Wirtschaftsumfeld | Singapur, Malaysia | Sonderwirtschaftszone Johor

Geplante Wirtschaftszone eröffnet neue Perspektiven in ASEAN

Auch für deutsche Firmen interessant: Das Gemeinschaftsprojekt soll Standortvorteile Malaysias und Singapurs für elf Schwerpunktsektoren verbinden.

Von Alexander Hirschle | Singapur

Die Anfang 2025 von Singapur und Malaysia gemeinsam gegründete Sonderwirtschaftszone Johor-Singapore Special Economic Zone (JS-SEZ) soll die wirtschaftliche Integration der beiden Länder verbessern und ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern. Es wird mit einer zusätzlichen Wertschöpfung in Höhe von 26 Milliarden US-Dollar (US$) pro Jahr gerechnet. Darüber hinaus sollen rund 100.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Johor ist offiziellen Angaben nach die dynamischste Investitionsregion in Malaysia und hat gleichzeitig das höchste Wirtschaftswachstum. Unternehmen investierten 2025 rund 28 Milliarden US$, was einem Viertel aller Investitionen im Land entsprach.

Vorteile beider Länder an einem Ort

Die neue Wirtschaftszone bündelt die Stärken beider Standorte und gleicht ihre Schwächen aus. Das macht sie auch für deutsche Firmen interessant. Rund 90 deutsche Firmen sind bereits vor Ort vertreten. Die meisten setzen auf ein sogenanntes Twinning-Modell: Strategische Einheiten, Forschung und Entwicklung oder IT-Abteilung sind in Singapur angesiedelt, die JS-SEZ nutzen sie für Produktion, Logistik und Lagerkapazitäten. Unternehmensvertreter in Johor berichten von 45 bis 60 Prozent niedrigeren Kosten für Lagerflächen, Strom und Löhne im Vergleich zu Singapur. Auch der Zugang zu Arbeitskräften sei einfacher. Von malaysischer Seite besteht unter anderem im Bereich duale Berufsausbildung besonderes Interesse an der Zusammenarbeit mit Deutschland.

Personalentwicklung zahlt sich aus

Das deutsche Unternehmen Mosca ist schon seit über 15 Jahren in Malaysia und hat 2025 eine neue Hightech-Produktionsstätte in Johor eingeweiht. Bei der Suche nach Mitarbeitenden setzt der Hersteller von Verpackungssystemen in Johor auf unterschiedliche Strategien: Die Ausschreibung einfacher Tätigkeiten erfolgt über Annoncen in Stellenportalen. Mechaniker und Verwaltungspersonal findet das Unternehmen über Agenturen und durch Kooperationen mit lokalen Universitäten. Für die Besetzung von Stellen im mittleren Management und höheren Leitungsfunktionen werden Headhunter engagiert. 

Fachkräftesuche in Malaysia und Singapur

In unserer Reihe Arbeitsmarkt erfahren Sie mehr über die Verfügbarkeit von Fachkräften und erhalten praktische Informationen zur Personalsuche in Malaysia und Singapur.

Das sei jedoch immer weniger nötig, erzählt Nils Cröger, Director Sales and Business Development bei Mosca Asia-Pacific. Mosca setze stark auf Fortbildungen und Schulungen für die Beschäftigte, auch in der Zentrale in Deutschland. Auf diese Weise entwickele das Unternehmen einen eigenen Pool von Nachwuchsführungskräften. Zusätzlich erhöhe gezielte Personalentwicklung die Firmenbindung. Sie liegt bei Mosca mit rund neun Jahren deutlich über dem Landesschnitt. Gerade bei Arbeitskräften mit einfacheren Tätigkeiten ist die Fluktuation hoch. Diesbezüglich empfiehlt Cröger: "Wir bieten europäische Arbeitsbedingungen und Sicherheitsstandards in den Fabriken. Das erhöht die Attraktivität der Firma enorm bei den Beschäftigten!"

Schnell sein kann sich lohnen

Interessierte Unternehmen sollten sich allerdings sputen. Lokale Firmenvertreter berichten, dass die Kosten etwa für Baumaterialien und die Mieten für Gewerbeimmobilien aufgrund der großen Nachfrage bereits anziehen. Laut den malaysischen Behörden wollen sich zahlreiche chinesische Firmen in Südmalaysia niederlassen, besonders aus den Bereichen Halbleitermaterialien, Spezialchemikalien und Elektronik. Auch zahlreiche lokale Unternehmen stehen dem Industrieverband Singapore Business Federation zufolge in den Startlöchern. Allein in den ersten drei Quartalen 2025 investierten singapurische Firmen in der Wirtschaftszone über 4 Milliarden US$.

Interessierte Firmen können sich an die Malaysian Investment Development Authority (MIDA) wenden. Sie unterhält auch in Deutschland ein Büro in Frankfurt am Main

Zusätzlich erteilt die regionale Investitionsbehörde Invest Johor Auskünfte. 

Branchenschwerpunkte passen zu den Stärken der deutschen Wirtschaft

Für die Sonderwirtschaftszone sind elf Schwerpunktsektoren ausgewiesen. Diese sind in großen Teilen kompatibel mit der Angebotspalette deutscher Produkte und Technologien. Dazu gehören verarbeitendes Gewerbe, Logistik, Nahrungsmittelsicherheit, Energie, Finanzdienstleistungen und Gesundheit. Weitere Schwerpunkte sind Luftfahrt, elektrische Komponenten und Halbleiter, Chemie und Petrochemie sowie Pharmazie. Diese Branchen bieten auch für deutsche Unternehmen ein großes Potenzial für Investitionen oder Produktionsverlagerungen aus anderen Ländern.

Der erwartete Boom in der JS-SEZ könnte auch nachgelagerten Wirtschaftszweigen wie der Lagerei Auftrieb geben. Lagerkosten sind um die Hälfte niedriger als in Singapur. Auch die Bauwirtschaft könnte durch die geplante Modernisierung der Infrastruktur und den Bedarf an neuen Immobilien angekurbelt werden. Der Boom von Datenzentren dürfte sich ebenfalls intensivieren. In den vergangenen Jahren haben internationale Firmen in Johor rund 50 Projekte im Wert von circa 10 Milliarden US$ umgesetzt. Außerdem wird voraussichtlich die Nachfrage nach Nahrungsmitteln und Alltagsdienstleistungen wie zum Beispiel Restaurants anziehen.

Malaysia fördert Zukunftssektoren

Firmen, die in "fortschrittlichen" Sektoren wie künstlicher Intelligenz, Quantencomputing, Medizintechnik oder Luftfahrt tätig sind, profitieren von einem Förderpaket der Regierung des Bundesstaats Johor und des malaysischen Finanzministeriums. Die Maßnahmen umfassen unter anderem eine reduzierte Unternehmenssteuer in Höhe von 5 Prozent für bis zu 15 Jahre. Beschäftigte genießen in Johor außerdem bis zu zehn Jahre eine Vorzugsbesteuerung.

Ausbau der Infrastruktur entscheidend für Erfolg der Wirtschaftszone

Circa 300.000 Menschen pendeln Tag für Tag zwischen Malaysia und Singapur. Die Grenzübergänge platzen in den Stoßzeiten aus allen Nähten. Das Abfertigungsprozedere soll künftig weiter digitalisiert und die Kapazitäten erhöht werden.

Der Erfolg der JS-SEZ wird Kritikern zufolge davon abhängen, ob die Zeitpläne für geplante Infrastrukturprojekte eingehalten werden und ob der Transport von Waren und Personen zwischen Singapur und Malaysia tatsächlich einfacher wird. Die für 2026 geplante Fertigstellung des Rapid Transit System Links, einer Stadtbahnstrecke zwischen Woodlands, Singapur, und Johor Bahru, Malaysia, dürfte hierfür ein Lackmustest werden.