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Markttrends

Polens dynamische Wirtschaft treibt den Fahrzeugabsatz nach oben. Besonders der Pkw‑Markt entwickelt sich stark. Doch nicht alle Fahrzeugarten profitieren gleichermaßen.

Von Christopher Fuß | Warschau

Der polnische Pkw‑Markt verzeichnete 2025 ein Rekordjahr. Die Neuzulassungen stiegen um 8,3Prozent auf 597.435 Fahrzeuge. Das ist der höchste Wert seit dem EU‑Beitritt Polens im Jahr 2004.

Auch deutsche Hersteller profitierten von der starken Nachfrage. Volkswagen legte um 11,8Prozent zu und behauptete mit 42.932 Neuzulassungen seinen dritten Platz in der Rangfolge der meistverkauften Automarken in Polen, hinter Skoda und Toyota. Besonders dynamisch entwickelte sich BMW. Die Marke steigerte ihre Verkäufe um 15,4Prozent und kletterte damit auf Platz4 im Verkaufsranking.

8 %

des polnischen BIP hängen an der Automobilindustrie.

Konjunktur und Konkurrenz beflügeln den Markt

Zu den wichtigsten Gründen für das Wachstum des polnischen Pkw‑Marktes zählen die robuste Konjunktur, ein stabiler Arbeitsmarkt und steigende Einkommen. Eine weitere Rolle spielt die Änderung der Abschreibungsregeln für Firmenfahrzeuge. Seit Anfang 2026 können Unternehmen und Selbstständige ein Fahrzeug mit CO₂‑Emissionen über 49Gramm pro Kilometer nur noch bis zu einem Betrag von 23.800Euro steuerlich absetzen. Zuvor lag die Grenze bei 35.700 Euro. Viele gewerbliche Käufer haben ihre Anschaffungen daher vorgezogen, um noch von den alten Regelungen zu profitieren, berichtet der polnische Automobilverband PZPM (Polski Związek Przemysłu Motoryzacyjnego).

Hinzu kommt, dass chinesische Automarken mit niedrigen Preisen verstärkt in den polnischen Markt drängen. Die etablierten Hersteller reagierten darauf mit Rabattaktionen. In der Folge stiegen die Listenpreise für Neuwagen 2025 laut dem polnischen Institut für Automobilmarktforschung SAMAR nur um 0,8Prozent. Das ist der niedrigste Wert, den SAMAR je registriert hat. Zum Vergleich: Die durchschnittlichen Löhne in Polen legten 2025 nominal um 8,6Prozent zu.

Firmenautos aus China bleiben eine Seltenheit

Von einer Dominanz der neuen chinesischen Marken kann jedoch noch keine Rede sein. Zwar erzielten sie 2025 beeindruckende Wachstumsraten mit teilweise über 1.000Prozent, allerdings von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau. In den Top20 der beliebtesten Automarken Polens finden sich mit MG und der Geely‑Tochter Volvo bislang lediglich zwei Marken mit chinesischen Eigentümern.

Wenn sich Kunden für ein chinesisches Modell entscheiden, handelt es sich überwiegend um Privatkäufer. Gewerbliche Abnehmer machen bislang einen Bogen um diese Fahrzeuge. Zu groß ist die Sorge vor fehlender Ersatzteilversorgung und unklaren Restwerten der Gebrauchtfahrzeuge. Dabei stellen Unternehmen mit einem Anteil von 68,8Prozent an allen Neuzulassungen die wichtigste Kundengruppe im polnischen Fahrzeugmarkt dar.

Besonders stark zu spüren ist der Druck aus China laut dem Automobilportal Superauto.pl im Gebrauchtwagensektor. Demnach wurden 2025 rund 10Prozent weniger Gebrauchtwagen nach Polen importiert als im Vorjahr. Viele Kunden entschieden sich laut Superauto.pl stattdessen für einen günstigen Neuwagen aus chinesischer Produktion.

Für das Jahr 2026 rechnet das Automobilportal mit einem weiteren Anstieg der Pkw‑Neuzulassungen. Möglich sei ein Plus zwischen 6 und 8Prozent. Neben der guten wirtschaftlichen Lage dürften auch die sinkenden Finanzierungskosten zu dieser Entwicklung beitragen. Die polnische Zentralbank NBP senkte ihren Leitzins im Dezember 2025 auf 4Prozent. Weitere Zinssenkungen sind angesichts einer niedrigen Inflation möglich. Das würde die Finanzierung von Neufahrzeugen zusätzlich verbilligen.

Talfahrt bei Lkw vorerst beendet

Neben dem Pkw‑Markt entwickelte sich auch das Nutzfahrzeugsegment positiv. Nach Jahren rückläufiger Zulassungszahlen stiegen die Neuregistrierungen von Lkw 2025 um 6,7Prozent auf 29.979 Fahrzeuge. Volvo kletterte mit einem Absatzplus von 12,9Prozent und 5.911 verkauften Lkw an Scania vorbei auf Platzeins der zulassungsstärksten Marken in Polen. Der Münchener Hersteller MAN verzeichnete ein Wachstum von 3,5Prozent auf 4.868 Fahrzeuge, während Mercedes‑Benz seine Verkäufe um 8,3Prozent auf 4.385 Stück steigerte.

Die leichte Erholung am Lkw‑Markt ist vor allem auf eine stabilere Auftragslage bei Speditionsunternehmen zurückzuführen. Wie das polnische Institut für Straßentransport PITD berichtet, entstehen insbesondere durch den steigenden Warenimport nach Polen neue Aufträge. Laut dem Logistikdienstleister Evex wächst zudem die Binnennachfrage nach Transportleistungen. Sind die Auftragsbücher gefüllt, steigt bei Logistikunternehmen auch die Nachfrage nach neuen Lkw. 

Gleichwohl bleibt die Lage für Teile der Transportbranche angespannt: Geschäftsklimaumfragen zeigen, dass vor allem kleine und mittelgroße Speditionen weiterhin unter Druck stehen. PITD verweist in diesem Zusammenhang auf bürokratische Auflagen, bedingt durch das EU‑Mobilitätspaket und den obligatorischen Austausch von Fahrtenschreibern.

Die weitere Entwicklung des Lkw‑Absatzes in Polen wird davon abhängen, wie sich der internationale Warenhandel und die Binnenkonjunktur entwickeln. Eine steigende Produktion von Industriegütern könnte die Nachfrage stützen, denn diese werden in der Regel per Lkw transportiert. Belastend wirken hingegen die wiederkehrenden Schließungen der Grenze zu Belarus, die wichtige Transitverbindungen nach Osten beeinträchtigen.

Toyota ist Polens beliebteste AutomarkePkw-Neuzulassungen nach Herstellern in Polen im Jahr 2025, Marktanteil und Veränderung in Prozent

Hersteller

Stückzahl

Veränderung 2025/2024

Marktanteil 2025

Toyota92.128-11,315,42
Skoda65.5138,910,97
Volkswagen42.93211,87,19
BMW31.30615,45,24
Kia30.743-7,85,15
Audi30.6235,05,13
Mercedes-Benz30.2725,25,07
Quelle: PZPM 2026

Deutsche Busse sind beliebt

Auch im Bussegment wurden 2025 steigende Absatzzahlen verzeichnet. Die Neuzulassungen legten um 16,6Prozent auf 2.683 Fahrzeuge zu. Zu den zulassungsstärksten Marken gehörten Mercedes‑Benz mit 1.032 verkauften Bussen sowie MAN mit 372 Fahrzeugen.

Neben EU-Förderprogrammen für emissionsfreie Busse half dem Absatz die verbesserte Finanzlage in vielen Kommunen. Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2025 verbleibt ein größerer Anteil der Steuereinnahmen bei den Gemeinden. Zuvor ging das Geld an die Zentralregierung in Warschau. Dank der Reform stehen den Kommunen mehr Mittel für Investitionen zur Verfügung, zum Beispiel in städtische Verkehrsbetriebe und den Fuhrpark.

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