Wirtschaftsstandort | Kanada

Kanada ist ein wichtiger Zukunftsmarkt für die deutsche Industrie

Grüne Technologien, Rohstoffe und stabile Rahmenbedingungen machen Kanada zu einem attraktiven Ziel für deutsche Investitionen und Kooperationen.

Heiko Steinacher

Von Heiko Steinacher | Toronto

Als zweitgrößter Flächenstaat der Erde zählt Kanada mit etwa 40 Millionen Einwohnern zu den am dünnsten besiedelten Ländern weltweit. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist die Volkswirtschaft die neuntstärkste der Welt. Kaufkraftbereinigt pro Kopf liegt Kanada auf Platz 20 bis 22 – je nach Quelle und Berechnungsmethode.

Das rohstoffreiche Land hält die weltweit viertgrößten Ölreserven. Bodenschätze wie Nickel, Kupfer, Kobalt, Grafit, seltene Erden und Lithium bieten Kanada ideale Bedingungen für den Aufbau einer regionalen Wertschöpfung in der Elektromobilität. Es ist davon auszugehen, dass Deutschland und Kanada ihre Kooperation in den Bereichen Energie und kritische Rohstoffe ausbauen werden.

  • Mit Fokus auf Wasserstoff, Batterien und kritische Rohstoffe stärkt Kanada seine Wirtschaft – und bietet deutschen Zulieferern gute Perspektiven.

    Kanada hat sich einer grüneren, emissionsarmen Wirtschaft verschrieben. Der Klimaschutzplan setzt dafür klare Vorgaben, etwa das Ziel für Netto-Null-Emissionen bis 2050. Öffentliche Investitionen fließen in den nächsten Jahren verstärkt in grüne Technologien.

    Der Aufbau einer eigenen Wasserstoffwirtschaft sowie der Ausbau von Elektromobilität und Batterietechnik mit regionalen Wertschöpfungsketten und die allgemeine Förderung von Umwelttechnologien sind wichtige Regierungsziele. Die Klimaschutzpolitik spielt damit unter der liberalen Regierung eine zentrale Rolle und bietet Unternehmen eine breite Palette an staatlichen Förderungen.

    Infolge der US-Handelspolitik hat Kanada zudem angekündigt, seine Kfz-Industrie gegen wirtschaftliche Bedrohungen aus den USA zu schützen. Ziel ist es, die Abhängigkeit von grenzüberschreitenden Lieferketten, insbesondere mit den USA, zu reduzieren. Mehr Autoteile und Fahrzeuge sollen vollständig in Kanada produziert werden.

    Zusammenarbeit mit Deutschland soll weiter vertieft werden

    Deutschland verfolgt ähnliche Ziele wie Kanada. Beide Länder kooperieren bereits eng. Sie pflegen eine langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit – etwa bei Forschungs- und Entwicklungsprojekten. Ebenso verlässlich sind die Handelsbeziehungen. Durch CETA, das umfassende Wirtschafts- und Handelsabkommen zwischen Kanada und der EU, sind bereits 99 Prozent der bilateralen Zölle abgeschafft. Zudem erleichtert CETA Unternehmen aus der EU den Einstieg in das kanadische Projektgeschäft.

    41,1 Mio.

    Menschen lebten 2024 im Land.

    Quelle: IWF 2025

    2.241 Mrd.

    US-Dollar betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2024.

    Quelle: IWF 2025

    54.473

    US-Dollar machte das BIP pro Kopf damit 2024 aus.

    Quelle: IWF 2025

    Rang 24

    belegte das Land 2024 unter den deutschen Exportzielen.

    Quelle: Destatis 2025

    Rang 15

    nimmt das Land im Corruption Perceptions Index 2024 ein (unter 180 Ländern).

    Quelle: Transparency International 2025

    Kanada will seine Abhängigkeit von der US-Wirtschaft reduzieren

    Die Bedeutung des Landes als Absatz- und Beschaffungsmarkt für deutsche Unternehmen steigt. Die Zölle der Trump-Regierung dürften Kanadas Außenhandel mit der EU und Asien stärken, insbesondere bei Rohstoffen und Batteriematerialien, während sie den Austausch mit den USA dämpfen.

    Kanadas Außenhandelsquote ist hoch. Sie liegt bei knapp zwei Dritteln der Wirtschaftsleistung – ein sehr hoher Wert unter den G7-Staaten. Wichtigster Handelspartner sind die USA, die knapp 50 Prozent aller Importe liefern und 75 Prozent der Exporte abnehmen.

    Kanada will seine Handelsbeziehungen neu ausrichten, insbesondere in technologieintensiven und nachhaltigen Sektoren. 15 Freihandelsabkommen, darunter CETA und CPTPP (Asien-Pazifik), sollen den Unternehmen den Schritt in Überseemärkte erleichtern. Mit Inkrafttreten des NAFTA-Nachfolgeabkommens USCMA im Jahr 2020 haben viele kanadische Firmen aber ihre Lieferketten noch stärker in Nordamerika verankert.

    Da das Ansehen der USA in Kanada wegen der jüngsten Zollpolitik erheblich gelitten hat, können deutsche Unternehmen durch gezielte Investitionen und Lieferangebote ihre Position als verlässlicher Partner stärken – und damit langfristig profitieren. Neue Zulieferchancen können sich für deutsche Firmen zum Beispiel in den Bereichen Maschinenbau und Industrieanlagen ergeben, als Ersatz für US-Zulieferer.

    Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.

    SWOT-Analyse Kanada

    S

    Stärken Strengths

    • Reiche Rohstoffvorkommen
    • Stabile politische und rechtliche Rahmenbedingungen
    • Hohes Bildungsniveau und starke Universitäten
    • Hohe Innovationskraft in Technologien zur Dekarbonisierung der Industrie
    • Handelsnation mit breitem Netz an internationalen Handelsabkommen
    W

    Schwächen Weaknesses

    • Starke Außenhandelsverflechtung mit den USA
    • Bürokratie sowie unterschiedliche Standards zwischen Provinzen erschweren Binnenhandel
    • Geringes Produktivitätswachstum der Unternehmen aufgrund niedriger Investitionsquoten
    • Hohe Lebenshaltungskosten
    • Kleiner Binnenmarkt im Verhältnis zur Größe des Landes
    O

    Chancen Opportunities

    • Angestrebte Diversifizierung der Exportmärkte
    • Öffentliche Förderung grüner Technologien
    • Industrie muss bei Digitalisierung aufholen
    • Abbau kritischer Rohstoffe soll beschleunigt werden
    • Hoher Bedarf an Know-how in den Bereichen Batteriezellen, Wasserstoffinfrastruktur und Recyclingtechnologien
    T

    Risiken Threats

    • Anhaltender Handelskonflikt mit den USA – neue Zölle gefährden die Wettbewerbsfähigkeit
    • Gefahr steigender Arbeitslosigkeit, insbesondere in der Automobil- und Metallindustrie
    • Fachkräftemangel, besonders in der Industrie und dem Gesundheitswesen
    • Waldbrände, Überschwemmungen, extreme Wetterereignisse nehmen zu
    • Währungsschwankungen und Abwertung des kanadischen Dollars

    Rohstoffe treiben Kanadas Export und Konjunktur

    Kanada ist auf dem Papier eine Dienstleistungsökonomie. Sektoren wie Handel, Finanzen, Gesundheitswesen, Bildung und Tourismus stehen für drei Viertel der Wirtschaftsleistung.

    Gleichzeitig beschäftigen das produzierende Gewerbe, das Bauwesen sowie Transport und Lagerhaltung noch immer gut ein Fünftel aller Arbeitnehmer. Im verarbeitenden Gewerbe sind vor allem der Fahrzeugbau und die Luftfahrtbranche international bedeutend. Die Kfz-Industrie ist eng mit den USA verflochten.

    Auch das Baugewerbe sowie der Primärsektor inklusive Bergbau sowie Öl- und Gasindustrie sind wichtige Wirtschaftszweige. Letztere geben – aufgrund ihrer Bedeutung für den Export – oft den Puls der kanadischen Konjunktur wieder.

    Der Abbau kritischer Mineralien für die Energiewende soll forciert werden

    Die im Dezember 2022 veröffentlichte Strategie für kritische Mineralien bildet die Grundlage für den Ausbau einer nachhaltigen Rohstoffwirtschaft. Kanada will sich als führender Produzent und sicherer Lieferant kritischer Mineralien positionieren – insbesondere als Alternative zu China. Die Strategie adressiert die gesamte Wertschöpfungskette: von der Exploration über den Bergbau und die Aufbereitung bis hin zur fortgeschrittenen Fertigung und dem Recycling.

    Seit 2024 wurden konkrete Maßnahmen eingeleitet. Dazu zählen:

    • staatliche Investitionen in Infrastruktur
    • Förderprogramme für Recyclingtechnologien
    • gesetzliche Reformen in Ontario (schnellere Genehmigungsverfahren, weniger regulatorische Hürden)

    Die Bundesregierung will künftig stärker mit der Privatwirtschaft kooperieren, um gemeinsam Finanzierungsrisiken zu tragen. Im Fokus stehen dabei strategische Regionen wie Timmins (Ontario) mit seinen großen Nickelsulfid-Vorkommen.

    Für deutsche Ausrüster ergeben sich entlang der Wertschöpfungskette vielfältige Chancen – insbesondere bei umweltfreundlichen Bergbautechnologien. Dazu zählen energieeffiziente Maschinen, emissionsarme Raffinationsprozesse sowie Lösungen für die autarke Energieversorgung entlegener Minenstandorte.

    Bedeutung der Wirtschaftszweige in KanadaAnteile in Prozent

    Sektoren

    Anteil an der Bruttowertschöpfung 2024

    Anteil an den Beschäftigten 2024

    Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

    1,8

    0,2

    Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung)

    5,1

    1,2

    Verarbeitendes Gewerbe

    9,2

    8,8

    Energieversorgung (inklusive Wasserversorgung)

    2,0

    0,8

    Baugewerbe

    7,3

    6,6

    Dienstleistungen

    74,6

    82,5

    Quelle: Statistics Canada 2025

    Großraum Toronto führt Kanadas Finanz- und Techsektor an

    Die wirtschaftlich stärkste Region des Landes ist die Greater Toronto Area (GTA) in der Provinz Ontario. Sie ist ein Zentrum für Finanzdienstleistungen und verarbeitendes Gewerbe (insbesondere Automobil- und Maschinenbau) und verfügt über eine wachsende Technologie- und Start-up-Szene.

    Die Provinz Québec überzeugt mit einer starken Pharma- und Luftfahrtindustrie sowie einem bedeutenden Bergbau- und Aluminiumsektor.

    Die Prärieprovinzen Alberta, Saskatchewan und Manitoba sind geprägt von Landwirtschaft, fossiler Energiegewinnung (vor allem Öl und Gas in Alberta) und Bergbau.

    Im Westen wartet British Columbia mit einer diversifizierten Rohstoffwirtschaft auf, darunter Forstwirtschaft, Bergbau und Wasserkraft. Die Region um Vancouver entwickelt sich zudem zu einem Technologiestandort mit florierendem Start-up-Ökosystem.

     

    Eckdaten der wichtigsten Provinzen in KanadaAngaben für 2024

    Gebiet

    Anteil am BIP (in %)

    BIP pro Kopf (in US$) 1)

    Bevölkerung (in Mio.) 2)

    Ontario 

    38,7

    39.572

    16,2

    Québec 

    19,5

    35.527

    9,1

    Alberta

    15,6

    52.299

    4,9

    British Columbia 

    13,8

    39.968

    5,7

    Saskatchewan 

    3,6

    47.150

    1,2

    Manitoba

    3,1

    34.688

    1,5

    Nova Scotia 

    2,0

    30.863

    1,1

    New Brunswick 

    1,6

    30.513

    0,8

    Newfoundland and Labrador 

    1,3

    39.646

    0,5

    Prince Edward Island 

    0,3

    30.963

    0,2

    1 auf Basis fester Preise in kan$ des Jahres 2017, umgerechnet zum Jahresdurchschnittskurs 2024: 1 US$ = 1,370 kan$; 2 Stand: 4. Quartal 2024.Quelle: Statistics Canada 2025; Bank of Canada 2025

    Heiko Steinacher

    Von Heiko Steinacher | Toronto

  • Rund 700 deutsche Unternehmen sind in Kanada aktiv – besonders in den Bereichen Maschinenbau, Logistik, Chemie, Digitalisierung und Umwelttechnologien.

    Deutschland und Kanada intensivieren ihre Partnerschaft: Das zeigt sich an der Energiekooperation und dem Wasserstoffabkommen von 2022. Kanada war zudem Partnerland der Hannover Messe 2025, was die strategische Bedeutung weiter unterstreicht. Der geplante Bau einer Gigafactory durch Volkswagen ist derzeit das herausragende Großprojekt der deutschen Industrie in Kanada. Siemens hat parallel zur Hannover Messe ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für Batterien in Kanada angekündigt.

    Nach dem pandemiebedingten Einbruch 2020 erholten sich die Zuflüsse an ausländischen Direktinvestitionen (FDI) nach Kanada rasch. Im Jahr 2021 stieg das Land auf Rang 5 der weltweit beliebtesten FDI-Ziele auf. Kanada ist insbesondere für Investitionen in Batterietechnologie, Wasserstoff, künstliche Intelligenz und saubere Industrieprozesse attraktiv.

    Die USA bleiben laut dem aktuellen FDI Report 2024 von Invest in Canada mit knapp der Hälfte aller FDI-Bestände der mit Abstand wichtigste Investor in Kanada, trotz wachsender geopolitischer Spannungen.

    Dahinter folgten – mit größerem Abstand – das Vereinigte Königreich (6,8 Prozent), die Niederlande (5,1), Japan (4,3), die Schweiz (3,9) und Deutschland, das seinen Anteil gegenüber dem Vorjahr leicht steigern konnte (von 2,9 auf 3,2 Prozent) und damit ein bedeutender europäischer Investor bleibt. Der Anteil Chinas betrug 2,7 Prozent.

    Deutsche Unternehmen mit starker Präsenz in Kanada

    Rund 700 deutsche Firmen sind in Kanada aktiv. Besonders in den Bereichen Maschinenbau, Logistik, Chemie, Digitalisierung und Umwelttechnologien ist Deutschland stark vertreten. Neben bekannten Namen wie BASF, Siemens, SAP, DHL und K+S investieren zunehmend auch Mittelständler. Die meisten gründen Vertriebsgesellschaften, einige betreiben eigene Produktionsstätten.

    SAP und DHL bauen ihre digitale Infrastruktur und Logistiknetzwerke in Kanada weiter aus, insbesondere in der Region Toronto. K+S betreibt mit der Kalimine Bethune in Saskatchewan eines der größten deutschen Einzelprojekte. Doch der Spitzenplatz könnte bald an Volkswagen (VW) gehen: Die VW-Tochter PowerCo SE baut in St. Thomas, Ontario, eine Gigafactory für Batteriezellen. Die Investitionssumme liegt bei rund 5,2 Milliarden US$; 2027 soll die Produktion anlaufen. Bis zu 3.000 Arbeitsplätze entstehen.

    Auswahl der größten deutschen Investoren in Kanada (Stand: Juni 2025)

    Unternehmen

    Branche

    Angestellte

    Standorte

    Siemens CanadaMaschinenbau

    4.400

    37

    SAP Canada Softwareentwicklung

    2.961

    6

    Bayer Canada Pharma, Arzneimittel

    1.300

    2

    BASFchemische Produktion

    1.000

    10

    K+S Potash CanadaBergbau

    500

    3

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2025

    Hohe Lohn- und Mietkosten belasten Unternehmen

    Im verarbeitenden Gewerbe weist Kanada im internationalen Vergleich hohe Lohnkosten auf. In einigen Industriezweigen hat das Land in den letzten Jahren als Produktionsstandort an Wettbewerbsfähigkeit verloren – insbesondere in den teuren Metropolregionen. 

    In Städten wie Toronto und Vancouver müssen Unternehmen mit hohen Fixkosten für Büro- und Gewerbeflächen rechnen. Das erschwert auch die Fachkräftegewinnung, da die Lebenshaltungskosten – insbesondere für Wohnen – stark gestiegen sind. Die Immobilienmärkte in beiden Städten gelten als überhitzt. Wohnraum ist knapp und die Preise steigen schneller als die Einkommen. Manche Firmen weichen an die Stadtränder oder in kleinere Zentren aus.

    Unterschiede zwischen Provinzen erfordern eine standortspezifische Steuerplanung

    Der bundesweite Körperschaftsteuersatz in Kanada beträgt 15 Prozent. Für kleinere, wachstumsorientierte Unternehmen mit operativem Geschäft in Kanada (small businesses) liegt der Satz bei 9 Prozent. Zusätzlich erheben die Provinzen eigene Körperschaftsteuern, die je nach Standort variieren. Hier herrschen teilweise große regionale Unterschiede. Der kombinierte effektive Steuersatz (Bund und Provinz) liegt im Jahr 2025 bei durchschnittlich 26,5 Prozent.

    Investitionsförderung auf mehreren Ebenen

    Zentrale Anlaufstelle für ausländische Unternehmen, die in Kanada investieren möchten, ist die nationale Investitionsförderungsgesellschaft Invest in Canada, die 2018 gegründet wurde.

    Auch auf regionaler und kommunaler Ebene arbeiten zahlreiche Investitionsfördergesellschaften, die aktiv bei Ansiedlungen unterstützen und die eng mit Invest in Canada kooperieren. Dazu zählen zum Beispiel Toronto Global, Invest Ottawa und Edmonton Global. Die Strukturen ähneln dem deutschen Wirtschaftsfördersystem.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Heiko Steinacher

    Von Heiko Steinacher | Toronto

  • BezeichnungAnmerkung
    AHK KanadaAnlaufstelle für deutsche Unternehmen
    Statistics CanadaStatistikbehörde
    Invest in CanadaNationale Investitionsförderagentur
    Global AffairsAußenministerium
    Innovation, Science and Economic Development Canada Regierungsbehörde, die den "Invest in Canada Act" verwaltet