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Wirtschaftsumfeld | Kanada

Kanada wird für deutsche Investitionen interessanter

Eine robuste Wirtschaft, Rechtssicherheit und der einfache Zugang zum US-Markt machen Kanada trotz ausgeprägtem Föderalismus zu einem attraktiven Ziel für Direktinvestitionen.

Von Daniel Lenkeit | Toronto

Kanada steht in Deutschland hoch im Kurs. Das trifft zu auf die deutsche Wirtschaft sowie auf die Politik. An der deutsch-kanadischen Energiepartnerschaft, dem im Herbst 2022 geschlossenen Wasserstoffabkommen, den geplanten Investitionen von BASF und Volkswagen in Kanada lässt sich das große Interesse der Deutschen ablesen. Auf der Hannover Messe 2025 ist Kanada das Partnerland.

Ausländische Direktinvestitionen steigen kräftig

Kanada konnte nach dem schwachen Pandemiejahr 2020 gleich im Folgejahr 2021 wieder mehr ausländische Direktinvestitionen (FDI) anziehen. Der kumulierte Bestand an FDI lag 2021 etwa 9 Prozent über dem Wert von 2019, dem letzten Jahr vor der Coronakrise.

Das wichtigste Investitionsland sind die USA. Über die Hälfte der FDI-Bestände stammen vom südlichen Nachbarn. Weit abgeschlagen auf den Plätzen folgen gemäß "World Investment Report" der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) das Vereinigte Königreich (6,5 Prozent), die Schweiz (4,4), Japan (4,2), die Niederlande (3,6), China (3,1) und Deutschland (2,9).

Kanada 2021 eines der beliebtesten Ziele ausländischer Direktinvestitionen

FDI-Flows (die flussbasierte Betrachtung von Direktinvestitionen in der jährlichen Zahlungsbilanz einer Volkswirtschaft) schossen für Kanada 2021 enorm in die Höhe (+157 Prozent). Nach den UNCTAD-Zahlen kletterte das Land damit von Rang 12 (2020) auf Rang 5 der beliebtesten Ziele für FDI. Deutschland stieg im gleichen Zeitraum von Rang 7 (2020) auf Platz 11 ab.

Deutsche Firmen gründen oft Vertriebstöchter

Etwa 700 deutsche Unternehmen sind in Kanada vertreten. In den vergangenen Jahren tätigten vor allem große deutsche Firmen viele Investitionen. Neben BASF, Dr. Oetker, Siemens, ThyssenKrupp und der K+S AG, die eigene Produktionen im Land betreiben, gehören vor allem Dienstleistungsunternehmen wie SAP, Kühne & Nagel und DHL zu den größten deutschen Arbeitgebern in Kanada.

Die meisten deutschen Firmen vor Ort gründen eigene Vertriebsgesellschaften und bearbeiten so den Markt. Eine gewaltige - und die bisher größte deutsche Investition in Kanada - tätigte das Kasseler Unternehmen K+S mit der Eröffnung seiner Bethune Mine in Saskatchewan. Nach fünfjährigem Bau, wurde das circa 3 Milliarden Euro teure Megaprojekt für die kanadische Kali- und Salzförderung 2017 abgeschlossen. K+S beliefert aus Saskatchewan hauptsächlich die Märkte in Asien und Südamerika.

Den Rang 1 unter den größten deutschen Investitionen in Kanada könnte K+S allerdings demnächst einbüßen. Volkswagen (VW) kündigte Mitte März 2023 an, es werde seine erste außereuropäische Gigafabrik der Batterietochter PowerCo SE in St. Thomas, Ontario bauen.

Die lokale Batteriezellfertigung in Kanada ist Teil der Wachstumsstrategie des VW-Konzerns für Nordamerika. VW will seine neue US-Elektroauto-Marke Scout in South Carolina, USA fertigen. Die Batteriezellen für den Scout werden aus Ontario kommen. Der Produktionsbeginn in St. Thomas ist für 2027 vorgesehen.

Wieviel Geld VW für sein neues Werk in die Hand nimmt, soll in Kürze bekannt werden. Die Investitionssumme dürfte im Milliardenbereich liegen. Innovationsminister, Francois-Philippe Champagne, kündigte an, es werde die "größte Einzelinvestition im Autosektor in der kanadischen Geschichte". 

Auswahl der größten deutschen Investoren in Kanada (Stand: April 2023)

Unternehmen

Branche

Angestellte

Standorte

SAP Canada 

Softwareentwicklung

3.360

6

Siemens Canada

Maschinenbau

2.900

33

BASF

Chemische Produktion

824

10

K+S Potash Canada

Bergbau

450

3

Dr. Oetker Professional  

Nahrungsmittelproduktion

400

2

Quelle: Recherche von Germany Trade & Invest, Firmenwebsites

Lohn- und Bürokosten in Metropolregionen steigen

Im verarbeitenden Gewerbe weist Kanada im regionalen Vergleich recht hohe Lohnkosten auf und hat in den letzten Jahren in einigen Industrien als Produktionsstandort an Boden verloren. In den Metropolen des Landes, vor allem in Vancouver und Toronto, müssen Unternehmen mit hohen Fixkosten in den Stadtzentren rechnen. Das erschwert auch die Suche nach Fachkräften, deren Lebenshaltungskosten - vor allem erschwinglicher Wohnraum - rapide steigen. Nicht nur ein großer Teil der Bevölkerung, auch viele Unternehmen, werden durch hohe Mietpreise zunehmend an die Stadtränder gedrängt.

Büroraumauslastung und Mieten in Städten erfuhren zwar in der Pandemie einen leichten Abwärtstrend, jedoch hat sich dieser - vor allem bei Wohnraum - schon wieder umgekehrt. Die durchschnittlichen Kosten für ein Dach über dem Kopf lagen im November 2022 mehr als 12 Prozent über dem Vorjahreswert. Damit stiegen die Mieten im Schnitt fast doppelt so stark wie das allgemeine Preislevel (+6,9 Prozent). 

Die Immobilienmärkte in kanadischen Städten sind seit Jahren überhitzt, Wohnraum vor allem in Toronto und Vancouver schwer zu finden.

Steuersätze unterscheiden sich regional

Kanadas Bundeskörperschaftssteuersatz beträgt 15 Prozent, für Kleinunternehmen sogar nur 9 Prozent. Die Provinzen erheben eine zusätzliche Körperschaftssteuer von bis zu 16 Prozent. Hier herrschen teilweise große regionale Unterschiede.

Investitionsförderung: Vergleichbare Strukturen mit Deutschland

Vor wenigen Jahren wurde die nationale Investitionsförderungsgesellschaft Invest in Canada gegründet. Sie soll den Standort Kanada international vermarkten und ausländische Unternehmen bei der Ansiedlung unterstützen. Auch auf regionaler und kommunaler Ebene gibt es viele Investitionsförderungsgesellschaften, wie etwa Toronto Global, Invest Durham, Edmonton Global oder Invest Ottawa, die auch im Ausland aktiv akquirieren.

GTAI stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

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