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Wende auf dem Markt für Maschinen in den USA
Die deutschen Maschinenlieferungen in die USA wachsen in mehreren Sparten zweistellig. Die Landtechnik bleibt aber das große Sorgenkind.
21.08.2026
Das Jahr 2025 war für den deutschen Maschinenbau herausfordernd, insbesondere wenn es um sein Geschäft in den Vereinigten Staaten ging. Eine erratische Handelspolitik schreckte Produzenten und Abnehmer ab. Doch etliche Indikatoren deuten im Spätsommer 2026 darauf hin, dass die Talsohle durchschritten ist und eine Trendwende eingesetzt hat.
Die Gründe: Die US-Handelspolitik ist zumindest ein Stück berechenbarer geworden. An der effektiven Zollbelastung hat sich für europäische Lieferanten schon eine längere Zeit nicht viel geändert. Die Marktteilnehmer haben die Zölle eingepreist und gehen zur Tagesordnung über. Bislang zurückgestellte Einkäufe würden nachgeholt, berichtet eine Vertreterin des VDMA im Gespräch mit Germany Trade & Invest.
15 Prozent plus beim Auftragseingang
Laut Angaben der Zentralbank von St. Louis legte der wertmäßige Umsatz des Maschinenbaus zwischen Juni 2025 und Juni 2026 um nominal 10 Prozent zu. Bei den Auftragseingängen betrug das Plus sogar 15 Prozent. Der Auftragseingang ist ein wichtiger Frühzeitindikator mit einer relativ langen Vorhersageperiode. Im Maschinenbau vergehen zwischen Bestellung und Auslieferung bis zu zwei Jahre.
Trotz der allgemeinen Trendwende verläuft das Geschäft im Maschinenbau teils sehr unterschiedlich. So treiben riesige Investitionen in Datencenter sowie in neue Halbleiter- und Pharmafabriken den Bedarf an Industriemaschinen und Klimatechnik an. Auch im Öl- und Gassektor sowie im Bergbau stehen die Zeichen auf Expansion.
Im Automobilsektor leiden die Unternehmen zwar unter sinkenden Absätzen. Die Pkw-Neuzulassungen sollen 2026 um 3 Prozent zurückgehen, erwartet Cox Automotive. Gleichzeitig verlagern aber die Hersteller Teile ihrer Produktion zurück in die USA, auch wenn es sich dabei um keinen Massentrend handelt. Entsprechend wächst die Nachfrage nach Metallbearbeitungsmaschinen.
Umsätze bei Landtechnik im Sinkflug
In anderen Branchen sieht es weniger rosig aus. In der Papier- und Druckbranche sowie der Textilindustrie geben immer mehr Unternehmen auf. Besonders schlecht geht es der Landwirtschaft. Sie leidet unter sinkenden Absatzpreisen und Exportmengen sowie steigenden Kosten für Düngemittel und Diesel. Die Investitionslaune ist im Sommer 2026 auf einen Tiefpunkt gefallen. Der Landmaschinenhersteller John Deere etwa erwartet für 2026 in seinem die USA und Kanda umfassenden Nordamerikageschäft einen Rückgang bei großen Anlagen um 15 bis 20 Prozent.
US-Unternehmen sind vor allem bei Universalmaschinen gut aufgestellt. Bei Spezialmaschinen besteht hingegen eine mitunter hohe Importabhängigkeit. Im Jahr 2025 beliefen sich die Einfuhren von Maschinen und Anlagen laut der U.S. International Trade Commission auf 313 Milliarden US-Dollar (US$), ein Minus von 3 Prozent zum Vorjahr. Im 1. Halbjahr 2026 legten sie aber wieder um knapp 3 Prozent zu. Die deutschen Lieferungen – im Jahr 2025 noch ein Rückgang um -11 Prozent – stiegen mit gut 5 Prozent überdurchschnittlich stark.
Chinas Maschinenbauer verlieren an Boden
Gleichzeitig zeigt sich, dass sich Befürchtungen deutscher Maschinenbauer, US-Kunden würden auf preiswertere Produkte aus China zurückgreifen, – zumindest in der Gesamtbetrachtung – nicht bewahrheitet haben. Chinas Marktanteile nehmen bereits seit längerer Zeit ab. Einen Teil des Rückgangs konnte die Volksrepublik aber dadurch kompensieren, indem südostasiatische Firmen in chinesischem Besitz den US-Markt verstärkt beliefern.
Starke Nachfrage nach Bergbau- und Bohrtechnik "made in Germany"
Die Einfuhren der USA von Bau- und Bergbaumaschinen stiegen im 1. Halbjahr 2026 um 12 Prozent zum Vorjahr. Die Importe "made in Germany" legten sogar um 50 Prozent zu. Für den Anstieg maßgeblich war die lebhafte Nachfrage nach Abbau-, Tunnelbohr- und Straßenbaumaschinen. Die Importe von Klimatechnik legten in den ersten sechs Monaten 2026 um knapp 6 Prozent zu und erreichten damit einen Rekordwert. Deutsche Technik und Know-how sind begehrt. Die US-Firma Madison Air Solution verkündete Mitte August 2026 die Übernahme des Spezialisten für Luft- und Heiztechnik ebm-papst aus Mulfingen.
Im Gegensatz dazu hält der Abwärtstrend bei der Einfuhr von Landmaschinen und Traktoren unvermindert an. Im 1. Halbjahr 2026 lagen die Importe um fast 40 Prozent unter dem Niveau vom 1. Halbjahr 2023. Bei Importen aus Deutschland betrug das Minus sogar über 60 Prozent. Viele krisengeplagte US-Landwirtschaftsbetriebe haben schlicht kein Geld, um sich hochpreisige deutsche Hightech-Ausrüstungen zu leisten.
Ärgerlich für den deutschen Maschinenbau bleiben die Zölle auf Aluminium und Stahl sowie zahlreiche Derivate dieser Metalle. Laut VDMA betreffen sie einen Großteil der deutschen Maschinenexporte in die USA. Sie führen zu einem erheblichen bürokratischen Aufwand. Große Maschinen bestehen aus Tausenden von Einzelteilen. Für jede Schraube müssen beim Lieferanten Wert und Ursprung angefragt sowie der exakte Metallgehalt ermittelt werden.
Deutsche Firmen geben Zollkosten an US-Kunden weiter
Die Zollkosten selber werden mehrheitlich an die Abnehmer weitergereicht. Eine Umfrage der AHK USA (Deutsch-Amerikanische Auslandshandelskammern) von Anfang 2026 kam auf eine Quote von über 70 Prozent. Dabei gilt: Je weniger inländische Konkurrenz es gibt, desto größer fällt die Verhandlungsmacht des Lieferanten aus.
Deutsche Anbieter sind zudem dazu übergegangen, ihre Lieferbedingungen für die USA an die veränderte Lage anzupassen. Vor dem Amtswechsel im Weißen Haus hatte die Zollabwicklung durch den überwiegenden Rückgriff auf die Lieferklausel Delivered Duty Paid (DDP) zumeist noch in den Händen des ausländischen Lieferanten gelegen. Mittlerweile werden hingegen immer häufiger solche Lieferklauseln genutzt, die diese Aufgabe dem Importeur auferlegen.
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