Branche kompakt | Tschechische Republik | Kfz-Industrie
E-Mobility
Steigende Benzinpreise, eine größere Modellauswahl, mehr Reichweite und sinkende Preise erhöhen auch in Tschechien das Interesse an Elektroautos. Die Inlandsproduktion steigt.
24.07.2026
In absoluten Zahlen ist Tschechiens Markt für Elektroautos überschaubar: Im 1. Halbjahr 2026 wurden 8.630 Pkw mit Batterieantrieb neu zugelassen. Der Marktanteil stieg auf 6,7 Prozent gegenüber 5,6 Prozent im Gesamtjahr 2025.
Die Dynamik bleibt weiter hinter dem europäischen Durchschnitt zurück. In der EU stieg der Absatz von Batterieautos zwischen Januar und Mai 2026 laut Herstellerverband ACEA um 36 Prozent, in Tschechien jedoch nur um 17 Prozent. Beim Anteil an den Neuzulassungen verzeichnen nur sechs der 27 EU-Staaten niedrigere Werte. Das liegt an fehlenden staatlichen Kaufprämien für die Anschaffung von Elektroautos.
Firmenkunden treiben das Geschäft voran
Impulse für den Markt in Tschechien entstehen besonders durch Firmenkunden. Eine Befragung des Leasinganbieters Arval unter 300 Unternehmen des Landes hat ergeben, dass ein Drittel von ihnen bereits Elektroautos im Fuhrpark hat oder dies in den kommenden drei Jahren plant.
Aktuell gehen laut Marktkennern rund 90 Prozent der neu zugelassenen Elektroautos an Unternehmen. Die Treiber waren zuletzt in erster Linie internationale Konzerne in Tschechien, die damit ihre Nachhaltigkeitsziele erfüllen wollen. Die hohen Benzin- und Dieselpreise und die verbesserte Ladeinfrastruktur lassen auch immer mehr einheimische Firmen auf Elektroantrieb umsteigen. Dazu tragen die neuen Modelle von Škoda bei, der traditionell beliebtesten Marke in Tschechiens Firmenflotten.
Kategorie | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | 1. Halbjahr 2026 |
|---|---|---|---|---|---|
Pkw | 3.892 | 6.640 | 10.933 | 13.806 | 8.630 |
Anteil an den Gesamtzulassungen (in %) | 2,03 | 3,00 | 4,72 | 5,55 | 6,65 |
leichte Nutzfahrzeuge | 134 | 353 | 622 | 1.342 | 853 |
| Anteil an den Gesamtzulassungen (in %) | 0,79 | 1,55 | 2,86 | 6,62 | 7,85 |
| Lkw | 4 | 10 | 27 | 136 | 61 |
| Anteil an den Gesamtzulassungen (in %) | 0,04 | 0,10 | 0,29 | 1,48 | 1,21 |
| Busse | 40 | 6 | 59 | 41 | 35 |
| Anteil an den Gesamtzulassungen (in %) | 3,29 | 0,56 | 4,43 | 4,99 | 6,82 |
Besonders große Zuwächse bei neu zugelassenen Elektrofahrzeugen gibt es bei Nutzfahrzeugen. Die Verkäufe von elektrisch betriebenen Lkw haben sich 2025 gegenüber dem Vorjahr verfünffacht. Der Marktanteil blieb mit 1,5 Prozent aber noch sehr gering. Bei leichten Nutzfahrzeugen verdoppelten sich die Neuzulassungen von Elektromodellen.
Deutsche Hersteller verlieren Marktanteile
Dank des neuen Modells Elroq und des weiter erfolgreichen SUV Enyaq konnte Škoda Auto 2025 seinen Marktanteil bei den Neuzulassungen von Elektroautos mehr als verdoppeln. Auf die tschechische Marke entfielen 38 Prozent aller Verkäufe. Der bisherige Spitzenreiter Tesla dagegen halbierte seine Marktposition auf 14 Prozent.
Die drei deutschen Hersteller Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz verloren Marktanteile in einem insgesamt wachsenden Markt. Bei BMW sanken die Verkäufe sogar in absoluten Zahlen (von 578 neu zugelassenen Autos im Jahr 2024 auf 431 im Jahr 2025). Im Ergebnis schrumpfte der Marktanteil um zwei Prozentpunkte auf 3 Prozent.
Unter den starken Zuwächsen von Škoda litten aber auch andere Hersteller, vor allem Volvo und die chinesische Marke MG. Ihre Verkaufszahlen waren 2025 nur noch halb so hoch wie im Jahr zuvor. Andere chinesische Hersteller kommen bei Elektroautos bislang nicht auf eine relevante Marktgröße von mehr als 1 Prozent.
| Marke | Neuzulassungen 2025 | Neuzulassungen 1. Halbjahr 2026 |
|---|---|---|
| Škoda | 5.259 | 2.869 |
| Tesla | 1.943 | 1.435 |
| Mercedes-Benz | 572 | 420 |
| Toyota | 385 | 388 |
| Volkswagen | 801 | 364 |
| Ford | 618 | 350 |
| BMW | 431 | 320 |
| Hyundai | 672 | 295 |
| BYD | 130 | 278 |
| Kia | 422 | 278 |
Škoda größter Batterielieferant im VW-Konzern
Die tschechischen Autohersteller investieren weiter in Technologien für Elektroautos. Škoda Auto eröffnete im Februar 2026 im Hauptwerk Mladá Boleslav eine neue Montagehalle für Batteriesysteme und ist nun der größte Produzent dieser Komponenten im VW‑Konzern. In das Projekt investierte Volkswagen über 200 Millionen Euro. Bis zu 335.000 Einheiten pro Jahr können dort produziert werden.
Das Škoda‑Stammwerk ist der erste Produktionsstandort des Konzerns in Europa, der Cell‑to‑Pack‑Batteriesysteme für den Einsatz in elektrischen Volumenmodellen herstellt. Die Linien sind zu 84 Prozent automatisiert, 131 Industrieroboter kommen zum Einsatz. Dank der Investition kann Škoda künftig bis zu 200.000 Elektrofahrzeuge pro Jahr in Mladá Boleslav produzieren.
Nach Angaben des Automobilverbands AutoSAP liefen in Tschechien 2025 über 224.000 Elektroautos vom Band, fast doppelt so viel wie 2024. Hinzu kamen 61.000 Plug-in-Hybride (+60 Prozent).
Der Löwenanteil der E-Auto-Produktion entfällt auf Škoda. Laut AutoSAP produzierte die VW-Tochter 2025 fast 190.000 reine Elektroautos (BEV), ein Plus von 137 Prozent zum Vorjahr. Zugleich verdoppelte Škoda seine Auslieferungen an BEV und wurde in diesem Segment zur viertgrößten Marke in Europa. Mit dem Kleinwagen Epiq und dem Familien-Van Peaq kommen 2026 zwei neue Modelle auf den Markt, auf die der tschechische Autobauer große Hoffnungen setzt.
Bei Hyundai in Nošovice liefen 2025 rund 35.000 Batterieautos vom Band (+5 Prozent). Bislang noch keine Elektroautos produziert Tschechiens dritter Autobauer Toyota. Allerdings bauen die Japaner das Werk in Kolín zur ersten BEV-Produktionsstätte des Konzerns in Europa aus.
Jede vierte Ladesäule steht in Prag
Beim Ausbau der Ladeinfrastruktur macht Tschechien Fortschritte. Allein 2025 kamen über 700 Stationen mit 1.251 Ladepunkten hinzu. Laut Zentrum für Verkehrsforschung (Centrum dopravního výzkumu) gab es Ende Mai 2026 fast 6.400 Ladepunkte im Land. Rund ein Viertel davon entfiel auf die Hauptstadt Prag.
Ein Problem ist weiterhin die geringe Dichte an Schnellladestationen (ab 50 Kilowatt Leistung) und Ultraschnellladern (UFC, ab 150 Kilowatt). Das Zentrum für Verkehrsforschung verzeichnete zur Jahresmitte 2026 in Tschechien rund 350 Lademöglichkeiten an UFC. Das entsprach einem Anteil von nur 4 Prozent aller Ladepunkte.
Die wichtigsten Betreiber von Ladestationen sind die drei Stromversorger ČEZ, Pražská energetika und E.ON. Außerdem sind die großen Tankstellenketten und Einzelhändler aktiv beim Ausbau der Infrastruktur.
Laut Zentrum für Verkehrsforschung waren Mitte Juli 2026 in Tschechien über 73.000 Pkw mit Batterieantrieb registriert; knapp ein Viertel davon in Prag. Damit teilen sich elf Autos einen öffentlichen Ladepunkt.