Special EU Rohstoffsicherung

EU-Plattform: Matchmaking für strategische Rohstoffe gestartet

Die EU-Plattform erleichtert seit 2025 europäischen Unternehmen den Einkauf von strategisch wichtigen Rohstoffen und Energieprodukten – und geht nun in die nächste Runde.

Von Edda Wolf, Edda Schlager | Bonn, Berlin

Nachdem die Europäische Kommission im Jahr 2025 ihre digitale Plattform für Energie und Rohstoffe zur Beschaffung von Wasserstoff gestartet hatte, läuft seit dem 13. April 2026 die erste Vermittlungsrunde für strategische Rohstoffe für die Batterie- und Verteidigungsindustrie sowie seltene Erden.

Noch bis zum 5. Juni 2026 können sich europäische Unternehmen bei der EU-Energie- und Rohstoffplattform registrieren und ihren Bedarf an diesen strategischen Rohstoffen mitteilen. Nach Abschluss der Interessenbekundung wird die EU ab Sommer 2026 potenzielle Lieferanten zur Abgabe von Angeboten auffordern. Nach derzeitiger Planung vermittelt sie ab September 2026 direkte Kontakte zwischen Anbietern und Abnehmern. Verhandlungen, Vertragsabschluss und Preisfindung erfolgen außerhalb der Plattform ohne EU-Beteiligung. Der Rohstoffmechanismus beinhaltet keine Standardvertragsklauseln oder -vorlagen.

Ziel und Zweck der Plattform

Die digitale Plattform ist eines der Instrumente zur Umsetzung des Aktionsplans ReSourceEU, der die Versorgung mit strategischen Rohstoffen sicherstellen soll. Die Plattform fördert strategische Projekte, gemeinsame Beschaffung und Recycling, um Abhängigkeiten zu verringern und Lieferketten für die Industrie resilienter zu machen. Europäischen Unternehmen wird so eine effiziente Beschaffung strategisch wichtiger Rohstoffe und Energieträger ermöglicht. Die EU bündelt die Nachfrage, verstärkt so die Marktmacht der Unternehmen und verbessert Europas Position auf den globalen Beschaffungsmärkten.

Kern der Rohstoffplattform sind Bedarfs- und Angebotsabfragen, auf die hin registrierte Anbieter und Interessenten ihr Interesse bekunden können. Die Interessenbekundungen werden durch die EU-Plattform bis zu einem Stichtag gesammelt. 

Ziel der Plattform ist es, potenziellen Lieferanten und Käufern dabei zu helfen, Kontakte zu knüpfen, die Entwicklung strategischer Projekte durch die Bündelung von Bedarfen zu unterstützen und den Zugang zu Informationen über Finanzierungsmöglichkeiten zu verbessern.

Welche Rohstoffe deckt die Plattform ab?

Sie ist zunächst für drei Stoffgruppen ausgelegt, zu denen eigene, unterschiedlich konzipierte Beschaffungsmechanismen entwickelt wurden. Perspektivisch könnten weitere Produkte, beispielsweise im Zusammenhang mit Kohlendioxidemissionen, in die Plattform integriert werden.

1. Strategische Rohstoffe

Internetseite: Europäischer Rohstoffmechanismus

Ziel: Diversifizierung und Sicherung der Versorgung mit strategischen Rohstoffen wie seltenen Erden, Grafit, Kobalt, Lithium und Nickel, sowie unter anderem Wolfram für die Verteidigungsindustrie. Abnehmer strategischer Rohstoffe sollen mit Lieferanten, Anbietern von Lagerlösungen und Finanzinstituten verbunden werden.

Ablauf: Nachfragegetrieben. Zunächst melden europäische Abnehmer ihren Rohstoffbedarf (April bis Juni 2026). Danach bündelt die Plattform diese Nachfrage strategisch. Erst anschließend geben Lieferanten Angebote zu den aggregierten Bedarfen ab (Sommer 2026). Mehrstufiger, längerfristiger Prozess; Schwerpunkt auf Nachfragebündelung und Versorgungssicherheit, weniger auf schnelle Marktsondierung.

Ergebnisse: Auswertung und Mitteilung der Resultate im September 2026; keine öffentliche Bekanntgabe.

Status: 1. Runde aktiv

Termine zum Rohstoffmechanismus

  • Registrierung: möglich seit 18. November 2025
  • Einreichungsphase für Rohstoffnachfrager: 13. April – 5. Juni 2026
  • Aggregationsphase für Rohstoffnachfrage: 17. Juni – 2. Juli 2026
  • Einreichungsphase für Rohstoffanbieter: 13. Juli – 9. September 2026
  • Bekanntgabe der Ergebnisse: 23. September 2026

E-Mail für Fragen: eu-raw-materials-mechanism@ec.europa.eu

2. Wasserstoff, Ammoniak, Methanol, nachhaltige Flugkraftstoffe (eSAF)

Internetseite: Europäischer Wasserstoffmechanismus

Ziel: Seit 2025 erster umgesetzter Mechanismus der EU‑Energie‑ und Rohstoffplattform zur schnellen Anbahnung von Lieferbeziehungen für sauberen Wasserstoff in einem noch entstehenden Markt.

Wirkungsweise: Angebotsgetrieben. Zuerst meldeten Lieferanten konkrete Wasserstoffangebote (November 2025 bis Januar 2026). Anschließend veröffentlichte die EU-Kommission anonymisierte Angebotsinformationen (ab 19. Januar 2026). Darauf folgten Interessenbekundungen der Abnehmer (bis 20. März 2026). Linearer, kompakter Ablauf; Fokus auf Marktsondierung.

Ergebnisse: Matching-Ergebnisse wurden am 31. März 2026 übermittelt; Verträge wurden außerhalb der Plattform geschlossen.

  • Abnehmer konnten 265 Angebote einsehen und entwickelten 273 Abnehmer-Lieferanten-Kombinationen
  • 88 Prozent der Lieferanten haben von mindestens einem potenziellen Abnehmer eine Interessenbekundung erhalten, 50 Prozent der Lieferanten Interessenbekundungen von mindestens drei potenziellen Abnehmern
  • EU wertete die starke Beteiligung als Erfolg und wichtigen Schritt zum EU-weiten Wasserstoffmarkt 

Status: 1. Runde beendet, weitere Runden geplant, Laufzeit des Mechanismus bis 2029

Termine zum Wasserstoffmechanismus

  • Registrierung: ab 2. Juli 2025
  • Einreichungsphase für Lieferanten: 12. November 2025 – 2. Januar 2026
  • Veröffentlichung anonymisierter Angebotsinformationen: ab 19. Januar 2026
  • Einreichungsphase für Abnehmer: 19. Januar – 20. März 2026
  • Bekanntgabe der Ergebnisse: 31. März 2026

3. Biomethan, Flüssigerdgas (LNG) und Erdgas: Start geplant für 2026

Internetseite: Europäischer Gasmechanismus

Noch nicht gestartet. Einzelheiten sind bisher nicht bekannt. 

Registrierung für Unternehmen

Unternehmen – sowohl Anbieter als auch Abnehmer verschiedener Stoffgruppen – die sich auf der EU-Plattform registrieren möchten, müssen zunächst einen Administrator-User benennen. Voraussetzung für diese Rolle sind ein gültiger EU-Login-Account und eine qualifizierte elektronische Signatur gemäß e-IDAS-Verordnung. Die EU stellt eine detaillierte Anleitung zur Einrichtung eines EU-Login-Accounts zur Verfügung. Der Administrator richtet anschließend das Unternehmenskonto ein und kann weitere Nutzer hinzufügen. 

 Die Registrierungsschritte im Überblick:

  1. Administrator-Benutzer ernennen
  2. EU-Login-Konto für das eigene Unternehmen erstellen
  3. Vollmacht und Handelsregisterauszug elektronisch signieren und hochladen
  4. Ehrenerklärung signieren

Rechtsgrundlagen

Links zur Plattform