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Solar und Wind begünstigen Investitionsklima
Mauretanien wandelt sich von einem reinen Rohstoffland zu einem Partner für die Energiewende. Die politische Stabilität macht es zu einem bevorzugten Ziel für Geber und Investoren.
21.01.2026
Von Ullrich Umann | Casablanca
Mauretanien als Ziel für strategische Investitionen
Mauretanien punktet bei ausländischen Investoren zunehmend durch seine Doppelrolle als traditioneller Rohstofflieferant und künftiger Knotenpunkt für grüne Energie. Neben den umfangreichen Eisenerzvorkommen und Goldminen verfügt das Land über einige der fischreichsten Gewässer der Welt. Gleichzeitig ist eine Ausweitung des Interesses privaten Kapitals zu beobachten: Während der Bergbau sowie die Erdöl- und Erdgasförderung (insbesondere durch das GTA-Projekt) weiterhin dominieren, könnten künftig auch massive Mittel in den Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft sowie in die Modernisierung der Agrar- und Fischereiwirtschaft fließen.
Nachdem die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) während der Pandemiejahre massiv eingebrochen waren, ist für Mauretanien seit 2024 eine deutliche Erholung zu verzeichnen. Laut aktuellen Daten der UNCTAD und regionalen Berichten stabilisieren sich die Zuflüsse wieder auf einem Niveau von über 1 Milliarde US-Dollar pro Jahr, getragen vor allem von Großprojekten im Energiesektor.
Frankreich bleibt aufgrund historischer Bindungen ein zentraler Akteur. Doch die Dynamik hat sich verschoben: China investiert massiv in die Infrastruktur und Fischerei, während die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien verstärkt im Bergbau und im Energiesektor aktiv sind. Deutsche Unternehmen haben mit wenigen Ausnahmen bislang nicht im Land investiert. Die Klingele Packaging Group ist mit ihren Fertigungsstätten für Kartonverpackungen nach wie vor der wichtigste deutsche Produzent vor Ort und bedient die wachsende Nachfrage der lokalen Fischerei- und Agrarwirtschaft.
Vom Versprechen zur Umsetzung bei Wasserstoff
Die Skepsis gegenüber den vagen Absichtserklärungen der Vorjahre ist einer vorsichtigeren Planung gewichen. Mauretanien hat 2024 einen wegweisenden "Code de l’Hydrogène Vert" (Rahmengesetz für grünen Wasserstoff) verabschiedet, um Rechtssicherheit für Investoren zu schaffen. Großprojekte wie Aman (CWP Global) und Nour (Chariot/TotalEnergies) befinden sich nun in fortgeschrittenen Machbarkeitsstadien.
Zwar bleibt der Kapitalbedarf mit geschätzten Summen von jeweils über 30 Milliarden US-Dollar außerordentlich hoch, doch die Einbindung internationaler Konsortien und die Unterstützung durch die EU-Initiative "Global Gateway" verleihen den Vorhaben mehr Realismus. Diese Projekte zielen darauf ab, Mauretanien bis Mitte der 2030er Jahre zu einem der weltweit kostengünstigsten Produzenten von grünem Ammoniak und Wasserstoff zu entwickeln.
Großprojekte auf Geberländer angewiesen
Mauretanien ist weiterhin auf die Unterstützung bi- und multilateraler Geber angewiesen, wobei Deutschland über die KfW und GIZ eine Schlüsselrolle einnimmt. Ein Meilenstein der regionalen Integration ist die Rosso-Brücke die eine leistungsfähige Landverbindung zwischen Mauretanien und Senegal schafft. Die Fertigstellung wird für 2027 erwartet.
Die Infrastruktur am Tiefseehafen von Nouadhibou wurde stetig erweitert, um nicht nur Eisenerz, sondern auch Logistikdienstleistungen für die neue Gasindustrie abzuwickeln. Während die Afrikanische Entwicklungsbank (ADB) die Modernisierung des Straßennetzes vorantreibt, konzentriert sich die deutsche Entwicklungszusammenarbeit (KfW) aktuell auf die nachhaltige Bewirtschaftung der Meeresressourcen und die Stärkung der Finanzwirtschaft. Die GIZ unterstützt zudem Projekte zur Anpassung an den Klimawandel, um die Ernährungssicherheit im zunehmend trockenen Hinterland zu stabilisieren.
Der gesetzliche Rahmen für Investitionen stimmt
Parlament und Regierung haben im Juni 2012 das Investitionsgesetz reformiert. Investitionen sind seither besser geschützt. Auch wurden die Verwaltungsabläufe gestrafft. Das reformierte Gesetz garantiert unter anderem die freie Ausfuhr ausländischen Kapitals sowie von Löhnen, die ausländische Arbeitnehmer im Land beziehen.
Zusätzlich wurden Importerleichterungen und Ausfuhranreize erlassen. Auf Grundlage des Gesetzes sind Sonderwirtschaftszonen zur Förderung der Regionalentwicklung entstanden, wobei die Freihandelszone Nouadhibou über ein gesondertes Regelwerk verfügt.
Reformierter Rechtsrahmen und "Guichet Unique"
Um das Investitionsklima attraktiver zu gestalten, hat die mauretanische Regierung die Kompetenzen der Investitionsförderungsagentur APIM (Agence de Promotion des Investissements en Mauritanie) gestärkt. Der Ein-Schalter-Service (Guichet Unique) wurde digitalisiert, was die Unternehmensgründung und die Erteilung von Arbeitsgenehmigungen für Fachkräfte beschleunigt.
Das Investitionsgesetz garantiert den freien Kapitaltransfer und schützt vor Enteignung. Trotz dieser rechtlichen Fortschritte bleibt die Durchsetzung von Forderungen vor Gerichten eine Herausforderung. In internationalen Indizes, wie dem Index der wirtschaftlichen Freiheit, konnte sich das Land leicht verbessern, kämpft aber weiterhin mit strukturellen Schwächen in der Verwaltung und einem großen informellen Sektor. Einzig der Handel mit Alkohol und Schweinefleisch bleibt aus religiösen Gründen untersagt; ansonsten stehen alle Sektoren ausländischem Kapital offen.
Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.