle spielen, unter anderem in der Agrar-, Erdöl- und -gasproduktion.

Eckdaten der wichtigsten Provinzen in Indonesien (2025)

Gebiet

Anteil am BIP (in %)

BIP pro Kopf (in Euro) *

Bevölkerung (in Mio.)

Jakarta

16,6

18.615

10,7

Ostjava

14,4

4.095

42,3

Westjava

12,9

3.032

50,8

Zentraljava

8,2

2.572

38,2

Nordsumatra

5,2

3.964

15,8

Riau

5,1

9.930

6,8

Banten

4,0

3.782

12,5

Ostkalimantan

3,8

10.545

4,5

Südsulawesi

3,2

3.984

9,6

* Jahresdurchschnittskurs 2025 nach Bundesbank: 1 Euro = 19.753 Rupiah.Quelle: Statistikamt BPS 2026

Dieser Inhalt gehört zu