Wirtschaftsumfeld | China | US-China-Handelskonflikt

Was hat das Gipfeltreffen zwischen China und den USA gebracht?

Im Mai 2026 kamen Xi und Trump zum Gipfeltreffen zusammen – bislang ohne konkrete Ergebnisse. Was bedeutet das weiterhin angespannte Verhältnis für deutsche Unternehmen in China? 

 

Von Corinne Abele | Shanghai

Während die Weltwirtschaft unter den Folgen des Iran-Krieges sowie der US-Handelspolitik leidet, ist US-Präsident Donald Trump am 14. Mai 2026 in Peking mit allen Ehren empfangen worden. Der Gipfel war an Symbolik kaum zu übertreffen: Ein Treffen auf Augenhöhe, wie viele internationalen Medien kommentierten. 

Hoffnungen auf substanzielle Beiträge zur Sicherung der Straße von Hormus oder einem Ende des Ukrainekrieges blieben allerdings unerfüllt. Dafür traf direkt nach der Abreise von Trump der russische Präsident Wladimir Putin zum Staatsbesuch ein. Peking positioniert sich damit als ein Zentrum der Weltpolitik.

Viel Symbolik, kaum Konkretes

Konkretes gab es jedoch so gut wie nicht. Im Abschluss-Statement hob Präsident Xi die neue Vision hervor, eine konstruktive Beziehung zwischen den USA und China mit strategischer Stabilität aufzubauen. Ob die Wiederannäherung im US-China-Handelskonflikt pragmatische Lösungen fördern und den Schrecken der Sanktionslisten- und Exportkontrollpolitik der vergangenen Jahre verringern wird, bleibt abzuwarten. 

"Bestenfalls eine Stabilisierung der Lage"

Oliver Oehms ist Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Peking und Leiter der AHK Nordchina. 

Oliver Oehms, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Peking und Leiter der AHK Nordchina Oliver Oehms, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Peking und Leiter der AHK Nordchina | © MAXIME CASA

 

Was bedeutet der Xi-Trump-Gipfel? 

Angesichts der multiplen globalen Herausforderungen kann bestenfalls von einer Stabilisierung der Lage gesprochen werden. Auch vor dem Hintergrund der komplexen zoll- und exportkontrollrechtlichen Thematiken, die unsere Unternehmen stark beschäftigen, ist das ernüchternd.

Gibt es konkrete Ergebnisse? 

Es ist auch mit ein paar Tagen Abstand nicht zu erkennen, dass es Durchbrüche gegeben hätte. Auch die kritische Lage der Straße von Hormuz ist weiter ungeklärt. Das wäre zweifellos ein Punkt gewesen, der in der Kammermitgliedschaft positiv aufgenommen worden wäre.

Wie reagiert die deutsche Wirtschaft vor Ort? 

In unserer jüngsten Umfrage wurde noch einmal deutlich, wie stark die diversen handelspolitischen Konflikte negativ auf unsere deutschen Unternehmen ausstrahlen - zusätzlich zur Energiethematik mit ihren inflationären Konsequenzen. Angesichts der schwachen Binnenfrage im chinesischen Markt ist eine anhaltende Beeinträchtigung der internationalen Geschäftsbeziehungen keine gute Nachricht. 

China findet neue Handelspartner

Das Gipfeltreffen macht Hoffnung, dass der Wirtschaftskrieg sich zumindest erst einmal nicht weiter verschärft: Pragmatisches Innehalten zum Nutzen beider Seiten. Doch was bedeutet das für die Europäische Union, immerhin Chinas zweitwichtigstem Handelspartner nach den ASEAN? "Unsere Unternehmen sind froh, wenn die Lage einigermaßen stabil bleibt", sagt Oliver Oehms, Delegierter der deutschen Wirtschaft in China und Leiter der deutschen Auslandskammer Nordchina. "Konstruktive strategische Stabilität, das klingt doch eher nüchtern."

Unterdessen spiegelt Chinas Außenhandel die neuen geopolitischen Gegebenheiten wieder: Während sich der Anteil der USA sowohl bei Importen als auch bei Exporten deutlich auf jeweils rund 10 Prozent verringert hat, sind die ASEAN (Association of South East Asian Nations) zum wichtigsten Wirtschaftspartner Chinas aufgestiegen. Der Staatenbund nimmt inzwischen die meisten chinesischen Exporte ab und sorgt für die meisten Lieferungen nach China. Auf der anderen Seite des Pazifik ist China nicht mehr der wichtigste Lieferant für die USA, inzwischen haben Mexiko und Kanada die Volksrepublik überholt. Auch die ASEAN-Staaten liefern zusammen mehr an die USA als China, zum Teil auch aufgrund der Umgehung von Zollschranken. 

Ob die angekündigte konstruktive strategische Stabilität zwischen China und den USA ein weiteres Entkoppeln des Handels zwischen den beiden Ländern abbremsen wird, bleibt abzuwarten. Zwar hat China mit Hilfe staatlicher Programme wie Made in China 2025 (seit 2015) oder Dual Circulation (seit 2020) seine Abhängigkeiten vom Ausland, insbesondere den USA und der Europäischen Union, systematisch reduziert. Dennoch bleibt die Volksrepublik in einigen Bereichen wie zum Beispiel Luftfahrttechnik auf Zulieferungen aus den USA oder der EU angewiesen.

China-USA-Verhältnis beeinflusst Geschäfte deutscher Unternehmen 

Die jüngste Blitzumfrage vom April und Mai 2026 der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) in China unter ihren Mitgliedsunternehmen macht deutlich: Von Spannungen im chinesisch-amerikanischen Verhältnis sind mit 69 Prozent der Umfrageteilnehmenden mehr deutsche Unternehmen in China negativ betroffen als von Spannungen im europäisch-chinesischen Verhältnis (59 Prozent). Gleichzeitig zeigt die Umfrage, dass sich die deutschen Firmen an die Zollverhältnisse angepasst haben. Der negative Einfluss der Strafzölle der USA und der Ausgleichszölle Chinas nahm deutlich ab, während von Chinas Exportkontrollen mit 37 Prozent der Befragten mehr deutsche Firmen direkt oder indirekt betroffen sind als noch 2025. 

Vor allem die Sanktionslisten der USA sowie Chinas mit ihren exterritorialen Ansprüchen bereiten den deutschen Firmen in China Sorgen. "Unsere Firmen hier in China sitzen im Prinzip zwischen drei Stühlen – von China, den USA und der EU", beschreibt Oliver Oehms die Situation. "Gerade im Bereich Exportkontrollen seltener Erden fehlt weiterhin eine pragmatische Lösung", erklärt Oehms. Teilweise scheinen amerikanische Firmen sogar stärker von den sogenannten Generallizenzen, die China seit Dezember 2025 an einzelne Exporteure erteilt, zu profitieren als europäische Firmen. Von großer Wichtigkeit ist daher die Frage, ob die ursprünglich temporär ausgesetzten umfassenderen Exportkontrollen für Seltene Erden und Technologien im Zusammenhang mit Abbau und Verarbeitung Seltener Erden im November 2026 umgesetzt werden. 

Keine Entlastung für Logistik und Lieferketten

Das Gipfeltreffen hat daneben nicht zu einer greifbaren Entspannung in der Straße von Hormus geführt. Auch deutsche Unternehmen in China leiden unter erhöhten Logistikkosten und unsicheren Lieferketten. "Vor Ort herrscht hier große Enttäuschung, dass es nicht vorangeht", sagt Oliver Oehms. Die Unsicherheit könne möglicherweise weitere Lokalisierungsüberlegungen deutscher Firmen in China in Gang setzen. Die jüngste AHK-Blitzumfrage zeigt, dass 61 Prozent der befragten deutschen Mitgliedsfirmen weiter in China investieren wollen – ein deutlicher Anstieg zu 51 Prozent im April 2025.

Bis Ende 2024 war der Bestand deutscher Direktinvestitionen das zweite Jahr in Folge auf 110 Milliarden Euro gesunken. Gemäß auf einer Modellrechnung basierenden Zahlen der deutschen Bundesbank dürften die deutschen Direktinvestitionszuflüsse nach China von 1 Milliarde Euro im Jahr 2024 auf rund 3,5 Milliarden Euro 2025 gestiegen sein. Finanziert werden sie weiterhin vor allem aus reinvestierten Gewinnen sowie externer Finanzierung in China. Die zunehmende Entkoppelung der Weltmärkte befördert also "in China für China"-Strategien.