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Regionale Trends: Wie deutsche Firmen profitieren
Reformen und steigende Anforderungen verändern den Bergbau im südlichen Afrika. Die Komplexität nimmt zu – zugleich eröffnen sich für deutsche Unternehmen neue Geschäftsfelder.
27.03.2026
Von Jenny Tala | Johannesburg
Afrikanische Bergbaupolitik setzt auf lokale Wertschöpfung
Im südlichen Afrika treffen umfangreiche Rohstoffvorkommen auf eine stark wachsende globale Nachfrage nach kritischen Mineralien. Zugleich richten viele Regierungen ihre Bergbaupolitik neu aus und fördern eine stärkere industrielle Einbettung des Sektors – unter anderem durch Vorgaben zu lokaler Wertschöpfung, staatlicher Beteiligung sowie Klima‑ und Sozialstandards.
Vor diesem Hintergrund positionieren sich deutsche Unternehmen zunehmend als Technologie‑ und Lösungspartner entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Zwar gibt es kaum deutsche Explorationsvorhaben, doch die Bandbreite der Aktivitäten reicht von Förder‑ und Aufbereitungstechnik über Material‑Handling‑Lösungen bis hin zu Umwelt‑ und Effizienztechnologien.
Neben großen deutschen Firmen wie Bauer, Herrenknecht und Bosch sind auch viele kleine und mittelständische Unternehmen wie Schauenburg, Steinert oder CS Instruments schon lange in der Region aktiv. Die Firma Rema Tip Top ist Afrikas größter Produzent von Förderbändern und beliefert von ihren drei Produktionsstätten in Südafrika aus die Bergbauindustrie weltweit. Die K‑UTEC AG Salt Technologies aus Thüringen begleitet Bergbauprojekte von der geophysikalischen Exploration und Ressourcenbewertung über Prozess‑ und Anlagenkonzeption, Pilotversuche bis hin zu Inbetriebnahme und Stilllegungsplanung. Der Schwerpunkt liegt auf Salz‑, Kali‑ und Lithiumprojekten, unter anderem in Botsuana.
Reformen stärken Nachfrage nach deutscher Technik
Der zunehmende Fokus vieler Länder auf lokale Weiterverarbeitung und weitergehende Wertschöpfung verändert die Nachfrage im Bergbausektor. Deutsche Technologieanbieter können davon profitieren. Ein Beispiel ist das niedersächsische Unternehmen AMF‑Bruns, das seit vielen Jahren im südlichen Afrika als Anbieter von Förder‑ und Schüttguttechnik für den Bergbau und angrenzende Industrien aktiv ist. "Der zunehmende Ausbau lokaler Weiterverarbeitung eröffnet neue Chancen für innovative Material‑Handling‑Lösungen", sagt Malte Wittje, Head of Business Unit "Green Technology" bei AMF‑Bruns. Der Bergbau im südlichen Afrika verändere damit globale Lieferketten grundlegend - "hin zu mehr Effizienz, höheren Nachhaltigkeitsstandards und wachsender Wertschöpfung vor Ort", so Wittje. Neben Südafrika ist AMF‑Bruns auch in Angola, Mosambik und Namibia präsent.
Die wachsende Präsenz deutscher Unternehmen zeigt sich auch in der starken Beteiligung an internationalen Branchentreffen wie dem Germany Day im Rahmen der Mining Indaba, Afrikas größter Bergbaumesse, die jährlich in Kapstadt stattfindet. Mit 23 ausstellenden Unternehmen stellte der deutsche Pavillon 2026 den größten nationalen Gemeinschaftsstand auf der Messe. Gespräche von Germany Trade & Invest mit Unternehmen verdeutlichen, dass deutsche Mittelständler neben etablierten Märkten wie Südafrika zunehmend auch Länder wie Angola und Simbabwe in den Blick nehmen. Bei der Markterschließung profitieren Unternehmen nach eigenen Aussagen auch von Unterstützungsangeboten wie dem Markterschließungsprogramm und den Beratungsgutscheinen Afrika.
Beratungsgutscheine Afrika
Mit den "Beratungsgutscheinen Afrika" fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Rahmen des Wirtschaftsnetzwerks Afrika externe Beratungsdienstleistungen für kleine und mittelständische Unternehmen. Ziel ist es, den Markteintritt in Afrika zu erleichtern.
Unternehmen können eine individuelle und bedarfsorientierte Beratung zu ihren wirtschaftlichen Vorhaben erhalten. Das Angebot gilt branchenunabhängig für jedes Zielland auf dem afrikanischen Kontinent.
Regionale Unterschiede bestimmen Investitionsentscheidungen
Die Standortbedingungen innerhalb des südlichen Afrikas unterscheiden sich erheblich und sind ein zentraler Faktor für Investitionsentscheidungen. Regulatorische und politische Unsicherheiten zählen vielerorts zu den größten Investitionshemmnissen. Die Fraser‑Institute‑Umfrage unter Bergbauunternehmen von 2025 verdeutlicht diese Spannweite: Während Botsuana als afrikanische Ausnahme eine hohe Investorenattraktivität aufweist, rangieren Länder wie Südafrika, die DR Kongo und Angola im unteren Bereich – trotz erheblicher geologischer Potenziale.
belegt Botsuana im Ranking der attraktivsten Bergbaustandorte weltweit und ist damit Spitzenreiter in Afrika (Fraser Institute Survey of Mining Companies 2025).
Zu den strukturellen Engpässen im südlichen Afrika zählen die vielerorts unzuverlässige und teure Energieversorgung sowie logistische Herausforderungen, insbesondere bei Schiene, Häfen und grenzüberschreitenden Transportkorridoren. Darüber hinaus sehen sich Unternehmen in vielen Ländern der Region mit intransparenten, teils langwierigen Genehmigungsverfahren konfrontiert, die Planungssicherheit und Projektumsetzung erschweren. Hinzu kommen Local‑Content‑ und Beteiligungsvorgaben, die zwar auf eine stärkere lokale Wertschöpfung und Einbindung abzielen, in der Praxis jedoch häufig für zusätzliche Komplexität bei Finanzierung, Projektstrukturierung und Lieferketten sorgen.
Öffentliche Finanzierung als Hebel
Staatlich flankierte Finanzierungsinstrumente gewinnen für Deutschland und Europa an Bedeutung, um strategische Rohstofflieferketten abzusichern und Investitionen in der Region zu ermöglichen. Der von der Bundesregierung initiierte KfW-Rohstofffonds unterstützt Projekte im In‑ und Ausland entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dazu soll mit Unterstützung der EU im Rahmen des Global‑Gateway‑Investmentpakets noch im Jahr 2026 eine Finanzierungsfazilität für kritische Rohstoffe (Critical Raw Materials, CRM) eingerichtet werden. Ziel ist es, strategische Projekte entlang der CRM‑Wertschöpfungskette zu identifizieren und zu fördern, um nachhaltige und widerstandsfähige Lieferketten für kritische Rohstoffe in Südafrika aufzubauen. "Die EU‑Blending‑Mittel sind eine strategisch wichtige Zusage für die Entwicklung des CRM‑Sektors im südlichen Afrika", sagt Cornelia Tittmann, Landesdirektorin der KfW‑Entwicklungsbank in Südafrika. Ergänzend ist ein eigenständiges Förderprogramm geplant, das die kommerzielle Finanzierung aussichtsreicher CRM‑Projekte durch die KfW ermöglichen und gezielt hebeln soll.
Vor Ort ergänzt die AHK Südliches Afrika dieses Angebot durch ihr Rohstoffkompetenzzentrum, das Unternehmen mit Delegationsreisen, Kontaktvermittlung und praktischer Unterstützung begleitet. Vertiefende Analysen bieten unter anderem die Factsheets des EU-AfricaMaVal‑Projekts sowie die Bergbaupublikation der AHK Südliches Afrika.