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Fachkräfte

Kroatiens Arbeitsmarkt bleibt trotz schwächerem Beschäftigungszuwachs angespannt. Fachkräfte fehlen, Unternehmen sind auf Mitarbeiter aus Drittstaaten angewiesen.

Kirsten Grieß

Von Kirsten Grieß | Zagreb

Kroatiens Arbeitsmarkt ist so angespannt wie seit Jahrzehnten nicht. Ende Juni 2026 berechnete das kroatische Arbeitsamt HZZ eine Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent. Mit 59.423 registrierten Arbeitslosen erreichte die Zahl einen historischen Tiefstand. Gleichzeitig waren beim Rentenversicherungsträger HZMO rund 1,8 Millionen Beschäftigte erfasst. 

Regional bleibt das Gefälle groß. Die höchsten Arbeitslosenquoten verzeichneten 2025 die ostkroatischen Gespanschaften Osijek-Baranja und Virovitica-Podravina. Überdurchschnittlich hoch waren die erhobenen Werte auch in Teilen Slawoniens, in Sisak-Moslavina und im dalmatinischen Hinterland. Besonders wenige Arbeitslose gab es Istrien, Zagreb und einigen nordwestlichen Landesteilen.

Kroatien im weltweiten Vergleich

Kroatien im weltweiten Vergleich

Folgende Karte ermöglicht den Vergleich zwischen zahlreichen Ländern weltweit. Bitte beachten Sie, dass die Werte in der Karte aus international standardisierten Quellen stammen und somit ggf. von Angaben aus nationalen Quellen im Text abweichen können.

 

Beschäftigungszuwachs verlangsamt sich

Nach der Coronapandemie wuchsen Wirtschaft und Beschäftigung in Kroatien überdurchschnittlich stark. Die Konjunktur 2026 dürfte etwas an Schwung verlieren. Entsprechend wird auch die Beschäftigung langsamer zulegen. Die kroatische Zentralbank rechnet mit einem Beschäftigungsplus von 0,8 Prozent, nach 2,5 Prozent im Vorjahr. Im 1. Quartal 2026 lag die Beschäftigung 0,6 Prozent über dem Vorjahreswert und entwickelte sich damit genauso stark wie im EU-Durchschnitt. Die nachlassende Arbeitskräftenachfrage könnte den Druck auf den kroatischen Arbeitsmarkt verringern. Der strukturelle Fachkräftemangel bleibt jedoch bestehen.

Die Beschäftigungsquote der 15- bis 64-Jährigen stieg 2025 um 0,5 Prozentpunkte auf 68,8 Prozent. Damit lag Kroatien 2,2 Prozentpunkte unter EU-Durchschnitt. Arbeitskräftepotenziale bestehen vor allem bei älteren Menschen. Seit Januar 2026 können Beschäftigte, die das gesetzliche Rentenalter von 65 Jahren überschritten haben, neben ihrem Gehalt die Hälfte ihrer Rente beziehen. Die Regelung soll ein längeres Erwerbsleben attraktiver machen.

Bewerbern fehlen passende Qualifikationen

Kroatiens Unternehmen fehlen nicht nur Arbeitskräfte, sondern zunehmend Bewerber mit den notwendigen Fachkenntnissen. "Wir sprechen nicht mehr nur von einem Arbeitskräftemangel, sondern von einem Mangel an den vom Markt geforderten Qualifikationen", sagt die Leiterin des Zentrums für innovatives Unternehmertum der kroatischen Wirtschaftskammer HGK. Besonders groß sind die Engpässe laut Kammer in Produktion, Handel und Logistik. In der Bauwirtschaft und der IT-Branche hat sich die Lage dagegen leicht entspannt.

Eine wesentliche Ursache der Personalengpässe ist die demografische Entwicklung. Seit Anfang der 1990er-Jahre ist Kroatiens Bevölkerung um rund ein Fünftel auf 3,87 Millionen Menschen geschrumpft. Neben dem natürlichen Bevölkerungsrückgang trug dazu über viele Jahre eine starke, häufig finanziell motivierte Abwanderung bei. Inzwischen beobachten Unternehmen vermehrt die Rückkehr von Arbeitskräften. Gründe sind das kräftige Lohnwachstum in Kroatien und die schwächere Konjunktur in Teilen Europas. Seit 2022 weist Kroatien wieder eine positive Wanderungsbilanz auf.

Duale Ausbildungsprogramme kaum verbreitet

Kroatien verfügt über ein solides Bildungssystem, Fremdsprachenkenntnisse sind verbreitet. Als besonders beliebt gelten Englisch und Deutsch. In Teilen Dalmatiens und Istriens wird auch Italienisch gesprochen. Im IMD World Talent Ranking 2025 verbesserte sich das Land um vier Plätze auf Rang 47 von 69 untersuchten Volkswirtschaften. Bei den Investitionen in Bildung und Talententwicklung schnitt Kroatien vergleichsweise gut ab. Schwächer bewertet wurden dagegen die betriebliche Aus- und Weiterbildung.

Auch technische Hochschulen bilden grundsätzlich gut qualifizierte Absolventen aus. Die fachliche Ausrichtung der Abschlüsse entspricht jedoch nicht immer dem Bedarf der Unternehmen. Zudem fehlt es Berufseinsteigern mitunter an praktischer Erfahrung. Viele Unternehmen qualifizieren Hochschulabsolventen nach der Einstellung daher sechs bis zwölf Monate intern weiter.

Obwohl die duale Berufsausbildung seit 2013 gesetzlich verankert ist, spielt sie bislang nur eine geringe Rolle. Von der AHK Kroatien gemeinsam mit Unternehmen entwickelte Ausbildungsprogramme bleiben auf einzelne Initiativen beschränkt. Seit 2022 können zudem zweijährige, praxisorientierte Bildungsgänge angeboten werden, die einen Teil der Ausbildung im Betrieb vorsehen. Nach Angaben des kroatischen Arbeitgeberverbands gibt es landesweit bislang nur rund zehn solcher Programme – gegenüber etwa 1.700 Studiengängen.

Ausländische Arbeitskräfte bleiben unverzichtbar

Kroatien ist zur Deckung seines Arbeitskräftebedarfs auf Zuwanderung aus Drittstaaten angewiesen. Das Innenministerium erteilte 2025 rund 170.700 Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen, 17 Prozent weniger als im Rekordjahr 2024. Besonders gefragt sind ausländische Arbeitskräfte im Tourismus und Gastgewerbe sowie auf dem Bau. Neben Beschäftigten aus Bosnien und Herzegowina und Serbien kommen zunehmend Arbeitskräfte von den Philippinen und aus Nepal. 

Im 1. Halbjahr 2026 sank die Zahl der erteilten Genehmigungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5 Prozent auf rund 94.100. Gleichzeitig waren Ende Juni 2026 beim Rentenversicherungsträger HZMO rund 150.800 Drittstaatsangehörige erfasst, gut 29.000 mehr als Ende 2025. Ein direkter Vergleich ist nur eingeschränkt möglich: Während die Zahl der Genehmigungen die im jeweiligen Zeitraum neu erteilten Bewilligungen registriert, umfasst der HZMO-Bestand auch ältere Genehmigungen, die inzwischen bis zu drei Jahre gelten. Seit Juni 2026 sind zudem strengere Integrationsanforderungen in Kraft: Für die Verlängerung müssen nach einem Jahr Aufenthalt grundlegende Kroatischkenntnisse nachgewiesen werden.

Parallel fördert die Regierung die Rückkehr kroatischer Ausgewanderter. Über das 2022 aufgelegte Programm "Biram Hrvatsku" können Heimkehrer Zuschüsse für den Schritt in die Selbstständigkeit erhalten. Erste Effekte sind laut Arbeitsmarktexperten bereits spürbar.

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