Wirtschaftsausblick | Algerien
Investitionen treiben Algeriens Wirtschaftswachstum
Staatliche Investitionen und steigender Privatverbrauch stützen 2026 die Konjunktur in Algerien. Das Wachstum fällt jedoch schwächer aus als in den Vorjahren.
13.01.2026
Von Verena Matschoß | Tunis
Top-Thema: Megaprojekt im Bergbau steht vor dem Abschluss
Für Algeriens Wirtschaft könnte das Jahr 2026 mit einem industriepolitischen Meilenstein starten. Nach jahrzehntelangen Planungen soll die gigantische Eisenerzmine von Gara Djebilet endlich in Betrieb gehen. Laut aktuellen Regierungsangaben wird der Start bereits im 1. Quartal 2026 erwartet. Mit geschätzten 3,5 Milliarden Tonnen zählt das Vorkommen zu den größten Eisenerzreserven weltweit und soll künftig vor allem die heimische Eisen- und Stahlindustrie versorgen.
Das Projekt bringt entscheidende Investitionen in die Schieneninfrastruktur des Landes mit sich. Ein neuer, 950 Kilometer langer Abschnitt der westlichen Bergbaulinie soll die abgelegene Mine im Südwesten Algeriens mit der Stadt Béchar verbinden. Der Bau wurde gemeinsam von der algerischen Cosider und einem chinesischen Unternehmen realisiert. Die staatliche Eisenbahnagentur ANESRIF meldete am 6. Januar 2026 erste erfolgreiche technische Tests auf der neuen Strecke. Von Béchar aus kann das Eisenerzkonzentrat künftig zu den Stahlwerken im Norden des Landes transportiert werden. Noch im Laufe des Jahres 2026 soll die erste Lieferung das Stahlwerk des Unternehmens Tosyali in Oran erreichen.
Parallel dazu treibt die Regierung ein weiteres Rohstoffprojekt voran. In Bled El Hedba soll ebenfalls bald die Förderung von jährlich 10 Millionen Tonnen Rohphosphat beginnen, das für die Düngemittelproduktion vorgesehen ist. Auch dieses Vorhaben wird gemeinsam mit chinesischen Unternehmen umgesetzt. An den technischen Studien ist Pressemeldungen zufolge zudem ein deutsches Unternehmen beteiligt. Die Studien sollen Ende 2026 abgeschlossen sein.
Wirtschaftsentwicklung: Wachstum verliert an Dynamik
Die hohen Investitionen in Infrastruktur und Industrie stützen weiterhin das Wirtschaftswachstum Algeriens. Internationale Analyseinstitute rechnen jedoch damit, dass das Bruttoinlandsprodukt 2026 schwächer zulegen wird als in den Vorjahren. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet ein reales Wachstum von knapp 3 Prozent, während Weltbank und Economist Intelligence Unit (EIU) mit rund 3,5 Prozent etwas optimistischer sind. In den darauffolgenden Jahren dürfte die Dynamik weiter nachlassen, da die Inlandsnachfrage an Schwung verliert. Risiken bestehen vor allem in der starken Abhängigkeit von Öl- und Gasexporten sowie in der Volatilität der Energiepreise.
Diversifizierung trägt Früchte
Für 2026 erwartet die EIU zudem einen Anstieg der Bruttoanlageinvestitionen um knapp 10 Prozent. Die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft ermöglichen Investitionen in weitere Wirtschaftsbereiche, wie dem Energiesektor, im Bergbau, in der Nahrungsmittel-, der Pharma- sowie der Automobilindustrie. Bei solider Haushaltslage kommen auch Projekte zum Infrastrukturausbau schneller voran. Gelockerte Investitionsregeln führen zu steigenden ausländischen Direktinvestitionen, wobei der Fokus weiterhin auf dem Gassektor liegt. Gleichzeitig erschweren protektionistische Vorgaben und bürokratische Importverfahren den Marktzugang für Investoren. China gewinnt branchenübergreifend an Bedeutung. Größere Projekte mit chinesischer Beteiligung sind unter anderem im Agrar-, Automobil- und Bahnsektor geplant.
Die finanziellen Spielräume für staatliche Investitionen schrumpfen jedoch. Die Regierung könnte ihre Ausgaben in den kommenden Jahren reduzieren. Ohne fiskalische Konsolidierung rechnet der IWF damit, dass die Staatsverschuldung von rund 62 Prozent des BIP im Jahr 2026 auf 81 Prozent im Jahr 2030 steigt. Gleichzeitig könnten die Währungsreserven von zehn auf nur noch drei Monate Importdeckung sinken.
Der private Konsum profitiert von steigenden Gehältern im öffentlichen Sektor. Nach einem Plus von 4,1 Prozent im Jahr 2025 soll er laut EIU 2026 um 3,7 Prozent wachsen.
Handelsbilanz rutscht ins Minus
Algerien ist der größte Gas- und der zweitgrößte Ölproduzent Afrikas. Entsprechend erzielt das Land den Großteil seiner Exporterlöse mit Rohstoffen – ein erhebliches Risiko. Fallen die globalen Energiepreise, sinken die Einnahmen und das Wachstum wird gebremst. Seit dem Ölpreishoch 2022 und 2023 gehen die Ausfuhren kontinuierlich zurück.
Die Diversifizierungsbemühungen zeigen jedoch erste Resultate und führen zu steigenden Importen von Investitionsgütern. Wichtigstes Lieferland bleibt China. Aufgrund höherer Importe und rückläufiger Exporte schloss das erste Halbjahr 2025 erstmals seit 2021 mit einer negativen Handelsbilanz.
Deutsche Perspektive: Ausfuhren nach Algerien konstant
Knauf, Siemens, Liebherr und BASF: Deutsche Unternehmen sind seit Jahrzehnten in Algerien präsent – trotz herausfordernder Marktbedingungen. Zu den wichtigsten Ausfuhrgütern zählen chemische Erzeugnisse, Maschinen und Kraftfahrzeuge. Laut Statistischem Bundesamt gingen die Ausfuhren von Kraftfahrzeugen und ‑Teilen in den ersten drei Quartalen 2025 um die Hälfte zurück. Die Exporte von Maschinen und Chemikalien stiegen hingegen um 25 beziehungsweise 20 Prozent. Insgesamt blieben die deutschen Ausfuhren damit stabil bei rund 1,6 Milliarden Euro.
Die deutschen Einfuhren sanken in den ersten neun Monaten 2025 um etwa 5 Prozent auf 979 Millionen Euro. Hauptgrund sind die rückläufigen Ölimporte, die rund 60 Prozent der Einfuhren ausmachen. Langfristig könnte grüner, mit erneuerbaren Energien erzeugter Wasserstoff eine größere Rolle spielen.
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