Wirtschaftsausblick | Bahrain
Bahrain: Krieg trifft ein Land mit wenig finanziellem Puffer
Bahrain bleibt 2026 auf Wachstumskurs. Doch Krieg, hohe Schulden und Importabhängigkeit engen den Spielraum für Staat und Unternehmen ein.
04.05.2026
Von Heena Nazir | Dubai
Top-Thema: Krieg legt Bahrains Verwundbarkeit offen
Bahrain ging mit einer schwächeren Ausgangslage in das Kriegsjahr 2026 als viele Nachbarn am Golf. Das Königreich zählt zu den kleineren Volkswirtschaften der Region und verfügt über deutlich geringere finanzielle Reserven als öl- und gasreichere Staaten wie Katar, Kuwait, Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate. Steigende Transport- und Versicherungskosten, vorsichtigere Investoren und unsichere oder blockierte regionale Handelsrouten lassen sich deshalb nur begrenzt abfedern.
Besonders deutlich wird diese Verwundbarkeit an der Straße von Hormus. Bahrain liegt im Persischen Golf westlich dieser Meerenge, die die Golfstaaten mit den internationalen Energiemärkten verbindet. Wenn dort infolge des Krieges über Wochen kaum Öl transportiert werden kann, trifft das Bahrain unmittelbar. Anders als größere Nachbarn verfügt das Königreich nur über begrenzte Ausweichmöglichkeiten für seine Energieexporte. Rohöl machte 2025 laut Weltbank fast 50 Prozent der gesamten Exporte aus. Damit geht es nicht nur um höhere Fracht- und Versicherungskosten, sondern um planbare Exporterlöse und Staatseinnahmen.
Neben diesem externen Nadelöhr bleibt auch die Energieinfrastruktur im Inland verwundbar. Ein Angriff auf die Sitra-Raffinerie im März 2026 hat gezeigt, dass einzelne Anlagen gesamtwirtschaftliche Bedeutung haben können. Sitra ist die wichtigste Raffinerie des Landes und zentrale Anlage der bahrainischen Ölverarbeitung. Störungen dort können Rohölverarbeitung, Versorgung mit Ölprodukten und industrielle Wertschöpfungsketten beeinträchtigen. Eine konkrete Schadenshöhe wurde zunächst nicht beziffert. Der Vorfall unterstreicht jedoch, dass Sicherheitsrisiken Exporterlöse, Staatseinnahmen, Versorgungssicherheit und Investitionsvertrauen zugleich berühren.
Wirtschaftsentwicklung: Schwache Konjunktur trifft auf hohe Schulden
Die verwundbare Ausgangslage führt sich fort in schwachen Wachstumsprognosen. Nach einem realen Wirtschaftswachstum von 3,2 Prozent im Jahr 2025 rechnet die Weltbank für 2026 nur noch mit einem Plus von 1,3 Prozent. Für 2027 erwartet sie wieder eine stärkere Erholung von 2,8 Prozent. Bahrain bleibt damit nach derzeitiger Prognose auf Wachstumskurs. Das Plus reicht aber kaum aus, um den Druck aus hohen Staatsschulden, steigenden Preisen und zurückhaltenden Investitionen zu mindern.
Die größte Schwachstelle bleiben die Staatsfinanzen. Die Weltbank schätzt das Haushaltsdefizit 2026 auf 10,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Staatsschuldenquote dürfte auf 139,7 Prozent des BIP steigen und mittelfristig hoch bleiben. Damit hat Bahrain deutlich weniger Spielraum als viele Nachbarländer, um die Konjunktur zu stützen, Unternehmen zu entlasten oder höhere Kosten für Verbraucher abzufedern.
Auch die Preisentwicklung verschärft die Lage. Die Inflation dürfte laut Weltbank von 0,3 Prozent im Jahr 2025 auf 4,7 Prozent im Jahr 2026 steigen. Höhere Importpreise, teurere Vorprodukte und steigende Transportkosten treffen ein Land, das viele Konsumgüter, Lebensmittel und industrielle Inputs einführen muss. Besonders sichtbar wird das bei Nahrungsmitteln: Bahrain deckt rund 90 Prozent seines Lebensmittelbedarfs über Importe. Verzögerungen auf Seewegen können sich deshalb schnell in höheren Verbraucherpreisen niederschlagen. Das belastet Haushalte und Unternehmen. Investitionen dürften stärker priorisiert und zeitlich gestreckt werden.
Außenhandel: Importabhängigkeit verstärkt den Kostendruck
Die Folgen des Krieges zeigen sich auch im Außenhandel. Bahrain ist auf offene Seewege für Energieexporte und Einfuhren angewiesen. Bereits 2025 blieb die Handelsbilanz angespannt. Die Nichtölimporte stiegen laut offiziellen Handelsdaten auf 16,5 Milliarden US$ und lagen damit rund 5,5 Prozent über dem Vorjahr.
Für 2026 zeichnet sich eine verhaltene Entwicklung ab. Die Weltbank erwartet, dass die Exporte von Waren und Dienstleistungen nur noch um 1,1 Prozent wachsen, nach 2,9 Prozent im Vorjahr. Die Importe sollen dagegen mit 2,3 Prozent erneut stärker zulegen. Damit verschärft sich das außenwirtschaftliche Ungleichgewicht: Bahrain muss viele Güter einführen, während die Exportdynamik schwach bleibt. Verteuern sich Transporte durch Krieg und Störungen in Hormus weiter, erhöht das den Kostendruck auf Unternehmen und Verbraucher.
Deutsche Perspektive: Breite Erholung ist nicht absehbar
Die deutschen Ausfuhren nach Bahrain erreichten 2025 rund 364 Millionen Euro. Damit blieb Bahrain ein vergleichsweise kleiner Absatzmarkt in der Golfregion. Die deutschen Einfuhren aus Bahrain lagen bei rund 180 Millionen Euro, sodass Deutschland im bilateralen Handel einen deutlichen Exportüberschuss erzielte.
Für 2026 sollten deutsche Unternehmen nicht mit einer breiten Markterholung rechnen. Realistischer sind projektbezogene Lieferchancen, vor allem dort, wo Investitionen bereits beschlossen sind, Betriebskosten senken oder die Versorgungssicherheit erhöhen. Potenzial besteht bei Industrieausrüstung, Energieeffizienz, Wartung und Modernisierung bestehender Anlagen, Strom- und Wasserversorgung sowie bei Lösungen für kritische Infrastruktur. Neue Investitionsentscheidungen dürften sich wegen angespannter Staatsfinanzen, höherer Finanzierungskosten und Kriegsunsicherheit verzögern.
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