Wirtschaftsausblick | Afrika
Afrikas Wirtschaft wächst 2026 deutlich schneller
Mehrere bedeutende Märkte Afrikas blicken auf eine gute Konjunktur 2026. Das rückt den Kontinent wieder stärker in den Fokus deutscher Unternehmen.
06.02.2026
Von Carsten Ehlers | Nairobi
Das reale Wirtschaftswachstum in Afrika soll nach Prognosen der Vereinten Nationen im Jahr 2026 auf 4 Prozent steigen. Im Jahr 2025 lag es noch bei 3,9 Prozent, 2024 bei 3,5 Prozent.
Für Subsahara‑Afrika erwartet die Weltbank in den Jahren 2026 und 2027 sogar jeweils ein höheres durchschnittliches Wachstum von 4,4 Prozent.
In Nordafrika dürfte sich das Wachstum vor allem in Ägypten deutlich beschleunigen. Dort wird ein reales Wachstum von 5,3 Prozent erwartet. Auch mehrere zuvor geschwächte große Volkswirtschaften – darunter Südafrika, Nigeria, Ghana und Kenia – erholen sich wieder.
Gute Perspektiven für deutsche Exporteure
Für deutsche Lieferanten und potenzielle Investoren ergeben sich damit verbesserte Rahmenbedingungen. Bereits 2025 verbuchten die deutschen Ausfuhren nach Afrika von Januar bis November ein Plus von 7,4 Prozent. Die Exporte nach Senegal, Ghana, Guinea, Nigeria und Libyen stiegen wertbezogen jeweils um mehr als 20 Prozent, Ausfuhren in die Côte d'Ivoire, nach Angola, Ägypten und Marokko jeweils zwischen 10 und 20 Prozent. Die folgende Grafik zeigt die 15 wichtigsten Absatzmärkte in Afrika aus deutscher Sicht.
Ein wesentlicher Treiber des Aufschwungs ist die gesunkene Inflation in vielen Ländern sowie die Stabilisierung der Wechselkurse. Dies stärkt insbesondere den privaten Konsum.
Herausfordernd bleibt die weiterhin hohe Staatsverschuldung vieler Länder, die staatliche Investitionen begrenzt. Positiv ist jedoch, dass große Volkswirtschaften wie Nigeria, Ghana, Südafrika, Algerien und Äthiopien gleichzeitig Sparmaßnahmen mit wirtschaftlichen Reformen verbinden – Reformen, die mittel- und längerfristig Wachstumsimpulse setzen dürften.
Öl, Gas und Bergbau sorgen in vielen Ländern für Wachstum
In vielen Ländern sorgen steigende Einnahmen aus der Förderung von Öl und Gas sowie aus dem Abbau von Mineralien für ein hohes Wachstum. Dies entlastet die chronisch defizitären Leistungsbilanzen und verbessert die Devisenverfügbarkeit.
Auch 2026 ist mit umfangreichen Investitionen in den Sektoren Öl, Gas und Bergbau zu rechnen – davon profitieren unter anderem Malawi, Eritrea, Mosambik, Uganda und Guinea. Auffällig ist, dass viele Konzessionen für kritische Rohstoffe zuletzt an chinesische Unternehmen gingen, häufig nachdem westliche Firmen sich zurückgezogen hatten. Hier dürfte es künftig wieder stärkere Konkurrenz geben.
Afrikanische Märkte gewinnen an Bedeutung
Südafrika und die meisten nordafrikanischen Staaten sind aufgrund ihrer vergleichsweisen hohen Kaufkraft seit Langem relevante Handelspartner. Bei stabilem Investitionsklima errichten ausländische Hersteller dort Produktionsstätten, etwa im Automobilbereich. In Nordafrika gewinnt zudem Nearshoring für den EU‑Markt an Bedeutung.
In den meisten Ländern Subsahara‑Afrikas dominieren Anbieter aus China, Indien, der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) oder Marokko zunehmend den Markt. Gleichzeitig nimmt aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums die Bedeutung dieser lokalen Absatzmärkte weiter zu. Hohe Wachstumsraten verzeichnen dabei der Bausektor sowie Transport‑, Energie‑, Wasser‑ und Entsorgungsinfrastruktur.
Steigende Nachfrage zeigt sich auch bei Konsumgütern, insbesondere Nahrungsmitteln. Während in den Einzelhandel und in die lokale Industrie investiert wird, bleibt die Landwirtschaft vielerorts zurück – ein Risiko für die Versorgungssicherheit.
Konjunkturüberblick über die wichtigsten Märkte in Afrika
Ägyptens Konjunktur profitiert von umfangreichen Investitionen aus den Golfstaaten. Großprojekte wie der Neubau der Stadt Ras El‑Hekma für rund 24 Milliarden US‑Dollar geben starke Impulse. In Libyen belebt die steigende Ölproduktion die Wirtschaft. Abseits des Ölsektors bleibt das Investitionsumfeld aufgrund der politischen Unsicherheiten jedoch sehr schwierig.
Tunesiens Wirtschaft hat sich nach den schwachen Jahren 2023 und 2024 etwas erholt. Das reale BIP-Wachstum bleibt mit 2,5 Prozent im Jahr 2026 gemäß Weltbankprognose gering. Die Investitionstätigkeit ist niedrig. Gleichzeitig will die Regierung weiterhin ohne IWF‑Kredit auskommen. Auch Algeriens Konjunktur entwickelt sich moderat, da der Ölsektor voraussichtlich erst 2027 wieder kräftiger wächst. Gelockerte Investitionsregeln fördern immerhin neue Direktinvestitionen, unter anderem in der Automobilindustrie. 2026 soll die große Eisenerzmine Gara Djebilet in Betrieb gehen.
Deutlich besser sind Marokkos Konjunkturaussichten. Das Land ist Mitausrichter der Fußball-WM 2030 und investiert in Flughäfen, Bahnlinien, Stadien und touristische Einrichtungen. Auch Nearshoring für europäische Unternehmen gewinnt weiter an Bedeutung.
Leichter Aufschwung in Südafrika
Südafrikas wirtschaftliche Perspektiven haben sich verbessert. Reformen, etwa die Öffnung des Bahnfrachtmarkts für private Anbieter, greifen. Die Stromknappheit hat sich entspannt, doch stark gestiegene Strompreise belasten Industrie und Bergbau. Das Verhältnis zu den USA bleibt ein Unsicherheitsfaktor.
In Angola eröffnen sich 2026 trotz verhaltener Konjunktur neue Wachstumschancen: Während die Ölproduktion vorerst stagniert und die Inflation hoch bleibt, sorgen der Ausbau des Lobito‑Korridors und umfangreiche Infrastrukturvorhaben für frische Impulse in Handel, Logistik und regionaler Wertschöpfung. Besonders dynamisch entwickeln sich Bergbau und Nahrungsmittelwirtschaft
Starkes Wachstum in Westafrika
In Nigeria hellt sich die wirtschaftliche Lage nach Jahren der Krise spürbar auf. Die steigende Ölförderung sowie das Hochfahren der Produktion in der Dangote-Ölraffinerie verringern die Importabhängigkeit und stützen das Wachstum. Für 2026 sagt die Weltbank eine Zunahme des realen BIP um 4,4 Prozent voraus. Positiv sind die Aussichten auch in Ghana, der zweiten großen anglophonen Volkswirtschaft Westafrikas. Reformen und Umschuldungen unter IWF‑Begleitung stabilisieren die Wirtschaft. Auch sorgen steigende Einnahmen durch Erdöl, Gold und Kakao für Rückenwind.
Côte d'Ivoire blickt auf weitere Jahre der Hochkonjunktur. Starke Impulse setzen vor allem Investitionen von ENI im Offshore-Öl- und Gassektor sowie Projekte im Goldbergbau. Auch in Senegal erwarten Beobachter die Fortsetzung des seit 2025 andauernden Booms durch die Öl- und Gasförderung. Die Regierung setzt auf den Abbau von Schulden und ein neues Investitionsgesetz, das das Geschäftsumfeld attraktiver machen soll.
Ostafrika: Großprojekte machen Hoffnung auf stärkere Dynamik
In Kenia bleibt die Konjunktur auch wegen der hohen Staatsverschuldung weiter gedämpft. Die nahenden Wahlen 2027 könnten jedoch neue Großprojekte beschleunigen, darunter den Ausbau des Northern Corridor. In Tansania sorgen Großprojekte im Bergbau und der Infrastruktur für eine anhaltend gute Konjunktur. Politische Spannungen nach den Wahlen im Oktober 2025 werfen jedoch Fragen zur Entwicklung der politischen Stabilität und zum Investitionsklima auf.
Die Wirtschaft in Äthiopien ist trotz offiziell hoher Wachstumsraten angespannt. Die Regierung arbeitet an weitreichenden Reformen für eine Öffnung der Wirtschaft. Gleichzeitig bleibt das politische Umfeld sehr fragil. Der Flughafenbau in Bishoftu ist eines der größten Infrastrukturprojekte des Kontinents.