Der Maschinenbau in Mexiko ist vom Zollkonflikt mit den USA und der Unsicherheit über das USMCA-Abkommen betroffen. Lokale Investitionen sinken, Produktion könnte verlagert werden.
Die Herstellung von Maschinen und Anlagen war 2024 in Mexiko deutlich rückläufig, mit einem Minus von real 4,7 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte in diesem Zeitraum hingegen um 1,5 Prozent zu. Der Abschwung im Maschinenbau dürfte sich mittelfristig aufgrund des Zollkonfliktes mit dem Nachbarland USA fortsetzen. Seit März 2025 gilt für Waren, die nicht USMCA-konform sind, beim Import in die USA ein Zollsatz von 25 Prozent.
Zollkonflikt sorgt für Zurückhaltung bei Investitionen
Das mexikanische Geschäftsmodell mit einer Industrieproduktion, die auf die USA ausgerichtet ist, wird durch die wechselhafte US-Zollpolitik erschüttert. Es steht viel auf dem Spiel, da mittlerweile rund 80 Prozent der mexikanischen Warenausfuhren in die USA gehen. Zudem soll im Juli 2026 das nordamerikanische Handelsabkommen USMCA (United States-Mexico-Canada-Agreement) revidiert werden, wie es vertraglich vorgesehen ist. Die USA dürften dabei weitere Vorteile für sich herausholen wollen, zum Nachteil Mexikos und Kanadas. Dementsprechend sind Unternehmen in Mexiko schon jetzt zurückhaltend: Die Investitionen in Maschinen und Anlagen gingen zwischen Januar und Juli 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,1 Prozent zurück, so das mexikanische Statistikamt INEGI. Die lokale Maschinenbauproduktion leidet unter diesem Trend.
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Unternehmen
sind in Mexiko in der Herstellung von Maschinen und Anlagen tätig.
Um die Rückschläge durch die US-Zollpolitik auszugleichen, setzt die Regierung auf ein neues Programm, den Plan México. Dadurch sollen nationale Produktionsanteile erhöht, Importe ersetzt und Schlüsselbereiche gefördert werden. Schwerpunktbranchen sind Automotive und Elektromobilität, Halbleiter, Arzneimittel und Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt, Agrarindustrie, Textil, Chemie und Petrochemie, Konsumgüter.
Künstliche Intelligenz kurbelt Nachfrage nach Kühltechnik an
Der Münchner Anbieter von Kühlsystemen, Güntner, profitiert von einer boomenden Nachfrage in den USA für den Aufbau von Rechenzentren für künstliche Intelligenz, so Michael Schmid. Er leitet von Mexiko-Stadt aus den gesamten Vertrieb in Lateinamerika (ohne Brasilien). "Um den steigenden Bedarf zu decken, haben wir kürzlich unser fünftes Werk in Mexiko eröffnet", berichtet Schmid. Es befindet sich in Apodaca nahe der nördlichen Industriemetropole Monterrey, wie auch die weiteren Produktionsstätten von Güntner.
Die von der aktuellen US-Regierung eingeführten Zölle belaufen sich für die Kühltechnik von Günter auf 10 Prozent, berichtet der Manager. "Hinzu kommen etwa 7 bis 8 Prozent Zoll auf die Aluminium- und Kupferanteile, diese Berechnung ist jedoch sehr komplex", sagt Schmid im Gespräch mit Germany Trade & Invest (GTAI). Das Unternehmen überlegt aufgrund der Zölle, zukünftig auch in den USA zu produzieren.
Auch Mexiko rückt in den Fokus für den Bau von Rechenzentren. Das Zentrum hierfür ist der strategisch günstig gelegene Bundesstaat Querétaro, mit einer bereits installierten Rechenkapazität von rund 200 Megawatt. Nach Schätzung der Mexican Data Center Association (MEXDC) könnte das Land bis 2030 über eine Rechenleistung von rund 1.500 Megawatt verfügen, davon allein 1.120 Megawatt in Querétaro.
Mexiko importiert fast 90 Prozent der Verpackungsmaschinen
Nach Angaben des nordamerikanischen Verbands der Verpackungsindustrie PMMI (The Association for Packaging and Processing Technologies) überstieg der Absatz von Verpackungsmaschinen in Mexiko 2023 zum ersten Mal die Marke von 1 Milliarde US$. Nach einem Plus von insgesamt 55 Prozent innerhalb von zwei Jahren wurden demnach Verpackungsmaschinen im Wert von 1,1 Milliarden US-Dollar (US$) verkauft, so PMMI. Neuere Angaben liegen noch nicht vor.
Rund 88 Prozent des Bedarfs an Verpackungsmaschinen deckt Mexiko durch Importe, die sich 2023 auf 997 Millionen US$ beliefen. Deutschland, Italien und die USA sind die wichtigsten Lieferanten. Die übrigen 12 Prozent bedienen lokale Hersteller, die meist technologisch einfachere Produkte anbieten. Von den Einfuhren von Verpackungsmaschinen waren 2023 laut dem Verband der Verpackungsindustrie rund 27 Prozent für den Nahrungsmittelsektor bestimmt und 24 Prozent für die Getränkeherstellung.
Bedarf an Bau- und Landmaschinen steigt
Bau, Bergbau- und Landmaschinen machen etwa ein Drittel der lokalen Produktion aus. Der Absatz von Landmaschinen soll in Mexiko bis 2028 jährlich im Schnitt um 4,4 Prozent zulegen, so der Marktforscher Mordor Intelligence. Neben den Branchenführern John Deere, CNH Industrial, AGCO Corporation, Kubota und KUHN sind auch die deutschen Hersteller CLAAS, Lemken, Grimme, Kemper, Fliegl und Müthing in Mexiko über den Vertriebspartner Ansamex vertreten.
Die Flaute, die der Tiefbau 2024 und im laufenden Jahr 2025 durchläuft, dürfte nicht lange andauern, da die Regierung Sheinbaum neue Infrastrukturprojekte auf den Weg bringt. Im Infrastruktursektor werden in Mexiko unter anderem Baumaschinen, Tunnelbohrmaschinen, Portaldrehkrane, Pumpen und Generatoren benötigt. Vieles davon wird aus dem Ausland importiert, da die heimische Kapitalgüterindustrie schwach ausgeprägt ist. Für den Straßenbau werden insbesondere Mobil- und Drehkrane, Frontlader, mobile Plattformen und Verkehrsleittechnik gebraucht. Frontlader und einfache Verkehrsleittechnik werden teilweise lokal hergestellt, während Kranausrüstung mit hoher Kapazität ausschließlich importiert wird.
Von Edwin Schuh
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Mexiko-Stadt