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Deutsche Exporte nach Afrika stiegen 2025 um 8 Prozent

Insbesondere die großen afrikanischen Märkte kamen wieder in Schwung. Die Aussichten für 2026 sind ebenfalls gut.

Von Carsten Ehlers | Nairobi

Die deutschen Exporte nach Afrika haben im Jahr 2025 um rund 8 Prozent zugenommen. Das ist deutlich überdurchschnittlich im weltweiten Vergleich (plus 0,9 Prozent). Das Statistische Bundesamt veröffentlichte Anfang Februar 2026 Daten für das Gesamtjahr 2025 und bezifferte die deutsche Gesamtausfuhr nach Afrika auf rund 28,4 Milliarden Euro. Das sind etwa 2,1 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr.

Vor allem die zuletzt schwächelnden größeren afrikanischen Märkte liefen deutlich besser, an vorderster Stelle die fünf Länder Nordafrikas. Bei zehn der fünfzehn afrikanischen Top-Destinationen lagen die Zuwächse im zweistelligen Prozentbereich.

Konjunkturaussichten für 2026 verbessern sich

Zur wirtschaftlichen Erholung trugen die geringere Inflation, stabilere Wechselkurse und niedrigere Zinsen bei, die sich jeweils positiv auf den Konsum und die Investitionen auswirken.

Gleichwohl bleiben Herausforderungen bestehen. Dazu zählt neben chronisch negativen Leistungsbilanzen in vielen Ländern auch die hohe Staatsverschuldung. Sie erschwert dringend benötigte Infrastrukturinvestitionen und führt dazu, dass nationale Finanzbehörden die Steuern erhöhen und sie gerade bei Unternehmen mitunter recht aggressiv eintreiben.

Insgesamt werden die Konjunkturaussichten in den afrikanischen Märkten für das Jahr 2026 positiver eingeschätzt als im Vorjahr. Damit herrschen günstige Rahmenbedingungen für ein wachsendes Afrika-Geschäft.

Afrika bleibt im globalen Exportvergleich ein Nischenmarkt

Im globalen Exportvergleich bleibt Afrika für deutsche Unternehmen jedoch von nachrangiger Bedeutung. Im Jahr 2025 entfielen lediglich rund 1,8 Prozent der weltweiten deutschen Exporte auf den Kontinent. Dieser Anteil stagniert damit seit Anfang der 2000er Jahre. Relevant im internationalen Maßstab sind bislang nur Südafrika sowie die Länder Nordafrikas.

Trotz teils hoher Wachstumsraten sind viele afrikanische Märkte stark preissensibel und risikobehaftet, wodurch deutsche Anbieter in den vergangenen zwei Jahrzehnten Marktanteile an günstigere Wettbewerber aus China und Indien verloren haben.

Gleichzeitig erhöhen wirtschaftliche Fortschritte in Teilen Afrikas und der Druck zur Absatzmarkt‑Diversifizierung die Attraktivität des Kontinents. Insbesondere Subsahara‑Afrika gilt im Vergleich zu Südamerika, ASEAN und Indien weiterhin als weitgehend unerschlossen. Das wirft die Frage auf, wie deutsche Unternehmen dort nachhaltig erfolgreich werden können.

Lösungspakete statt reiner Liefergeschäfte entscheiden über Markterfolg

Einen möglichen Ansatz beschreibt Dino Stengel, Geschäftsführer des Handelsunternehmens Achelis in Tansania, der seit 2004 vor Ort tätig ist. "Gerade in den preissensiblen Märkten wie Tansania entfallen rund 80 Prozent des Geschäfts auf günstige Produkte aus China und Indien", sagt Stengel. 

Deutsche Anbieter hätten dennoch klare Wettbewerbsvorteile: "Deutsche Marken punkten mit einem deutlich besseren After-Sales-Service – ein entscheidender Faktor bei technischen Ausrüstungen. Hinzu kommt die Bereitschaft, technisches Know-how an lokale Arbeitskräfte weiterzugeben. Das ist in afrikanischen Ländern von großer Bedeutung, und diesen Vorteil sollten wir gezielt ausspielen."

Ein schnelles Geschäft aus Deutschland heraus ist in den meisten afrikanischen Märkten damit kaum realistisch. Erfolg versprechen stattdessen lokale Präsenz, langfristiges Engagement und Geduld.

Subsahara-Afrika: Deutsche Investitionen bleiben bislang verhalten

In Subsahara‑Afrika halten sich viele deutsche Unternehmen weiterhin mit größeren Investitionen zurück. Zwar haben sich in wirtschaftlichen Knotenpunkten wie Nairobi (Kenia), Lagos (Nigeria), Abidjan (Côte d'Ivoire), Accra (Ghana) oder Daressalam (Tansania) deutsche Aktivitäten etabliert, doch dominieren dort bislang Vertriebsniederlassungen, Serviceeinheiten und Ingenieurbüros. Industrie‑ und Agrarinvestitionen bleiben die Ausnahme. Insgesamt ist in den vergangenen Jahren weder ein spürbarer Investitionsschub noch ein Rückzug deutscher Unternehmen zu beobachten – vielmehr verharrt das Engagement auf moderatem Niveau.

Eine Ausnahme bildet Südafrika. Dort sind deutsche Unternehmen deutlich breiter präsent, teils auch mit großen Produktionsstätten. Allerdings bleibt der Standort auf kontinuierliche wirtschaftliche Reformen angewiesen, um seine Attraktivität für internationale Investoren zu sichern und bestehendes Engagement langfristig zu halten.

Breites Branchenpotenzial durch Demografie und Urbanisierung

In Subsahara‑Afrika bieten das anhaltend hohe Bevölkerungswachstum und Urbanisierung zahlreiche Geschäftschancen. Die steigende Nachfrage nach Nahrungsmitteln und Konsumgütern begünstigt insbesondere die Konsumgüterindustrie sowie den Einzelhandel. Der wichtige Agrarsektor bleibt dagegen bislang unterinvestiert.

Zu den größeren deutschen Engagements in Subsahara‑Afrika zählte 2025 die von Bayer in Sambia eröffnete Mais‑Saatgutproduktion mit einem Investitionsvolumen von 35 Millionen US‑Dollar (US$). Mercedes‑Benz kündigte Mitte 2025 den Aufbau einer Lkw‑Montage in Senegal an.

Zudem wachsen Bauwirtschaft sowie Energie‑, Verkehrs‑, Wasser‑ und IKT‑Infrastruktur dynamisch. Mit zunehmender Urbanisierung gewinnen auch Abfall‑ und Abwasserentsorgung an Bedeutung und eröffnen zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten.

Afrika ist 2026 kein Zukunftsmarkt mehr, sondern Gegenwartsmarkt – und das Geschäft entscheidet sich an drei Hebeln: regionale Integration, Energie, Innovation. Wer den Kontinent nur als Rohstoffquelle sieht, wird verlieren. Wer lokale Wertschöpfung aufbaut, Energie als Standortfaktor absichert und die Digitalökonomie skaliert, wird gewinnen.

Claudia Voss Stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Afrikavereins der deutschen Wirtschaft

Nordafrika: Automobilindustrie als Schwerpunkt deutscher Investitionen

Deutlich mehr Dynamik aus deutscher Sicht zeigen derzeit die Märkte Nordafrikas. Sie eignen sich für Nearshoring und verfügen dank höherer Pro‑Kopf‑Einkommen über attraktive Binnenmärkte. Entsprechend wächst die deutsche Präsenz, insbesondere in Marokko. Vor allem die Automobilindustrie investiert dort zunehmend in komplexe Fertigungsstätten, nicht zuletzt aufgrund logistischer Vorteile und der Nähe zum europäischen Markt. Zu den Investoren zählen unter anderem Leoni (Kabelsysteme), Benteler (Chassis‑ und Strukturkomponenten) sowie Masterflex (Verbindungssysteme).

Auch in Tunesien konzentrieren sich deutsche Investitionen auf den Kfz‑Sektor. Der Automobilzulieferer Dräxlmaier eröffnet dort in diesem Jahr sein Forschungs‑ und Entwicklungszentrum "Sousse‑Hub". Mit Direktinvestitionen von rund 115 Millionen Euro war Deutschland in Tunesien zweitwichtigster Investor im Jahr 2025.

In Algerien kündigte Opel eine Kfz-Montage an. Der Hersteller von Nahrungsmitteltechnik GEA erhielt einen Großauftrag für das Baladna‑Milchprojekt, dessen erste Ausbaustufe ein Investitionsvolumen von rund 500 Millionen US$ umfasst.

In Ägypten plant Volkswagen eine Montage, Leoni weitere Investitionen, und die Deutsche Bahn übernimmt den Betrieb der ersten Hochgeschwindigkeitsstrecke. Am Baukonsortium für die insgesamt drei neuen Bahntrassen ist Siemens beteiligt.

Wichtige Veranstaltungen zu Märkten in Afrika 2026

Deutsch-Afrikanisches Wirtschaftsforum NRW: 3. März 2026 in Dortmund

German African Business Summit: 23. bis 25. November in Accra

Start-ups als Vorreiter neuer Markterschließungsmodelle

Wie sich afrikanische Märkte erfolgreicher erschließen lassen, zeigen zunehmend Start-ups, die in Innovations‑ und Gründerzentren wie Kairo, Lagos, Nairobi, Johannesburg und Kapstadt neue, teils risikoreiche Geschäftsmodelle erproben. Viele dieser Unternehmen setzen gezielt dort an, wo strukturelle Defizite bestehen – etwa bei Zahlungsabwicklung, Logistik oder der Transparenz von Lieferketten. Gerade diese Fähigkeit macht Start-ups zu wichtigen Impulsgebern für die wirtschaftliche Erschließung und Entwicklung vieler afrikanischer Märkte.

Entwicklungszusammenarbeit öffnet sich stärker für Unternehmen

Die Rolle der Entwicklungszusammenarbeit stellt sich derzeit ambivalent dar. Zwar reduzieren viele "westliche" Geber ihre Afrika‑Budgets, zugleich sollen die verbleibenden Mittel jedoch deutlich stärker als bislang Unternehmen aus den Herkunftsländern der Zuschüsse zugutekommen. Dieser Ansatz gilt sowohl für die deutschen Durchführungsorganisationen GIZ und KfW als auch auf EU‑Ebene.

Für Unternehmen eröffnet sich damit ein günstiger Zeitpunkt, um den Dialog mit öffentlichen Gebern zu suchen und auszuloten, an welchen Projekten und in welchen Sektoren sich deutsche oder europäische Anbieter sinnvoll beteiligen können.

Services von Germany Trade & Invest für Afrika

Germany Trade & Invest (GTAI) ist eine Organisation des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE). Zu Afrika liefert GTAI ein breites Informationspaket. Dieses reicht von Konjunkturberichten über Branchenanalysen bis hin zu Meldungen über Ausschreibungen und Projekte sowie Rechts- und Zollthemen.

Africa Business Guide: Hier finden Sie unter anderem Best-Practice-Interviews zum Markteinstieg in Afrika.

Markterschließungsprogramm: Informationsveranstaltungen in Deutschland oder Delegationsreisen ins Ausland.

Wirtschaftsnetzwerk Afrika: Services sind unter anderem staatlich bezuschusste Beratungsgutscheine sowie Branchenexperten in Afrika.

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