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Japans Präsenz in Deutschland bietet Chancen zur Kooperation

Japan ist einer der größten Investoren in Deutschland. Das bietet Chancen für Kooperationen. In Deutschland aufgebautes Vertrauen kann beim Markteinstieg in Japan helfen.

Frank Robaschik

Von Frank Robaschik | Tokyo

Ein Markteinstieg in Japan gilt als aufwendig und zeitintensiv. Erste Kontakte und Kooperationen mit japanischen Firmen sind jedoch bereits in Deutschland möglich. Die Zusammenarbeit dort oder in Drittmärkten gilt zunächst als einfacher als in Japan. Viele kleine und mittelständische japanische Zulieferer sind mangels Kapazitäten im Ausland nicht präsent. Größere japanische Firmen müssen sich im Ausland deshalb oft neue Partner suchen. Deutsche Firmen können diese Lücke mit Maschinen, Vorprodukten, Projekt-Know-how oder Software füllen. In Deutschland ist zudem die Sprachbarriere geringer: Japanische Firmen beschäftigen hier immer auch deutsch- oder englischsprachige Personen. Auch eine Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung ist denkbar.

Kooperation in Deutschland kann Türöffner für Japan sein

Deutsch-japanische Kooperationen, die in Deutschland oder auf Drittmärkten erfolgreich laufen, bauen gegenseitiges Vertrauen auf. So können sie deutschen Firmen den Weg auf den japanischen Markt ebnen. Japanische Expats kehren in der Regel nach einigen Jahren in die Konzernzentrale zurück. Positive Erfahrungen eines Managers mit deutschen Zulieferern können dabei zum Türöffner für den japanischen Markt werden. Dabei sind auch Kooperationen auf Drittmärkten verbreitet. Das zeigt die Geschäftsklimaumfrage der AHK Japan vom April 2026 unter den Mitgliedsunternehmen: 55 Prozent der in Japan befragten deutschen Firmen arbeiten auch auf Drittmärkten mit japanischen Firmen zusammen. Das gilt insbesondere für Südostasien, Europa und Nordamerika.

Japan baut seine große wirtschaftliche Präsenz in Deutschland aus

Der Bestand japanischer Direktinvestitionen in Deutschland nach Sitz der Konzernspitze stieg laut Bundesbank Ende 2024 auf 47,6 Milliarden Euro. Damit ist Japan der sechstgrößte Investor in Deutschland. Es liegt dabei vor Ländern wie der Schweiz, Frankreich, Österreich und Italien. Auch in Zukunft werden voraussichtlich größere Investitionen von Japan nach Deutschland fließen. Zum einen investiert Japan generell sehr viel im Ausland. Zum anderen sehen japanische Firmen in Deutschland viel Geschäftspotenzial. Laut Umfragen der Japan Bank for International Cooperation lag Deutschland beim Geschäftspotenzial in den vergangenen Jahren regelmäßig an erster Stelle in Europa.

Ende 2024 waren 33,5 Milliarden Euro direkt aus Japan in Deutschland angelegt. Auch nach dieser Definition ausländischer Direktinvestitionen liegt Japan mit Rang 7 auf den vorderen Plätzen. Die Differenz zwischen beiden Angaben bedeutet, dass mehr als 14 Milliarden Euro an Direktinvestitionen von Firmen mit Konzernspitze in Japan über Drittländer nach Deutschland flossen.

Investitionen größer als aus anderen Ländern Ostasiens zusammen

Gleichzeitig ist Japan der mit Abstand wichtigste asiatische Investor in Deutschland. Die Bestände der japanischen Investitionen in Deutschland waren Ende 2024 größer als die Chinas, Südkoreas und Taiwans zusammen. Das gilt für die Höhe des Investitionsbestands, die Zahl der Beschäftigten und den Umsatz in Deutschland.

Im Jahr 2025 flossen nach vorläufigen Daten der Bundesbank 722 Millionen Euro an Direktinvestitionen aus Japan nach Deutschland. Das war zwar mehr als aus Taiwan mit 336 Millionen Euro und aus China mit 198 Millionen Euro. Der Wert lag jedoch unter den 970 Millionen Euro, die aus Südkorea flossen.

Japanische Firmen sind bundesweit vertreten

Rund ein Drittel der japanischen Unternehmen in Deutschland hat seinen Sitz in Nordrhein-Westfalen (NRW). In Düsseldorf sind auch die japanischen Handelshäuser vertreten, die viele japanische Mittelständler auf Auslandsmärkten vertreten. Sie suchen stets deutsche Firmen als potenzielle Partner für japanische Unternehmen.

Japanische Firmen in Deutschland 2026 *
Bundesland

Anzahl der Unternehmen

Anzahl der Mitarbeiter

Nordrhein-Westfalen

625

47.200

Hessen

325

26.800

Bayern

250

43.000

Baden-Württemberg

175

22.500

Hamburg

140

7.700

Berlin

110

5.100

Niedersachsen

55

9.300

Rheinland-Pfalz

55

6.700

Sachsen

35

4.200

Schleswig-Holstein

25

2.300

Thüringen

15

2.900

Brandenburg

10

600

Sachsen-Anhalt

9

1.800

Bremen

8

200

Saarland

8

500

Mecklenburg-Vorpommern

5

200

Insgesamt

1.850

181.000

*) ungefähre AngabenQuelle: Moody’s 2026

Viele japanische Firmen produzieren in Deutschland 

Anders als südkoreanische Firmen haben japanische Unternehmen viele Produktionsstätten in Deutschland. Große Erweiterungsinvestitionen erfolgen vor allem bei Rechenzentren und in der Arzneimittelindustrie. Generell decken ihre Projekte zahlreiche Industriezweige ab.

Das Technologie- und Internetunternehmen Rakuten baut mit 1&1 das vierte Mobilfunknetz in Deutschland auf und liefert dafür Software und Komponenten. Im Dezember 2024 gewährte die staatliche Japan Bank for International Cooperation United Internet, der Mutter von 1&1, einen Kredit über 300 Millionen Euro zum Netzaufbau.

Ausgewählte Greenfield- und Erweiterungsinvestitionen japanischer Firmen in Deutschland von 2023 bis 2026Investitionssummen in Millionen Euro
Akteur

Summe

ZeitraumAnmerkungen
NTT Data

k.A.

2026-Bau Rechenzentrum in Nierstein, Rheinland-Pfalz ab voraussichtlich 2027, Kapazität 482 Megawatt (MW); Bau 80-MW-Rechenzentrum in Frankfurt, Land 2025 erworben; Bau 36-MW-Rechenzentrum in Berlin, Bauauftrag an Hochtief 2026
Daiichi Sankyo

1.000

2024-2030Ausbau Arzneimittelfertigung in Pfaffenhofen, Bayern
Takeda Pharmaceutical

300

bis 2023Bau Arzneimittelwerk in Singen, Baden-Württemberg
Daicel

k.A.

2020-2027Werk für Cycloolefin-Copolymere von Topas Advanced Polymers in Leuna, Sachsen-Anhalt
Rengo

170

2023-2025Werk für Schwerwellpappe von Tricor Packaging & Logistics in Goch, NRW
Mitsubishi Chemical

>100

2024-2026Polyesterfilmwerk von Mitsubishi Polyester Film in Wiesbaden, Hessen
Kyocera

91-101

2024-Werk für medizinische Keramik in Waiblingen, Baden-Württemberg; Ausbau Industriekeramikfertigung in Mannheim, Baden-Württemberg und Selb, Bayern; neuer Standort in Erfurt, Thüringen
Sumitomo Electric

90

2024-Ausbau Kabelfertigung bei Südkabel in Mannheim, Baden-Württemberg
Toyota Industries, Denso

90

2023-2025Erweiterung Werk für Kompressoren für Fahrzeug-Klimaanlagen in Bernsdorf, Sachsen
Komatsu

k.A.

2025-2029Erweiterung Baumaschinenwerk in Düsseldorf, NRW
KDDI

k.A.

2022-20265,4-MW-Rechenzentrum von Telehouse Deutschland in Frankfurt, Hessen; bis 2030 weiteres Rechenzentrum in Frankfurt geplant
Mitsubishi Materials

50

2026-2028Bau Wolframrecyclinganlage bei H.C. Starck Tungsten in Goslar, Niedersachsen 
Quelle: Angaben der Unternehmen; Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Auch Übernahmen bieten Chancen

Große Übernahmen und Beteiligungen japanischer Firmen gab es in der Stahlverarbeitung, bei Arzneimitteln und im Maschinenbau. Hinzu kamen Software für Einzelhandel und Industrie sowie die Kabel- und die Metallherstellung. Einige japanische Kfz-Zulieferer verringern ihre Präsenz in Deutschland. Andererseits übernahm der japanische Anlagenbauer Daifuku 2026 den Automobilzulieferer Eisenmann.

Bei Übernahmen deutscher Firmen führen japanische Unternehmen auch deren bestehende Kooperationen möglichst unverändert fort. Bewährt sich die Zusammenarbeit längerfristig, kann sie als Referenzprojekt den Einstieg in den japanischen Markt erleichtern.

Ausgewählte Übernahmen und Beteiligungen japanischer Firmen in Deutschland von 2023 bis 2026Investitionssummen in Millionen Euro
Akteur

Summe

ZeitraumÜbernahmeziel
Sumitomo Electric

k.A.

202545 Prozent an EEW Offshore Wind EU Holding, Komponenten für Windkraftanlagen, Erndtebrück, NRW
Asahi Kasei

780

2026Aicuris, Arzneimittelhersteller in Wuppertal, NRW
Nikon

622

2022-2023SLM Solutions, Produzent von 3D-Druckmaschinen in Lübeck, Schleswig-Holstein
Fujitsu

432

2023-2025GK Software, Einzelhandelssoftware, Schöneck, Sachsen
Keyence

k.A.

2025Cadenas, Industriesoftwareentwickler in Augsburg, Bayern
Softbank

k.A.

2025-2026ABB Robotics, umfasst auch rund 500 Mitarbeiter in Deutschland, vor allem in Friedberg, Hessen
Hitachi

k.A.

2025Synvert, Daten- und KI-Firma in Münster, NRW
Mitsubishi Materials

124

2024H.C. Starck, Metallspezialist in Goslar, Niedersachsen
Sumitomo Electric

k.A.

202490 Prozent an Südkabel, Kabelhersteller in Mannheim, Baden-Württemberg
Daifuku

84

2026Eisenmann, Hersteller von Lackieranlagen, Prozess- und Fördertechnik in Böblingen, Baden-Württemberg
Hitachi

71,5

2024MA micro automation, Spezialmaschinenbauer in St. Leon-Rot, Baden-Württemberg
Yamaha Motor

>50

2024Torqueedo, Hersteller elektrischer Antriebssysteme für Boote in Weßling in Bayern
Quelle: Angaben der Unternehmen; Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Starke Präsenz in IT-Branche, Chemie, Elektronik und Maschinenbau

Wichtige Zielbranchen japanischer Investitionen in Deutschland sind IT-Dienstleistungen, die Pharma- und Chemieindustrie, Elektrotechnik und Elektronik sowie der Maschinenbau. Produktionsstätten in Deutschland betreiben DMG Mori, Lixil, Takeda, Hitachi Rail, Japan Tobacco, Rengo, Komatsu, Kyocera, Olympus und Hitachi Energy. Hinzu kommen unter anderem Mitsubishi Chemical, TDK, Tadano, NSG Group, Sumida, Mitsui Chemicals, DIC, Daiichi Sankyo, Kubota, Fujifilm, Nikon, SMC und Nidec. Zum einen leisten die Firmen damit einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaft Deutschlands. Zum anderen kann die Kooperation mit ihnen auch den Zugang zum japanischen Markt erleichtern.

Ausgewählte japanische Investoren in Deutschland 2026 1
FirmaBranche

Anzahl der Mitarbeiter2

NTT DataIT-Dienstleistungen

7.900

DMG MoriWerkzeugmaschinenbau

7.383

NTT Data Business SolutionsIT-Dienstleistungen

>4.200

Lixil 3Sanitärkeramik

2.600

TakedaArzneimittel

2.300

Hitachi RailSignal- und Leittechnik für den Schienenverkehr

>2.200

Japan TobaccoTabakindustrie

2.200

RengoVerpackungen

2.000

KomatsuBaumaschinenbau

1.900

1 ohne Personaldienstleister; 2 Mitarbeiter in Deutschland, ungefähre Angaben; 3 Eigentümer von GroheQuelle: Unternehmensangaben; Recherchen von Germany Trade & Invest 2026