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Markttrends

Das Abkommen mit der EU dürfte die Bearbeitung des großen Marktes künftig kalkulierbarer machen. Im Trend liegen Markengenerika und Biosimilars. 

Von Oliver Döhne | Jakarta

Indonesiens vielversprechender, aber bislang nicht leicht zugänglicher Pharmamarkt könnte durch das Freihandelsabkommen mit der EU (I-EU-Cepa) deutlich interessanter für deutsche Firmen werden. Mit dem Inkrafttreten entfallen die meisten Einfuhrzölle. Zudem soll bei der öffentlichen Beschaffung von Medikamenten kein Mindestanteil inländischer Wertschöpfung mehr nötig sein.

Noch sehr niedrige Pro-Kopf-Ausgaben

Das Marktpotenzial ist angesichts von über 283 Millionen Einwohnern, steigendem Gesundheitsbewusstsein und zunehmenden Zivilisationskrankheiten groß. Bislang sind die Arzneimittelausgaben pro Kopf noch sehr gering (unter 20 US-Dollar, genaue Zahlen liegen nicht vor). Angesichts des stabilen Wirtschaftswachstums könnten sie perspektivisch deutlich steigen. Laut Statistikamt machen die Arzneimittelausgaben erst rund 12 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben aus. Besonders im privaten Bereich besteht noch viel Spielraum. Das Gesundheitsbudget 2026 erhielt rund 15 Prozent mehr Mittel, sodass der Gesundheitssektor über 6 Prozent des Budgets ausmacht. Explizit für Medikamente waren davon aber nur 3,5 Prozent eingeplant. Insgesamt rechnen Marktbeobachter für die kommenden Jahre mit einem jährlichen Nachfragewachstum über 5 bis 7 Prozent. 

Über die allgemeine Gesundheitsversicherung JKN stellt der Staat stark subventionierte Medikamente bereit. Er erreicht dadurch mittlerweile über 95 Prozent der Bevölkerung und ist der wichtigste Abnehmer, besonders von Generika. Das JKN umfasst schrittweise immer mehr Therapiearten und damit auch verschreibungspflichte Medikamente. Insgesamt ist der öffentliche Sektor für mehr als die Hälfte des Medikamentenbedarfs verantwortlich, weshalb bei vielen Arzneimitteln ein erheblicher Preisdruck besteht. Viele klassische Generika für das JKN produziert der Staat über eigene Firmen (Kimia, Phapros).

90 Prozent

der medizinischen Vorprodukte und pharmazeutischen Wirkstoffe müssen importiert werden.

Private Haushalte zahlen für Upgrade

Zudem finanzieren immer mehr private Haushalte Gesundheitsleistungen aus eigener Tasche. Neben der zahlungskräftigen Oberschicht wächst perspektivisch auch eine Mittelschicht mit zunehmendem verfügbarem Einkommen. Privat kaufen Patienten unter anderem importierte Spezialmedizin und Originalpräparate, besonders solche, die noch nicht oder zurzeit nicht über das JKN erhältlich sind. Arzneimittel für Onkologie, Kardiologie und Atmung sowie generell Biologics sind noch stark auf den privaten Markt konzentriert und unter weniger Preisdruck. 

Private Patienten bevorzugen trotz JKN‑Verfügbarkeit häufig Markengenerika und zahlen den Aufpreis selbst. Markengenerika verbinden Vertrauen und Wiedererkennbarkeit mit einem Preisvorteil gegenüber Originalpräparaten. Zudem werden sie von den Branchenfirmen massiv bei Ärzten und Krankenhäuser beworben. Markengenerika sind so zum umsatzstärksten Marktsegment geworden. Für alle Generika erwarten Branchenkenner ein stetiges Wachstum. Der Absatz erfolgt über ein großes und weiter wachsendes Netz an privaten Apotheken. 

Indonesien gehört zu den südostasiatischen Ländern mit der höchsten Selbstmedikationsrate. OTC-Präparate (Over the Counter) wie Schmerz- und Grippemittel und Vitamine sind omnipräsent in Supermärkten und den vielen kleinen Läden des täglichen Bedarfs (Indomaret, Alfamart etc.) sowie zunehmend online. Diese Marktsegmente werden mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter stark wachsen. 

Über Impfstoffe zu mehr lokaler Wirkstoffproduktion

Die Regierung will mehr inländische Produktion von biologischen Nachahmerprodukten (Biosimilars) als kostengünstige Alternative zu hochpreisigen biotechnologisch produzierten Medikamenten zur Behandlung der zunehmenden onkologischen, immunologischen oder endokrinologischen Erkrankungen. Forschungs- und Entwicklungskapazitäten sowie Budgets der lokalen Firmen sind aber meist eng und viele lokale Akteure beschränken sich vorerst auf verbesserte Formulierungen, Fixkombinationen, Fill&Finish sowie Auftragsfertigungen und -vertrieb. 

Innovative biotechnologisch hergestellte Wirkstoffe und Gentherapien sind oft noch im Anfangsstadium oder im akademischen Raum. Erste Erfolge gibt es bei Impfstoffen. Pionier auf dem Gebiet der UCMSC-Stammzellenforschung ist Regenic, das mittlerweile zum Marktführer Kalbe gehört. Dexa Medica setzt auf biomolekulare Forschung und will aus der Biodiversität Indonesiens innovative biologische Arzneimittel gewinnen, die sogenannte OMAI (Originale moderne Arznei Indonesiens).  

Um die lokale Produktion und auch Entwicklung zu stärken, könnte Indonesien ausländischen Firmen in Zukunft weitere Anreize bieten, ins Land zu kommen und Partnerschaften mit einheimischen Firmen für den Technologietransfer einzugehen. Einheimische Firmen sind in der Regel stark daran interessiert, ihr Portfolio mit ausländischem Know-how und Equipment zu erweitern. Kalbe produziert bereits für die chinesische Henlius und die koreanische Genexine fortgeschrittene Biologics. Eine lokale Produktion ist für die Biosimilare Bevacizumab und Trastuzumab vorgesehen. Mit der chinesischen Livzon Pharma will Kalbe auch mehr Inhaltsstoffe produzieren. 

Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Firmen

Die genannten Tendenzen könnten die Nachfrage in verschiedenen Marktsegmenten steigern, von Labor- und Testequipment in der Forschungs- und Entwicklungsphase, über Produktionsanlagen (Tablettenpressen, Misch- und Beschichtungsanlagen, Reinräume etc.) bis zu Verpackungs- und Verabreichungsausrüstung. 

Vor Ort produzieren bereits die deutschen Firmen Schott (Ampullen), B.Braun (Infusionslösungen) und Fresenius (injizierbare Arznei). Uhlmann (Blister) eröffnete Ende 2025 ein Vertriebs- und After Sales-Büro in Jakarta. Romaco belieferte unter anderem Kalbe mit Tablettenpressen und die Firma Pharma Test stattet neben den Branchenfirmen auch die Behörde für Pharmasicherheit (BPOM) mit Testapparaten aus. 

Ausgewählte Investitionsprojekte der pharmazeutischen Industrie in IndonesienInvestitionssumme in Milliarden US-Dollar
Akteur/Projekt

Investitionssumme

ProjektstandAnmerkungen
Kalbe/Wirkstoff (API)-Produktion in Cikarang, Westjava

40,1

Im Bau, Produktionsstart Mitte 2027Kooperation mit chinesischer Livzon, Produktion steriler Antibiotika‑APIs (Vancomycin HCl, Teicoplanin, Colistimethate Sodium)
Dexa/Ausbau Generikaproduktion und Naturheilmittel, Westjava, Palembang, Bogor

30,8 

GeplantNeue Produktionslinien, Modernisierung, Forschung und Entwicklung von Naturheilmitteln und Phytopharmaka
Kimia/Ausbau Produktion in Bandung und Jakarta

k.A.

GeplantUmstrukturierung, neuer Fokus auf Stammzellprodukte, Kooperation mit Samsung Pharm für Nahrungsmittelzusätze
Kalbe/Logistikausbau, landesweit

k.A. 

Bis 2028Ausbau Kühlkette und Distributionsinfrastruktur über Tochterfirma Enseval Putera Megatrading
Quelle: Unternehmensmeldungen (2026)

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