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Deutsch-indischer Handel erreicht 2025 neues Rekordhoch
Für deutsche Exporteure von Maschinen und Anlagen zählt Indien zu den Hoffnungsträgern. Der bilaterale Handel mit Deutschland erreichte 2025 einen neuen Rekord.
05.06.2026
Von Florian Wenke | Mumbai
Laut Statistischem Bundesamt erreichte der bilaterale Warenhandel zwischen der Bundesrepublik und Indien 2025 einen neuen Höchststand. Insgesamt wurden Waren im Wert von 35,4 Milliarden US-Dollar (US$) gehandelt. Das Handelsvolumen legte im Vergleich zum Vorjahr um 6 Prozent zu. Zum Vergleich: Der gesamte deutsche Außenhandel wuchs um rund 7 Prozent und damit ähnlich stark wie der bilaterale Warenhandel mit China.
Indien gewinnt als wirtschaftlicher Partner für die Bundesrepublik an Bedeutung: In der Rangfolge der wichtigsten Handelspartner Deutschlands hatte der Subkontinent 2025 als Absatzmarkt Rang 21 (Vorjahr Rang 22) inne. Als Bezugsmarkt lag Indien auf Rang 22 (Vorjahr Rang 24).
Deutschland erwirtschaftete erneut einen Handelsbilanzüberschuss von rund 1,5 Milliarden US$, etwas weniger als die Hälfte des Vorjahreswerts. Dies lag vor allem an der deutlichen Zunahme der Importe aus Indien und einem nur geringen Wachstum der Exporte nach Indien.
Deutsche Exporte nach Indien wachsen in wichtigen Branchen
Deutsche Unternehmen exportierten 2025 Waren im Wert von 18,4 Milliarden US$ nach Indien, 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Die wichtigsten Exportgüter laut Internationalem Warenverzeichnis für den Außenhandel waren mit einem Gesamtwert von über 5 Milliarden US$ wieder Maschinen. Zu den wertmäßig wichtigsten Maschinenexporten gehörten beispielsweise Pumpen und Kompressoren mit 638 Millionen US$ oder auch Armaturen und Apparate für Rohrleitungen sowie Dampfkessel mit 343 Millionen US$. Damit ist Indien einer der Lichtblicke für deutsche Maschinen- und Anlagenexporteure in einem Jahr, in dem die Gesamtausfuhren der Branche rückläufig waren.
| Warengruppe (SITC-Kennung) | 2025 | Veränderung 2025/2024 | Anteil am Gesamtexport 2025 |
|---|---|---|---|
| Gesamt (0 bis 9) | 18.413,6 | 0,6 | 100 |
| Maschinen (71 bis 74) | 5.235,1 | 5,2 | 28,4 |
| Chemische Erzeugnisse (5) | 2.946,7 | 1,7 | 16,0 |
| Flugzeuge und -teile (792) | 2.315,6 | -17,1 | 12,6 |
| Elektrotechnik (77 minus 776) | 1.826,8 | 9,4 | 9,9 |
| Mess-, Prüf- und Regeltechnik (87) | 1.486,3 | 12,1 | 8,1 |
| Straßenfahrzeuge (78) | 668,7 | -22,3 | 3,6 |
| Sonstige Metallwaren (69, vor allem sonstige Waren aus unedlen Metallen (699) und Hand- und Maschinenwerkzeuge (695)) | 564,0 | 6,3 | 3,1 |
| Elektronik (75, 76, 776) | 550,8 | 11,0 | 3,0 |
| Erze und Metallabfälle (28, vor allem sonstige Abfälle und Schrott von unedlen Nicht-Eisen-Metallen (288)) | 537,8 | 9,1 | 2,9 |
Die Bundesrepublik exportierte 2025 chemische Erzeugnisse im Umfang von 2,9 Milliarden US$ nach Indien. Neben der Ausfuhr von Industriechemikalien legte der Export von Arzneimitteln besonders kräftig zu. Diese Nachfrage ist ein Indikator für eine robuste indische Konjunktur. Teile der deutschen Chemikalien werden in Indien weiterverarbeitet und kommen dann etwa als Kunststoffe in der wachsenden Kfz-Branche zum Einsatz. Zudem löst ein steigendes Gesundheitsbewusstsein und wachsende Zahlungsbereitschaft für Behandlungen in Indien den Bedarf an höherwertigen Arzneimitteln aus.
Das Wachstum im indischen Luftverkehr sorgt weiterhin für eine hohe Nachfrage nach Flugzeugen. Lieferungen nach Indien gingen 2025 allerdings um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück, was unter anderem an Lieferkettenproblemen bei Airbus lag. Zudem befindet sich Air India nach der Privatisierung weiterhin in der Restrukturierung und nahm laut Branchenmeldungen 2025 keine neuen Maschinen von Airbus ab. Trotz des Rückgangs 2025 wird diese Produktkategorie laut Experten bis mindestens 2030 von Bedeutung bleiben. Branchenmeldungen zufolge steht bei der Fluggesellschaft IndiGo die Lieferung von über 900 Airbus-Flugzeugen aus, bei Air India sind es rund 340 Flugzeuge.
Der Internationale Währungsfonds geht von einer Zunahme der indischen Wirtschaftsleistung von 6,5 Prozent im Finanzjahr 2026/2027 (1. April bis 31. März) aus. Entsprechend positiv dürften sich die deutschen Exporte auf den Subkontinent entwickeln. Vor allem Investitionsgüter wie Maschinen werden voraussichtlich weiter gefragt sein. Laut VDMA bildeten Indien mit einem Exportwachstum von 8,5 Prozent für Maschinen und Anlagen im 1. Quartal 2026 einen der Lichtblicke für die Branche. Der Wert zeugt von anhaltender Exportdynamik in diesem Bereich. In einer Umfrage unter den Auslandsgesellschaften von VDMA-Mitgliedsunternehmen zeigte sich zudem, dass die Firmen in Indien am häufigsten von guter Auftragslage berichten. Der Markt wird daher immer wichtiger für die exportorientierten deutschen Maschinen- und Anlagenbauer.
Deutsche Importe aus Indien werden wichtiger
Der Gesamtwert der deutschen Importe aus Indien lag 2025 bei fast 17 Milliarden US$ und so 12,5 Prozent höher als ein Jahr davor.
| Warengruppe (SITC-Kennung) | 2025 | Veränderung 2025/2024 | Anteil am Gesamtimport 2025 |
|---|---|---|---|
| Gesamt (0 bis 9) | 16.951,4 | 12,5 | 100 |
| Chemische Erzeugnisse (5) | 3.383,2 | 9,5 | 20,0 |
| Maschinen (71 bis 74) | 2.261,4 | 23,9 | 13,3 |
| Bekleidung (84) | 2.001,2 | 19,7 | 11,8 |
| Nahrungsmittel (0) | 1.034,3 | 21,3 | 6,1 |
| Elektronik (75, 76, 776) | 925,3 | -13,6 | 5,5 |
| Geräte für die Nachrichtentechnik, Zubehör für den Abschnitt 76 (764, vor allem Smartphones) | 892,2 | -14,6 | 5,3 |
| Elektrotechnik (77 minus 776) | 875,7 | 15,4 | 5,2 |
| Textilien (65) | 630,2 | 12,1 | 3,7 |
| Schuhe (85) | 591,1 | 6,6 | 3,5 |
Traditionell wichtige Importwaren wie Pharmaka und Chemie wurden deutlich mehr gekauft. Produkte aus dem indischen Maschinenbau fanden ebenfalls stärkeren Absatz in Deutschland. Auch die Einfuhr petrochemischer Produkte (hauptsächlich raffinierte Treibstoffe) nahm zu, von rund 283 Millionen US$ im Jahr 2024 auf knapp über 498 Millionen US$ im Jahr 2025. Obwohl die Elektronikfertigung zu den indischen Wachstumsbranchen gehört, führte Deutschland 2025 weniger Elektronik aus Indien ein. Trotzdem bleibt das Land ein wichtiger Lieferant, vor allem für Smartphones.
Der Blick auf die Importe aus Indien zeigt, dass das Land ein zunehmend wichtiger Beschaffungsmarkt wird – etwa im Bereich der Metallwaren. Während die Suche nach geeigneten Sourcing-Partnern für deutsche Unternehmen aufgrund der Kleinteiligkeit der indischen Wirtschaft weiterhin nicht einfach ist, gibt es immer mehr indische Firmen, die Exportqualität produzieren.
Zudem wächst Indiens Rolle als Bezugsort von Nahrungsmitteln. Die Einfuhren stiegen über 1 Milliarde US$. Dabei nahm unter anderem der Import von Gemüse und Früchten, aber auch von Meeresfrüchten, Reis und Kaffee zu (Plus 44,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr).
Verhandlungen über EU-Indien-Freihandelsabkommen erfolgreich
Im Januar 2026 einigten sich die EU und Indien auf den Abschluss der – mit Unterbrechung – seit 2007 laufenden Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen. Während der Text des Abkommens mittlerweile veröffentlicht ist, stehen Details zu konkreten Zollsenkungen noch aus. Sicher ist, dass Indien seine Zölle deutlich senken wird. Die EU-Kommission meldet zum Beispiel, dass die indischen Einfuhrzölle für Maschinen von in der Spitze 44 Prozent auf 0 Prozent für nahezu alle Maschinen sinken werden.
Das macht deutsche Exporte für preissensible indische Konsumenten deutlich wettbewerbsfähiger. Beobachtern zufolge wird das Abkommen Ende 2026 oder Anfang 2027 in Kraft treten.