Wirtschaftsumfeld | Ukraine | Investitionsklima
Potenzial wird vom Krieg gehemmt
Der Krieg hat das Interesse von Investoren an der Ukraine ausgebremst. Aber Wiederaufbau, EU-Beitritt und das damit einhergehende Potenzial machen das Land zum Zukunftsstandort.
30.03.2026
Die Ukraine will ungeachtet des Krieges ein attraktives Land für ausländische Investoren sein. Die Regierung bemüht sich, ein entsprechendes Investitionsklima dafür zu schaffen. Dazu werden wichtige Reformen zur Verbesserung der steuerlichen Bedingungen und Zuschüsse auf dem Weg gebracht. Internationale Förderprogramme wie das Ukraine Investment Framework (UIF) der EU unterstützt Investitionen in strategische Sektoren wie Energie und Infrastruktur.
Als besonders vielversprechend gelten Sektoren wie die Informationstechnologie, der Agrarsektor und erneuerbare Energien. Der IT-Sektor zeigt sich trotz des Krieges resilient und zieht weiterhin bedeutende Investitionen an. Die Landwirtschaft profitiert von ihrer strategischen Bedeutung als globaler Nahrungsmittellieferant. Größere Investitionsprojekte sind im Bereich Gewinnung und Verarbeitung kritischer Rohstoffe wie etwa Lithium oder Titan in Kürze zu erwarten.
Rahmenbedingungen mit Verbesserungspotenzial
Gleichzeitig bleiben erhebliche Risiken bestehen. Die Energieversorgung steht unter massivem Druck – immer wieder führen Angriffe auf die Energieinfrastruktur zu Produktionsausfällen und höheren Kosten. Das Wirtschaftswachstum ist durch den Krieg deutlich gebremst. Am stärksten belastet der kriegsbedingte Fachkräftemangel: Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer haben das Land verlassen, gleichzeitig bindet die Mobilisierung für die Streitkräfte qualifizierte Arbeitskräfte und erschwert die Personalplanung von Unternehmen.
Die Geschäftsplanung erschweren zudem häufige Änderungen der Rahmenbedingungen – bedingt nicht zuletzt auch durch Reformen und die Annäherung an den Rechtsrahmen der EU. Zusammen mit Korruption und bürokratischen Hürden bilden sie ein wichtiges Investitionshemmnis, auch wenn internationale Organisationen der Ukraine Fortschritte bei Transparenz und Digitalisierung bescheinigen.
Schutz gegen politische und Kriegsrisiken
Zur Risikominderung bietet die Bundesregierung deutschen Unternehmen zwei Instrumente an:
- Investitionsgarantien gegen politische und Kriegsrisiken
- Exportkreditgarantien für Liefer- und Leistungsgeschäfte
Unternehmen | Branche | Volumen in Millionen Euro | Projektdetails |
|---|---|---|---|
Notus Energy | Energieerzeugung | 220 | Windpark mit einer Kapazität von 124 Megawatt; erstes von drei Windparkprojekten mit Kapazitäten von insgesamt 300 Megawatt; das Projektportfolio in der Ukraine umfasst insgesamt Kapazitäten von 1.300 Megawatt; Finanzierung unter anderem von Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), IFC, Swedfund, DEG |
Goldbeck Solar | Energieerzeugung | k.A. | Im Rahmen eines Joint-Ventures mit der EBRD (erster EBRD-Eigenkapitaldeal im ukrainischen Energiesektor seit Kriegsbeginn) ist der Bau von Solarparks mit einer Kapazität von 500 Megawatt binnen 3 bis 5 Jahren avisiert |
Industriekonsortium unter Führung von Vollert Anlagenbau | Baustoffe | 165 | Netzwerk von Hightech-Fabriken für Stahlbetonfertigteile; die ersten Werke sollen in den Regionen Kyjiw und Charkiw angesiedelt werden |
Fixit Gruppe | Baustoffe | 12 | Erweiterung von Kapazitäten von zwei bereits vorhandenen Werken der Marke Kreisel in der Westukraine |
Quantum Systems | Sicherheit und Verteidigung | 6 | Produktionswerk für Vector-Drohnen; Verdoppelung Ukraine-Kapazität 2025 angekündigt |
Investitionsförderung: Anreize für ausländische Investoren
Die Ukraine hat seit 2022 ihr Förderangebot für Investoren deutlich erweitert. Es steht eine Reihe sektoraler Sonderprogramme und regionaler Förderungen zur Verfügung, die ausländischen und inländischen Investoren gleichermaßen offenstehen.
Das Herzstück des ukrainischen Investitionsfördersystems bildet das Gesetz Nr. 1116 zur Unterstützung von Großinvestitionen. Investoren mit einem Mindestvolumen von 12 Millionen Euro bietet es umfangreiche Vergünstigungen. Dazu gehören die Befreiungen von der Mehrwertsteuer und Einfuhrzöllen bei Ausrüstungsimporten, die Erstattung von Kosten für den Anschluss an Infrastrukturnetze und andere. Die staatliche Agentur UkraineInvest fungiert dabei als zentrale Anlaufstelle für Investoren und bietet einen "One-Stop-Shop" von der ersten Beratung bis zur vollständigen Projektrealisierung.
Programm | Inhalt | Konditionen |
Sonderrahmen für IT- und Digitalunternehmen | 9 Prozent Körperschaftsteuer auf ausgeschüttete Gewinne; über 3.700 registrierte Unternehmen | |
Steuerbefreiungen für Verteidigungsindustrie bei reinvestierten Gewinnen | Erleichterungen bei Steuern und Genehmigungen für Dual-Use- und Rüstungsprojekte | |
Zinsgünstige Investitionsdarlehen für KMU | Vergünstigte Zins- und Tilgungsbedingungen | |
Zuschuss für Beschaffung von Ausrüstungen | Bis zu 182.477 Euro pro Projekt | |
Steuererleichterungen, beschleunigte Genehmigungsverfahren, Infrastrukturzugang | Für Projekte ab 12 Mio. Euro und mindestens 80 Arbeitsplätze | |
Anreize für Beschaffung ukrainischer Produkte, Stärkung inländischer Produzenten | Fördert Nachfrage nach lokaler Wertschöpfung, umfasst unter anderem die Beschaffung ausländischer Produktionstechnik | |
Infrastrukturausbau, vereinfachte Genehmigungsverfahren | Fördervolumen jährlich im Staatshaushalt festgelegt |
EU-Föderung treibt Investitionen an
Ergänzt wird das nationale System durch Instrumente des Ukraine Investment Framework (UIF). Dieser ist Bestandteil der Ukraine-Fazilität – des Förderprogramms der Europäischen Union für die Ukraine im Wert von insgesamt 50 Milliarden Euro. Das Gesamtvolumen des UIF beträgt 9,3 Milliarden Euro, aufgeteilt in 7,8 Milliarden Euro für Garantien (zum Beispiel für Kredite und Risikoteilung) und 1,5 Milliarden Euro für Mischfinanzierungen (Kombination aus Zuschüssen und Darlehen). Ziel ist es, etwa 40 Milliarden Euro an öffentlichen und privaten Investitionen für den Wiederaufbau, die Modernisierung und die wirtschaftliche Erholung der Ukraine zu mobilisieren.
Realitätscheck
Aus Sicht der Unternehmer und Marktbeobachter fällt die Bewertung der Investitionsförderung gemischt aus. Auf Zuspruch stoßen die Förderinstrumente und das System für digitales Projektmanagement DREAM. Die Wirksamkeit der Anreize sei jedoch aufgrund des Krieges begrenzt, heißt es von Marktteilnehmern. Größte Probleme seien Sicherheitsrisiken, Korruption und der Mangel an bankfähigen Projekten. Beim letzteren soll eine Matchmaking-Plattform Abhilfe schaffen, die realisierungsfertige Projekte mit Investitionsbedarf vorstellt. Auch insgesamt werden die eingeleiteten Reformen als positiver Beitrag zur Verbesserung des Investitionsklimas bewertet.
Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.