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Investitionsklima noch wechselhaft

Indonesien gilt weiterhin als herausfordernder Investitionsstandort für Fortgeschrittene. Das Investitionsschutzabkommen mit der EU könnte die Rahmenbedingungen verbessern.

Oliver Döhne

Von Oliver Döhne | Jakarta

Der Reichtum an strategischen Rohstoffen, die stabile Wirtschaftslage, die Größe des Absatzmarktes und die günstigen Arbeitskräfte erhöhen Indonesiens Sichtbarkeit für internationale Investoren. Das zeigte der Foreign Direct Investment Confidence Index 2026 von Kearney. Insbesondere seit dem Omnibus-Gesetz von 2021 haben sich einige Rahmenbedingungen verbessert. Das Gesetz ermöglicht eine einfachere Firmengründung, flexibilisiert das Arbeitsrecht und öffnet bislang beschränkte Tätigkeitsfelder für ausländische Firmen. Ende 2025 senkte die Regierung zudem das sofort einzuzahlende Mindestkapital für ausländische Firmengründungen deutlich ab.

Jedoch bremsen Bürokratie und komplexe Regulierungen ein stärkeres Engagement, weshalb Indonesien im Jahr 2026 bei Kearney unter den Schwellenländern um einen Platz auf Rang 13 abstieg. Malaysia, Thailand und Vietnam verbesserten sich dagegen deutlich.

Gelegentlich abrupte Staatseingriffe

Investitionsanreize und Liberalisierungsansätze gehen in Indonesien oft einher mit unerwarteten Staatseingriffen. Ein Beispiel dafür ist die kurzfristig und ohne Rücksprache mit der Industrie eingesetzte Rohstoffexportbehörde DSI. Über sie soll künftig die Ausfuhr von rohem Palmöl, Ferronickel, Kohle und später noch weitere Warengruppen laufen. Damit will Indonesien vermeiden, dass Gewinne über Unterfakturierung unrechtmäßig ins Ausland verlagert werden, was Währung und Haushalt schwächt. 

Mit solchen Verstaatlichungstendenzen ist weiterhin zu rechnen. Sie sind zum einen eine Panikreaktion auf globale Krisen, zum anderen resultieren sie aus dem Selbstverständnis Indonesiens als selbstbewusstes Schwellenland. Zudem verfolgt der Präsident eine zunehmend autoritäre Linie. Allerdings werden viele Maßnahmen in der Folge pragmatisch abgemildert und angepasst. Enteignungen finden nicht statt, in vielen strategischen Sektoren besteht der Staat aber auf einer Kontrollmehrheit. 

Über den staatlichen Investitionsfonds Danantara will Indonesien mehr Transparenz und Effizienz bei den vielen Staatskonzernen erreichen. Zudem soll der Fonds für weniger politische und finanzielle Risiken für Investoren bei strategischen Projekten sorgen. Danantara tritt zusammen mit dem Privatsektor als Co-Investor beispielsweise bei der Rohstoffweiterverarbeitung (Downstream) von Nickel, Bauxit, Kupfer und anderen Rohstoffen, bei erneuerbaren Energien, digitaler Infrastruktur und Petrochemie in Erscheinung.

Investitionsschutzabkommen mit EU verbessert Lage

In Bezug auf Rechtssicherheit könnte sich die Lage für europäische Firmen, die in Indonesien investieren, künftig durch ein Investitionsschutzabkommen verbessern. Dieses ergänzt das Freihandelsabkommen zwischen Indonesien und der EU und tritt voraussichtlich Anfang 2027 in Kraft. Durch das Abkommen werden europäische Investoren grundsätzlich mit einheimischen Firmen gleichbehandelt und können in der Regel nicht zu Technologietransfer verpflichtet werden. Auch geistiges Eigentum wird künftig besser geschützt. 

Indonesien verspricht zudem, Anforderungen an einen Mindestanteil lokaler Wertschöpfung zu senken, unter anderem in den Bereichen Gesundheitswirtschaft, Elektroindustrie, IKT, Halbleiter, Batterien, Kfz und erneuerbare Energie. Dennoch ist zu erwarten, dass Indonesien die "local content"-Auflagen grundsätzlich beibehält, damit ausländische Unternehmen eine Produktion im Land aufbauen. 

 

Auswahl größerer deutscher Investitionen in Indonesien

Unternehmen

Produktionsportfolio

Hauptstandorte
BASFBauchemie, Polymerdispersionen und PapierchemikalienJakarta, Depok, Cikarang (beide Westjava), Merak (Banten)
BayerInsektizide, Pflanzenschutz, PharmazeutikaSurabaya (Ostjava), Tangerang (Banten), Depok (Westjava)
B.BraunInfusionspumpen und -lösungenKarawang (Provinz Westjava, Großraum Jakarta)
BeurerWellness- und MedizintechnikausrüstungSemarang (Zentraljava)
BoschKomponenten für Kfz- und Bauteile (modular ausbaufähig)Cikarang/Bekasi (Provinz Westjava, Großraum Jakarta)
Daimler TrucksBus- und Lkw-MontageCikarang/Bekasi (Westjava, Großraum Jakarta)
SchottAmpullen, Phiolen, PipettenCikarang/Bekasi (Provinz Westjava, Großraum Jakarta)
SiemensKomponenten für Energieverteilung, Netzautomatisierung und SchutztechnikJakarta
Siemens EnergyKomponenten für Energieerzeugung Cilegon (Provinz Banten, westliches Java)
Stand: Juli 2026Quelle: Medienberichte 2026, Unternehmenswebseiten 2026

Rohstoffsektor dominiert Investitionen

Ausländisches Kapital fließt mehrheitlich in den Bergbau und die Basismetallurgie, insbesondere auf den Inseln Sulawesi und Halmahera (Nordmolukken). In der verarbeitenden Industrie stehen Investitionen in Westjava und Banten im Vordergrund, unter anderem im Bereich Papier und Druck, in der Lebensmittelindustrie, Chemie und Pharma. Wichtigste Auslandsinvestoren waren 2025 Singapur, Hongkong, China, Malaysia und die USA. 

Die Investitionen der verarbeitenden Industrie zielen in der Regel auf den Inlandsmarkt ab, da Indonesien in globale Lieferketten vergleichsweise gering integriert ist. Die indonesische Außenhandelsquote (Anteil der Im- und Exporte im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung) war 2025 mit 36 Prozent die mit Abstand geringste aller großen Volkswirtschaften der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN). In Thailand, Malaysia und Vietnam liegt sie um das drei- bis vierfache höher. Dort hat sich durch bessere Investitionsbedingungen mehr Industrie angesiedelt. Der Anspruch Indonesiens ist es jedoch, künftig mehr export- und wettbewerbsfähige Fertigprodukte herzustellen. 

Investitionsförderung: Sonderwirtschaftszonen bieten Vorteile

Investoren mit einer eigenen Produktion bekommen mehr Zugang zu Anreizen als Unternehmen, die nur ihre Produkte im Land verkaufen wollen. Das gilt insbesondere für die Ansiedlung in Industrieparks oder Sonderwirtschaftszonen (SEZ). Hier stechen insbesondere die SEZ Batam nahe Singapur, Kendal (Semarang) und Gresik (Surabaya) hervor. Dazu kommen neue, branchenspezifische SEZ. 

Zu den Vergünstigungen, die meist bilateral verhandelt werden, gehören Ein- und Ausfuhrzollfreiheit, Steuererleichterungen, Service- und Unterstützungsleistungen sowie erleichterte Visaregelungen für ausländische Fachkräfte.

Kleinere und mittelgroße Investitionsmöglichkeiten in den Regionen abseits vom Großraum Jakarta stellt die indonesische Zentralbank regelmäßig in regionalen Investorenkonferenzen vor. Die zuständige Behörde für Direktinvestitionen auf föderaler Ebene ist das Ministerium für Investitionen und Downstream-Industrie (Badan Koordinasi Penanaman Modal).

Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

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