Wirtschaftsausblick | Neuseeland
Konjunktur in Neuseeland: Talfahrt naht dem Ende
Die Zinsen sinken, das Exportgeschäft läuft und der Konsum zieht wieder an: Neuseeland hofft 2026 auf die echte wirtschaftliche Trendwende.
12.01.2026
Von Daniel Lenkeit | Sydney
Wirtschaftsentwicklung: Warten auf die echte Wende
Nach fast zwei verlorenen Jahren – noch 2024 steckte Neuseeland in einer tiefen Rezession – liegt die Hoffnung für mehr wirtschaftliche Dynamik auf dem Jahr 2026. Und tatsächlich mehren sich die positiven Anzeichen für eine bessere Konjunktur.
Das jährliche Wirtschaftswachstum wird nach Schätzungen der Geschäftsbanken 2026 und 2027 jeweils 3 Prozent erreichen. Der Konsum, das gut laufende Exportgeschäft sowie die weniger restriktive Geldpolitik dürften das Wachstum treiben. Sowohl der private Konsum als auch die Bruttoanlageinvestitionen werden 2026 deutlich höher als im Vorjahr erwartet.
Dennoch wird Neuseelands Wirtschaft ihre volle Leistungskapazität auch 2026 nicht abrufen. Die Kapazitätsauslastung der Unternehmen liegt bei etwa 90 Prozent und die Arbeitslosigkeit erreichte Ende 2025 ein 9-Jahreshoch.
Zinswende pusht privaten Konsum
Einen wichtigen Impuls für mehr Investitionen und Entlastung der Haushalte bei ihren Hypothekenzahlungen setzt die Zentralbank RBNZ mit ihrer aktuellen Zinspolitik. Seit August 2024 senkte sie den Leitzins kontinuierlich von 5,5 Prozent auf zuletzt 2,25 Prozent im November 2025. Aufgrund des geringen Lohnkostendrucks und der dadurch niedrigen Gefahr für echte Inflation könnten weitere Zinsschritte 2026 folgen, vor allem wenn die tatsächliche Konjunktur hinter den Erwartungen zurückbleibt.
Das durch die geringeren Kreditraten langsam steigende verfügbare Einkommen der Haushalte kann 2026 und 2027 unter anderem für höhere Konsumausgaben verwendet werden. Die Projektionen der meisten Ökonomen sehen den privaten Konsum 2026 etwa 3,4 Prozent höher als im Vorjahr. Damit würden die zusätzlichen Ausgaben der Haushalte den Großteil des BIP-Wachstums schultern.
Firmen bleiben vorsichtig optimistisch
Die aktuelle Geschäftslage der meisten neuseeländischen Unternehmen ist weiterhin gedämpft. Der Einkaufsmanagerindex verharrte zuletzt auf einem mittleren Niveau, wo gleich viele Firmen investieren wie nicht investieren wollen. Dementsprechend sollen die Investitionen 2026 endlich ihre Talfahrt beenden und wieder beginnen zu steigen.
Trotz der wirtschaftsfreundlichen Politik und der günstigeren Finanzierungsbedingungen bleibt ein Boom von Ausrüstungsinvestitionen 2026 jedoch voraussichtlich aus. Ein Grund dafür ist der seit 2022 zum Euro stetig abwertende Neuseeland-Dollar (NZ$), der importierte Fahrzeuge und Maschinen teurer macht und den Kostendruck lokaler Unternehmen erhöht. Dies müssen deutsche Exporteure von Investitionsgütern beachten. Der Wert der Importe wird dementsprechend 2026 wohl schneller steigen als der Wert der Exporte. Neuseelands Leistungsbilanzdefizit wird damit voraussichtlich auf über 4 Prozent des BIP ansteigen.
Exporte haben gute Konjunktur und treiben Investitionen im Agrarsektor
Die meisten Banken gehen davon aus, dass der Neuseeland-Dollar auf absehbare Zeit schwach bleiben wird. Gute Nachrichten für die Wettbewerbsfähigkeit der Exporte. Zudem bleiben die Preise für Neuseelands wichtigste Ausfuhrgüter - Milchprodukte, Fleisch und Gartenbauprodukte - weiter hoch. Die derzeit hohen Exporterlöse stärken die landwirtschaftlichen Betriebe und darüber hinaus die ländlichen Regionen, was im Agrarsektor zu Investitionen führen dürfte.
Top-Thema: Regierung beschließt neues Energiepaket
Die neuseeländische Regierung beschloss Ende 2025 ein neues Energiepaket. Die zwei Hauptziele sind Energiesicherheit (technologieoffen) und die Stärkung des Strommarkts. Darüber hinaus sollen Investitionsanreize geschaffen werden.
Zu den kurzfristigen Maßnahmen im Paket zählt unter anderem ein geplanter LNG-Import Terminal, dessen Größe noch offen ist. Zudem wird die staatliche Strombehörde mehr Macht für die Preisüberwachung erhalten und bei Marktversagen einschreiten.
Ebenso sollen Informationen zu Reserven und Produktion von Erdgas transparenter werden, um klare Signale für Investitionen in Energieerzeugung und -speicher zu setzen. Die Regierung will hier einen klaren und bindenden Rahmen für die Datenerhebung und -veröffentlichung einführen. Marktteilnehmer im Energiesektor sollen so nach Ansicht der Politik Neuseelands Bedarf im Energiemarkt besser überblicken und ihre Investitionen effizienter daran ausrichten.
Ausbau erneuerbarer Energien wird aufgeweicht
Die konservative, wirtschaftsliberale Landesführung nimmt weiter Abstand von den Zielen der Vorgängerregierung, die die erneuerbaren Energien bis 2030 auf 100 Prozent des Strommix anheben wollte. In dem Zuge wird auch das geplante Pumpspeicherwerk am Lake Onslow gestrichen. Im Jahr 2025 hatte die Regierung bereits das Verbot der Offshore-Öl- und Gasförderung aufgehoben und stellte im Haushalt 2025 insgesamt 200 Millionen NZ$ über vier Jahre für Ko-Investitionen in neue und bestehende Gasfelder bereit, um "Risiken bei der Gasversorgung" zu begegnen.
Langfristig sollen jedoch auch erneuerbare Energien ausgebaut werden, unter anderem im Offshore‑Wind Bereich. Gemäß des neuen Energiepakets soll die Produktion aller Erneuerbaren bis 2050 verdoppelt werden. Wie genau bleibt vage und ein konkretes Ziel für den Strommix wird nicht erwähnt.
Für deutsche Unternehmen ergeben sich Chancen in den Bereichen LNG‑Infrastruktur, Netzmodernisierung, Energiespeicher, Marktüberwachungssoftware und Prognose‑Tools für Gas‑ und Stromdaten‑Reporting sowie Turbinen und Fundamente für Offshore‑Wind-Anlagen.
Deutsche Perspektive: Freihandelsabkommen gut für Deutschland
Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Neuseeland war 2025 das erste vollständige Jahr in Anwendung. Durch das Abkommen wurden die Zölle auf fast alle Waren abgeschafft. Der Inselstaat importiert hauptsächlich Investitionsgüter wie Maschinen und Anlagen. Deutschland ist der drittgrößte Lieferant in diesem Sektor und gleichzeitig der mit Abstand wichtigste europäische Handelspartner für Neuseeland.
Weitere Informationen zu Neuseeland finden Sie auf der GTAI-Länderseite.