Wirtschaftsumfeld | Japan | FDI
Japans Präsenz in Deutschland bietet Chancen zur Kooperation
Japan ist einer der größten Investoren in Deutschland. Das bietet Chancen für Kooperationen. In Deutschland aufgebautes Vertrauen kann beim Markteinstieg in Japan helfen.
28.10.2026
- Kooperation in Deutschland kann Türöffner für Japan sein
- Japan baut seine große wirtschaftliche Präsenz in Deutschland aus
- Investitionen größer als aus anderen Ländern Ostasiens zusammen
- Japanische Firmen sind bundesweit vertreten
- Viele japanische Firmen produzieren in Deutschland
- Auch Übernahmen bieten Chancen
- Starke Präsenz in IT-Branche, Chemie, Elektronik und Maschinenbau
Ein Markteinstieg in Japan gilt als aufwendig und zeitintensiv. Erste Kontakte und Kooperationen mit japanischen Firmen sind jedoch bereits in Deutschland möglich. Die Zusammenarbeit dort oder in Drittmärkten gilt zunächst als einfacher als in Japan. Viele kleine und mittelständische japanische Zulieferer sind mangels Kapazitäten im Ausland nicht präsent. Größere japanische Firmen müssen sich im Ausland deshalb oft neue Partner suchen. Deutsche Firmen können diese Lücke mit Maschinen, Vorprodukten, Projekt-Know-how oder Software füllen. In Deutschland ist zudem die Sprachbarriere geringer: Japanische Firmen beschäftigen hier immer auch deutsch- oder englischsprachige Personen. Auch eine Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung ist denkbar.
Kooperation in Deutschland kann Türöffner für Japan sein
Deutsch-japanische Kooperationen, die in Deutschland oder auf Drittmärkten erfolgreich laufen, bauen gegenseitiges Vertrauen auf. So können sie deutschen Firmen den Weg auf den japanischen Markt ebnen. Japanische Expats kehren in der Regel nach einigen Jahren in die Konzernzentrale zurück. Positive Erfahrungen eines Managers mit deutschen Zulieferern können dabei zum Türöffner für den japanischen Markt werden. Dabei sind auch Kooperationen auf Drittmärkten verbreitet. Das zeigt die Geschäftsklimaumfrage der AHK Japan vom April 2026 unter den Mitgliedsunternehmen: 55 Prozent der in Japan befragten deutschen Firmen arbeiten auch auf Drittmärkten mit japanischen Firmen zusammen. Das gilt insbesondere für Südostasien, Europa und Nordamerika.
Japan baut seine große wirtschaftliche Präsenz in Deutschland aus
Der Bestand japanischer Direktinvestitionen in Deutschland nach Sitz der Konzernspitze stieg laut Bundesbank Ende 2024 auf 47,6 Milliarden Euro. Damit ist Japan der sechstgrößte Investor in Deutschland. Es liegt dabei vor Ländern wie der Schweiz, Frankreich, Österreich und Italien. Auch in Zukunft werden voraussichtlich größere Investitionen von Japan nach Deutschland fließen. Zum einen investiert Japan generell sehr viel im Ausland. Zum anderen sehen japanische Firmen in Deutschland viel Geschäftspotenzial. Laut Umfragen der Japan Bank for International Cooperation lag Deutschland beim Geschäftspotenzial in den vergangenen Jahren regelmäßig an erster Stelle in Europa.
Ende 2024 waren 33,5 Milliarden Euro direkt aus Japan in Deutschland angelegt. Auch nach dieser Definition ausländischer Direktinvestitionen liegt Japan mit Rang 7 auf den vorderen Plätzen. Die Differenz zwischen beiden Angaben bedeutet, dass mehr als 14 Milliarden Euro an Direktinvestitionen von Firmen mit Konzernspitze in Japan über Drittländer nach Deutschland flossen.
Investitionen größer als aus anderen Ländern Ostasiens zusammen
Gleichzeitig ist Japan der mit Abstand wichtigste asiatische Investor in Deutschland. Die Bestände der japanischen Investitionen in Deutschland waren Ende 2024 größer als die Chinas, Südkoreas und Taiwans zusammen. Das gilt für die Höhe des Investitionsbestands, die Zahl der Beschäftigten und den Umsatz in Deutschland.
Im Jahr 2025 flossen nach vorläufigen Daten der Bundesbank 722 Millionen Euro an Direktinvestitionen aus Japan nach Deutschland. Das war zwar mehr als aus Taiwan mit 336 Millionen Euro und aus China mit 198 Millionen Euro. Der Wert lag jedoch unter den 970 Millionen Euro, die aus Südkorea flossen.
Japanische Firmen sind bundesweit vertreten
Rund ein Drittel der japanischen Unternehmen in Deutschland hat seinen Sitz in Nordrhein-Westfalen (NRW). In Düsseldorf sind auch die japanischen Handelshäuser vertreten, die viele japanische Mittelständler auf Auslandsmärkten vertreten. Sie suchen stets deutsche Firmen als potenzielle Partner für japanische Unternehmen.
| Bundesland | Anzahl der Unternehmen | Anzahl der Mitarbeiter |
|---|---|---|
| Nordrhein-Westfalen | 625 | 47.200 |
| Hessen | 325 | 26.800 |
| Bayern | 250 | 43.000 |
| Baden-Württemberg | 175 | 22.500 |
| Hamburg | 140 | 7.700 |
| Berlin | 110 | 5.100 |
| Niedersachsen | 55 | 9.300 |
| Rheinland-Pfalz | 55 | 6.700 |
| Sachsen | 35 | 4.200 |
| Schleswig-Holstein | 25 | 2.300 |
| Thüringen | 15 | 2.900 |
| Brandenburg | 10 | 600 |
| Sachsen-Anhalt | 9 | 1.800 |
| Bremen | 8 | 200 |
| Saarland | 8 | 500 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 5 | 200 |
| Insgesamt | 1.850 | 181.000 |
Viele japanische Firmen produzieren in Deutschland
Anders als südkoreanische Firmen haben japanische Unternehmen viele Produktionsstätten in Deutschland. Große Erweiterungsinvestitionen erfolgen vor allem bei Rechenzentren und in der Arzneimittelindustrie. Generell decken ihre Projekte zahlreiche Industriezweige ab.
Das Technologie- und Internetunternehmen Rakuten baut mit 1&1 das vierte Mobilfunknetz in Deutschland auf und liefert dafür Software und Komponenten. Im Dezember 2024 gewährte die staatliche Japan Bank for International Cooperation United Internet, der Mutter von 1&1, einen Kredit über 300 Millionen Euro zum Netzaufbau.
| Akteur | Summe | Zeitraum | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| NTT Data | k.A. | 2026- | Bau Rechenzentrum in Nierstein, Rheinland-Pfalz ab voraussichtlich 2027, Kapazität 482 Megawatt (MW); Bau 80-MW-Rechenzentrum in Frankfurt, Land 2025 erworben; Bau 36-MW-Rechenzentrum in Berlin, Bauauftrag an Hochtief 2026 |
| Daiichi Sankyo | 1.000 | 2024-2030 | Ausbau Arzneimittelfertigung in Pfaffenhofen, Bayern |
| Takeda Pharmaceutical | 300 | bis 2023 | Bau Arzneimittelwerk in Singen, Baden-Württemberg |
| Daicel | k.A. | 2020-2027 | Werk für Cycloolefin-Copolymere von Topas Advanced Polymers in Leuna, Sachsen-Anhalt |
| Rengo | 170 | 2023-2025 | Werk für Schwerwellpappe von Tricor Packaging & Logistics in Goch, NRW |
| Mitsubishi Chemical | >100 | 2024-2026 | Polyesterfilmwerk von Mitsubishi Polyester Film in Wiesbaden, Hessen |
| Kyocera | 91-101 | 2024- | Werk für medizinische Keramik in Waiblingen, Baden-Württemberg; Ausbau Industriekeramikfertigung in Mannheim, Baden-Württemberg und Selb, Bayern; neuer Standort in Erfurt, Thüringen |
| Sumitomo Electric | 90 | 2024- | Ausbau Kabelfertigung bei Südkabel in Mannheim, Baden-Württemberg |
| Toyota Industries, Denso | 90 | 2023-2025 | Erweiterung Werk für Kompressoren für Fahrzeug-Klimaanlagen in Bernsdorf, Sachsen |
| Komatsu | k.A. | 2025-2029 | Erweiterung Baumaschinenwerk in Düsseldorf, NRW |
| KDDI | k.A. | 2022-2026 | 5,4-MW-Rechenzentrum von Telehouse Deutschland in Frankfurt, Hessen; bis 2030 weiteres Rechenzentrum in Frankfurt geplant |
| Mitsubishi Materials | 50 | 2026-2028 | Bau Wolframrecyclinganlage bei H.C. Starck Tungsten in Goslar, Niedersachsen |
Auch Übernahmen bieten Chancen
Große Übernahmen und Beteiligungen japanischer Firmen gab es in der Stahlverarbeitung, bei Arzneimitteln und im Maschinenbau. Hinzu kamen Software für Einzelhandel und Industrie sowie die Kabel- und die Metallherstellung. Einige japanische Kfz-Zulieferer verringern ihre Präsenz in Deutschland. Andererseits übernahm der japanische Anlagenbauer Daifuku 2026 den Automobilzulieferer Eisenmann.
Bei Übernahmen deutscher Firmen führen japanische Unternehmen auch deren bestehende Kooperationen möglichst unverändert fort. Bewährt sich die Zusammenarbeit längerfristig, kann sie als Referenzprojekt den Einstieg in den japanischen Markt erleichtern.
| Akteur | Summe | Zeitraum | Übernahmeziel |
|---|---|---|---|
| Sumitomo Electric | k.A. | 2025 | 45 Prozent an EEW Offshore Wind EU Holding, Komponenten für Windkraftanlagen, Erndtebrück, NRW |
| Asahi Kasei | 780 | 2026 | Aicuris, Arzneimittelhersteller in Wuppertal, NRW |
| Nikon | 622 | 2022-2023 | SLM Solutions, Produzent von 3D-Druckmaschinen in Lübeck, Schleswig-Holstein |
| Fujitsu | 432 | 2023-2025 | GK Software, Einzelhandelssoftware, Schöneck, Sachsen |
| Keyence | k.A. | 2025 | Cadenas, Industriesoftwareentwickler in Augsburg, Bayern |
| Softbank | k.A. | 2025-2026 | ABB Robotics, umfasst auch rund 500 Mitarbeiter in Deutschland, vor allem in Friedberg, Hessen |
| Hitachi | k.A. | 2025 | Synvert, Daten- und KI-Firma in Münster, NRW |
| Mitsubishi Materials | 124 | 2024 | H.C. Starck, Metallspezialist in Goslar, Niedersachsen |
| Sumitomo Electric | k.A. | 2024 | 90 Prozent an Südkabel, Kabelhersteller in Mannheim, Baden-Württemberg |
| Daifuku | 84 | 2026 | Eisenmann, Hersteller von Lackieranlagen, Prozess- und Fördertechnik in Böblingen, Baden-Württemberg |
| Hitachi | 71,5 | 2024 | MA micro automation, Spezialmaschinenbauer in St. Leon-Rot, Baden-Württemberg |
| Yamaha Motor | >50 | 2024 | Torqueedo, Hersteller elektrischer Antriebssysteme für Boote in Weßling in Bayern |
Starke Präsenz in IT-Branche, Chemie, Elektronik und Maschinenbau
Wichtige Zielbranchen japanischer Investitionen in Deutschland sind IT-Dienstleistungen, die Pharma- und Chemieindustrie, Elektrotechnik und Elektronik sowie der Maschinenbau. Produktionsstätten in Deutschland betreiben DMG Mori, Lixil, Takeda, Hitachi Rail, Japan Tobacco, Rengo, Komatsu, Kyocera, Olympus und Hitachi Energy. Hinzu kommen unter anderem Mitsubishi Chemical, TDK, Tadano, NSG Group, Sumida, Mitsui Chemicals, DIC, Daiichi Sankyo, Kubota, Fujifilm, Nikon, SMC und Nidec. Zum einen leisten die Firmen damit einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaft Deutschlands. Zum anderen kann die Kooperation mit ihnen auch den Zugang zum japanischen Markt erleichtern.
| Firma | Branche | Anzahl der Mitarbeiter2 |
|---|---|---|
| NTT Data | IT-Dienstleistungen | 7.900 |
| DMG Mori | Werkzeugmaschinenbau | 7.383 |
| NTT Data Business Solutions | IT-Dienstleistungen | >4.200 |
| Lixil 3 | Sanitärkeramik | 2.600 |
| Takeda | Arzneimittel | 2.300 |
| Hitachi Rail | Signal- und Leittechnik für den Schienenverkehr | >2.200 |
| Japan Tobacco | Tabakindustrie | 2.200 |
| Rengo | Verpackungen | 2.000 |
| Komatsu | Baumaschinenbau | 1.900 |