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Japan fragt mehr Analysen-, Bio- und Labortechnik nach

Japans Firmen und Forschungseinrichtungen geben viel Geld für Forschung und Entwicklung aus. Zusätzliche Impulse gibt der Staat mit der Förderung strategischer Branchen. 

Von Frank Robaschik | Tokyo

Japans Firmen investieren weiter in Innovation. So war Japan 2024 der zehntgrößte Importeur von Analysen-, Bio- und Labortechnik weltweit. Die Importe stiegen in den vergangenen Jahren und erreichten 2025 circa 3,1 Milliarden US-Dollar (US$). Das waren 5,5 Prozent mehr als im Vorjahr. 

Zu den Einfuhren kommt die Produktion im Inland. Die Inlandsfertigung betrug 2024 knapp 5 Milliarden US$. Im Fiskaljahr 2025 (April bis März) wuchsen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) der Firmen auf Dollarbasis gegenüber dem Vorjahr um etwa 6,2 Prozent. Das ergibt die Konjunkturumfrage der Bank of Japan vom März 2026. Für das Fiskaljahr 2026 erwarten die Firmen nochmal ein Plus von 1,9 Prozent. Der insgesamt hohe Bedarf dürfte auch in den kommenden Jahren Spielraum für ausländische Anbieter schaffen.

Strategische Investitionen der Regierung stärken die Nachfrage

Die Liberaldemokratische Partei errang bei den Parlamentswahlen im Februar 2026 eine Zweidrittelmehrheit im Unterhaus. Damit erhielt sie ein starkes Mandat für ihr Wahlprogramm. Dieses stellt die wirtschaftliche Sicherheit in den Fokus. Premierministerin Takaichi will Japan mit strategischen Investitionen etwa in künstliche Intelligenz (KI), Halbleiter und Robotik, Schiffbau, Quantentechnologie sowie Luft- und Raumfahrt stärken. Weitere für Analysen-, Bio- und Labortechnik relevante strategische Bereiche sind Arzneimittel und Medizintechnik, Fusionsenergie und die Verteidigungsindustrie. Diese Branchen dürften in den kommenden Jahren noch mehr staatliche Förderung erhalten.

Im März 2026 beschloss das Kabinett für die Fiskaljahre 2026 bis 2030 den 7. Rahmenplan für Wissenschaft und Innovationen. Der Plan sieht staatliche Investitionen in F&E in Höhe von circa 400 Milliarden US$ vor. In Yen sind das 37,6 Prozent mehr als die tatsächlichen Aufwendungen in den Fiskaljahren 2021 bis 2025. Hinzu kommen private Ausgaben.

Der Rahmenplan stuft einige Bereiche als strategische Technologien ein. Dazu zählen KI und Robotik, Quantentechnologien, Halbleiter und Kommunikation, Biotechnologie und Gesundheitswesen sowie Fusionsenergie und Raumfahrt. Neu ist die explizite Förderung von Dual-Use-Technologien, also solchen Gütern, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Auch die Förderung von Start-ups will Japan verstärken.

Firmen haben die größten F&E-Budgets

Im Jahr 2024 gab Japan insgesamt 157 Milliarden US$ für F&E aus. Davon entfielen mehr als 73 Prozent oder 115 Milliarden US$ auf Unternehmen. Insbesondere die Kfz-Industrie, die Elektronikbranche, der Maschinenbau und die Pharmaindustrie investieren rege.

Mit Firmen wie Takeda Pharmaceutical und Daiichi Sankyo ist die Pharmaindustrie besonders forschungsintensiv. Wettbewerber Chugai Pharmaceutical wird von Mai 2026 bis August 2028 rund 530 Millionen US$ in ein weiteres Forschungsgebäude in Tokyo stecken.

Der Stahlkonzern Japan Steel Works baut bis 2027 einen neuen Forschungsstandort in Kashiwa in der Präfektur Chiba. Dessen Schwerpunkt soll auf neuartigen Funktionsmaterialien wie Metallen, Halbleitermaterialien und Modifikationen von Kunststoffen liegen. 

Hinzu kommt die Produktion japanischer Firmen im Ausland. Der japanische Analyseinstrumentehersteller Shimadzu will im 1. Halbjahr 2026 den tschechischen Produzenten von wissenschaftlichen Instrumenten Tescan kaufen. Shimadzu setzt für die Transaktion circa 678 Millionen US$ an. Die verkaufende amerikanische Beteiligungsgesellschaft Carlyle beziffert den Unternehmenswert mit 850 Millionen US$.

Auch deutsche Firmen forschen und entwickeln in Japan

Merck investiert von Ende 2024 bis 2026 über 70 Millionen Euro in ein neues Advanced Materials Center in Shizuoka. Dieses soll die F&E bei der fortschrittlichen Strukturierung (advanced patterning) von Halbleitern stärken. Die japanische Tochter der Maschinenfabrik Gustav Eirich baut ein Forschungszentrum für Technologien in der Pulververarbeitung. Die Eröffnung ist für Juli 2026 geplant. Daneben betreiben unter anderem Archion (Nutzfahrzeug-Joint Venture von Daimler Truck und Toyota Motor), Bosch, Mahle, Boehringer Ingelheim, Bayer, BASF, Evonik, Henkel, Infineon, Japan Vilene Company (Freudenberg), Heraeus (etwa über das Joint Venture Shin Etsu Quartz), SAP und ZF F&E in Japan.

Universitäten forschen rege

Im Vergleich zu den Firmen fallen die Forschungsmittel der Universitäten und Forschungsinstitute geringer aus. Die F&E-Ausgaben der großen staatlichen Universitäten sind dabei am größten. Unter die Top-10 schafft es bei diesem Indikator von den privaten Universitäten nur die Keio Universität.

Staatliche Universitäten forschen vielForschungsmittel von Japans Top-Unis und -Forschungsinstituten in Millionen US-Dollar 1
Universität beziehungsweise Forschungsinstitut

Öffentliche Forschungsgelder 2

Drittmittel von Firmen 3

Tokyo University138,7127,7
Kyoto University90,281,8
Osaka University66,984,0
Tohoku University63,457,6
Nagoya University47,035,4
Institute of Science Tokyo45,132,0
Kyushu University45,730,7
Hokkaido University41,923,0
Keio University22,231,3
Tsukuba University28,819,2
1 1 US$ = 149,56 Yen; 2 Fiskaljahr 2025; 3 Fiskaljahr 2023Quelle: Ministry of Education, Culture, Sports, Science and Technology (MEXT), 2025

Potenzielle Abnehmer von Analysen-, Bio- und Labortechnik sind auch Zertifizierungsgesellschaften. In Japans Gesundheitswirtschaft sind der TÜV Rheinland Japan, TÜV Süd Japan und DQS Japan aus Deutschland, SGS Japan aus der Schweiz und BSI Group Japan aus Großbritannien zugelassen. Hinzu kommen die japanischen Anbieter Cosmos Corporation, Japan Quality Assurance Organization, Nanotec Spindler, Japan Electrical Safety & Environment Technology Laboratories und Japan Association for the Advancement of Medical Equipment.

Importe aus Deutschland legen zu

Aus Deutschland bezog Japan 2025 Analysen-, Bio- und Labortechnik im Wert von 408 Millionen US$. Das waren 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Markt vertreten sind unter anderem Sartorius, Eppendorf, Carl Zeiss, Analytik Jena und Netzsch. Eppendorf verfügt mit Eppendorf Himac Technologies auch über eine Produktionsstätte in Japan.

Einfuhr von Analysen-, Bio und Labortechnik steigtImporte in Millionen US-Dollar, Veränderung in Prozent
HS-CodeProdukt

2024

2025

aus Deutschland (2025)

9027

Instrumente für physikalisch-chemische Untersuchungen1.705,11.738,2197,9
  9027.90Mikrotome, Teile, Zubehör628,4633,337,3
  9027.30 und 9027.50Spektrometer, -fotometer, -grafen und andere Geräte, die optische Strahlen verwenden425,3407,948,5
  9027.81Massenspektrometer175,0179,547,9
  9027.10Untersuchungsgeräte für Gase und Rauch101,3150,021,9
9011, 9012Mikroskope, Diffraktografen333,6326,883,1
8419.89Apparate zur Temperaturänderung von Stoffen253,0299,639,4
8418.69Andere Geräte zur Kälteerzeugung (ohne Wärmepumpen)225,1283,95,7
8414.10Vakuumpumpen142,0131,131,8
 Insgesamt *2.907,53.067,2408
* Inklusive Produkte der HS-Codes 7017, 8514.40, 8419.40, 8421.19, 8421.91, 8539.49, 9016.00, 9022.19Quelle: UN Comtrade 2026; Berechnungen von Germany Trade & Invest 2026

Die zentrale Messe der Branche ist die Japan Analytical Scientific Instruments Show. Die nächste Ausgabe findet vom 2. bis 4. September 2026 auf dem Makuhari-Messegelände in Chiba statt. Für Anbieter mit Abnehmern in der Arzneimittelindustrie und in der Biotechnologie können auch die Interphex Week in Chiba (20. bis 22. Mai 2026) und die Bio Japan in Yokohama (7. bis 9. Oktober 2026) interessant sein.