Sie sind ein ausländisches Unternehmen, das in Deutschland investieren möchte?

Branchen | Indien | Kunststoffmaschinen

Antidumpingzölle stärken deutsche Maschinenbauer in Indien

In Indien vergrößern Zolländerungen die Chancen für deutsche Maschinen- und Anlagenbauer in einem generell wachsenden Markt. Importe werden auch zukünftig eine Rolle spielen.

Von Florian Wenke | Mumbai

Die breit gefächerte Wirtschaft Indiens bietet dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau viele Möglichkeiten. Ein wachsender Teilbereich der Produktion ist die Herstellung von Kunststoffprodukten. Der Branchendachverband All India Plastic Manufacturers Association (AIPMA) geht von einer Marktgröße von 26,6 Milliarden US-Dollar (US$) im Jahr 2025 aus. Bis 2030 soll dieser Wert auf 40,5 Milliarden US$ wachsen. Die regierungsnahe India Brand Equity Foundation sieht mit 44,6 Milliarden US$ bis 2030 ein noch deutlicheres Wachstum der Branche.

Diese Prognosen stimmen die schätzungsweise 30.000 Kunststoffhersteller im Land optimistisch. Überwiegend handelt es sich dabei um Kleinstfirmen sowie kleine und mittelgroße Unternehmen. AIPMA zufolge stellen sie zwischen 85 und 90 Prozent aller Kunststoffproduzenten des Landes.  

Nachfrage nach Kunststoff in Indien wächst

Das Wachstum der Branche rührt von der wachsenden Inlandsnachfrage nach Plastik. Branchenkenner rechnen aktuell mit einer Wachstumsrate von durchschnittlich etwa 14 Prozent pro Jahr über alle Teilgebiete. Ältere, aber unter Branchenvertretern noch immer kursierende Schätzungen gehen von einem Plastikverbrauch von 15 Kilogramm pro Kopf und Jahr in Indien aus. Diese Zahl dürfte mittlerweile überschritten sein, allerdings verdeutlicht der große Abstand zu China (62 Kilogramm pro Person im Jahr) und den USA (112 Kilogramm) das vorhandene Wachstumspotenzial Indiens.

Für Verpackungen besteht besonders hoher KunststoffbedarfWichtige Nutzergruppen von Kunststoff in Indien
Anwendungsbereich

Anteil in Prozent*

Verpackungen

35 bis 40

Bau

13 bis 22

Textilien

17

Kfz

7 bis 10

Haushalte

10

Landwirtschaft

7

* Schätzung.Quelle: AIPMA 2025; Emami, N., Baynes, T.M., Kaushik, T. et al. 2024

Vor allem bei Verpackungen sehen Fachleute hohe Zuwachsraten von über 20 Prozent pro Jahr. Das liegt unter anderem am boomenden Onlinehandel. Zudem wachsen wichtige Abnehmerbranchen, wie beispielsweise die Automobilindustrie: Die Nachfrage nach Pkw stieg durch eine Reduzierung der Umsatzsteuer im September 2025 spürbar. 

Zudem entwickeln sich neue potenzielle Abnehmer für Kunststoffprodukte in der Industrie. Dazu zählt beispielsweise die Halbleiterbranche und besonders die dynamisch wachsende Elektronikfertigung, die vor allem die Herstellung von Smartphones umfasst. 

Auch die Bauwirtschaft bleibt eine Wachstumsbranche. Hier sorgen die Infrastrukturausgaben der Regierung sowie der Wohnungsbau infolge der wachsenden und zunehmend urbanen Bevölkerung für Nachfrage nach Kunststoffprodukten. 

Indien schränkt Importe für Maschinen aus China und Taiwan ein

Fachleuten zufolge ist Indien bei den zur Kunststoffproduktion notwendigen Chemikalien wie Polypropylen auf absehbare Zeit weiterhin auf Importe angewiesen. Ähnlich sieht es bei Maschinen und anderen Waren zur Herstellung von Kunststoffprodukten aus. Diese stammen zum Großteil aus China. Das Land ist damit wichtigster Konkurrent für Exporte aus Deutschland. 

Zudem gibt es in Indien selbst Hersteller von Maschinen zur Kunststoffproduktion. Der Branchenverband Plastics Machinery Manufacturers Association of India hat eigenen Angaben zufolge rund 400 Mitglieder, was nahezu alle relevanten indischen und ausländischen Unternehmen vor Ort umfassen dürfte. Die Unternehmen sind zum Großteil im Westen des Landes angesiedelt, etwa in den Bundesstaaten Gujarat und Maharashtra. 

Derzeit bauen Branchenunternehmen ihre Kapazitäten zur lokalen Produktion aus. Ein Beispiel dafür ist Nissei Plastic, ein japanischer Maschinenbauer für Spritzgussmaschinen. Die Firma kündigte im Herbst 2025 Investitionen von rund 10 Millionen US$ in ein neues Werk in Ahmedabad in Gujarat an. Dort soll ab Frühjahr 2026 die Produktion beginnen. Angestrebt wird eine jährliche Produktionsmenge von 360 Maschinen. 

Um die heimischen Hersteller vor chinesischen Produkten zu schützen, führte die Regierung im Sommer 2025 Antidumpingzölle ein. Diese umfassen Maschinen für die Herstellung von Kautschuk und Kunststoffprodukten sowie Teile dafür (SITC 728.42 und 728.52). Die Zölle für entsprechende Produkte aus China beträgt 63 Prozent des CIF-Wertes, also des Preises der entsprechenden Maschine inklusive der Kosten für Fracht und Versicherung. Diese Zölle gelten auch für die Einfuhr dieser Waren aus Taiwan. Der Zollsatz beträgt hier 53 Prozent. 

Für beide Länder gelten für einzelne Hersteller geringere Zölle. Im Falle Chinas betrifft das drei Unternehmen, darunter Chen Hsong Machinery. Dieses Unternehmen hat mit 27 Prozent den geringsten Zollsatz. Aber selbst dieser geringere Wert liegt weit über den allgemeinen Zöllen für den Import von Maschinen für die Herstellung von Kautschuk und Kunststoffprodukten in Höhe von 7,5 Prozent.

Die deutschen Unternehmen interessieren sich für Mercosur, ASEAN und Indien, um ihre Absatzmärkte zu diversifizieren. Verlässliche handelspolitische Rahmenbedingungen und bessere internationale Wettbewerbsfähigkeit wären Impulse, die diese Entwicklung unterstützen.

Tilmann Härtl Referent Konjunktur beim VDMA

Für indische Unternehmen waren bislang die geringeren Lieferzeiten und der günstigere Preis die wichtigsten Argumente für den Kauf chinesischer Maschinen. Durch die Zölle werden die deutschen Maschinenbauer in Indien konkurrenzfähiger. Einen weiteren Impuls und sinkende Zölle könnte das Handelsabkommen zwischen Indien und der EU liefern, das derzeit verhandelt wird. Die Parteien könnten sich noch im 1. Quartal 2026 einig werden. Für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau wäre das Handelsabkommen ein wichtiges Signal.

Kontakte

Netzwerke sind unverzichtbar, um in Indien geschäftlich erfolgreich zu sein. Fachmessen sind eine gute Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen. Regelmäßig werden im Rahmen des Auslandsmesseprogramms des Bundes Gemeinschaftsstände (German Pavilion) in Indien organisiert. 

Die indische Kunststoffbranche ist in mehreren Verbänden organisiert
BezeichnungAnmerkung
Plastics Machinery Manufacturers Association of India (PMMAI)Verband der Kunststoffmaschinenhersteller
Plastindia FoundationVerband der Kunststoffhersteller
All India Plastic Manufacturer’s Association (AIPMA)Verband der Kunststoffhersteller
All India Plastic Industries Association (AIPIA)Verband der Kunststoffhersteller, vor allem für kleinere Unternehmen
All India Federation of Plastic Industries (AIFPI)Verband der Kunststoffhersteller, vor allem für kleinere Unternehmen
Indian Plastics Federation (IPF)Verband der Kunststoffhersteller, vor allem für das östliche Indien
Plastics Export Promotion Council (Plexconcil)Verband der Kunststoffexporteure
PlastIndiaFachmesse mit deutschem Gemeinschaftsstand, vom 5. bis 10. Februar 2026 in New Delhi
Plex ConnectFachmesse, vom 5. bis 10. Februar 2026 in New Delhi
PlastvisionFachmesse, vom 21. bis 25. Januar 2027 in Mumbai
PlastfocusFachmesse, vom 10. bis 15. Februar 2028 in Greater Noida

nach oben
Feedback
Anmeldung

Bitte melden Sie sich auf dieser Seite mit Ihren Zugangsdaten an. Sollten Sie noch kein Benutzerkonto haben, so gelangen Sie über den Button "Neuen Account erstellen" zur kostenlosen Registrierung.