Wirtschaftsumfeld | Tschechische Republik | Personal

Personalsuche und Personalmanagement

Neben attraktiven Löhnen erwarten Tschechiens Beschäftigte zunehmend ein angenehmes Betriebsklima und flexible Arbeitszeitmodelle. Die Personalsuche bleibt eine Herausforderung.

Gerit Schulze

Von Gerit Schulze | Prag

Auch wenn die Arbeitslosenzahlen in Tschechien steigen, bleibt die Rekrutierung von Fachpersonal eine Herausforderung. Das gilt für Führungspositionen und hochspezialisierte Bürotätigkeiten ebenso wie für Spezialisten in der Produktion.

Für potenzielle Kandidaten ist der Standort des Unternehmens ausschlaggebend. Tschechinnen und Tschechen bleiben gern in ihrer Heimatregion, auch weil der Wohnungsmarkt in den Boomstädten angespannt ist. Eine kleine Wohnung vor Ort, die der Arbeitgeber zahlt, könnte Kandidaten dazu bewegen, eine neue Stelle außerhalb der Heimatregion anzutreten.

"Bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber ist es außerdem wichtig, sich gehaltlich zu verbessern, also mindestens 10 bis 20 Prozent mehr Fixgehalt zu bekommen", berichtet Kateřina Janičatová von der Prager Personalagentur Bond Recruitment. "Für Buchhaltungspositionen ist ein kurzer Arbeitsweg wichtig. Vertriebspersonal schätzt zunehmend weniger Mikromanagement, realistische Zielvorgaben und ein Umfeld, in dem man nicht wie eine Zitrone ausgepresst wird, sondern in Ruhe Ergebnisse liefern kann."

Arbeitnehmer wünschen Wertschätzung und Transparenz

Wie eine Umfrage des Anbieters von Personalbenefits, Pluxee, Ende 2025 zeigte, sind 14 Prozent der Beschäftigten unzufrieden mit ihrem Arbeitgeber. Der wichtigste Treiber für einen Jobwechsel bleibt das Gehalt. Etwa jeder vierte Befragte bemängelte aber auch fehlende Anerkennung in der Firma, Inkompetenz des Managements, schlechte Kommunikation und die Arbeitsbedingungen.

Arbeitgeber müssen sich darauf einstellen, dass Führung, Unternehmenskultur und Arbeitsumfeld entscheidend sind im Wettbewerb um das beste Personal. Dazu gehört auch, die Arbeitgebermarke aktiv zu entwickeln und aufzuwerten. "Gefragt sind Change-Management und Kreativität. Die Mitarbeitenden wollen mitgenommen und eingebunden werden", bringt es Blake Wittman vom Personalvermittler Goodcall auf den Punkt. 

Die Suche nach Spezialisten und die Personalentwicklung sollte in Tschechiens Unternehmen grundsätzlich mehr Priorität bekommen, meint auch Katerina Vollmann, Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Vollmann & Partners. "Den Wettbewerb um den kleineren Pool an besten Köpfen gewinnt nicht, wer am lautesten sucht, sondern wer stetig und geduldig entwickelt, Chancen bietet und die Suche als Chefsache behandelt."

Die Anforderungen an einen Kandidaten sollten kein Selbstzweck sein. Entscheidend ist, eine Person zu finden, die in der jeweiligen Rolle erfolgreich sein wird. Das muss nicht immer ein "Einhorn" sein, das alle Kriterien erfüllt. Wichtiger ist ein Kandidat mit hohem Potenzial, der richtigen Motivation und der Fähigkeit, fehlende Erfahrungen schnell zu ergänzen.

Kateřina Janičatová Geschäftsführerin und Miteigentümerin bei Bond Recruitment and Consulting in Prag

Internetportale helfen bei der Kandidatensuche

Bei einfachen Positionen versuchen Unternehmen im ersten Schritt oft selbst, Personal zu finden. Sie schalten Anzeigen, recherchieren in sozialen Medien oder zapfen das Netzwerk ihrer Beschäftigten an. Hilfreich sind Jobplattformen im Internet wie Jobs.cz, Prace.cz oder Profesia.cz. Einige Firmen bieten ihren Mitarbeitenden finanzielle Anreize, wenn sie Kontakte zu potenziellen Bewerbern herstellen.

Eine gute Möglichkeit, sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren, sind die jährlichen Praxistage bei deutschen Unternehmen in Tschechien. Unter dem Motto Echt Praxe organisieren die Firmen jeweils im Frühsommer eine Woche der offenen Tür. Informationen erteilen die Deutsche Botschaft Prag oder die Deutsch-Tschechische Industrie- und Handelskammer (AHK Tschechien).

Wenn solche Maßnahmen keinen Erfolg bringen, helfen Personalagenturen weiter. Sie nehmen meist zwei bis drei Monatsgehälter Vermittlungsgebühr pro Position. Allerdings suchen diese Dienstleister vor allem in ihren Datenbanken nach Kandidaten. Aktives Headhunting betreiben sie eher selten.

Zur Direktansprache sind professionelle Personalberater nötig. Solche Headhunter kommen besonders bei Führungspersonal und Schlüsselpositionen zum Einsatz. In Tschechien verlangen sie dabei die marktübliche Vermittlungsgebühr von 25 bis 30 Prozent eines Jahresgehalts.

Erfolgsgarantie bei der Personalsuche

Seriöse Personalvermittler gewähren eine Garantie, dass der vermittelte Kandidat nicht vorzeitig ausscheidet und tatsächlich auf die Position passt. Anderenfalls wird ein Ersatzkandidat gesucht. Bei Experten wie Juristen, Qualitätsmanagern oder Einkäufern sind dabei drei bis sechs Monate üblich, bei Topmanagern bis zu zwölf Monate. Damit zeigen die Headhunter ihre Verantwortung für den Auswahlprozess.

Bei der Wahl von Personalagenturen ist Vorsicht geboten. Es gibt in Tschechien zahlreiche illegale Vermittler, die Arbeitskräfte außerhalb des Gesetzesrahmens zur Verfügung stellen. Im Register lizenzierter Agenturen führt das Arbeitsministerium aktuell rund 1.900 Personalvermittler. Die legalen Agenturen sind im Verband der Personaldienstleister (APPS) organisiert.

Bei der Personalsuche hilft auch die AHK Tschechien. Sie nutzt ihr enges Kontaktnetzwerk und die große Reichweite ihrer Publikationen.

Essensgutscheine beliebteste Sonderleistung 

Beim Wettbewerb um die besten Talente spielt nicht nur die Gehaltshöhe eine Rolle, sondern auch Benefitsysteme. Das beliebteste Instrument sind Essensgutscheine ("stravenky"). Laut Umfragen des Dienstleisters Pluxee erhalten über 80 Prozent der Beschäftigten in Tschechien solche Verpflegungszuschüsse. Der häufigste Zuschuss liegt bei rund 5 Euro und ist für Arbeitgeber steuerlich abzugsfähig.

Doch solche Gutscheine sind längst nicht mehr ausreichend. Die Liste freiwilliger Sonderleistungen der Arbeitgeber ist deutlich länger.

Zusatzurlaub und Rentenzuschuss als BenefitSonderleistungen tschechischer Unternehmen
Zusatzanreiz

Anteil der Unternehmen in %

Essenszuschüsse

78

Altersvorsorge-/Versicherungsbeiträge

55

Zusätzlicher Urlaub

51

Teambuilding

30

Gleitzeit

29

Weiterbildungszuschüsse

28

Homeoffice

25

Krankentage (Sick days)

23

Private Nutzung von Mobiltelefonen

22

Sport-/Freizeitbeiträge

19

An der Umfrage haben sich rund 17.000 tschechische Unternehmen beteiligt und damit fast die Hälfte aller Wirtschaftssubjekte.Quelle: Studie "Prognosen und Realität des Arbeitsmarktes aus Sicht der Arbeitgeber" vom Mai 2026, Úřad práce České republiky 2026

Allerdings entfalten Benefits allein ohne Entwicklungsmöglichkeiten keine volle Wirkung. "Oft besteht die Tendenz, möglichst viele Benefits anzubieten, statt sich mit grundlegenden Problemen wie interner Kommunikation, Führung oder Management auseinanderzusetzen", sagt Kateřina Janičatová von Bond Recruitment in Prag.  

Einen guten Überblick zu den Sonderleistungen deutscher Arbeitgeber in Tschechien bietet der jährliche Gehaltsbenchmark der AHK Tschechien. Das Angebot der deutschen Arbeitgeber reicht von Eintrittskarten für Freizeitparks und Schwimmbäder über Tagesausflüge für die Kinder der Beschäftigten bis hin zu Familien-, Sommer- und Weihnachtsfesten.

Für Beschäftigte, die eine weite Anreise haben, bieten sich Fahrtkostenzuschüsse oder Shuttlebusse zu den Werken an. Verbreitet sind Sonderzahlungen bei Geburt eines Kindes, einer Hochzeit oder dem Tod eines nahen Familienangehörigen. Vier von fünf deutschen Firmen ermöglichen den nicht-gewerblichen Beschäftigten das Arbeiten von zu Hause (Homeoffice). Unter den nicht-gewerblichen Beschäftigten deutscher Unternehmen erhalten 30 Prozent ein 13. Gehalt und 37 Prozent Weihnachtsgeld.

Leiharbeit noch unter dem EU-Niveau 

Laut Eurostat lag der Anteil der Zeitarbeit an den Vollzeitbeschäftigten in Tschechien 2025 bei 1,6 Prozent (EU-Durchschnitt: 2,2 Prozent). Besonders häufig werden Zeitarbeitende im verarbeitenden Gewerbe und in der Bauwirtschaft eingesetzt. Auch im IT-Sektor und der Telekommunikation nutzten Unternehmen zuletzt häufiger Leiharbeiter, um Personalengpässe zu überbrücken.

Dieser Inhalt gehört zu