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Branchenstruktur

Bei den Investitionen agieren die Unternehmen vorsichtig, aber einzelne Produkte wie Käse können zulegen. Viele Hersteller reagieren mit Automatisierung auf steigende Kosten.

Von Heiko Stumpf | San Francisco

Bevölkerungswachstum und steigende Einkommen führen in den USA zu einem langfristig höheren Nahrungsmittelverbrauch. Trotz rückläufiger Nettozuwanderung rechnet das Congressional Budget Office damit, dass die Bevölkerung bis 2035 auf rund 357 Millionen wächst – von etwa 342 Millionen im Jahr 2025.

Investitionsklima stabilisiert sich 

Lebensmittelhersteller investieren deshalb fortlaufend in ihre Anlagen, wenn auch mit verhaltener Dynamik. Laut dem 2026 Capital Spending Outlook des Fachmagazins Food Processing planen die 25 größten börsennotierten Nahrungsmittel- und Getränkehersteller der USA Investitionen in Höhe von insgesamt 21 Milliarden US-Dollar (US$). Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von 2,9 Prozent, nachdem die Investitionen 2025 noch um 8,8 Prozent zurückgegangen waren.

Ein Wachstumsfeld, das Investitionen anzieht, ist die Käseherstellung. Über die vergangenen zehn Jahre ist der Käsekonsum in den USA um fast 20 Prozent gestiegen. Hersteller – insbesondere in Wisconsin, Kalifornien, Texas, Minnesota und Idaho – bauen ihre Anlagen aus, um die steigende Nachfrage nach Cheddar, Mozzarella und anderen Spezialitäten zu bedienen. So investiert etwa die Bel Group rund 200 Millionen US$ in ihren Standort in Brookings (South Dakota), um die Produktion von Babybel auf 20.000 Tonnen pro Jahr zu verdoppeln.

Unternehmen berichten inzwischen von Schwierigkeiten, die stark steigende Nachfrage nach proteinreichem Joghurt zu bedienen. Danone baut deshalb die Kapazitäten an mehreren Standorten aus, so in Minister (Ohio). Auch Chobani investiert rund 1,7 Milliarden US$ in den USA.

Auch in der Getränkeindustrie gibt es Großprojekte. Red Bull, Rauch und Ball Corp. investieren gemeinsam rund 1,5 Milliarden US$ in einen integrierten Produktionskomplex in Concord (North Carolina). Während Rauch mit rund 680 Millionen US$ die Abfüllung der Red‑Bull‑Getränke übernimmt, baut Ball eine Dosenproduktion. Red Bull investiert in Logistik und Distribution.

Die Kapazitätsauslastung in der Ernährungswirtschaft ist weiterhin hoch. Sie lag im Jahr 2025 mit 79,9 Prozent leicht über dem Durchschnitt der vorherigen zehn Jahre (2014 bis 2024: 78,3 Prozent).

Ausgewählte Investitionsprojekte der Ernährungswirtschaft in den USAIn Millionen US-Dollar
AkteurInvestitionssumme ProjektstandAnmerkungen
Red Bull/Rauch/Ball Corp.

1.500

geplante Inbetriebnahme 2028Bau eines Getränkeproduktions-, Abfüll- und Distributionszentrums in Concord, North Carolina
Ferrara (Ferrero Group)

675

geplante Inbetriebnahme 2029Bau einer Süßwaren-Produktionsstätte (Fokus auf Nerds-Produkte) in Orangeburg, South Carolina
Coca-Cola (Fairlife)

650

geplante Inbetriebnahme 2028Erweiterung der Milchverarbeitungsanlage (zwei neue Produktionslinien) in Coopersville, Michigan
Chobani (La Colombe)

567

geplante Inbetriebnahme offenErweiterung der Kaffeeproduktionsstätte (Fokus auf RTD‑Latte‑Produktion) in Norton Shores, Michigan
Swire Coca-Cola

475

geplante Inbetriebnahme 2028Bau einer Getränkeproduktionsanlage in Colorado Springs, Colorado. Ersatz des bestehenden Werks in Denver; Produktion von über 230 Getränken aus 60+ Marken
Bridor

410

geplante Inbetriebnahme ca. 2030Bau einer industriellen Bäckerei in Lancaster, Texas (dreiphasiges Projekt; Phase 1 ab ca. 2030, weitere Ausbaustufen bis 2039; Produktion von tiefgekühlten Backwaren)
Pilgrim's

400

geplante Inbetriebnahme 2027Bau einer Produktionsstätte für verarbeitete Geflügelprodukte in LaFayette, Georgia (mehrphasiges Projekt; Phase 1 ab 2027; Produktion von verzehrfertigen Hähnchenprodukten für Retail und Foodservice)
Ninth Avenue Foods

200

geplante Inbetriebnahme 2027Bau einer Molkereiproduktionsanlage in Longview, Texas (ESL‑Verarbeitung für Milch- und pflanzenbasierte Getränke; dritte US-Produktionsstätte)
Dainty Foods

150

geplante Inbetriebnahme 2027Bau einer Lebensmittelproduktionsanlage (Produktion von Mikrowellenreis und Fertiggerichten) in Batavia Township, Ohio
JBS

150

geplante Inbetriebnahme 2027Erweiterung der Rindfleischverarbeitungsanlage in Cactus, Texas (neue Zerlegehalle und Ausbau der Hackfleischproduktion)
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Automatisierung steht im Fokus

Steigende Inputkosten und Arbeitskräftemangel rücken Effizienzsteigerungen sowie Automatisierung in den Fokus der Branche. Laut dem Manufacturing Outlook 2026 des Fachmagazins Food Processing steht wie im Vorjahr die Kostenkontrolle an erster Stelle der Prioritäten. Zuvor dominierte über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg Lebensmittelsicherheit die Agenda. Automatisierung belegt aktuell Rang 3.

Veraltete, kostenintensive Anlagen werden zunehmend stillgelegt und durch neue, spezialisierte und automatisierte Produktionsstandorte ersetzt. So investiert etwa Smithfield Foods 1,3 Milliarden US$ in eine hochautomatisierte Verarbeitung von Schweinefleisch in Sioux Falls (South Dakota), die eine über 100 Jahre alte Anlage ersetzt.

Auch Bäckereien automatisieren. Rund 44 Prozent der Unternehmen wollen nach einer Umfrage von Backing & Snacks die Investitionsausgaben im Jahr 2026 erhöhen. Etwa 73 Prozent aller Befragten nennen dabei Systemverbesserungen wie Automatisierung als Schwerpunkt. Die weltgrößte Bäckereigruppe Grupo Bimbo – in den USA unter anderem Eigentümer der Marke Sara Lee – plant, zwischen 2026 und 2028 rund 1 Milliarde US$ in den Ausbau und die Modernisierung ihres Inlandsgeschäfts zu investieren.

Fleischindustrie ist stark konzentriert

Bei Rindfleisch halten die vier größten Anbieter Tyson Food, JBS USA, Cargill und National Beef einen Anteil von ungefähr 85 Prozent. Die hohe Marktkonzentration  gerät zunehmend unter politischen Druck: Das US‑Justizministerium leitete im Mai 2026 eine Kartelluntersuchung gegen die vier großen Verarbeiter ein. Bei Schweinefleisch dominieren die vier größten Hersteller, angeführt von Smithfield Foods, etwa zwei Drittel des Marktes.

Parallel wird der Ausbau alternativer Strukturen vorangetrieben. Das US Department of Agriculture (USDA) startete  im Mai 2026 die vierte Phase des Meat and Poultry Processing Expansion Program (MPPEP), über das bereits 325 Millionen US$ an 74 Projekte von kleineren und mittleren Fleischproduzenten vergeben wurden.

Einige der geförderten Projekte werden erst im Lauf der nächsten Jahre umgesetzt. Dazu zählen unter anderem eine neue Anlage von Producer Owned Beef in Texas (670 Millionen US$; bis zu 3.000 Rinder pro Tag), die bis 2028 entsteht, sowie ein Projekt der Cattlemen’s Heritage Beef Company in Iowa (520 Millionen US$; rund 2.000 Rinder pro Tag).

Breit aufgestellte Nahrungsmittelindustrie

Die USA sind nach China und Indien der weltweit drittgrößte Lebensmittelproduzent und können sich weitgehend selbst versorgen. Trotz starker Exportsektoren wie Fleisch und Molkereiprodukte wiesen die USA 2025 zum vierten Mal in Folge ein Handelsdefizit im Nahrungsmittelsektor auf – hauptsächlich wegen gestiegener Obst- und Gemüseimporte.

Mit mehr als 21.000 Unternehmen weist die heimische Nahrungsmittelindustrie einen hohen Diversifizierungsgrad auf. Gemessen an der Wertschöpfung ist die Fleischverarbeitung mit einem Anteil von 26 Prozent das größte Segment, gefolgt von der Milchwirtschaft (13 Prozent), der Getränkeindustrie (11 Prozent) und der Getreide-/Ölsaatenindustrie (10 Prozent).

Produktion ausgewählter Nahrungsmittel und Getränke in den USA Produktionsindizes *)
Sparte 

2022

2023

2024

2025

Fleisch und Fleischwaren

108,9

107,6

107,7

106,6

Milch- und Molkereiprodukte

109,2

108,1

106,3

107,7

Backwaren

100,8

101,2

104,7

104,8

verarbeitete Früchte und Gemüse

103.0

98,2

99,2

103,9

Zucker- und Süßwaren

102,3

97,5

99,5

97,8

Getränke

108,0

110,5

108,4

99,9

 Bier

91,3

86,7

82,3

77,1

 Softdrinks

95,0

102,7

103,4

94,6

* saisonbereinigt, Jahresdurchschnitt, 2017 = 100.Quelle: Federal Reserve 2026

Auch geografisch ist die Branche breit aufgestellt. Laut dem U.S. Census Bureau gab es im Jahr 2023 (zuletzt verfügbare Angabe zu Redaktionsschluss) insgesamt 43.582 Produktionsstätten, in denen Nahrungsmittel und Getränke hergestellt werden. Das mit Abstand wichtigste Cluster befindet sich mit rund 6.615 Anlagen in Kalifornien. Der Bundesstaat produziert mehr als 60 Prozent des in den USA angebauten Obstes und Gemüses. Gleichzeitig hält Kalifornien auch die Spitzenposition in der Milchwirtschaft. Weitere Hochburgen befinden sich in Texas (2.956 Betriebe), New York (2.814 Betriebe), Pennsylvania (1.933 Betriebe) und Illinois (1.735 Betriebe). 

Wichtige Branchenunternehmen in NordamerikaUmsatz in Milliarden US-Dollar

Unternehmen

Sparte

Umsatz 2024 *)

PepsiCoGetränke, Snacks

55,2

Tyson FoodsFleischwaren, Snacks

51,0

JBS USAFleischwaren

32,4

NestléBackzutaten, Tiefkühlkost, Fertiggerichte, Getränke

28,0

Kraft HeinzFleischwaren, Fertiggerichte, Käse, Kartoffelprodukte, Snacks, Soßen, Tiefkühlkost etc.

19,5

The Coca-Cola Companyalkoholische und alkoholfreie Getränke

18,6

General MillsBackwaren, Desserts, Fertiggerichte, Zerealien

16,7

MarsSüßwaren- und Kaugummiprodukte

16,0

CargillFleischwaren, Lebensmittelzutaten

15,0

Anheuser-Busch InBevBier, alkoholische Getränke

14,7

Smithfield FoodsSchweinefleischprodukte

13,7

* USA und zum Teil Kanada.Quelle: Food Processing 2026

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