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Wirtschaftsausblick | Jordanien

Jordanien setzt auf regionale Rolle

Beim Wiederaufbau in Syrien und Gaza kann Jordanien als Partner und logistische Basis dienen. Potenziale gibt es als Offshore-Dienstleister.

Von Marcus Knupp | Amman

Top-Thema: Partner für Wiederaufbau in Syrien

In einer turbulenten Umgebung erscheint Jordanien als Insel der Stabilität. Ob in Israel und den Palästinensischen Gebieten, in Libanon, Syrien, Irak, Saudi-Arabien oder Ägypten – in allen Nachbarstaaten Jordaniens haben die vergangenen zwei Jahrzehnte teils tiefgreifende politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Umbrüche ausgelöst. 

Nicht so in Jordanien: Hier regiert weiterhin König Abdullah II. Der Tourismus, Dienstleistungen, die Textil- und Bekleidungsindustrie sowie der Phosphat- und Kalibergbau sind wichtige Wirtschaftszweige. Die Aufnahme vieler Flüchtlingen stellt das Land zwar immer wieder vor enorme Herausforderungen. Größere Verwerfungen bleiben aber aus. Jordanien gilt daher als verlässlicher Partner und als geeigneter Standort für Aktivitäten in der Region.

Im Fokus steht derzeit der Wiederaufbau des kriegszerstörten Syriens. Zwar sind die Sanktionen gegen das Nachbarland und einzelne Personen weitgehend aufgehoben. Die innenpolitische Lage in Syrien bleibt jedoch volatil und ein neuer Rechtsrahmen muss erst noch geschaffen werden. Eine Annäherung über den südlichen Nachbarn Jordanien kann dabei eine Alternative sein. Die Fahrt von Amman in die syrische Hauptstadt Damaskus dauert nur drei bis vier Stunden. Sprache und Gepflogenheiten sind ähnlich. Zahlreiche persönliche Verflechtungen erleichtern den Zugang.

Das Außenhandelsvolumen Jordaniens mit Syrien in den ersten zehn Monaten 2025 war in absoluten Werten zwar noch klein. Syrien taucht aber bereits an fünfter Stelle der wichtigsten Exportziele Jordaniens auf. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum hat sich der Handel um fast 400 Prozent erhöht. Für internationale Unternehmen kann die Zusammenarbeit mit einem jordanischen Partner an diesen Trend anknüpfen. Auch als Transitland kommt Jordanien mit dem Hafen Akaba und gut ausgebauten Straßen in Betracht.

Wirtschaftsentwicklung: US-Zölle bremsen

Ein wichtiger politischer und wirtschaftlicher Partner Jordaniens sind die USA. Insbesondere für die exportorientierte Bekleidungsindustrie sind sie der Hauptabnehmer. Der von den USA 2025 verhängte Einfuhrzoll von 15 Prozent auf Importe aus Jordanien wird die Exporteinnahmen etwas dämpfen, bleibt aber handhabbar.

Die Economist Intelligence Unit (EIU) hat daher ihre Wachstumsprognose für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2026 leicht auf 2,5 Prozent gesenkt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet unverändert eine reale Zunahme von 2,9 Prozent. Für 2025 wird ein Wert zwischen diesen beiden Prognosen erwartet. Die jordanische Zentralbank registrierte für das 1. Halbjahr ein Wachstum von 2,7 Prozent.

Investitionen: Großes Wasserprojekt vor dem Start

Wasser ist in Jordanien seit jeher knapp. Die Aufnahme vieler Flüchtlinge hat die Versorgung in den letzten Jahren vor zusätzliche Herausforderungen gestellt. Flüsse und Grundwasservorräte werden bereits stärker genutzt als nachhaltig ist. Eine mögliche Lösung ist die Meerwasserentsalzung am Roten Meer und eine Zuleitung über 445 Kilometer in die Hauptstadt Amman. 

Dieses lang geplante 4-Milliarden-Dollar-Projekt kommt nun in Gang. Anfang 2025 hat ein Konsortium um die französischen Unternehmen Meridiam und Suez die Ausschreibung dafür gewonnen. Es geht um Bau und Betrieb des Aqaba-Amman Desalination and Conveyance Projects nach dem BOT-Modell (Build, Operate, Transfer) über 30 Jahre. Die geplante Meerwasserentsalzungsanlage wird nach Informationen der Unternehmen mit einer Kapazität von 851.000 Kubikmeter am Tag die zweitgrößte weltweit sein und mit jährlich 300 Millionen Kubikmeter rund 40 Prozent des Trinkwassers für Jordanien bereitstellen. Finanziert wird das Vorhaben zum Teil durch die Europäische Investitionsbank (EIB).

Zum Projekt gehören auch mehrere Pumpstationen zur Überwindung des Höhenunterschieds von circa 800 Metern. Ihre Energie sollen Anlagen und Entsalzungsanlage aus Solarkraftwerken beziehen.

Außenhandel: Stabiler Aufwärtstrend

Sowohl beim Außenhandel mit Gütern als auch bei den Einnahmen aus Dienstleistungen wie dem Tourismus verzeichnete die jordanische Zentralbank in den ersten acht Monaten 2025 eine deutliche Zunahme. Dieser Trend wird sich Prognosen zufolge in den nächsten Jahren fortsetzen.

Wichtigste Ausfuhrgüter Jordaniens sind Bekleidung und Schmuck sowie anorganische Chemikalien, Düngemittel und Kalisalze. Unter den Zielländern lagen in den ersten zehn Monaten 2025 erneut die USA mit einem Anteil von 21 Prozent an der Spitze. Die nächstwichtigen Märkte waren Saudi-Arabien, Indien, Irak und Syrien.

Aus dem Ausland bezieht Jordanien vor allem Nahrungsmittel, Treibstoffe, Maschinen, Fahrzeuge und Elektrogeräte sowie Vorprodukte für die lokale Schmuckindustrie. An der Spitze der Lieferländer lag 2025 China mit einem Anteil von 20 Prozent vor Saudi-Arabien, den USA, Irak und Syrien.

Deutsche Perspektive: Großer Pool von Ingenieuren

Nur wenige deutsche Unternehmen sind in Jordanien präsent. Dabei gibt es durchaus Dinge, die den Standort interessant machen. So weist die praktische Berufsausbildung zwar noch erhebliche Defizite auf. Die Zahl der Hochschulabsolventen und Ingenieure ist jedoch hoch. Aufgrund des niedrigen Lohnniveaus greifen zum Beispiel saudi-arabische Unternehmen auf IT-Dienstleister aus Jordanien zurück. Der erfolgreiche Aufbau digitaler Bürgerdienste kann dabei als Ausweis der Qualifikation gelten.

Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit steht die Ausbildung von Fachkräften im Mittelpunkt. Ziele sind deren Einsatz in Jordanien selbst und auch die Migration von Fachkräften für bestimmte Branchen nach Deutschland. In Betracht kommt insbesondere im technischen und IT-Bereich die Nutzung von Offshore-Dienstleistern in Jordanien. 

Weitere Informationen zu Jordanien finden Sie auf unserer GTAI-Länderseite.

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