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Halbleiter und KI treiben Chinas Elektronikindustrie

Chinas Elektronikindustrie bleibt global an der Spitze. KI, Halbleiter und hochwertige Komponenten treiben das Wachstum, während klassische Endgeräte an Bedeutung verlieren.

Robert Herzner

Von Robert Herzner | Hongkong

China ist der weltweit größte Markt für Elektronikprodukte und zugleich deren wichtigste Produktionsbasis. Die vom Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) definierte Elektronikindustrie, die die Computer-, Kommunikations- und sonstige Elektronikbranche umfasst, erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von 2,6 Billionen US-Dollar (US$). Das entspricht einem Plus von 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Gewinne beliefen sich auf 111,2 Milliarden US$.

Strukturwandel verändert die Elektronikindustrie

Die chinesische Elektronikindustrie dürfte ihre globale Führungsrolle behalten. Doch befindet sie sich in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Die Märkte für Smartphones, PCs und Fernsehgeräte gelten zunehmend als gesättigt. Gleichzeitig geraten standardisierte Elektronikprodukte zunehmend unter Kostendruck. Niedrigere Lohnkosten in anderen Ländern sowie handelspolitische Faktoren, darunter US-Zölle, beeinflussen die Standortentscheidungen internationaler Unternehmen zunehmend zulasten Chinas.

Vor allem bei Massen- und Standardprodukten verlagern Unternehmen daher Teile ihrer Fertigung in die Staaten des südostasiatischen Staatenbundes ASEAN, allen voran nach Thailand. Dennoch erreichen die Lieferketten in vielen ASEAN-Ländern bislang nicht die Tiefe und Integration des chinesischen Ökosystems.

China verfügt weiterhin über eine der weltweit vollständigsten Wertschöpfungsketten der Elektronikindustrie. Sie reicht von Halbleitern und Basiskomponenten über Leiterplatten, Displays und elektronische Baugruppen bis hin zu Endgeräten. Besonders stark ist das Land in den Bereichen Unterhaltungselektronik, Telekommunikationsausrüstung, Displaytechnologien sowie Industrie- und Automobilelektronik.

Zugleich gewinnt China als Standort für die Integration von Anwendungen der künstlichen Intelligenz (KI) in industrielle Prozesse an Bedeutung. Zusätzliche Wachstumsimpulse kommen von Rechenzentren, intelligenten Endgeräten, der Automobilelektronik und der fortschreitenden Digitalisierung der Industrie.

Elektronik bleibt Schlüsselbranche der chinesischen Industrie

Die Elektronikindustrie bleibt eine Schlüsselbranche der chinesischen Wirtschaft. Laut MIIT wurden 2025 rund 1,5 Milliarden Mobiltelefone sowie 332 Millionen Notebooks und Tablets hergestellt. Trotz rückläufiger Produktionszahlen in einzelnen Endgerätekategorien stieg die Wertschöpfung weiter an.

Von Januar bis Mai 2026 erhöhte sich die Wertschöpfung der Branche um 14,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Treiber waren vor allem integrierte Schaltungen, deren Produktion um 25,4 Prozent zunahm. Dagegen ging die Herstellung von Mobiltelefonen (-1,3 Prozent) und Mikrocomputern (-12,2 Prozent) zurück. Dies deutet auf einen Strukturwandel innerhalb der Branche hin: weg von klassischen Endgeräten und hin zu höherwertigen Komponenten.

China produziert Handys, TV-Geräte und PC in hoher StückzahlAusgewählte Produktionskennzahlen; in Millionen Einheiten
Produkt

2024 

2025 

2026 *)

Mobiltelefone

1.670

1.540

562

Mikrocomputergeräte

340

332

119

Farbfernsehgeräte

208

203

k.A.

* Januar bis Mai.Quelle: Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) 2026; Marktforschungsportal chinabaogao.com 2026; Wirtschaftsdatenportal jujindata.com 2026.

PCs, Smartphones und integrierte Schaltungen stehen zusammen für mehr als ein Fünftel der chinesischen Warenausfuhren. Das jährliche Exportvolumen der Branche übersteigt 750 Milliarden US$. Gleichzeitig verändert sich die Nachfrage auf den Auslandsmärkten. Die Exporte von Notebooks sanken von 220 Millionen Geräten im Jahr 2021 auf 133 Millionen im Jahr 2025. Bei Mobiltelefonen gingen die Ausfuhren im gleichen Zeitraum von 950 Millionen auf 751 Millionen Geräte zurück. Stabiler entwickelte sich der Markt für Fernsehgeräte: China exportierte 2025 mehr als 107 Millionen Einheiten. In den ersten fünf Monaten 2026 legten die Ausfuhren um 4,2 Prozent zu.

KI sorgt für neue Investitionswelle 

Die chinesische Regierung treibt die Verknüpfung von KI und Elektronikindustrie gezielt voran. Unter Federführung des MIIT veröffentlichten acht Ministerien 2026 Leitlinien zur Förderung von "AI + Consumption". Ziel ist ein jährliches Wertschöpfungswachstum von 7 Prozent. Gefördert werden unter anderem KI-fähige Smartphones und PCs, intelligente Haushaltsgeräte, Serviceroboter, Smart-Home-Anwendungen sowie Wearables wie Fitness-Tracker.

Die Strategie geht mit umfangreichen Investitionen in Rechenzentren, Server, KI-Chips und digitale Infrastruktur einher. Davon profitieren insbesondere Hersteller von Halbleitern und anderen Schlüsselkomponenten der digitalen Wirtschaft.

Gerade bei integrierten Schaltungen bleibt China jedoch in hohem Maße auf Importe angewiesen. Nach Angaben des Observatory of Economic Complexity (OEC) führte das Land 2025 Chips im Wert von 425 Milliarden US$ ein. Die wichtigsten Lieferländer waren Taiwan, Südkorea, Japan und die USA. Von Januar bis Mai 2026 erreichten die Einfuhren bereits 238 Milliarden US$. Die Versorgung mit leistungsfähigen Halbleitern bleibt damit eine zentrale Herausforderung für Chinas Technologie- und KI-Strategie.

Regionale Cluster prägen die Branche

Die chinesische Elektronikindustrie konzentriert sich auf mehrere hochspezialisierte Produktionscluster. Als Zentrum für Smartphones, Unterhaltungselektronik und Leiterplatten gilt das Perlflussdelta mit den Städten Shenzhen, Dongguan, Guangzhou und Huizhou. Das Jangtse-Delta rund um Shanghai, Suzhou und Wuxi hat sich dagegen als wichtiger Standort für Halbleiter und Industrieelektronik etabliert.

Im Westen des Landes zählen Chengdu und Chongqing zu den führenden Produktionszentren für Notebooks, Tablets und Automobilelektronik. Zhengzhou in der Provinz Henan ist einer der weltweit bedeutendsten Standorte für die Endmontage von iPhones durch den taiwanischen Auftragsfertiger Foxconn.

Chancen für deutsche Unternehmen liegen bei Fertigungstechnologien

Für deutsche Anbieter liegen die größten Marktchancen nicht bei standardisierten Elektronikkomponenten. In diesen Segmenten sind die Lieferketten weitgehend etabliert, zugleich ist der Wettbewerb durch lokale Hersteller stark preisgetrieben. Gefragt sind dagegen spezialisierte Fertigungstechnologien, etwa Anlagen zum Bohren, Fräsen und Messen, Lösungen für Prozesskontrolle und Qualitätssicherung sowie Reinraum-, Vakuum-, Gas- und Wassertechnik. Auch Spezialchemikalien und Software für die intelligente Fertigung bieten Marktpotenzial.

Mit Blick auf den Export in die EU gewinnt das Thema Nachhaltigkeit an Bedeutung. China steht unter zunehmendem Druck, Umweltstandards in der Industrie anzuheben. Bei Abluftreinigung, Emissionskontrolle und der Verringerung von CO2-Emissionen gelten Märkte wie Taiwan, Singapur und Japan bislang als technologisch fortschrittlicher. Gleichzeitig wächst die Bedeutung des Recyclings von Stoff- und Materialströmen. Hier können deutsche Unternehmen ihre traditionellen Stärken in Umwelt- und Effizienztechnologien ausspielen. Risiken ergeben sich jedoch aus dem zunehmenden Lokalisierungsdruck sowie der gezielten Förderung heimischer Lieferketten.