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Marktorganisation und Rahmenbedingungen

Die großen Solarausschreibungen wurden als EPC-Modell ausgeschrieben. Lokale Zulieferungen sind verpflichtend.

Von Verena Matschoß | Tunis

Algerien hat sich wie viele andere Länder ambitionierte Ziele beim Ausbau der erneuerbaren Energien gesetzt. Bis 2035 sollen rund 15 Gigawatt installierte Leistung aus erneuerbaren Energieträgern aufgebaut werden. Aufgrund der hohen Sonneneinstrahlung - 80 Prozent des Landes sind von der Sahara bedeckt - und der gesunkenen Kosten für Solarmodule liegt der Schwerpunkt dabei eindeutig auf der Solarenergie. Ergänzend sind Projekte in der Windkraft sowie in geringerem Umfang Biomasse und Geothermie vorgesehen; parallel setzt Algerien weiterhin auf Kraft‑Wärme‑Kopplung zur Effizienzsteigerung.

15 GW

Leistung sollen bis 2035 aus Wind- und Solarkraftwerken stammen. 

Experten schätzen das wirkliche Tempo als langsamer ein. So geht die Economist Intelligence Unit davon aus, dass im Jahr 2035 nur rund 9,5 Gigawatt an Solarkapazitäten installiert sein werden. 

Erneuerbare für steigenden Inlandsbedarf 

Die staatliche Regulierungskommission (Commission de Regulation de l'Electricité et du Gaz) legt per Verordnung die Strompreise fest. Dabei variieren die Kosten je nach Verbrauch, es gibt insgesamt vier Kategorien. 

Der algerische Staat subventioniert die Strompreise - die Produktionskosten liegen über den Preisen. Der Ausbau erneuerbarer Energien soll dazu beitragen, den wachsenden Inlandsstrombedarf zu decken und perspektivisch zusätzliche Gasmengen für den Export freizusetzen.

Die Preise für Haushalte pro Kilowattstunde lagen im September 2025 dem Internetportal Global Petrol Prices zufolge bei umgerechnet rund 4 Eurocent. Die Preise sind stark subventioniert und zählen zu den niedrigsten weltweit. Zum Vergleich: Weltweit zahlten Verbraucher im Durchschnitt 16 Eurocent pro Kilowattstunde. 

Sonelgaz ist staatlicher Monopolist bei der Energieversorgung

Die staatliche Energieversorgung wird von Sonelgaz und seinen Tochtergesellschaften dominiert, die ein Monopol bei der Strom- und Gasversorgung haben. Für den Ausbau der erneuerbaren Energien ist vor allem das Energieministerium zuständig. Das erst 2020 gegründete Ministerium für die Energiewende und Erneuerbare Energien wurde im September 2022 im Rahmen einer Kabinettsumbildung aufgelöst. Im September 2025 wurde wieder ein Ressort für Energie und erneuerbare Energien (MEER) geschaffen. Kleinere dezentrale Projekte fallen teilweise in den Zuständigkeitsbereich des Umweltministeriums.

Das CEREFE (Commissariat aux Energies Renouvelables et à l'Efficacité Energetique) ist eine staatliche Institution im Zuständigkeitsbereich des Premierministers. Sie wurde 2019 gegründet und ist dafür zuständig, die staatlichen Programme im Bereich der erneuerbaren Energien zu evaluieren und leistet bei der Umsetzung von Projekten technische Beratung.

Ausschreibungen im Energiebereich werden im Ausschreibungsblatt des Energiesektors BAOSEM veröffentlicht. BAOSEM ist eine Tochtergesellschaft der Konzerne Sonatrach und Sonelgaz und wurde am 17. November 2002 gegründet.

Local Content spielt wichtige Rolle

Bewerber auf die großen Solarausschreibungen müssen sich verpflichten, einen bestimmten Anteil der eingesetzten Produkte und Dienstleistungen von algerischen Herstellern zu beziehen. Laut Boukhalfa Yaici vom Green Energy Cluster Algeria liegen bei den beiden großen Ausschreibungen die Anforderungen an den Local Content bei mindestens 35 Prozent.  

Ausschreibungen laufen als EPC-Modell

Ursprünglich wurde das Projekt Solar 1000 im Dezember 2021 für unabhängige Stromerzeuger (IPP) ausgeschrieben. Dies hätte bedeutet, dass der Bauträger gleichzeitig auch als Betreiber fungiert hätte. Nach mehreren Verzögerungen wurde schließlich zu einem reinen Bauvertrag nach dem EPC-Modell (Engineering, Procurement, Construction) gewechselt. Dies bedeutet, dass nach einer gewissen Übergangsfrist der staatliche Stromversorger Sonelgaz die Anlagen betreibt. Dadurch hängt die Umsetzung der Projekte von der Haushaltslage ab. Denn die Finanzierung der Projekte wird der algerische Staat alleine stemmen. Die Umsetzung als EPC-Modell hängt auch mit der fehlenden Erfahrung bei IPP-Projekten zusammen. Die Finanzierbarkeit und damit die Bankfähigkeit der Stromabnahmeverträge wäre zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben. 

Ausschreibungen stehen allen Unternehmen offen - national wie international. Die 51/49-Regel, nach der ausländische Unternehmen immer einen lokalen Partner mit Mehrheitsanteilen an Projekten benötigt hatten, wurde bereits vor einigen Jahren für sogenannte nicht strategische Bereiche abgeschafft. Bei den Ausschreibungen erhält grundsätzlich das Unternehmen mit dem niedrigsten Angebot den Zuschlag. Zwischen den Solarprogrammen über 2.000 und 1.000 Megawatt konnte Algerien die durchschnittlichen Tarife senken: von rund 7,38 Dinar (etwa 5,5 Eurocent) je Kilowattstunde auf rund 6,09 Dinar (etwa 4,5 Eurocent). Damit liegen die Kosten jedoch weiterhin deutlich über den Großprojekten der Golfstaaten, wo Solarstrom teils für knapp ein Eurocent je Kilowattstunde erzeugt wird.

Derzeit erlaubt der Rechtsrahmen in Algerien bei kleinen Photovoltaikanlagen lediglich den Eigenverbrauch, nicht jedoch die Einspeisung von Überschussstrom in das öffentliche Netz. 

AHK Algerien ist erste Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

Für deutsche Unternehmen bleibt Algerien ein herausfordernder Markt. Firmen, die einen Markteintritt im Land planen, sollten Kontakt zur deutsch-algerischen Industrie- und Handelskammer aufnehmen. Im Rahmen der Exportinitiative Energie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz finden immer wieder Informationsveranstaltungen oder Geschäftsreisen für deutsche Unternehmen mit einem Interesse am algerischen Markt statt. 

Projekterkundungsreise für deutsche Unternehmen

Über die Exportinitiative Energie findet vom 21. bis 25. September 2026 eine Projekterkundungsreise nach Tunesien und Algerien statt. Schwerpunkt sind Geschäftschancen für deutsche Unternehmen entlang des SoutH2-Wasserstoffkorridors.

Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

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