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Wirtschaftsausblick | Ruanda

Ruanda setzt 2026 auf starkes Wirtschaftswachstum

Ein neuer Milliardenflughafen soll Ruandas Hauptstadt Kigali zum afrikanischen Hub machen. Das bietet Chancen für Investoren und Zulieferer.

Von Carsten Ehlers | Nairobi

Top Thema: Kigali positioniert sich als neuer Luftverkehrsknoten Afrikas

Der Bau des rund 50 Kilometer von Kigali entfernten Bugesera International Airport nimmt nach jahrelangen Verzögerungen wieder Fahrt auf. Das rund 2 Milliarden US‑Dollar (US$) schwere Projekt soll 2028 in Betrieb gehen und der ruandischen Wirtschaft neue Impulse geben. Kritik kommt unter anderem vom Internationalen Währungsfonds (IWF), der auf die zusätzliche Belastung des ruandischen Schuldendienstes verweist.

Konsortialführer des Projekts ist die portugiesische Mota Engil. In der ersten Bauphase ist der Flughafen auf eine jährliche Kapazität von 7 Millionen Passagieren sowie 150.000 Tonnen Luftfracht ausgelegt. Ein weiterer Ausbau ist bis 2032 geplant.

Mit dem Flughafen Bugesera positioniert sich Kigali – neben Addis Abeba – als potenziell wichtiges afrikanisches Luftverkehrsdrehkreuz. Der Zeitpunkt ist günstig, da etablierte afrikanische Airlines wie South African Airways und Kenya Airways wirtschaftlich geschwächt sind.

Qatar Airways hält 60 Prozent am Flughafenprojekt und 49 Prozent an der Fluggesellschaft RwandAir. Für Katar ist die Beteiligung strategisch: Über Ruanda soll der afrikanische Markt besser erschlossen werden. RwandAir gilt schon heute als eine der wenigen leistungsfähigeren Airlines des Kontinents.

Wirtschaftsentwicklung: Ruanda bleibt Wachstumsführer in Afrika

Die wirtschaftlichen Aussichten Ruandas sind Anfang 2026 positiv. Trotz Unsicherheiten durch den Ostkongo‑Konflikt berichten Unternehmen von einem stabilen Geschäftsumfeld. Die Economist Intelligence Unit (EIU) prognostiziert für 2026 ein reales BIP‑Wachstum von 7 Prozent. Ruanda bleibt damit einer der wachstumsstärksten Märkte Afrikas.

Ruanda ist weiterhin in den Konflikt im Osten der Demokratischen Republik (DR) Kongo involviert. Westliche Staaten werfen Kigali seit 2025 die Verletzung territorialer Integrität vor. Zwar wurde im Dezember 2025 ein von den USA vermitteltes Abkommen unterzeichnet, doch die erneute militärische Offensive der von Ruanda unterstützten M23‑Rebellen in der ostkongolesischen Stadt Uvira lassen die Zukunft des Friedensprozesses offen.

Die EU und auch Deutschland haben seit März 2025 Hilfsprogramme für Ruanda auf den Prüfstand gestellt und keine neuen Zusagen gemacht. Für Ruanda, das stark auf Gebermittel angewiesen ist, ist dies ein spürbarer Einschnitt.

Inflation und Währung: Stabilisierung mit Risiken

Das Geschäftsumfeld bleibt insgesamt günstig. Die Inflation dürfte 2026 dank restriktiver Geldpolitik der Zentralbank unter 6 Prozent sinken. Der Rwanda Franc (RWF) hat sich nach deutlichen Verlusten bis Mitte 2025 stabilisiert, steht jedoch aufgrund des strukturellen Leistungsbilanzdefizits weiter unter Abwertungsdruck. Experten rechnen 2026 mit einer moderaten Abwertung.

Kagame setzt auf Reformkurs

Präsident Paul Kagame, seit 2000 im Amt, wurde bei den Präsidentschaftswahlen im Juli 2024 erneut bestätigt. Mit der National Strategy for Transformation (NST2) verfolgt die Regierung ambitionierte wirtschaftliche Ziele: hohe Wachstumsraten, Ausbau der Infrastruktur, geringe Korruption und ein investitionsfreundliches Geschäftsumfeld. Ruanda gilt als eines der effizientesten und sichersten Länder Afrikas, erkauft jedoch seine politische Stabilität durch ein stark autoritär geprägtes Regierungssystem. Ursache dafür sind vor allem die traumatischen Erfahrungen des Genozids im Jahr 1994, dessen Überwindung weiterhin die größte gesamtgesellschaftliche Herausforderung ist.

Bau, Bergbau und Tourismus mit guten Perspektiven

Ruandas wirtschaftliche Dynamik zeigt sich besonders in folgenden Branchen:

  • Bausektor: zahlreiche Infrastrukturprojekte, Urbanisierung, Wohnungsbau
  • Bergbau: steigende Produktion von Kassiterit, Koltan und Wolfram – relevant für Maschinenbau- und Technologiezulieferer
  • Tourismus: Impulse durch internationale Sportereignisse und Business‑Tourismusangebote

Trotz moderner Hauptstadt und positiver wirtschaftlicher Wahrnehmung bleibt Ruanda mit einem Pro‑Kopf‑Einkommen von gut 1.000 US$ ein armes Land, dessen Wirtschaft stark von externer Entwicklung und regionalen politischen Entwicklungen abhängig ist.

Der Markt hat in den letzten 15 Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen, bleibt aber aufgrund seiner Größe strukturell begrenzt.

GTAI-Informationen zu Ruanda

Deutsche Perspektive: Standort bleibt interessant für IT-Dienstleister

Ruanda hat sich zu einem attraktiven Standort insbesondere für IT‑Dienstleister entwickelt. Unternehmen wie TestSolutions, Rohde & Schwarz, MaibornWolff und Amalitech haben sich hier bereits angesiedelt. Neben der geringen Zeitverschiebung zu Europa ist die Verfügbarkeit junger Fachkräfte im Technologiebereich ein großer Vorteil.

Volkswagen betreibt seit 2018 eine kleinere Montage. BioNTech baut seit Ende 2023 eine Impfstoffproduktion in Kigali auf.

Die deutschen Exporte nach Ruanda erreichten von Januar bis November 2025 rund 61,3 Millionen Euro – mit einem Minus von 2,2 Prozent leicht unter dem Vorjahr. Aufgrund des kleinen Markts erfolgt die Bearbeitung meist über den regionalen Hub Nairobi (Kenia) oder über Handelsvertreter.

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