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Krieg im Nahen Osten belastet die Wirtschaft in Afrika

Trotz geöffneter Straße von Hormus belastet der Nahostkrieg die Konjunktur afrikanischer Staaten. Weltbank und IWF senken ihre Wachstumsprognosen für 2026.

Von Corinna Päffgen, Accra | Jenny Tala, Johannesburg | Marcus Knupp, Kairo | Verena Matschoß, Tunis | Ullrich Umann, Casablanca | Carsten Ehlers, Nairobi | Fausi Najjar, Berlin | Nairobi

Auch wenn im April 2026 die Straße von Hormus offiziell wieder geöffnet wurde, passieren aufgrund der explosiven Lage bislang nur wenige Schiffe die Meerenge. Auswirkungen zeigen sich auch auf die Märkte in Afrika. Mehrere internationale Organisationen wie die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) senkten im April ihre positiven Wachstumsprognosen für Afrika im Jahr 2026.

Konjunktur in Subsahara-Afrika nimmt Schaden

Für die 49 Staaten in Subsahara-Afrika senkte die Weltbank ihre Prognose von 4,4 auf nun 4,1 Prozent. Das würde der wirtschaftlichen Dynamik des Jahres 2025 entsprechen. Klar ist auch: Je länger der Krieg andauert, desto größer wird das Wirtschaftswachstum gebremst.

Die Hoffnung, dass Subsahara-Afrika nach schwierigen Jahren in eine Phase höheren Wachstums eintritt, erhält damit einen Dämpfer. Zuletzt verzeichneten insbesondere die großen Märkte wie Südafrika, Nigeria, Kenia, Ghana und Angola einen Aufwärtstrend. Hinzu kommen weitere dynamische Märkte wie Äthiopien, Côte d’Ivoire, Senegal und Tansania.

In Nordafrika sind die Auswirkungen gemischt

Auf Nordafrika wirkt sich die Krise insgesamt weniger gravierend aus. Ägypten und Algerien verfügen über eigene Raffinerien und sind damit resilienter aufgestellt. Gleichwohl konnte Ägypten vorübergehend kein Erdgas aus Israel importieren, welches das Land dringend für seine Kraftwerke benötigt. Die Stromerzeugung wird daher deutlich teurer. Marokko und Tunesien werden als Importländer stark von den steigenden Öl- und Gaspreisen getroffen. Marokko profitiert derzeit  von steigenden Düngemittelpreisen, importiert das dafür notwendige Ammoniak jedoch aus den Golfstaaten. Libyen profitiert als Rohölexporteur von den höheren Preisen.

Geschäftserwartungen deutscher Unternehmen gedämpft

Deutsche Unternehmen, die Produkte nach Afrika liefern, müssen sich auf ein insgesamt schwierigeres Umfeld einstellen. Steigende Ölpreise erhöhen das Leistungsbilanzdefizit vieler Länder, sodass die lokalen Währungen unter Abwertungsdruck geraten. Bei einer Abwertung erhöhen sich die Kosten für afrikanische Besteller von Importwaren. Dies setzt die Geschäfte unter Drucl. Auch die lokal steigenden Preise, darunter für Nahrungsmittel, werden dazu führen, dass sich der Konsum zunehmend auf das Nötigste beschränkt und viele Produkte nicht mehr oder weniger gekauft werden und Wirtschaftswachstum und Investitionen zurückgehen.

Damit erhalten auch die Hoffnungen auf wachsende deutsche Afrikaexporte im Jahr 2026 einen Dämpfer. Im Jahr 2025 stiegen sie nach Jahren der Flaute deutlich um rund 8 Prozent. Das Statistische Bundesamt bezifferte die deutschen Gesamtausfuhren nach Afrika 2025 auf rund 28,4 Milliarden Euro.

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Steigende Treibstoffkosten setzen insbesondere den Binnenländern Afrikas zu, die fast alle Wareneinfuhren per Lkw über lange Korridore importieren müssen. Dazu zählen in Westafrika die Sahelländer wie Mali, Niger, Burkina Faso und Tschad. In Ostafrika sind Uganda, Südsudan, Ruanda, Burundi und der Ostkongo stark betroffen – im südlichen Afrika vor allem Malawi, Sambia, Simbabwe und Botswana. In einigen dieser Länder ist bei einem weiter anhaltenden Konflikt mit Versorgungsengpässen zu rechnen. Die Nahrungsmittelpreise steigen stark an. Auch können dann mitunter Dieselgeneratoren nicht mehr betrieben werden, die Wasserpumpen betreiben und Kühlketten sowie Krankenhäuser versorgen.

Die zahlreichen Ölproduzenten auf dem Kontinent profitieren hingegen von der Lage. Vor allem Länder, die fast ausschließlich Rohöl exportieren, erzielen höhere Exporterlöse durch den gestiegenen Weltmarktpreis. Dazu zählen Nigeria, Libyen, Gabun, Äquatorialguinea, Kamerun, Angola und die Republik Kongo sowie in geringerem Maße Côte d’Ivoire. Côte d’Ivoire fährt seine Produktion weiter hoch. Senegal und Uganda beginnen in Kürze mit der Förderung von Öl und Gas.

Bau von Raffinerien erhöht Unabhängigkeit

Viele Rohölexporteure ohne Raffinerien können jedoch ihre Vorteile nicht voll ausspielen. Sie müssen Treibstoffe für teures Geld einführen. Die Vorteile einer eigenen Raffinerie werden gerade jetzt sichtbar, insbesondere wenn größere Märkte damit bedient werden können. Größere Raffinerien existieren bislang vor allem in den nordafrikanischen Staaten Ägypten und Algerien, in Südafrika sowie in Côte d’Ivoire.

In Nigeria hat der Milliardär Aliko Dangote in der Nähe der Metropole Lagos für etwa 20 Milliarden US-Dollar (US$) eine neue Raffinerie mit einer Kapazität von 650.000 Barrel pro Tag gebaut. Diese Anlage wird hochgefahren und soll bald nicht nur Nigeria sondern mehrere Staaten Westafrikas beliefern. Weil es noch dauern wird, bis die Raffinerie ihre volle Kapazität erreicht hat, muss Nigeria aktuell noch Treibstoff importieren. Seit Kriegsbeginn stiegen die Benzinpreise hier um fast 40 Prozent.

Ein ähnliches Projekt diskutiert Dangote gerade mit den ostafrikanischen Ländern Kenia, Uganda, Tansania, DR Kongo und Südsudan. Im tansanischen Tanga soll eine regionale Raffinerie gebaut werden, die die Versorgung der Region sichert. Das Öl soll per Pipeline aus Südsudan und Uganda angeliefert werden.

Düngemittel werden teuer und knapp

Die Preise für Düngemittel sind seit Kriegsbeginn deutlich angestiegen. Teilweise kommt es zu Lieferverzögerungen. Halten diese weiter an, werden die Ernten der Jahre 2026 und 2027 beeinträchtigt sein und schlimmstenfalls die Nahrungsmittelverfügbarkeit verknappen. Düngemittel muss in Afrika überwiegend importiert werden.

Marokko ist der größte Produzent von Phosphat-Ammoniak-Düngemittel in Afrika. Tunesiens Bedeutung als Produzent und Exporteur entsprechender Düngemittel ist hingegen seit dem Arabischen Frühling deutlich zurückgegangen. Das Ammoniak müssen die Länder jedoch importieren. Sie können auf die angestiegene weltweite Düngemittelnachfrage damit nur bedingt mit steigender Produktion reagieren. Stickstoffdünger wird vor allem in Nigeria, Südafrika und Algerien hergestellt. Nur Algerien ist dank seiner Erdgasvorkommen bei der Produktion weitgehend autark.

Erneuerbare Energien könnten neuen Aufschwung erfahren

Weiter steigen dürfte auch die Bedeutung erneuerbarer Energien. Gerade in West- und Nordafrika sind viele Länder zur Stromversorgung auf den Import von Öl, Gas und Kohle angewiesen. Südafrika kann für seine Kohlekraftwerke immerhin auf eigene Kohle zurückgreifen. Aber auch dort sind erneuerbare Energien auf dem Vormarsch – Sonne und Windkraft sind in den genannten Regionen reichlich vorhanden.

Insbesondere Ostafrika verfügt über ein riesiges Potenzial an erneuerbaren Energien, vor allem Wasser und Geothermie. Äthiopien, Kenia, Tansania, Uganda, Mosambik und Sambia produzieren ihren Netzstrom fast ausschließlich damit. Gleichwohl sind die Netze noch so schlecht ausgebaut, dass Dieselgeneratoren für einzelne Großverbraucher von Strom sich weiterhin gut verkaufen. Die gegenwärtige Abhängigkeit wird den Trend zu erneuerbaren Energien weiter verstärken – ob als Kraftwerk für die Einspeisung ins Netz oder kleinere Solaraufdachanlagen als Ergänzung zu den Generatoren.