Sie sind ein ausländisches Unternehmen, das in Deutschland investieren möchte?

Wirtschaftsausblick | Montenegro

Montenegro behält 2026 Wachstumstempo aus dem Vorjahr bei

Der Tourismus bleibt wichtigster Wachstumstreiber. Milliarden fließen in den Ausbau der Verkehrswege und die Erzeugung grüner Energie. Deutsche Firmen liefern dafür die Ausrüstung.

Von Hans-Jürgen Wittmann | Belgrad

Top-Thema: Parlamentsboykott zum Wohle der EU-Annäherung vorerst beigelegt

Ende November 2025 wählte das Parlament einen neuen Richter am Verfassungsgericht. Damit ist die Handlungsfähigkeit des Obersten Gerichts wieder hergestellt und – nach Vermittlung der EU – der Oppositionsboykott der Parlamentsarbeit vorerst beigelegt. In Folge der politischen Krise nach der Entlassung einer Verfassungsrichterin durch die Regierung Ende 2024 konnten monatelang wichtige Gesetze nicht beschlossen werden. Auch der Reformprozess für die EU-Annäherung verzögerte sich.

Dennoch bleibt Montenegro der Vorreiter im Beitrittsprozess. Das Land möchte 2028 als 28. Mitglied der Union beitreten – ein ambitioniertes, aber mögliches Vorhaben. Im Dezember 2025 und Januar 2026 schloss Montenegro weitere sechs, und damit bereits 13 von insgesamt 33, Verhandlungskapiteln ab. Sollte das Tempo beibehalten werden, könnten die Beitrittsverhandlungen bereits Ende 2026 finalisiert werden. Die EU-Kommission bescheinigt dem Adrialand im Erweiterungsbericht von November 2025 Fortschritte, vor allem in der Außen- und Sicherheitspolitik, mahnt jedoch weitere Reformen im Justizwesen, bei der Bekämpfung von Geldwäsche, organisierter Kriminalität und Korruption an.

Wirtschaftsentwicklung: Bruttoinlandsprodukt wächst um Vorjahresniveau

Montenegro steuert weiter auf Wachstumskurs. Im Jahr 2026 erfolgt der Anstieg der Wirtschaftsleistung um real 3,4 Prozent auf dem Niveau von 2025, erwartet das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleich (wiiw). Wichtigster Motor bleibt die boomende Tourismusbranche.

Die Tourismussaison 2025 war im Premiumsegment gut, verzeichnete aber im Massensegment einen Rückgang bei den Übernachtungen. Im Zuge der Anpassung der Einreiseregeln an die EU führt Montenegro ab September 2026 eine Visapflicht für russische Staatsbürger ein. Um den zu erwartenden Rückgang dieser spendablen Klientel abzumildern, arbeitet das Land an der Einführung eines elektronischen Visa-Systems. Mehr Gäste aus Mitteleuropa befördert der neue Flugplan der Billigfluglinie WizzAir mit 14 neuen Zielen, darunter Hamburg und Köln. Zur Ausweitung der Saison in die Wintermonate entstehen neue Skiresorts. Mit den Vereinigten Arabischen Emiraten vereinbarte die Regierung eine Zusammenarbeit zur Entwicklung von Wohn- und Tourismusimmobilien an der Adriaküste über 35 Milliarden Euro.

Die EU unterstützt die wirtschaftliche Entwicklung Montenegros. Das Westbalkanland erhält 2026 weitere Tranchen aus dem Wachstumsplan. Zum 6. Oktober 2025 führte Montenegro die Single Euro Payments Area (SEPA) ein. SEPA ermöglicht schnellere und günstigere grenzüberschreitende Zahlungen und macht Investitionen attraktiver.

Investitionen in Modernisierung der Verkehrs- und Energieinfrastruktur

Die Regierung treibt die regionale Anbindung und Integration des Landes in das Transeuropäische Transportnetzwerk (TEN-T) voran. Öffentliche Mittel fließen in die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur sowie in den Ausbau der Schienenwege. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung finanziert den Bau eines 2,5 Milliarden Euro teuren Abschnitts der Autobahn Bar - Boljare. Die Europäische Investitionsbank stellt 175 Millionen Euro für die Modernisierung der Schienenstrecke von Bar nach Golubovci bereit.

Montenegro setzt zur Entwicklung seiner Energieinfrastruktur auf ausländische Investoren. Auf dem 1. EU-Montenegro Investment Forum im Oktober 2025 unterzeichneten Firmen aus der EU zahlreiche Absichtserklärungen für Investitionen in die Entwicklung von Wind- und Solarparks sowie Energiespeicher. Mit der italienischen Regierung signierte Montenegro eine Absichtserklärung zum Bau eines Unterseestromkabels durch die Adria für 500 Millionen Euro.

Vom Ausbau erneuerbarer Energien profitieren deutsche Firmen. Nordex liefert Turbinen für den Windpark des Energieversorgers EPCG in Gvozd und sicherte sich einen Serviceauftrag für 25 Jahre. WPD entwickelt einen Windpark in Brajici. Voith Hydro und Siemens Energy liefern Ausrüstung für Wasserkraft- und Umspannwerke. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau fördert die Modernisierung des Wasserkraftwerks in Perućica.

Steigende Löhne kurbeln Konsumausgaben an

Dank höherer Mindestlöhne und sinkender Sozialabgaben im Rahmen des Programms Europe Now 2 stieg der nominale Nettodurchschnittslohn 2025 deutlich auf über 1.000 Euro an. Die wachsenden Realeinkommen kurbeln die Konsumausgaben der Haushalte an. Für 2026 rechnet das wiiw mit einem Anstieg des Konsums um 4,5 Prozent. Die Inflation dürfte um 3,6 Prozent zulegen.

Montenegro importiert mehr als es exportiert

Nach vorläufigen Zahlen des Statistikamtes stieg der Handelsumsatz zwischen Januar und November 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 5,7 Prozent auf rund 4,5 Milliarden Euro. Die Einfuhren legten um 7,6 Prozent auf 4 Milliarden Euro zu, während die Ausfuhren um 7,2 Prozent auf rund 500 Millionen Euro abnahmen. Sinkende Strom- und Agrarexporte sowie wachsende Importe von Fahrzeugen und Maschinen vergrößern das Handelsdefizit des Landes.

Zum 1. November 2025 trat Montenegro dem gemeinsamen Versandverfahren bei. Dank elektronischen Datenaustauschs wird die Zollabwicklung schneller und günstiger.

Deutsche Perspektive: Geringe Größe erschwert Markteintritt

Deutsche Firmen wie die Telekom oder DHL sind in Montenegro meist nur mit Vertriebsbüros oder Repräsentanzen vertreten. Die meisten Unternehmen bearbeiten den Markt von anderen Westbalkanländern aus. Eine lokale Produktion ist die Ausnahme wie bei der Stada-Tochter Hemopharm. Neben dem sehr kleinen Marktvolumen erschweren auch die Rahmenbedingungen den Markteintritt. Landeskenner beklagen mangelnde Rechtssicherheit, Intransparenz bei staatlichen Ausschreibungen und die schleppende Umsetzung von Reformen.

Weitere Informationen (zum Beispiel Zoll- und Rechtsinformationen sowie Branchenberichte) finden Sie auf der Länderseite Montenegro.

nach oben
Feedback
Anmeldung

Bitte melden Sie sich auf dieser Seite mit Ihren Zugangsdaten an. Sollten Sie noch kein Benutzerkonto haben, so gelangen Sie über den Button "Neuen Account erstellen" zur kostenlosen Registrierung.