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Branchenbericht USA Elektromobilität

E-Auto-Boom in den USA ohne Batterierecycling schwer denkbar

In den USA entsteht eine Gigafactory nach der anderen. Doch werden im Land bisher kaum Batterierohstoffe abgebaut. Auch das Recycling von E-Auto-Akkus ist noch in den Kinderschuhen.

Von Heiko Steinacher | San Francisco

Die USA holen auf in puncto Elektromobilität. Besonders Firmen aus Südkorea befeuern den Gigafactory-Boom. So will LG Chem für 3,2 Milliarden US-Dollar (US$) eine Batteriefabrik im Bundesstaat Tennessee errichten. Die USA sind keine Terra incognita für den Konzern: In einem Joint Venture mit General Motors (GM) haben sie dort die Batterietechnik Ultium Cells entwickelt.

Hyundai Motor will in den USA zusammen mit SK On und LG Energy Solution bis zu drei Batteriefabriken bauen. Dafür planen die Partner, rund 1,9 Milliarden US$ zu investieren. Die Fabriken werden voraussichtlich in der Nähe des neuen Elektroautowerks von Hyundai im Bundesstaat Georgia entstehen, dessen Grundstein im Oktober 2022 gelegt wurde.

Seine erste Batteriefabrik in Georgia hat SK On im Jahr 2020 fertiggestellt. Zurzeit baut es dort eine zweite. Volkswagen (VW) verbaut in seinem US-Werk Zellen von SK On für sein Kompakt-SUV ID.4.

Bei Elektromobilität setzt US-Präsident Joe Biden stark auf "Buy American", …

Das ist vermutlich erst der Anfang. Das Beratungshaus AlixPartners schätzt, dass Autofirmen und Zulieferer bis 2026 in den USA mehr als 38 Milliarden US$ in neue Batteriewerke investieren werden. Denn mit dem neuen US-Klimapaket (Inflation Reduction Act of 2022; IRA) fördert die US-Regierung den Ausbau der Elektromobilität im Land kräftig: "Gleich nach der Verabschiedung des IRA haben unter anderem auch General Motors und Ford Motor neue Projekte angekündigt", sagt Harry Godfrey, Geschäftsführer bei Advanced Energy Economy, einem gemeinnützigen Verband von Unternehmen, die saubere Energie nutzen.

Einige ausländische Anbieter werden dabei indes benachteiligt. Denn um in den Genuss von Subventionen im Rahmen des IRA zu kommen, muss ein Anteil der Batteriemineralien in den USA oder einem Freihandelspartnerland abgebaut, verarbeitet oder recycelt worden sein.

…um von ausländischen Lieferketten unabhängiger zu werden

Jedoch werden die für Lithium-Ionen-Batterien benötigten Mineralien in den USA bisher nicht in größeren Mengen abgebaut. Genehmigungsverfahren für neue Bergbauprojekte ziehen sich über Jahre hin. Laut dem nationalen geologischen Dienst ist das Land bei 17 mineralischen Rohstoffen komplett auf Importe angewiesen, 14 davon werden als kritisch eingestuft.

Im April 2022 berief sich Biden daher auf den Defense Production Act (DPA), um den heimischen Abbau und die Verarbeitung von Mineralien zur Herstellung von Batterien für Elektrofahrzeuge und Energiespeicher zu fördern. Mit dem Gesetz, das aus der Zeit des Koreakriegs stammt, kann die Regierung die Industrie dazu bewegen, bestimmte Güter herzustellen: In diesem Fall geht es um Lithium, Nickel, Kobalt, Graphit und Mangan. Als finanzielle Maßnahmen sieht der DPA dafür unter anderem Bundesdarlehen, Kreditbürgschaften und Zuwendungen vor.

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Lithium könnte schon 2025 knapp werden

Dessen ungeachtet könnte Lithium weltweit schon bald zur Mangelware werden. Die Internationale Energieagentur erwartet bereits 2025 mancherorts ein Angebotsdefizit.

Der in den nächsten Jahren zu erwartende hohe Bedarf an Lithium-Ionen-Batterien stellt daher auch gewaltige Anforderungen an das Recycling: Aqua Metals erwartet, dass bis 2030 rund 15 Millionen Tonnen dieser Batterien ausgemustert werden. Laut dem Recyclingunternehmen aus Nevada wird der US-Batterierecycling-Markt bis dahin ein Volumen von 18,7 Milliarden US$ erreichen. Wie beim IRA spielt dabei nicht nur der Umweltschutz eine Rolle. Vielmehr wollen die USA auch ihre Abhängigkeit von China weiter reduzieren, zumal schon bald ein Lithiummangel befürchtet wird.

Autobauer kooperieren mit Jungfirmen, die sich auf Rohstoffrückgewinnung spezialisieren

GM hat sich im September 2022 an Lithion Recycling beteiligt: Der Traditionsautobauer aus Detroit will mit dem kanadischen Unternehmen neue Methoden für die Rückgewinnung von Rohstoffen aus Elektroautobatterien erforschen. Die Kanadier wollen 2023 ihre erste kommerzielle Recyclinganlage eröffnen.

Beim Recycling von Autobatterien arbeitet GM außerdem mit Cirba Solutions zusammen. Das US-Unternehmen verfügt bereits über sechs Recyclinganlagen, darunter zwei Aufbereitungsanlagen für Lithium-Ionen-Batterien. Im September 2022 kündigte es an, eine weitere in Arizona bauen zu wollen. Bis 2026 will Cirba Solutions in den USA insgesamt 13 einsatzbereite Anlagen haben.

Batterierecycling-Start-ups entwickeln sich zusehends zum Investorenliebling

Eine Reihe von Batterierecycling-Start-ups konnte in den letzten Monaten beachtliche Summen an Wagniskapital einsammeln, trotz der allgemeinen Börsenschwäche. Eines davon ist Posh: Die Jungfirma aus der San Francisco Bay Area setzt Robotertechnologien ein, um Batteriepacks zu zerlegen, und hat im Juni 2022 in einer Seed-Runde 3,8 Millionen US$ eingeworben. Im gleichen Monat kündigte Redwood Materials eine Partnerschaft mit Toyota an, um alte Autobatterien aufzuarbeiten; das Cleantech-Start-up aus Nevada kooperiert auch mit Ford, VW und Volvo.

Laut einer Analyse von TechCrunch und PitchBook zogen Batterierecyclingfirmen in den letzten fünf Jahren etwa 42 Milliarden US$ an Wagniskapital an. Neben Partnerschaften und Risikokapitalinvestitionen kam es auch zu einigen Übernahmen: So kaufte Cox Automotive im September 2021 Spiers New Technologies, einen Anbieter von Dienstleistungen für das Lebenszyklusmanagement von E-Fahrzeugen.

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US-Regierung stellt auch Fördermittel für Batterierecycling bereit

Neben Fördermitteln für den Aufbau einer nationalen Batterielieferkette stellt die US-Regierung auch Gelder für Projekte bereit, um Technologien und Prozesse für das Recycling sowie die Anschlussnutzung von E-Fahrzeugbatterien in stationären Anwendungen voranzutreiben. Die Mittel werden nicht nur an Unternehmen - darunter American Battery Technology, Cirba Solutions und Element Energy - vergeben, sondern auch an Universitäten. Damit unterstreicht die Biden-Regierung, wie wichtig ihr das Recycling von E-Auto-Akkus und Second-Life-Anwendungen für Batterien sind.

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