Arbeitsmarkt | Tschechische Republik

Tschechischer Arbeitsmarkt kommt in Bewegung

Die Personalsuche in Tschechien steckt voller Herausforderungen. Fachkräfte sind rar und die Löhne steigen stark an. Professionelles Personalmanagement wird immer wichtiger:

Gerit Schulze

Von Gerit Schulze | Prag

Der Arbeitsmarkt in Tschechien verändert sich grundlegend. Während in der Industrie weiter Stellen abgebaut werden, suchen dienstleistungsnahe Branchen und der IT-Sektor weiterhin Mitarbeitende. Im 1. Quartal 2026 waren laut Statistikamt 171.000 Menschen als erwerbslos registriert und damit 30.000 mehr als im Vorjahresquartal. Dennoch bleibt die Arbeitslosenquote im europäischen Vergleich gering. Die gezielte Suche nach Fachkräften und ein professionelles Personalmanagement sind inzwischen ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor für tschechische Unternehmen. Das Lohnniveau für Spezialisten nähert sich weiter den Vergütungen in Westeuropa an.

Stärken des Arbeitsmarkts

  • Motivierte und gut ausgebildete Fachkräfte
  • Hohe Kompetenzen bei technischen Berufen und IT
  • Günstige Löhne im Vergleich zu Deutschland
  • Sicherer und attraktiver Standort für Expats
  • Talente bleiben im Land, kaum Probleme mit Brain Drain

Schwächen des Arbeitsmarkts

  • Engpässe bei Fachkräften und Spezialisten
  • Geringer Praxisbezug in der Berufsausbildung
  • Loyalität gegenüber Arbeitgebern weniger ausgeprägt
  • Schrumpfende Zahl an Erwerbstätigen
  • Arbeitsmigration stark reguliert

  • Die Arbeitslosigkeit in Tschechien steigt. Dennoch fehlen in vielen Branchen Fachkräfte und Spezialisten. Das regionale Ungleichgewicht bleibt bestehen.

    Mit 3,1 Prozent (laut ILO-Berechnungsmethode) erzielte Tschechien im 1. Quartal 2026 nach Angaben von Eurostat die drittniedrigste Arbeitslosenquote in der EU nach Polen und Bulgarien. Kandidaten können ihre hohen Gehaltsforderungen daher weiter durchsetzen.

    Sie profitieren davon, dass sich Tschechiens Konjunktur trotz der globalen Krisenherde gut entwickelt. Das Bruttoinlandsprodukt wächst 2026 und 2027 voraussichtlich um jeweils über 2 Prozent.

    Perspektivisch bleiben Fachkräfte in Tschechien auch deshalb knapp, weil mehr Menschen in Rente gehen als in den Arbeitsmarkt eintreten. Das jährliche Defizit beträgt rund 30.000 Arbeitskräfte. Arbeitgeber müssen deshalb immer mehr Energie darauf verwenden, Personal zu finden und im Unternehmen zu halten.

    In Kohleregionen höhere Arbeitslosigkeit 

    Anders als Eurostat benutzt das tschechische Arbeits- und Sozialministerium eine Definition zur Erwerbslosigkeit, die alle verfügbaren Arbeitssuchenden im Alter von 15 bis 64 Jahren umfasst. Demnach waren Ende Mai 2026 rund 337.000 Menschen als arbeitslos registriert, die Erwerbslosenquote lag bei 4,8 Prozent. Das waren 0,6 Prozentpunkte und über 40.000 Menschen mehr als ein Jahr zuvor. Besonders groß war die Arbeitslosigkeit in den Strukturwandelregionen Ústí nad Labem (7,2 Prozent) und Mährisch-Schlesien (6,8 Prozent). Die niedrigste Zahl meldete die Hauptstadt Prag (3,8 Prozent).

    Die Zahl offener Stellen ist jedoch stabil. Im Mai verzeichnete das tschechische Arbeitsamt 94.000 freie Arbeitsplätze, nur 2.000 weniger als im Vorjahresmonat. Am meisten Personal sucht immer noch das verarbeitende Gewerbe (mehr als ein Viertel der offenen Stellen). Außerdem gibt es in der öffentlichen Verwaltung, im Bausektor, in der Logistik und Lagerwirtschaft sowie bei Hotels und Gaststätten viele Stellenangebote.

    Wie der Personaldienstleister ManpowerGroup im Juni 2026 mitteilte, haben 61 Prozent der Arbeitgeber Schwierigkeiten, freie Positionen mit geeigneten Kandidaten zu besetzen. Jede dritte Firma will laut Manpower in den kommenden Monaten Personal einstellen, besonders im Bauwesen und Immobiliensektor, bei Technologieunternehmen und IT-Dienstleistern sowie Energie- und Versorgungsunternehmen. Dagegen plant die Automobilindustrie ähnlich viele Entlassungen wie Neueinstellungen.

    Zu den gefragtesten Berufen im Jahr 2026 gehören nach Erhebungen der ManpowerGroup Spezialisten für Cybersicherheit und Datenanalysten, technische Vertriebskräfte, Elektrotechniker, Mechatroniker, CNC-Bediener, Schweißer und Fahrer. Die Statistik der offenen Stellen zeigt, dass der Bedarf an technisch qualifizierten Arbeitskräften wie Maschinenbedienern und Montierern besonders groß ist. Außerdem fehlen Tausende Hilfsarbeiter im Hochbau, Gabelstaplerfahrer und Kochpersonal.

    Softwareentwickler weniger gefragt

    Wegen der KI-Revolution sinkt auch in Tschechien der Bedarf an Softwarespezialisten, erklärt Blake Wittman, European Business Director beim Prager Personalvermittler Goodcall. "Bei IT-Talenten gibt es eine leichte Entspannung am Markt, besonders bei nicht Tschechischsprachigen. Dieser Trend wird sich bis ins Jahr 2027 fortsetzen", prognostiziert der Marktexperte.

    Insgesamt sei die Nachfrage nach Arbeitskräften aber konstant, ergänzt Kateřina Janičatová, Geschäftsführerin und Miteigentümerin bei Bond Recruitment and Consulting in Prag. Die Agentur ist auf Fach- und Führungskräfte (White-Collar-Positionen) spezialisiert. "In den Bereichen Produktion und Industrie, Pharmazie, Handel und Finanzen sehen wir weiterhin viele Chancen am Markt", beschreibt Janičatová.

    Personalbedarf regional sehr unterschiedlich

    Die Personalsuche in Tschechien bleibt herausfordernd, weil das Arbeitskräfteangebot und die Nachfrage regional unterschiedlich verteilt sind. In den strukturschwachen Kreisen mit traditioneller Industrie steigt die Arbeitslosigkeit, während in den Zentren wie Prag, Brno oder Plzeň weiter Fachkräfte gesucht werden.

    Die geringe Mobilität der Arbeitssuchenden verhindert, dass innovative Unternehmen Personal finden. Wie die tschechische Bank ČSOB analysierte, wechselten 2025 im Schnitt nur 1 Prozent der Beschäftigten den Arbeitgeber. Der EU-Durchschnitt liegt bei 2,4 Prozent. Das spricht zwar für stabile Beschäftigungsverhältnisse. Die eingeschränkte Mobilität der Arbeitskräfte erschwert aber die Rekrutierung. Ein Grund ist der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in den Großstädten.

    Fast jeder fünfte Beschäftigte aus dem Ausland

    Trotz verbreiteter Skepsis gegenüber Migration wächst der Anteil ausländischer Beschäftigter. Im März 2026 waren laut Arbeitsministerium fast 960.000 Ausländer in Tschechien beschäftigt. Das entsprach 18 Prozent aller Erwerbstätigen. Davon kamen rund 374.000 aus der Ukraine und etwa 231.000 aus der Slowakei. Unter den EU-Staaten sind Rumänien, Polen, Bulgarien und Ungarn die wichtigsten Herkunftsländer (nach der Slowakei). Größere Gruppen an Arbeitsmigranten stammen außerdem aus Russland, Vietnam und den Philippinen. Aus Deutschland kamen rund 5.800 Beschäftigte (Tendenz steigend).

    Programme zur Beschäftigung ausländischer Fachkräfte
    ProgrammZielgruppe
    Hochqualifizierter BeschäftigterGeschäftsführungen, Spezialisten und technische Fachleute aus Drittstaaten, vor allem für den Gesundheitssektor.
    Schlüsselpersonal und ForscherBeschäftigung ausländischer Fach- und Führungskräfte in Produktionsbetrieben, im Dienstleistungs- und öffentlichen Sektor; Unterstützung von Forschungseinrichtungen, Technologieunternehmen und Start-ups.
    Qualifizierter Beschäftigter *)Fachkräfte aus den zwölf Nicht-EU-Staaten Mongolei, Serbien, Philippinen, Indien, Moldau, Montenegro, Kasachstan, Armenien, Georgien, Nordmazedonien, Thailand und Ukraine. Betrifft die ISCO-Klassifikationen 4 bis 8, also Dienstleistungsberufe, landwirtschaftliche Fachkräfte, Handwerker, Fahrer und Maschinenbediener.
    Digitaler NomadeAusländische Spitzenkräfte im IT-Sektor oder Marketing, die sich in Tschechien ansiedeln wollen, aber weiter für ihren bisherigen Arbeitgeber im Ausland arbeiten. Das Programm gilt für Bürger aus Australien, Japan, Kanada, Südkorea, Neuseeland, dem Vereinigten Königreich, USA, Taiwan, Brasilien, Israel, Mexiko, Indien und Singapur.
    SonderarbeitsvisumLand- und Forstwirtschaft sowie Lebensmittelverarbeitung mit Bedarf an Saisonkräften. Das Visum hat eine Gültigkeitsdauer von maximal einem Jahr und wird an Hilfskräfte aus Georgien, Moldau, Nordmazedonien und der Ukraine sowie aus Bosnien und Herzegowina vergeben. Die monatliche Höchstquote beträgt 205 Visa.
    Arbeitsmigration aus IndonesienHandwerker aus Indonesien im Alter von 21 bis 29 Jahre, 1.000 Visa jährlich.
    * Für dieses Programm gilt 2026 eine Jahresquote von 31.720 Arbeitsvisa, davon 12.100 für Menschen aus der Ukraine und 10.300 für Arbeitssuchende von den Philippinen; Hilfestellung bei Beantragung durch die Wirtschaftskammer HK ČR.Quelle: Ministerium für Industrie und Handel 2026; Ministerium für Landwirtschaft 2026

    Potenziale bei älteren Beschäftigten

    Neben der Arbeitsmigration will Tschechiens Regierung ungenutzte Reserven am Arbeitsmarkt heben. Ihre Wirtschaftsstrategie sieht vor, die Erwerbsquote der 15- bis 64-Jährigen bis 2035 auf 85 Prozent zu erhöhen (gegenüber derzeit 77 Prozent). Für Personen im Vorruhestands- und Rentenalter sind Umschulungen, flexible Arbeitsmodelle und die Stärkung der Altersdiversität am Arbeitsplatz geplant.

    Die disruptive Kraft der künstlichen Intelligenz (KI) nehmen Tschechiens Unternehmen nicht so stark wahr wie die Geschäftswelt in anderen Ländern. Laut Befragung des tschechischen Arbeitsamtes erwarten 61 Prozent der Arbeitgeber keine wesentlichen Auswirkungen auf die Zahl der Beschäftigten in den nächsten drei Jahren. Bei handwerklichen Tätigkeiten sowie Berufen mit direktem Kundenkontakt wie Bauwesen, Landwirtschaft oder Gesundheitswesen werden kaum Verluste erwartet.

    Die Tschechische Republik im weltweiten Vergleich

    Folgende Karte ermöglicht den Vergleich zwischen zahlreichen Ländern weltweit. Bitte beachten Sie, dass die Werte in der Karte aus international standardisierten Quellen stammen und somit ggf. von Angaben aus nationalen Quellen im Text abweichen können.

    Gerit Schulze

    Von Gerit Schulze | Prag

  • Neben attraktiven Löhnen erwarten Tschechiens Beschäftigte zunehmend ein angenehmes Betriebsklima und flexible Arbeitszeitmodelle. Die Personalsuche bleibt eine Herausforderung.

    Auch wenn die Arbeitslosenzahlen in Tschechien steigen, bleibt die Rekrutierung von Fachpersonal eine Herausforderung. Das gilt für Führungspositionen und hochspezialisierte Bürotätigkeiten ebenso wie für Spezialisten in der Produktion.

    Für potenzielle Kandidaten ist der Standort des Unternehmens ausschlaggebend. Tschechinnen und Tschechen bleiben gern in ihrer Heimatregion, auch weil der Wohnungsmarkt in den Boomstädten angespannt ist. Eine kleine Wohnung vor Ort, die der Arbeitgeber zahlt, könnte Kandidaten dazu bewegen, eine neue Stelle außerhalb der Heimatregion anzutreten.

    "Bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber ist es außerdem wichtig, sich gehaltlich zu verbessern, also mindestens 10 bis 20 Prozent mehr Fixgehalt zu bekommen", berichtet Kateřina Janičatová von der Prager Personalagentur Bond Recruitment. "Für Buchhaltungspositionen ist ein kurzer Arbeitsweg wichtig. Vertriebspersonal schätzt zunehmend weniger Mikromanagement, realistische Zielvorgaben und ein Umfeld, in dem man nicht wie eine Zitrone ausgepresst wird, sondern in Ruhe Ergebnisse liefern kann."

    Arbeitnehmer wünschen Wertschätzung und Transparenz

    Wie eine Umfrage des Anbieters von Personalbenefits, Pluxee, Ende 2025 zeigte, sind 14 Prozent der Beschäftigten unzufrieden mit ihrem Arbeitgeber. Der wichtigste Treiber für einen Jobwechsel bleibt das Gehalt. Etwa jeder vierte Befragte bemängelte aber auch fehlende Anerkennung in der Firma, Inkompetenz des Managements, schlechte Kommunikation und die Arbeitsbedingungen.

    Arbeitgeber müssen sich darauf einstellen, dass Führung, Unternehmenskultur und Arbeitsumfeld entscheidend sind im Wettbewerb um das beste Personal. Dazu gehört auch, die Arbeitgebermarke aktiv zu entwickeln und aufzuwerten. "Gefragt sind Change-Management und Kreativität. Die Mitarbeitenden wollen mitgenommen und eingebunden werden", bringt es Blake Wittman vom Personalvermittler Goodcall auf den Punkt. 

    Die Suche nach Spezialisten und die Personalentwicklung sollte in Tschechiens Unternehmen grundsätzlich mehr Priorität bekommen, meint auch Katerina Vollmann, Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Vollmann & Partners. "Den Wettbewerb um den kleineren Pool an besten Köpfen gewinnt nicht, wer am lautesten sucht, sondern wer stetig und geduldig entwickelt, Chancen bietet und die Suche als Chefsache behandelt."

    Die Anforderungen an einen Kandidaten sollten kein Selbstzweck sein. Entscheidend ist, eine Person zu finden, die in der jeweiligen Rolle erfolgreich sein wird. Das muss nicht immer ein "Einhorn" sein, das alle Kriterien erfüllt. Wichtiger ist ein Kandidat mit hohem Potenzial, der richtigen Motivation und der Fähigkeit, fehlende Erfahrungen schnell zu ergänzen.

    Kateřina Janičatová Geschäftsführerin und Miteigentümerin bei Bond Recruitment and Consulting in Prag

    Internetportale helfen bei der Kandidatensuche

    Bei einfachen Positionen versuchen Unternehmen im ersten Schritt oft selbst, Personal zu finden. Sie schalten Anzeigen, recherchieren in sozialen Medien oder zapfen das Netzwerk ihrer Beschäftigten an. Hilfreich sind Jobplattformen im Internet wie Jobs.cz, Prace.cz oder Profesia.cz. Einige Firmen bieten ihren Mitarbeitenden finanzielle Anreize, wenn sie Kontakte zu potenziellen Bewerbern herstellen.

    Eine gute Möglichkeit, sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren, sind die jährlichen Praxistage bei deutschen Unternehmen in Tschechien. Unter dem Motto Echt Praxe organisieren die Firmen jeweils im Frühsommer eine Woche der offenen Tür. Informationen erteilen die Deutsche Botschaft Prag oder die Deutsch-Tschechische Industrie- und Handelskammer (AHK Tschechien).

    Wenn solche Maßnahmen keinen Erfolg bringen, helfen Personalagenturen weiter. Sie nehmen meist zwei bis drei Monatsgehälter Vermittlungsgebühr pro Position. Allerdings suchen diese Dienstleister vor allem in ihren Datenbanken nach Kandidaten. Aktives Headhunting betreiben sie eher selten.

    Zur Direktansprache sind professionelle Personalberater nötig. Solche Headhunter kommen besonders bei Führungspersonal und Schlüsselpositionen zum Einsatz. In Tschechien verlangen sie dabei die marktübliche Vermittlungsgebühr von 25 bis 30 Prozent eines Jahresgehalts.

    Erfolgsgarantie bei der Personalsuche

    Seriöse Personalvermittler gewähren eine Garantie, dass der vermittelte Kandidat nicht vorzeitig ausscheidet und tatsächlich auf die Position passt. Anderenfalls wird ein Ersatzkandidat gesucht. Bei Experten wie Juristen, Qualitätsmanagern oder Einkäufern sind dabei drei bis sechs Monate üblich, bei Topmanagern bis zu zwölf Monate. Damit zeigen die Headhunter ihre Verantwortung für den Auswahlprozess.

    Bei der Wahl von Personalagenturen ist Vorsicht geboten. Es gibt in Tschechien zahlreiche illegale Vermittler, die Arbeitskräfte außerhalb des Gesetzesrahmens zur Verfügung stellen. Im Register lizenzierter Agenturen führt das Arbeitsministerium aktuell rund 1.900 Personalvermittler. Die legalen Agenturen sind im Verband der Personaldienstleister (APPS) organisiert.

    Bei der Personalsuche hilft auch die AHK Tschechien. Sie nutzt ihr enges Kontaktnetzwerk und die große Reichweite ihrer Publikationen.

    Essensgutscheine beliebteste Sonderleistung 

    Beim Wettbewerb um die besten Talente spielt nicht nur die Gehaltshöhe eine Rolle, sondern auch Benefitsysteme. Das beliebteste Instrument sind Essensgutscheine ("stravenky"). Laut Umfragen des Dienstleisters Pluxee erhalten über 80 Prozent der Beschäftigten in Tschechien solche Verpflegungszuschüsse. Der häufigste Zuschuss liegt bei rund 5 Euro und ist für Arbeitgeber steuerlich abzugsfähig.

    Doch solche Gutscheine sind längst nicht mehr ausreichend. Die Liste freiwilliger Sonderleistungen der Arbeitgeber ist deutlich länger.

    Zusatzurlaub und Rentenzuschuss als BenefitSonderleistungen tschechischer Unternehmen
    Zusatzanreiz

    Anteil der Unternehmen in %

    Essenszuschüsse

    78

    Altersvorsorge-/Versicherungsbeiträge

    55

    Zusätzlicher Urlaub

    51

    Teambuilding

    30

    Gleitzeit

    29

    Weiterbildungszuschüsse

    28

    Homeoffice

    25

    Krankentage (Sick days)

    23

    Private Nutzung von Mobiltelefonen

    22

    Sport-/Freizeitbeiträge

    19

    An der Umfrage haben sich rund 17.000 tschechische Unternehmen beteiligt und damit fast die Hälfte aller Wirtschaftssubjekte.Quelle: Studie "Prognosen und Realität des Arbeitsmarktes aus Sicht der Arbeitgeber" vom Mai 2026, Úřad práce České republiky 2026

    Allerdings entfalten Benefits allein ohne Entwicklungsmöglichkeiten keine volle Wirkung. "Oft besteht die Tendenz, möglichst viele Benefits anzubieten, statt sich mit grundlegenden Problemen wie interner Kommunikation, Führung oder Management auseinanderzusetzen", sagt Kateřina Janičatová von Bond Recruitment in Prag.  

    Einen guten Überblick zu den Sonderleistungen deutscher Arbeitgeber in Tschechien bietet der jährliche Gehaltsbenchmark der AHK Tschechien. Das Angebot der deutschen Arbeitgeber reicht von Eintrittskarten für Freizeitparks und Schwimmbäder über Tagesausflüge für die Kinder der Beschäftigten bis hin zu Familien-, Sommer- und Weihnachtsfesten.

    Für Beschäftigte, die eine weite Anreise haben, bieten sich Fahrtkostenzuschüsse oder Shuttlebusse zu den Werken an. Verbreitet sind Sonderzahlungen bei Geburt eines Kindes, einer Hochzeit oder dem Tod eines nahen Familienangehörigen. Vier von fünf deutschen Firmen ermöglichen den nicht-gewerblichen Beschäftigten das Arbeiten von zu Hause (Homeoffice). Unter den nicht-gewerblichen Beschäftigten deutscher Unternehmen erhalten 30 Prozent ein 13. Gehalt und 37 Prozent Weihnachtsgeld.

    Leiharbeit noch unter dem EU-Niveau 

    Laut Eurostat lag der Anteil der Zeitarbeit an den Vollzeitbeschäftigten in Tschechien 2025 bei 1,6 Prozent (EU-Durchschnitt: 2,2 Prozent). Besonders häufig werden Zeitarbeitende im verarbeitenden Gewerbe und in der Bauwirtschaft eingesetzt. Auch im IT-Sektor und der Telekommunikation nutzten Unternehmen zuletzt häufiger Leiharbeiter, um Personalengpässe zu überbrücken.

    Gerit Schulze

    Von Gerit Schulze | Prag

  • Die Reallöhne in Tschechien wachsen weiter mit hohem Tempo. Zusatzleistungen wie Zuschüsse zum Mittagessen oder zur Altersvorsorge bleiben ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.

    Die gute Konjunkturlage und die Engpässe bei Fachkräften und Spezialisten sorgen weiter für hohe Lohnzuwächse. Im 1. Quartal 2026 lagen die Reallöhne um 6,4 Prozent über dem Vorjahreswert. Besonders hoch waren die Zuwächse in der Immobilienwirtschaft, in der Verwaltung, in der Baubranche, Gastronomie und Tourismus sowie im Forschungssektor.

    Für das 1. Quartal 2026 ermittelte das tschechische Statistikamt einen Durchschnittslohn von 50.300 Tschechischen Kronen (Kč), was umgerechnet rund 2.067 Euro entsprach. Allerdings ist dieser Wert wegen einer großen Lohnschere wenig aussagekräftig. Bei Beschäftigten mit niedrigen Einkommen wachsen die Löhne weniger stark als bei solchen mit höheren Einkommen. Da normalerweise besser vergütete Spezialisten besonders gefragt sind, können sie entsprechend hohe Aufschläge durchsetzen. Das treibt den Durchschnittslohn nach oben, ohne dass alle Beschäftigten davon profitieren.

    Für das Gesamtjahr 2026 erwartet die Regierung laut einer Prognose von April reale Lohnzuwächse von 4,2 Prozent und für 2027 von 3,2 Prozent. Der Nominallohn soll 2026 ein durchschnittliches Niveau von 52.600 Kč (2.170 Euro) erreichen.

    Mindestlohn bei knapp unter 1.000 Euro

    Der offizielle Mindestlohn orientiert sich seit 2025 an der prognostizierten Höhe des Durchschnittslohns und wird über einen Koeffizienten automatisch ermittelt. Für 2026 beträgt er 43,4 Prozent des Durchschnittslohns. Zielwert für 2029 ist ein Mindestlohn in Höhe von 47 Prozent des Durchschnittslohns.

    Bei einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden beträgt der Mindestlohn 2026 pro Monat 22.400 Kč (rund 920 Euro) oder pro Stunde 134,40 Kč (rund 5,50 Euro). Für ausländische Beschäftigte, die im Rahmen des Programms Qualifizierter Beschäftigter angeworben wurden, müssen Unternehmen ab 2025 mindestens das 1,22-Fache des Mindestlohns zahlen.

    Großes Lohngefälle zwischen Männern und Frauen

    Bemerkenswert ist, dass Tschechien in der EU zu den Ländern mit dem größten Verdienstabstand zwischen Frauen und Männern zählt. Laut Eurostat verdienten Frauen 2024 in Tschechien 18,5 Prozent weniger als Männer. Im Global Gender Gap Index 2026 belegt das Land nur Platz 103 von insgesamt 148 Staaten. Tschechische Frauen arbeiten selten in Führungspositionen und müssen nach dem Mutterschutzurlaub auf der Karriereleiter häufig wieder unten beginnen. Außerdem treten sie bei Gehaltsverhandlungen weniger selbstbewusst auf als Männer. Laut Global Gender Gap Index hat nur jede sechste Firma in Tschechien Frauen in Top-Positionen.

    Prager Gehaltsniveau verzerrt die Statistik

    Regional sind die Lohnunterschiede in Tschechien gering. Nur Prag sticht deutlich hervor: Hier liegt das Lohnniveau um mehr als ein Drittel über dem Landesdurchschnitt. In der Hauptstadt haben viele internationale Großunternehmen ihren Sitz, steuern von dort ihre Geschäfte in Mittelosteuropa und beschäftigen viele Expats. Außerdem ist die Moldaumetropole dank ihrer Lebensqualität und der vielen Hochschulen ein Zentrum der IT-Branche, die hohe Gehälter offeriert. Wie stark Prag die Gehaltsstatistik in Tschechien verzerrt, zeigt, dass in allen anderen Regionen die Löhne unter dem Landesdurchschnitt liegen.

    Lebenshaltungskosten in Großstädten sehr hoch

    Nach Berechnungen der Plattform für einen menschenwürdigen Mindestlohn sind bei einer Vollbeschäftigung mindestens 48.000 Kč (2.000 Euro) nötig, um Ausgaben für Essen, Wohnung, Kleidung, Sport- und Freizeitaktivitäten bewältigen zu können. In Großstädten wie Prag und Brno liege dieser Wert sogar bei 57.000 Kč (2.340 Euro). Das Expertenteam weist darauf hin, dass zwei Drittel der Beschäftigten diesen "menschenwürdigen Mindestlohn" nicht bekommen.

    Tech-Spezialisten bekommen die höchsten Löhne

    Auch wenn der Durchschnittslohn in Tschechien noch weit unter deutschem Niveau liegt, können Spezialisten in bestimmten Branchen sehr hohe Löhne verlangen. Am meisten verdienen die Beschäftigten im IT- und Telekommunikationssektor, wo inzwischen in der Regel über 4.000 Euro monatlich gezahlt werden. Auch im Finanz- und Versicherungswesen und in der Energie- und Versorgungswirtschaft liegen die Löhne weit über dem Durchschnittsniveau. Am wenigsten zahlen die Betriebe des Hotel- und Gaststättengewerbes, Behörden sowie die Agrar- und Forstwirtschaft.

    Durchschnittliche Monatslöhne für ausgewählte BranchenVeränderung in Prozent
    Branche

    1. Quartal 2026 (in Kč)

    Veränderung 1. Quartal 2026 / 1. Quartal 2025 1)

    1. Quartal 2026 (in Euro) 2)

    Durchschnittslohn

    50.300

    8,1

    2.070

    Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei

    37.100

    11,2

    1.520

    Bergbau

    53.200

    7,5

    2.190

    Verarbeitendes Gewerbe

    48.400

    6,9

    1.990

    Strom-, Gas-, Wärme- und Kälteversorgung

    87.400

    2,1

    3.590

    Wasserversorgung, Abfallwirtschaft

    44.500

    7,4

    1.830

    Baugewerbe

    44.700

    12,6

    1.840

    Groß- und Einzelhandel, Reparatur von Kfz

    47.500

    8,1

    1.950

    Transport und Lagerhaltung

    46.400

    8,7

    1.900

    Gastgewerbe, Beherbergung und Gastronomie

    30.700

    11,9

    1.260

    Informations- und Kommunikationsleistungen

    98.800

    8,5

    4.060

    Finanz- und Versicherungswesen

    89.100

    5,8

    3.660

    Immobilienbranche

    49.200

    22,1

    2.020

    Professionelle, wissenschaftliche, technische Tätigkeit

    65.700

    11,8

    2.700

    Verwaltung, unterstützende Tätigkeit

    40.900

    18,8

    1.680

    1 gegenüber Vorjahr, nominal bezogen auf Landeswährung; 2 durchschnittlicher Wechselkurs 1. Quartal 2026: 1 Euro = 24,328 Kč; Abweichungen durch Rundungen.Quelle: Tschechisches Statistikamt 2026; Tschechische Nationalbank 2026

    Die offiziellen Lohnstatistiken in Tschechien sind nur ein erster Anhaltspunkt zur Bestimmung der Vergütungshöhe. Je nach Beruf und Spezialisierung, aber auch je nach Arbeitgeber können die Gehälter stark variieren. Ein gutes Bild der Situation zeichnet das Informationssystem ISPV. Es bildet den Bruttomonatslohn nach konkreten Berufsklassifizierungen ab. Dabei können auch Medianwerte abgerufen werden, die weniger Verzerrungen durch Spitzenverdiener enthalten.

    Durchschnittliche Monatslöhne für ausgewählte Positionen in Kč und Euro, gerundet, Veränderung in Prozent
    Stellenbezeichnung (Klassifizierung nach CZ-ISCO, Klasse)

    2025 (in Kč)

    Veränderung 2025 / 2024  1)

    2025 (in Euro) 2)

    Durchschnittslohn (insgesamt)

    52.200

    6,6

    2.120

    Führungskraft (1)

    121.000

    6,8

    4.900

    Personal mit akademischer Ausbildung (2)

    82.800

    6,0

    3.350

    Techniker:in (3)

    55.600

    6,2

    2.250

    Unterstützende Bürokraft (4)

    41.300

    6,8

    1.670

    Dienstleistungs- und Verkaufskraft (5)

    34.600

    5,1

    1.400

    Fachkraft in der Land-, Forst- und Fischwirtschaft (6)

    37.200

    5,5

    1.500

    Handwerker:in (7)

    43.700

    6,0

    1.770

    Anlagen- und Maschinenbediener:in, Montagekraft (8)

    42.000

    6,2

    1.700

    Hilfskraft (9)

    31.000

    8,2

    1.260

    1 gegenüber Vorjahr nominal bezogen auf Landeswährung; 2 Wechselkurs 2025: 1 Euro = 24,693 Kč; Abweichungen durch Rundungen.Quelle: ISPV 2026; Tschechische Nationalbank 2026

    Niederlassungen deutscher Firmen zahlen in der Regel höhere Löhne als im Landesdurchschnitt. Jeweils zum Jahresende fragt die AHK Tschechien bei ihren Mitgliedsunternehmen Angaben zu Gehältern in 82 Schlüsselpositionen, zu variablen Anteilen und Zusatzleistungen ab. Die Gehaltsbenchmark Tschechische Republik liefert damit eine gute Orientierung für die Planung der Geschäfte.

    Um Arbeitskräfte zu halten und zu motivieren, ist aber nicht allein die Gehaltshöhe entscheidend. Arbeitgeber sollten weitere Benefits und Zusatzleistungen anbieten. Laut der AHK-Gehaltsbenchmark bieten fast alle befragten Unternehmen Essensgutscheine an. Drei Viertel aller Firmen zahlen für Weiterbildungsangebote. Zuschüsse zur privaten Rentenversicherung bekommen 55 Prozent der gewerblichen Angestellten. Laut dem Report für 2026 können 83 Prozent der nicht in der Produktion Beschäftigten flexible Arbeitszeitmodelle nutzen. Bonus- und Prämienzahlungen sind in fast allen Betrieben üblich.

    Hohe Sozialabgaben für die Arbeitgeber

    Die Gesetzgebung unterscheidet zwei Pflichtversicherungssysteme: Die Kranken- und die Sozialversicherung. Die Sozialversicherung schließt die Rentenversicherung, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Arbeitslosenversicherung ein. Die Gesamthöhe der Sozialabgaben und Krankenversicherungsbeiträge (ohne Unfallversicherung) beträgt 2026 für Arbeitgeber 33,8 Prozent des Bruttoverdienstes, für Arbeitnehmer 11,6 Prozent.

    Sozialversicherungsbeiträge 2026 In Prozent der Bemessungsgrundlage
    Rentenversicherung (Arbeitgeberanteil)

    21,5

    Krankenversicherung (Arbeitgeberanteil)

    9,0

    Abgabe für Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Mutterschaftsschutz (Arbeitgeberanteil)

    2,1

    Arbeitslosenversicherung (Arbeitgeberanteil)

    1,2

    Sonstige Versicherungen (Arbeitgeberanteil), darunter Beiträge zur Unfallversicherung

    0,28 - 5,04

    Quelle: Tschechische Verwaltung der Sozialversicherung (ČSSZ) 2026; verschiedene tschechische Gesetze 2026

     

    Erläuterungen zur Beitragsbemessung

    In Tschechien gilt eine einheitliche Bemessungsgrenze für alle Sozialabgaben (außer der Krankenversicherung). Sie entspricht 2026 einem Jahreseinkommen ab dem 48-Fachen des durchschnittlichen Monatslohns, also 2.350.416 Kč (rund 96.600 Euro). Für 2027 werden die Berechnungen bis Ende September 2026 bekannt gegeben.

    Der Beitrag zur gesetzlichen Unfallversicherung hängt vom Gefährdungspotenzial der Branche ab. Im Produktionssektor liegt er in der Regel bei 0,84 Prozent des für die Sozialversicherung herangezogenen Bemessungsbetrags. Banken, Versicherungen und Verlage zahlen nur 0,28 Prozent, Bergbaubetriebe 5,04 Prozent. Die Mindestprämie beträgt 100 Kč je Quartal.

    Gerit Schulze

    Von Gerit Schulze | Prag

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  • Tschechiens Arbeitsrecht wurde 2025 durch eine sogenannte Flexinovelle überarbeitet. Die neuen Regelungen betreffen Probezeiten und Kündigungsfristen.

    Gesetzliche Regelungen auf einen Blick
    Vergütung: Unter Beachtung des gesetzlich festgelegten Mindestlohns und abgeschlossener betrieblicher oder nationaler Kollektivverträge frei verhandelbar; Vergütung bei internationalen Bezügen seit 2025 auch in Fremdwährung auszahlbar; für die Lohnsteuern und Sozialabgaben gilt seit April 2026 ein einheitliches Konto, auf das der Arbeitgeber überweisen muss
    Mindestlohn:*) 2026 bezogen auf eine 40-Stunden-Woche 22.400 Kč im Monat (circa 921 Euro) beziehungsweise 134,40 Kč pro Stunde (circa 5,53 Euro) in der untersten Tätigkeitsklasse; seit 2025 nur noch vier Tätigkeitsklassen (zuvor acht); der sogenannte Garantielohn wurde 2024 abgeschafft
    Arbeitsstunden pro Woche: 40 Stunden; für Bergleute und Arbeitnehmende im kontinuierlichen Dreischichtbetrieb 37,5 Stunden, für Arbeitende im Zweischichtbetrieb 38,75 Stunden
    Regelarbeitstage pro Woche: In der Regel 5 Arbeitstage, bei Schichtarbeit gibt es Unterschiede
    Zulässige Überstunden: 8 Stunden pro Woche; maximal 150 Überstunden pro Jahr; mehr Überstunden sind individuell zu vereinbaren; Höchstlimit sind 416 Überstunden jährlich
    Bezahlte Feiertage: 13 Kalendertage
    Bezahlte Urlaubstage: Mindestens 4 Kalenderwochen im Kalenderjahr
    Sonderzahlungen pro Jahr in Monatslöhnen (13. und/oder 14. Gehalt): Sind nicht vorgeschrieben; erfolgen auf freiwilliger Basis des Arbeitgebers, eher selten
    Tage mit bezahltem Arbeitsausfall: Bezahlter Arbeitsausfall bezieht sich auf Arztbesuche, eigene Hochzeit, Bestattung enger Familienangehöriger oder Arbeitskollegen, Begleitung der engen Familie zum Arzt oder Ähnliches, Blutspende; sonstige erfolgen auf freiwilliger Basis des Arbeitgebers als Incentive, zum Beispiel im Krankheitsfall
    Tage mit Lohnfortzahlung bei Krankheit: Bis zum 14. Kalendertag zahlt der Arbeitgeber nur 60 Prozent der reduzierten Bemessungsgrundlage, also erheblich weniger als den Betrag des normalen Lohns; ab dem 15. bis zum 380. Kalendertag trägt die Sozialversicherung Krankengeld in Höhe von 60 bis 72 Prozent der reduzierten Bemessungsgrundlage
    Probezeit: Maximal 4 Monate; Krankheit und Urlaub verlängern die Probezeit; bei leitenden Positionen maximal 8 Monate
    * Durchschnittskurs der Tschechischen Zentralbank von Januar bis Juni 2026: 1 Euro = 24,313 Tschechische Kronen (Kč).Quelle: Ministerium für Arbeit und Soziales 2026; Tschechische Verwaltung der Sozialversicherung (ČSSZ) 2026; verschiedene tschechische Gesetze 2026

    Grundlegende Rechtsnorm für arbeitsrechtliche Beziehungen in Tschechien ist das seit 2007 geltende Arbeitsgesetzbuch (ArbGB, Nr. 262/2006 Slg.). Die im Juni 2025 in Kraft getretene sogenannte Flexinovelle brachte wesentliche Änderungen.

    Ein heikles Thema ist die Beschäftigung von Scheinselbstständigen (tschechisch: švarcsystém), die steuerlich aufgrund der Pauschalabzüge interessant ist. Nach der gegenwärtigen Regelung gilt, dass jede Arbeit in einem Über- und Unterordnungsverhältnis, die im Namen und nach Anweisungen des Arbeitgebers persönlich durch den Arbeitnehmer ausgeübt wird, ausschließlich im Arbeitsverhältnis ausgeübt werden darf. Der Arbeitskräftemangel führt oft dazu, dass faktische Zeitarbeit aufgrund von Werkverträgen durchgeführt wird. Scheinselbstständigkeit durch Werkverträge und Tätigkeit von Arbeitnehmern aus EU-Drittstaaten bilden 2026 Verfolgungsschwerpunkte tschechischer Behörden.

    Bei Scheinselbstständigkeit oder illegaler Arbeit drohen hohe Geldstrafen, bei illegaler Beschäftigung von Drittstaatsarbeitnehmern das Verbot weiterer Beschäftigung von Ausländern. Ein weiterer Fokus der Kontrollen liegt zurzeit auf der Gleichbehandlung der Arbeitnehmer innerhalb eines Betriebes. Entsendungen von Arbeitnehmern nach Tschechien - auch für kurzfristige Tätigkeiten - können seit Juli 2024 unkompliziert auf einer deutschsprachigen Website der Arbeitsinspektion gemeldet werden. Meldungen müssen am gleichen Tag des Arbeitsbeginns des ausländischen Beschäftigten erfolgen.

    Erste Schritte zur Umsetzung der Richtlinie zur Lohntransparenz wurden bereits unternommen: So darf es nicht mehr verboten werden, die Höhe des Lohns anderen mitzuteilen. Das Umsetzungsgesetz wird aber wohl erst 2027 in Kraft treten.

    Vertragsabschluss

    Alle Arbeitsverhältnisse in der Privatwirtschaft, selbst für Minijobs, werden durch Abschluss eines Arbeitsvertrages begründet. Seit 2023 wird der Abschluss und sogar die Beendigung in elektronischer Form möglich, wenn auch unter strengen Voraussetzungen.

    Der Arbeitsvertrag muss folgende Punkte beinhalten: Art der auszuübenden Arbeit, Tag des Arbeitsantritts, Arbeitsort. Es empfiehlt sich, die Verteilung der Arbeitszeit einseitig durch den Arbeitgeber und, wenn eine flexiblere Gestaltung oder Schichtarbeit angedacht ist, eine sogenannte ungleichmäßige Aufteilung festzulegen. Wird im Homeoffice gearbeitet, muss eine separate Vereinbarung mit Kostenersatz - Pauschalierung möglich - abgeschlossen werden.

    In der Praxis wird das Gehalt durch Vertrag/Vertragsanhang oder durch Lohnbescheid einseitig durch den Arbeitgeber festgelegt; bei großen Betrieben oft durch eine sogenannte interne Vorschrift.

    Der Arbeitsvertrag kann unbefristet oder befristet, dann für maximal bis zu drei Jahren, abgeschlossen werden. Befristete Verträge dürfen bis zu zweimal hintereinander jeweils um höchstens drei Jahre verlängert werden - insgesamt also bis zu neun Jahren. Erleichterungen hinsichtlich Kettenarbeitsverhältnissen bestehen für Zeitarbeitsfirmen - in Tschechien "Arbeitsagenturen" - oder als Ersatz von in Mutterschutz/Elternzeit befindlichen Beschäftigten.

    Der Arbeitsplatz (gleiche Position) muss im Falle von Erziehungsurlaub nun für die ersten zwei Jahre nach Geburt zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus wurden die Rechte von erziehenden Eltern auf Homeoffice gestärkt: Der Arbeitgeber muss bei Ablehnung eine plausible Begründung vorlegen.

    Beim Einsatz von Zeitarbeitenden muss der Grundsatz "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" strikt eingehalten werden. Arbeitgeber sollten über die Website des Arbeitsministeriums kontrollieren, ob die Zeitarbeitsfirma über eine korrekte Lizenz und Versicherung verfügt und ob deren ausländische Arbeitnehmende gültige Visa haben.

    Rechte und Pflichten der Vertragsparteien

    Das Arbeitsverhältnis verpflichtet den Arbeitgeber, dem Arbeitnehmenden eine Tätigkeit entsprechend dem Arbeitsvertrag zuzuweisen, ihm für die geleistete Arbeit Lohn zu zahlen, die Bedingungen zur Erfüllung seiner Arbeitsaufgaben zu schaffen und alle übrigen Arbeitsbedingungen einzuhalten. Seit 2025 dürfen auch 14-Jährige (mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten) Ferien- oder geringfügige Arbeiten verrichten.

    Die betriebliche Mitbestimmung über Betriebsgewerkschaften (falls vorhanden) ist nicht mit dem aus Deutschland gewohnten Maß vergleichbar. Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat sind nur in großen Aktiengesellschaften (a.s.) mit über 500 Beschäftigten vorgeschrieben, bei der häufigsten Rechtsform GmbH (s.r.o.) nicht. Beispielsweise ist bei Betriebsübergängen oder Massenentlassungen eine Konsultation mit der Betriebsgewerkschaft vorgeschrieben, ansonsten direkt mit den Arbeitnehmenden.

    Arbeitnehmende haben Anspruch auf mindestens vier Wochen Jahresurlaub, wobei seit 2024 kein Urlaubsplan mehr angefertigt werden muss. Die meisten großen Firmen gewähren fünf Wochen. Auch in Minijobs muss Urlaub gewährt werden. Die Sozialversicherungsfreiheit von Nebenjobs gilt nur noch bis zu einem Monatseinkommen von 4.500 Kč; bei anderen Minijobs bis 12.000 Kč. Für diese Arbeitsverhältnisse wurden monatliche Meldepflichten eingeführt.

    Für Wochenend- und Nachtarbeit (22 bis 6 Uhr) müssen Zuschläge gezahlt werden: Mindestens 10 Prozent des Durchschnittslohns, soweit im Arbeits- oder Tarifvertrag nicht anders - auch weniger - vereinbart. Ebenso muss Arbeitsbereitschaft extra vergütet werden. Für Feiertagsarbeit stehen Lohn- und Zeitausgleich zu. Alternativ können sich Arbeitnehmende und Arbeitgeber auf Zahlung des Lohnes und eines Zuschlages von mindestens 100 Prozent des Durchschnittsverdienstes einigen.

    Für Überstunden haben Beschäftigte Anspruch auf das Gehalt und einen Zuschlag von mindestens 25 Prozent des Durchschnittsverdienstes. Falls es Arbeitnehmende wünschen, ist stattdessen Freizeitausgleich möglich. Mit Arbeitnehmenden kann der Lohn unter Berücksichtigung der Überstundenarbeit von bis zu 150 Stunden pro Jahr vereinbart werden, bei leitenden Mitarbeitenden bis zum Maximum von 416 Stunden.

    Eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten ist außerdem durch Arbeitszeitkonten möglich. Sie müssen durch Tarifvertrag oder durch interne Vorschrift des Arbeitgebers eingeführt werden. In der Praxis existieren viele Modelle der flexiblen Arbeitszeit, die nicht mit dem Wortlaut des Gesetzes übereinstimmen, aber toleriert werden. Wichtig ist, dass der Arbeitgeber vor Einführung von flexiblen Modellen in seinen Vertragsmustern die sogenannte ungleichmäßig verteilte Arbeitszeit vereinbart.

    Vertragsbeendigung

    Das Vertragsverhältnis kann durch Vereinbarung, Kündigung, sofortige Aufhebung oder Aufhebung während der Probezeit beendet werden. Es besteht eine vereinheitlichte Kündigungsfrist von zwei Monaten. Diese wurde 2025 bei einigen personen- und verhaltensbedingten Kündigungsgründen auf einen Monat verkürzt. Die Kündigungsfrist kann durch Vertrag verlängert werden, muss aber für beide Seiten gleich lang sein.

    Seit 2025 beginnt die Kündigungsfrist taggenau mit der Zustellung der Kündigung. Von Seiten des Arbeitgebers bedarf es auch bei Kleinbetrieben eines ausdrücklichen gesetzlichen Grundes (betriebliche, gesundheitliche und weitere Gründe, siehe § 52 ArbGB). Die Fristen für den Ausspruch einer verhaltensbedingten Kündigung betragen drei Monate ab Kenntnis beziehungsweise 15 Monate ab Entstehen des Sachverhalts. Bei betriebsbedingten Entlassungen oder Aufhebungsvereinbarungen von mehr als zehn Beschäftigten und über 10 Prozent der Arbeitnehmenden innerhalb eines Monats sind auch die Fristen für Massenentlassungen zu berücksichtigen. Das würde bei korrektem Vorgehen den Prozess um einen Monat verlängern.

    Die Rechtsprechung zeigt, dass die Gerichte grobe Pflichtverletzungen als Grund für eine fristlose Kündigung akzeptieren, sofern es sich um einen Angriff gegen Leben, Gesundheit oder Eigentum des Arbeitgebers handelt. Vor Ausspruch einer verhaltensbedingten Kündigung sollte unbedingt ein erfahrener Jurist eingebunden werden, die Rechtsprechung dazu ist inzwischen rasant angestiegen.

    Bei betriebsbedingter Kündigung muss eine (sozialversicherungsbefreite) Abfindung gezahlt werden, die sich nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit richtet: 

    • ein Durchschnittsmonatsgehalt bei bis zu einem Jahr Betriebszugehörigkeit
    • zwei Durchschnittsmonatsgehälter bei maximal zwei Jahren Betriebszugehörigkeit
    • drei Durchschnittsmonatsgehälter ab zwei Jahren Betriebszugehörigkeit

    Die betriebswirtschaftliche Entscheidung über eine betriebsbedingte Entlassung wird üblicherweise von den Gerichten nicht kontrolliert. Allerdings sollte der Arbeitgeber diese Position tatsächlich nicht mehr besetzen. Dennoch ist dieser Kündigungsgrund die rechtssicherste Vorgehensweise der Beendigung von Arbeitsverhältnissen, idealerweise durch Abschluss einer Aufhebungsvereinbarung.

    Kündigungsschutzklage muss innerhalb von zwei Monaten nach Ende des Arbeitsverhältnisses eingereicht werden. Das kann für den Arbeitgeber teuer werden, da ab Einreichen der Kündigungsklage bei einem normalen Amtsgericht bis zum Urteilsspruch zwei oder mehr Jahre vergehen können, für die dem Arbeitnehmer bei Erfolg der Klage Lohn und Anspruch auf Wiedereinstellung zusteht. Das Gericht hat die Möglichkeit, jedoch nicht die Verpflichtung, nach sechs Monaten auf Antrag des Arbeitgebers die Ansprüche des Arbeitnehmers zu limitieren. Da es bei Kündigungsklagen um hohe Summen gehen kann, wird häufig der Versuch unternommen, sich außergerichtlich zu einigen.

    Ein nachvertragliches Konkurrenzverbot (maximale Dauer ein Jahr) wird in der Praxis selten vereinbart. Der Grund: Für jeden Monat der Einhaltung des Wettbewerbsverbots ist eine Karenzentschädigung von mindestens der Hälfte des Monatsgehalts zu zahlen.

    Arbeitsrecht in englischer Sprache

    Das tschechische Arbeitsgesetz kann auf Englisch auf der Website des Ministeriums für Arbeit und Soziales heruntergeladen werden. Novellierungen des Gesetzes werden dort aber nur mit Verzögerungen übersetzt, sodass es sich dabei nicht immer um die aktuellste Fassung handelt.

    Germany Trade & Invest bietet Informationen zur Novelle des Arbeitsgesetzbuches sowie zu allgemeinen rechtlichen Regelungen in der Reihe Recht kompakt Tschechien.

    Von Arthur Braun (bpv Braun Partners) | Prag

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  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK Tschechien

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Ministerstvo práce a sociálních věcí

    Tschechisches Ministerium für Arbeit und Soziales

    Česká správa sociálního zabezpečení

    Tschechische Verwaltung der Sozialversicherung

    Krankenversicherungen

    Auflistung des Gesundheitsministeriums

    Informationen zu den Arbeitsämtern

    Mit weiteren Informationen rund um die Beschäftigung

    Verband der Personalberatungsunternehmen

    Liste der wichtigsten Personalvermittlungsagenturen

    Offiziell registrierte Zeitarbeitsfirmen

    Verzeichnis des Arbeitsministeriums

    Onlinestellenbörsen: Jobs, Práce, Profesia, Dobrá práce, Jobsi, Indeed, Talent, Jooble

    Ausgewählte Onlinestellenbörsen