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Wirtschaftsausblick | Neuseeland

Neuseeland erwartet nur geringes Wirtschaftswachstum

Hohe Inflation und Naturkatastrophen nehmen der Konjunktur den Wind aus den Segeln. Die Verbraucher müssen ihre Ausgaben kürzen. Chancen bietet der Infrastrukturausbau.

Von Heiko Stumpf | Sydney

Wirtschaftsentwicklung: Konjunkturforscher rechnen mit zwei mauen Jahren

Neuseeland rutschte Anfang 2023 in die technische Rezession. Im 1. Quartal 2023 blieb das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einem Minus von real 0,1 Prozent zum zweiten Mal in Folge hinter dem Wert des Vorquartals zurück. Im Jahresdurchschnitt erwartet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung dennoch ein moderates Wachstum von 1 Prozent. Die Geschäftsbank ANZ zeigt sich pessimistischer. Für 2023 und 2024 wird eine BIP-Steigerung von nur 0,7 Prozent prognostiziert.

 

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Insbesondere belasten steigende Zinsen die Konjunktur. Neuseeland hatte im Oktober 2021 die Zinswende eingeleitet. Nach mehreren Erhöhungen lag der Leitzins im Juni 2023 bei 5,5 Prozent. Trotz der Anstrengungen der Währungshüter konnte die Inflation bislang nicht eingedämmt werden. Im 1. Quartal 2023 lag die Teuerungsrate bei 6,7 Prozent. Im Jahresdurchschnitt wird für 2023 ein Preissteigerungsniveau zwischen 5 und 5,5 Prozent erwartet. Marktbeobachter rechnen deshalb mit einem weiteren Anstieg des Leitzinses auf 5,75 Prozent.

Die steigenden Lebenshaltungskosten und die gleichzeitige monetäre Straffung belasten den privaten Konsum, welcher rund 60 Prozent zur BIP-Entstehung beiträgt. Zudem leidet die Wirtschaft unter Unwetterfolgen. Anfang 2023 richtete der Zyklon "Gabrielle" große Verwüstungen an, was zu Ernteschäden führte. In der Region Hawke's Bay ging rund die Hälfte der Apfelernte verloren.

Auch im Wohnungsbau verlangsamt sich die Dynamik. Der Sektor war zuletzt einer der wichtigsten Wachstumstreiber und bewegte sich 2022 mit 49.500 erteilten Baugenehmigungen auf Rekordniveau. Für die Jahre 2023 und 2024 prognostiziert ANZ jedoch einen Rückgang der Bauinvestitionen um 4,4 beziehungsweise 7 Prozent.

Der Tourismussektor hingegen profitiert weiter von der Rückkehr internationaler Gäste. Nachdem die Landesgrenze wegen Covid-19 mehr als zwei Jahre lang geschlossen war, dürften die Tourismuseinnahmen in der Sommersaison 2022/2023 wieder rund 75 Prozent des Vorkrisenniveaus erreicht haben.

 

Wirtschaftliche Eckdaten Neuseeland

Indikator

2021

2022

Vergleichsdaten Deutschland 2022

Bruttoinlandsprodukt (BIP, nominal, Mrd. US$)

249

242

4.075

BIP pro Kopf (US$)

48.778

47.208

48.636

Bevölkerung (Mio.)

5,1

5,1

83,4

Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = ... NZ$)

1,42

1,66

-

Quelle: Internationaler Währungsfonds 2023; Statistisches Bundesamt 2023

Investitionen: Die Ausgaben der Unternehmen schrumpfen

Die Bruttoanlageinvestitionen dürften 2023 einen Einbruch erleben. Insbesondere private Unternehmen fahren ihre investiven Ausgaben zurück. Die Zentralbank erwartet einen realen Rückgang um 1,5 Prozent, im Jahr 2024 soll es ein weiteres Minus von etwa 6 Prozent geben.

Impulse setzt der staatliche Infrastrukturausbau. Bis zum Finanzjahr 2027/2028 (1. April bis 31. März) stellt die Regierung Gelder in Höhe von umgerechnet rund 43 Milliarden US-Dollar (US$) zur Verfügung. Gegenüber dem vorausgegangenen Fünfjahreszeitraum bedeutet dies in Landeswährung ein Plus von nominal 58 Prozent.

Zudem fließen etwa 3,6 Milliarden US$ als Anfangsfinanzierung in den "National Resilience Plan". Neben Wiederaufbauhilfen nach den Zyklon-Schäden sollen die Gelder dazu beitragen, die kritische Infrastruktur robuster gegenüber Extremwetterereignissen zu machen.

Die staatliche Bahngesellschaft KiwiRail hat mit dem "Rail Network Investment Programme" eine langfristige Investitionsplanung vorgelegt, die bis 2031 Ausgaben von umgerechnet 4,1 Milliarden US$ vorsieht. Im Wassersektor muss ein Investitionsstau von über 54 Milliarden US$ abgebaut werden.

Ausgewählte Großprojekte in Neuseeland

Projektbezeichnung

Investitionssumme (Mio. US$)*

Projektstand

Projektträger

Auckland Light Rail

8.800

In Planung

Auckland Light Rail

Let’s Get Wellington Moving Transport Programme

3.850

Realisierung in mehreren Phasen bis ca. 2040

Wellington City Council

Auckland City Rail Link

3.200

In Bau bis 2025

City Rail Link Limited

Southern Green Hydrogen Project

2.700

In Planung

Meridian, Woodside

Auckland Airport Expansion

2.300

Realisierung in mehreren Phasen bis 2040

Auckland International Airport

New Zealand Housing Acceleration Fund

2.300

Umsetzung bis ca. 2038

Ministry of Housing and Urban Development

Dunedin Hospital

950

Fertigstellung
1. Phase: 2025
2. Phase: 2029

Southern District Health Board

Auckland Metro Rail Programme

902

In Bau bis 2024

KiwiRail

Otaki Levin Highway

902

Geplanter Baubeginn 2025

New Zealand Transport Agency

Auckland East West Link

752

In Planung

New Zealand Transport Agency

* Wechselkurs im Jahresdurchschnitt 2022 laut Bundesbank: 1 NZ$ = 0,6 US$Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2023

Weitere Informationen zu aktuellen und künftigen Projekten bieten die Ausschreibungsdatenbank New Zealand Government Electronic Tenders Service und die New Zealand Infrastructure Commission.

Konsum: Die privaten Haushalte müssen sparen

Die steigenden Zinsen belasten die Konsumstimmung deutlich. Durch den Immobilienboom der vergangenen Jahre sind viele Haushalte mit hohen Krediten belastet. Lange Zinsbindungen mit einer Dauer von mehr als zwei Jahren sind jedoch unüblich. Das deutlich gestiegene Zinsniveau mindert die verfügbaren Einkommen.

Die Zentralbank rechnet für 2023 zwar mit einem Lohnwachstum im Privatsektor von durchschnittlich 4,3 Prozent, dennoch drohen den Beschäftigten aufgrund der hohen Inflation Reallohnverluste. Ökonomen erwarten deshalb für 2023 und 2024 einen Rückgang des Pro-Kopf-Konsums.

Die einzige Nachfragestütze ist das hohe Bevölkerungswachstum. Nach Prognosen könnte die Nettozuwanderung im Jahr 2023 mit mehr als 75.000 Personen einen neuen Rekordwert erreichen. Das entlastet nicht nur den leergefegten Arbeitsmarkt, sondern belebt auch die Nachfrage nach Konsumgütern und Dienstleistungen. Die konjunkturelle Abkühlung geht jedoch auch am Arbeitsmarkt nicht spurlos vorbei. Im 1. Quartal 2023 lag die Arbeitslosenquote noch bei 3,4 Prozent. Bis Ende 2024 wird ein Anstieg auf etwa 5 Prozent erwartet.

Außenhandel: Freihandelsabkommen mit EU unterzeichnet

Das Jahr 2022 schloss Neuseeland bei den Importen mit einem starken Wachstum ab. Die Einfuhren lagen bei 54,8 Milliarden US$. Auch die Exporte verzeichneten ein leichtes Wachstum auf 45,6 Milliarden US$.

Außenhandel Neuseelands (in Millionen US-Dollar; nominale Veränderung in Prozent)

2021

2022

Veränderung 2022/21

Importe

49.221

54.850

11,4

Exporte

44.325

45.615

2,9

Quelle: UN Comtrade 2023

Der deutsche Außenhandel mit Neuseeland entwickelt sich positiv. Im Jahr 2022 stiegen die deutschen Ausfuhren in den Inselstaat um etwa 18 Prozent auf rund 1,9 Milliarden Euro an. Das bilaterale Handelsvolumen erreichte 2,6 Milliarden Euro.

Einen zusätzlichen Schub dürfte das im Juli 2023 unterzeichnete Freihandelsabkommen zwischen Neuseeland und der EU bringen. Vor dem Inkrafttreten müssen noch das europäische und das neuseeländische Parlament zustimmen.

Gute Geschäftschancen bietet beispielsweise der Bereich Energieeffizienz. Nachholbedarf besteht hier vor allem bei Gebäuden, welche für 9,4 Prozent der Treibhausgasemissionen und die Hälfte des landesweiten Stromverbrauchs verantwortlich sind. Am 1. Mai 2023 traten durch eine Reform des "Building Code" strengere Energieeffizienzvorgaben in Kraft, die schrittweise verschärft werden sollen.

Das Förderprogramm "Warmer Kiwi Homes" wurde verlängert, damit bis 2026/2027 jährlich rund 26.500 Häuser energetisch modernisiert werden können. Durch den "Government Investment in Decarbonising Industry Fund" gibt es Fördermittel für industrielle Dekarbonisierungsprojekte.

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