Wirtschaftsausblick I Mauretanien
Mauretaniens LNG-Einkommen stabilisieren das Wirtschaftswachstum
Mauretanien startet 2026 in einen neuen Investitionszyklus, finanziert aus Exporten von LNG, Gold und Eisenerz. Aus Deutschland sind dafür Maschinen, Anlagen und Know-how gefragt.
18.06.2026
Von Ullrich Umann | Casablanca
Top-Themen: Regierung federt Verwerfungen aus dem Golfkrieg ab
Die wirtschaftliche Entwicklung wird 2026 durch öffentliche Investitionen geprägt. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Offshore‑Erdgasfeld Greater Tortue Ahmeyim (GTA), das sowohl einen erweiterten Devisenzufluss aus LNG-Exporten garantiert als auch den weiteren Bedarf an Energie‑, Transport‑ und Exportinfrastruktur mitbestimmt.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank sehen den investitionsgetriebenen Wachstumspfad als tragfähig an, weisen jedoch darauf hin, dass die weltwirtschaftlichen Verwerfungen nach dem Golfkrieg der mauretanischen Regierung viel fiskalpolitische Feinsteuerung abverlangen. Die äußerst volatilen Importpreise auf Rohöl und Nahrungsmittel erhöhen massiv die Risiken für die Preisstabilität, für das Leistungsbilanzdefizit und die öffentlichen Finanzen insgesamt. Außerplanmäßige Subventionen auf Benzin und Grundnahrungsmittel sowie gezielte Sozialtransfers für die ärmsten Bevölkerungsschichten machten sich im Frühjahr 2026 unabdingbar, um das wirtschaftliche Gleichgewicht auszutarieren.
Schon in den vergangenen Jahren zeichnete sich ab, dass Mauretaniens Wirtschaftswachstum nicht linear verläuft: Der jüngste Rückgang der Bruttoanlageninvestitionen um 6,1 Prozent im Jahr 2025 auf Vorjahresbasis war dennoch kein Krisensignal, sondern durch den Abschluss der extrem kapitalintensiven ersten Bauphase des GTA‑Projekts bedingt. Seit Anfang 2026 revitalisiert die öffentliche Hand das Wachstum mit frischen Investitionen in Infrastruktur, Transport und Energie.
Dass 2025 ein novelliertes Investitionsgesetz (Code des investissements) verabschiedet wurde, zahlt sich 2026 zusätzlich aus: Daraus resultierende vereinfachte Genehmigungsverfahren und verbesserter Rechtsschutz stimulieren und beschleunigen dringend benötigte private Projekte in der Fischverarbeitung, in der Logistik sowie Agrarwirtschaft. Den mittelfristigen Prognosen von IWF und Weltbank nach werden die Bruttoanlageinvestitionen 2027 weiter steigen, dann getragen von Vorhaben der erneuerbaren Energien und zur Erzeugung von Wasserstoff.
Wirtschaftsentwicklung: Wirtschaftswachstum erhöht Importnachfrage nach Ausrüstungsgütern
Die mauretanische Wirtschaft befindet sich im laufenden Jahr in einer Phase robusten Wachstums, das laut IWF bei rund 4 bis 5 Prozent liegt und sich in ähnlicher Größenordnung auch 2027 fortsetzen dürfte. Treibende Faktoren sind steigende Gasexporte, die Einnahmen aus den Gold- und Eisenerzausfuhren sowie öffentliche Ausgaben für Infrastruktur und soziale Programme. Gleichzeitig zeigt sich, dass das Wachstum von wenigen Rohstoffsektoren abhängt und 2025 etwa durch eine schwächere Dynamik im Bergbau gedämpft wurde, während nicht-extraktive Aktivitäten stabilisierend wirkten. Die Regierung setzt daher auf Diversifizierung und möchte über steigende Investitionen und internationale Finanzierungszusagen die wirtschaftliche Basis verbreitern.
Die Nachfrage nach Maschinen und Ausrüstungen wird in den Jahren 2026 und 2027 von der Gasförderung und -verflüssigung, der Erschließung neuer Minen (Gold, Eisen, Uran) sowie Investitionen in Energieversorgung, Logistik und industrielle Wertschöpfung getragen. Dazu gehören unter anderem der Bau von Gaskraftwerken, Wind- und Solarparks sowie von Übertragungs- und Verteilernetzen.
Risikobehaftet bleibt dagegen die hochgradige Abhängigkeit von exportorientierten Rohstoffprojekten, deren Investitionszyklen stark schwanken, sowie strukturelle Engpässe. Dazu gehören die immer noch begrenzten Hafen- und Transportkapazitäten, der schwach entwickelte Privatsektor und das überschaubare industrielle Ökosystem. Zudem können externe Faktoren wie volatile Rohstoffpreise, regionale Unsicherheiten im Sahel oder zeitweise rückläufige Großinvestitionen, etwa nach Abschluss einzelner Gasprojekte, zu Nachfrageschwankungen bei Investitionsgütern führen.
Deutsche Perspektive: Ausrüstungen aus Deutschland sind begehrt, aber teuer
Für deutsche Unternehmen bestehen 2026 die größten Absatzchancen in den staatlich angestoßenen oder staatlich getragenen Projekten. Zu den gefragten Gütern zählen Bergbautechnik, Maschinen und Ausrüstungen für Vorhaben der Infrastruktur, Logistik, Energie und Wasserwirtschaft, aber auch Industrieausrüstungen für die Agrarwirtschaft und Nahrungsmittelveredelung. Die Investitionsoffensive im Bergbau und die angeschobenen Energieprogramme schaffen zusätzlichen Bedarf an relevanten Maschinen, Komponenten, Engineering‑Leistungen und technischen Services.
Hinsichtlich der Zahlungsfähigkeit für Importe zeigt sich die Lage stabil. Internationale Institutionen verweisen auf „komfortable“ Devisenreserven und eine Verbesserung der außenwirtschaftlichen Kennzahlen durch steigende Exporterlöse. Dennoch erweisen sich die Geschäftschancen deutscher Exporteure als ungleich höher, wenn sie maßgeschneiderte Finanzierungsmodelle und belastbare Servicekonzepte im Angebot führen, wobei den Service fallweise lokale Partner absichern.
Das deutsche Exportgeschäft stützte sich 2025 laut Handelsstatistik von Destatis zum einen auf Nahrungsmittel (vor allem Milch‑ und Molkereiprodukte) und auf Maschinen und Anlagen für die Lebensmittelverarbeitung, Verpackungsherstellung, Fischerei und für den Bergbau sowie auf Fahrzeuge und Teile dafür. Die deutschen Einfuhren setzen sich wiederum vorrangig aus Eisenerz sowie Agrarprodukte, etwa Melonen, zusammen.
Weitere Informationen, zum Beispiel Rechtsinformationen, Branchenberichte und Ausschreibungsmeldungen finden Sie auf der Länderseite Mauretanien.