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Wirtschaftsausblick | Albanien

BIP-Prognose für 2026: Albanien Spitzenreiter auf dem Westbalkan

Albanien bleibt auf EU-Kurs. Der Tourismus sowie Investitionen in die Verkehrs- und Energieinfrastruktur befeuern das Wachstum. Beim Investitionsklima besteht jedoch Nachholbedarf.

Von Hans-Jürgen Wittmann | Belgrad

Top-Thema: Albanien forciert EU-Annäherung

Brüssel eröffnete im November 2025 in den Beitrittsverhandlungen mit Albanien Cluster 5, der die Themen Ressourcen, Land-, Fischereiwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Kohäsion umfasst. Mit der Eröffnung des letzten noch ausstehenden Verhandlungskapitels macht das südosteuropäische Land einen weiteren Schritt zum bis 2030 angestrebten EU-Beitritt. Dieses Ziel wird von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung getragen und parteiübergreifend unterstützt. Bei den Parlamentswahlen im Mai 2025 erreichte die Sozialistische Partei (PS) von Ministerpräsident Edi Rama die absolute Mehrheit. Rama kann damit in seiner vierten Amtszeit die Reformpolitik zur EU-Annäherung fortsetzen.

Doch vor dem Beitritt liegen noch zahlreiche Hürden: Die Kommission bescheinigt Albanien in ihrem Erweiterungsbericht zwar Fortschritte. Zugleich mahnt Brüssel weitere Reformen im Justizwesen, bei Medienfreiheit und dem Kampf gegen Korruption an. Die Sonderstaatsanwaltschaft gegen Korruption und Organisierte Kriminalität (SPAK) ermittelt gegen die Ministerin für Infrastruktur und Energie, Belinda Balluku. SPAK wirft Balluku vor, in zwei Fällen in Vergabeverfahren für öffentliche Straßenbauprojekten eingegriffen zu haben.

Wirtschaftsentwicklung: Tourismus bleibt Wachstumsmotor Nummer eins

Albaniens Wirtschaft beschleunigt 2026 ihr Wachstum. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigt real um 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, erwartet das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw). Damit bleibt Albanien 2026 Spitzenreiter auf dem Westbalkan. Im Vorjahr legt die Wirtschaftsleistung um 3,5 Prozent zu. Wichtigster Wachstumstreiber ist die boomende Tourismusbranche, die bereits mehr als ein Viertel der albanischen Wirtschaftsleistung erwirtschaftet - Tendenz steigend. Für 2025 rechnet die Regierung mit rund 15 Millionen internationalen Gästen und einem Umsatz von 5 Milliarden Euro.

Die EU unterstützt Albaniens Wirtschaft und überweist 2026 eine weitere Tranche über 100 Millionen Euro aus dem Wachstumsplan. Am 7. Oktober 2025 führte Albanien den einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum (SEPA) ein. Die SEPA-Mitgliedschaft macht ausländische Direktinvestitionen (FDI) und Rücküberweisungen der Diaspora aus der EU schneller und günstiger. Pro Jahr liegt der Einspareffekt für Albanien bei rund 70 Millionen Euro.

Investitionen in Tourismus und Infrastruktur kurbeln Wachstum an

Wichtigster Wachstumstreiber sind FDI. In den ersten drei Quartalen 2025 flossen rund 1,2 Milliarden Euro ins Land, vor allem in den Tourismus und die Bauwirtschaft. Um noch mehr Gäste ins Land zu locken, entstehen neue Hotels entlang der albanischen Riviera. Der Kreuzfahrttourismus wird durch den Ausbau des Yachthafens Durres für rund 2,7 Milliarden Euro gestärkt. Zur Ausweitung der Saison in die Wintermonate fördert die Regierung den Bau von Skiresorts. Zudem steigt die Nachfrage nach nachhaltigem und Ökotourismus.

Der Bau neuer Verkehrswege soll die Transportinfrastruktur im Land verbessern. In Gjirokastra wird ein neuer Flughafen gebaut. In Vlora ist eine neue Promenade geplant, damit sich Hotelketten dort ansiedeln. Daneben entstehen neue Wohn- und Bürogebäude sowie Kongress- und Veranstaltungszentren.

Albanien erzeugt mehr als 90 Prozent seiner Energie aus erneuerbaren Quellen. Zur Erreichung der Klimaziele und Versorgungssicherheit entstehen neue Wind- und Solarparks. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanziert die Sanierung des Wasserkraftwerks Fierza an der Drin-Kaskade. Notus Energy entwickelt einen Windpark mit einer Leistung von 180 Megawatt.

Konsum: Anhebung des Mindestlohns stärkt Kaufkraft

Die wachsende Wirtschaft, der zunehmende Fachkräftemangel und die Emigration lassen die Löhne und Gehälter in Albanien kräftig steigen. Zum 1. Januar 2026 hebt die Regierung den Mindestlohn um ein Viertel auf rund 520 Euro an. Das wiiw rechnet 2026 mit einem Anstieg der Konsumausgaben um 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex verzeichnet dank einer straffen Geldpolitik der Zentralbank nur ein moderates Plus von 2,5 Prozent.

Außenhandel: Aufwertende Landeswährung verteuert Exporte

Albaniens wichtigster Wirtschaftspartner ist mit einem Anteil von rund 60 Prozent am Außenhandelsumsatz die EU. Deutschland ist der fünftgrößte Handelspartner des Landes, hinter Italien, China, Griechenland und der Türkei.

Die Aufwertung der Landeswährung Lek zum Euro befeuert Importe. Nach vorläufigen Angaben von Instat stiegen die Einfuhren 2025 auf Eurobasis um 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Ausfuhren gingen hingegen um 3,5 Prozent zurück. Damit wächst das Außenhandelsdefizit des südosteuropäischen Landes um rund 6 Prozent auf etwa 5,6 Milliarden Euro.

Deutsche Perspektive: Defizite im Rechtsstaat beeinträchtigen Investitionsklima

Albanien arbeitet an der Verbesserung seines Images als Wirtschaftsstandort. Landeskenner bemängeln rechtsstaatliche Defizite, eine weit verbreitete Korruption sowie Intransparenz im öffentlichen Beschaffungswesen. Ausländische Firmenvertreter beklagen sich hinter vorgehaltener Hand über Einschüchterungsversuche, Probleme beim Zoll sowie die schleppende Erteilung von Genehmigungen.

Trotz der bekannten Herausforderungen steigt das Interesse deutscher Firmen an Albanien. Neben der Tourismusbranche bieten der wachsende IKT-Sektor sowie die Lebensmittelproduktion Geschäftschancen. Die Lindner Group errichtet beim Tirana Business Park das hochwertige Wohnprojekt Garden Residence. Lidl errichtet weitere Discounter im Land. Knauf erweitert seine Präsenz. Siemens Mobility und die Deutsche Bahn bekunden Interesse an einer Beteiligung an der Zugstrecke von Vlora nach Hani i Hotit. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützt Projekte zur Müllverarbeitung.

Auf der Länderseite Albanien finden Sie weitere Informationen, zum Beispiel über wichtige Branchen, rechtliche Rahmenbedingungen und Zollbestimmungen.

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