Wirtschaftsausblick | Slowakei
Slowakische Wirtschaft wächst nur noch langsam
Die Slowakei durchlebt eine wirtschaftliche Schwächephase. Notwendige Sparanstrengungen bremsen das Wachstum aus. Die wichtigen Autoexporte leiden unter den US-Zöllen.
19.12.2025
Von Gerit Schulze | Bratislava
Top-Thema: Schuldenlast verringert Spielraum des Staates
Die Schuldenlast zwingt die slowakische Regierung dazu, zu sparen und die Einnahmebasis zu vergrößern. Im 2. Quartal 2025 erreichten die Verbindlichkeiten des Staates 62,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Erstmals liegt der Wert seit diesem Jahr über dem von Deutschland. Bis 2027 könnte die Gesamtverschuldung 67 Prozent erreichen, schätzt die EU-Kommission.
Zum 1. Januar 2026 setzt die Regierung daher ein drittes Konsolidierungspaket um, das Unternehmen, Selbstständigen und Arbeitnehmern weitere Lasten aufbürdet. Es soll den Staatshaushalt um 2,7 Milliarden Euro entlasten, unter anderem durch eine höhere Einkommensteuer, eine steigende Mehrwertsteuer für Süßwaren und die Streichung von drei Feiertagen.
Fachleute sind skeptisch, ob damit die wachsenden Verbindlichkeiten stabilisiert werden können. Die EU-Kommission erwartet, dass das Haushaltsdefizit 2027 erneut auf 5 Prozent des BIP steigen könnte (2025: 4,8 Prozent, 2026: 4,3 Prozent). Der Schuldendienst wird bis dahin auf über 2,4 Milliarden Euro pro Jahr steigen. Gewerkschaften und Arbeitgeber appellieren an die Regierung, die Ausgaben zu senken, mehr in der öffentlichen Verwaltung zu sparen und Leistungsmissbrauch einzuschränken.
Wirtschaftsentwicklung: Privatkonsum und EU-Fonds sorgen für Miniwachstum
Die staatlichen Sparmaßnahmen sowie die unsicheren Aussichten trüben die Stimmung und dämpfen die Konjunkturentwicklung in der Slowakei. Das vergleichsweise schwache Wachstum von 0,8 Prozent im Jahr 2025 wurde getragen vom Privatkonsum und öffentlichen Investitionen. Die Exporte dagegen sanken in den ersten drei Quartalen um rund 9 Prozent, in die USA sogar um 17 Prozent.
Die Industrieproduktion schrumpfte in den ersten drei Quartalen 2025. Besonders groß war der Einbruch im Maschinenbau (-13 Prozent). Starke Rückgänge verbuchten außerdem Metallverarbeiter und die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen. Mit 5 Prozent im Plus lag die Fahrzeugindustrie inklusive Zulieferer.
Die Aussichten für die Slowakei bleiben aber vage. Das Land hat derzeit neben Ungarn das niedrigste Wachstumspotenzial der Region. Mehr Wertschöpfung und innovative Produkte wären nun nötig, um höhere Löhne zu rechtfertigen. Doch bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung gehört die Slowakei zu den Schlusslichtern der EU.
Die Wachstumserwartungen für 2026 beruhen darauf, dass sich die europäische Wirtschaft wieder erholt, besonders Deutschland. Ein wichtiger Faktor bleibt die Abschöpfung von EU-Fonds zur Ankurbelung der Investitionen. Das Finanzministerium erwartet für 2026 einen Rekordwert von 2,57 Milliarden Euro, der aus dem Wiederaufbauplan abgerufen wird.
Außerdem steigen die Verteidigungsausgaben. Die slowakische Rüstungsindustrie verzeichnet seit Russlands Vollinvasion in der Ukraine einen Boom. Die Exporte von Militärgütern erreichten im 1. Halbjahr 2025 einen Wert von 1 Milliarde Euro und damit fast so viel wie im gesamten Vorjahr.
Ansonsten ist die Auftragslage der Industrie eher durchwachsen. In den ersten drei Quartalen stiegen die Neuaufträge lediglich um 1 Prozent. Zweistellig nach oben ging es bei Pharmaherstellern, bei optischen und elektronischen Ausrüstungen und sonstigen Transportmitteln. Hier dürften sich wachsende Bestellungen im Rüstungssektor widerspiegeln.
Ab 2026 investieren die Unternehmen wieder mehr
Das Investitionsgeschehen wurde 2025 vor allem durch staatliche Projekte bestimmt. Dagegen sind die Bruttoanlageinvestitionen der Privatwirtschaft geschrumpft. Für 2026 erwartet das Finanzministerium ein umgekehrtes Bild. Die staatlichen Investitionsausgaben werden stagnieren, während sich Unternehmen wieder stärker engagieren. Banken berichten von einem zweistelligen Wachstum bei Investitionskrediten.
Hohe Inflation dämpft das reale Lohnwachstum
Die Stimmung der slowakischen Verbraucher ist getrübt durch hohe Inflation, Zukunftsängste und steigende Arbeitslosigkeit. Die höhere Mehrwertsteuer ließ die Verbraucherpreise im Jahresverlauf 2025 um rund 4 Prozent steigen. Auch im kommenden Jahr erwartet die Regierung einen Preisauftrieb von mehr als 4 Prozent.
Das verringert den Anstieg der Reallöhne. Die Regierung rechnet für 2026 mit einem Plus von mageren 0,6 Prozent. Auch in den beiden Folgejahren soll der Zuwachs unter 2 Prozent bleiben. Im öffentlichen Dienst sollen die Gehälter eingefroren werden.
Einen positiven Effekt auf die Kaufkraft könnten Energiechecks haben, mit denen die Regierung die steigenden Energiepreise für etwa 90 Prozent der Haushalte ausgleichen will.
Die Arbeitslosigkeit bleibt unter dem langjährigen Durchschnitt und wird 2026 nach Schätzungen der EU-Kommission nur leicht auf 5,4 Prozent ansteigen. Trotz einiger Entlassungswellen in klassischen Industriezweigen finden Erwerbslose immer noch relativ schnell eine neue Anstellung.
Deutsche Perspektive: Warenaustausch schrumpft zweistellig
Der deutsch-slowakische Handel leidet unter der schwachen Wirtschaftsentwicklung in beiden Ländern. Laut Eurostat sanken die slowakischen Exporte nach Deutschland von Januar bis September 2025 um 11 Prozent. Das betraf vor allem Autos, Metallbearbeitungsmaschinen, Chemikalien, Eisen und Stahl.
Die slowakischen Importe aus Deutschland gingen bis September 2025 um 12 Prozent zurück, mit ähnlichen Schwerpunkten wie beim Export.
Deutsche Unternehmen in der Slowakei blicken zunehmend skeptisch auf die Geschäfte im Land. Bei einer Umfrage der AHK Slowakei im Herbst 2025 bemängelten sie vor allem die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, hohe Arbeitskosten und die unsichere Nachfrage. Gleichzeitig sinkt ihre Bereitschaft, zu investieren oder die Beschäftigtenzahl zu erhöhen. Zwei von drei Betrieben prognostizieren eine Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Situation in der Slowakei, lediglich 6 Prozent rechnen mit einer Besserung.
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