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Neue Konzepte beflügeln den Tourismus in Indonesien
Indonesiens Tourismus ist zurück, stärker diversifiziert und mit neuen Schwerpunkten. Das Gastgewerbe entwickelt sich für deutsche Unternehmen zu einem interessanten Markt.
05.02.2026
Von Oliver Döhne | Jakarta
Das World Economic Forum (WEF) bezeichnet Indonesien in seiner Tourismusanalyse – ähnlich wie Sri Lanka, Aserbaidschan und Saudi‑Arabien – als aufstrebendes Reiseland, das künftig mehr Besucher anziehen dürfte. Indonesien zählte 2025 rund 15,4 Millionen internationale Touristen, rund 10,8 Prozent mehr als im Vorjahr und nahe dem Vor‑Covid‑Niveau von etwa 16,1 Millionen Gästen.
Großes Land mit großem Potenzial
Innerhalb Südostasiens lag Indonesien, das bevölkerungsreichste und wirtschaftsstärkste Land der Region, im Besucherranking 2025 aber nur auf Platz 5. Neue Nummer 1 war 2025 Malaysia, das einen Boom bei asiatischen Touristen erlebt, vor Thailand, das einen Rückgang seiner Besucher verzeichnete. Es folgen Vietnam und Singapur.
Im Tourism and Travel Development Index des WEF, der die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Tourismussektors bewertet, schneidet Indonesien gut ab und rangierte innerhalb der ASEAN-Region 2024 hinter Singapur auf Rang zwei und im weltweiten Vergleich auf Platz 22.
Indonesien konnte sich in den letzten Jahren stark verbessern und hatte 2019 international noch auf Platz 36 gelegen. Die besten Noten gab es für die Unterstützung des Sektors durch die Politik, für die Sicherheit und das Preisniveau im Land. Handlungsbedarf besteht gemäß der Analyse bei der Qualität der Infrastruktur und bei der Qualität der touristischen Dienstleistungen.
Neue strategische Ansätze
Um genau dort anzusetzen, orientiert sich Indonesien unter anderem an Malaysia, das sein touristisches Profil erfolgreich mit Schwerpunkten wie islamfreundlichem Tourismus, Medizin- und Bildungstourismus geschärft hat. Das indonesische Tourismusministerium setzt dabei seinerseits besonders auf folgende Bereiche: höherwertiger und nachhaltiger Tourismus, Sport- und Abenteuertourismus, gemeinschaftsbasierter Tourismus (aktive Einbeziehung lokaler Bewohner), kulinarische und kulturelle Reisen sowie Geschäftstourismus.
Indonesien zielt besonders auf zahlungskräftige Überseekunden aus Europa und den USA, die in der Regel deutlich länger im Land bleiben als Besucher aus Nachbarländern und auch mehr ausgeben. Die meisten Touristen kamen 2025 aus den Nachbarländern Malaysia, Australien und Singapur, die zusammen 38 Prozent des Gästeaufkommens ausmachten.
Deutsche Reiseveranstalter mit vielfältigen Angeboten
Aus Europa reisten 2025 rund 16 Prozent aller Touristen beziehungsweise 2,5 Millionen Gäste an, davon kamen knapp 300.000 aus Deutschland (circa +2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Zahlreiche deutsche Reiseveranstalter haben Indonesien im Programm, zum Beispiel TUI, DERTOUR, EXPLORER, Green Tiger Travel, Asien Special Tours und SKR. Die DERTOUR Gruppe ist mit einer Niederlassung seiner Marke GoVacation auf Bali aktiv. Die Hotelmarke TUI BLUE eröffnete 2024 in Canggu auf Bali ihr erstes Hotel in Indonesien und plant zwei weitere, voraussichtlich eines im Norden von Bali und eines in Jakarta.
Indonesien ist mehr als Bali
Bali ist das beliebteste Reiseziel des Landes, etwa 38 Prozent aller Besucher reisen auf die weltweit bekannte Insel, wo auch weiter neue Resorts entstehen, meist im Superluxus-Segment. Der überlaufene Süden von Bali soll außerdem durch infrastrukturelle Maßnahmen entzerrt und touristische Angebote auf andere Inselteile verteilt werden. Investoren sondieren zunehmend den Norden und das Bergland Balis.
Gleichzeitig rücken andere Regionen stärker in den Fokus. Der Staat baut hier die touristische Infrastruktur aus und bietet Investoren besondere Anreize. Das neue Konzept "5 Super Priority Destinations" der Regierung konzentriert die Vermarktung und Investitionen auf diese Reiseziele:
| Region | Geplante Projekte | Geplante Investitionen in Millionen US$ | Status | Ansprechpartner |
|---|---|---|---|---|
| Labuan Bajo auf der Insel Flores | Marina Bay, Yachthafen, Kreuzfahrtterminal, Hotels, Shoppingcenter | 90 | Entwicklungsphase | Townland, PT Mahanaim |
| Borobudur-Tempel in Zentral-Java | Kultur-, Abenteuer- und Ökoresort im Borobudur-Hochland | 90 | Frühstadium | Badan Pelaksana Otorita Borobodur |
| Nord-Sulawesi | Likupang Special Economic Zone, Pier, Konferenzzentrum, Shoppingcenter | 66 | Frühstadium | PT Minahas Permai Resort Development |
| Süd-Lombok | Mandalika Special Economic Zone, 40 Villen, Luxushotel, Businesshotel, Sportstainment (Sport und Unterhaltung) | 25 | Rennstrecke und Basisinfrastruktur fertig | PT MNC Land |
| Vulkansee Toba in Nord-Sumatra | Toba Caldera Resort, Boutique Hotel, Out- und Indoor-Freizeitanlagen | 22 | Frühstadium | Lake Toba Tourism Authority |
Diese fünf Destinationen werden inzwischen auch verstärkt in Deutschland beworben. Der Ausbau regionaler Flughäfen, günstige Inlandsflüge und landesweit mehr Unterkünfte erleichtern Reisen auch in noch weiter abgelegene Regionen. Ins Visier von Immobilienentwicklern und Investoren geraten daher auch die Inseln Sumba, Belitung sowie die Provinz Banten im Westen von Java.
Hotellerie: Ein herausfordernder Markt
Das Statistikamt zählte 2025 landesweit 34.702 Beherbergungsbetriebe mit 969.329 Zimmern, das waren 3.527 mehr Unterkünfte als im Vorjahr. Bei 4.790 Unterkünften handelte es sich um Sterne-Hotels, davon 351 Fünf-Sterne-Hotels und 1.501 Vier-Sterne-Hotels. Die meisten Fünf-Sterne-Hotels (157) befinden sich auf Bali und 42 in der Hauptstadt Jakarta.
Internationale Ketten wie Hyatt, Marriott, Accor und IHG verwalten lediglich 11 Prozent der klassifizierten Hotels. Nationale Hotelketten wie Archipelago International betreiben 14 Prozent der Hotels. Das heißt, die restlichen drei Viertel der Hotels werden von unabhängigen Betreibern oder dem Staat geführt.
Ausländer und ausländisch kontrollierte Firmen dürfen in Indonesien kein Land mit unbeschränkten Rechten erwerben, sie erhalten nur zeitlich befristete Bau- und Nutzungsrechte. Mehrheitlich im ausländischen Besitz sind landesweit daher nur 2,4 Prozent der Hotels. In der Provinz West-Nusa Tenggara (Lombok) liegt der Anteil bei 15 Prozent, auf Bali immerhin bei 7,5 Prozent.
Streben nach Luxus und Qualität
Im Jahr 2025 flossen rund 2,3 Milliarden US-Dollar an Investitionen in das Gastgewerbe. Für 2026 rechnen Fachleute mit rund 2,6 Milliarden und 2027 mit 2,9 Milliarden US$. Angesichts des großen, noch unerschlossenen Potenzials weit über Bali hinaus und eines wachsenden Interesses an höherwertigen und Luxusreisen wird insbesondere mit Investitionen in Villenanlagen, Eco-Resorts und hochwertige Beachfront-Unterkünfte gerechnet.
Mit den neuen hochwertigen Angeboten steigt auch der Bedarf an exklusiven Designs, hochwertigen Ausstattungen und Ausrüstungen für die Infrastruktur.
Neue Lieferchancen im wachsenden Tourismus in Indonesien:
- Küchen- und Badausstattungen
- Maschinen zur Herstellung von Möbeln
- Kühl- und Klimatechnik
- Wasseraufbereitung
- Nachhaltige Baustoffe, Design, Architektur
- Feinkost, Käse, Milchprodukte, alkoholische Getränke
- Innovative Tourismusformate
- Transport (Fähren, Flughafentechnik)
Ein bedeutender Teil der Produkte und Dienstleistungen muss importiert werden, weil es zu wenige einheimische Anbieter gibt. Auch deutsche Lebensmittel, die in Indonesien noch einen schweren Stand haben, finden im wachsenden Tourismus einen interessanten Markt.