Wirtschaftsausblick | Japan

Japans Wirtschaft bleibt robust

Trotz geopolitischer Risiken bleibt Japans Wirtschaft stabil und wächst leicht. Die Regierung will strategische Branchen fördern.

Von Frank Robaschik | Tokyo

Top-Thema: Regierung ist wirtschaftsfreundlich

Japans Premierministerin Sanae Takaichi hat die Unterhauswahlen am 8. Februar 2026 klar gewonnen. Sie hat damit ein starkes Mandat, das ihr einen breiten Gestaltungsspielraum gibt. Takaichi betreibt eine Politik der wirtschaftlichen Sicherheit und will das Land mit strategischen Investitionen etwa in künstliche Intelligenz (KI), Halbleiter und Robotik stärken. Die Regierung ist bereit, dafür die Ausgaben zu erhöhen, was die massive Staatsverschuldung weiter in die Höhe treiben wird. Das schwächt den ohnehin billigen japanischen Yen.

Japan will 17 strategische Branchen fördern:

* Laut der Ozeanentwicklungsstrategie von 2024 gehören hierzu unter anderem die Entwicklung autonomer Unterwasserfahrzeuge, die Offshore-Windkraft und die internationale Zusammenarbeit in der Arktis

Quelle: Prime Minister’s Office 2025; Kabinettbüro 2024

Noch unter Premier Shigeru Ishiba hatte Japan einen Handelsdeal mit den USA vereinbart. Damit gilt für japanische Waren bei der Einfuhr in die USA ein Basiszoll von 15 Prozent. Die USA haben diesen Deal am 4. September 2025 in Kraft gesetzt. Allerdings hat der Supreme Court diese Zölle im Februar 2026 für unzulässig erklärt. Seit dem 24. Februar 2026 erheben die USA nun einen 10-prozentigen befristeten Zusatzzoll auf die Einfuhr der meisten Waren. Als Zugeständnis gegenüber Donald Trump soll Japan zudem massiv in den USA investieren. Da die USA bisher die Sicherheit Japans garantieren, ist das Land auf die Unterstützung der US-Regierung angewiesen.

Japan ist auch von der Krise im Nahen Osten betroffen. Der Iran-Krieg trifft den Inselstaat vor allem bei den Bezügen von Erdöl und von Naphtha. Durch die Freigabe eines Teils der hohen Erdölreserven und der Umorientierung bei den Bezugsquellen schafft es Japan bisher, recht gut durch diese Krise zu kommen.

Wirtschaftsentwicklung: Weiter leichtes Wachstum erwartet

In den vergangenen Jahren verlor der japanische Yen gegenüber dem US-Dollar und dem Euro enorm an Wert. In der Folge gab Japan 2023 den Rang als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt an Deutschland ab. Im Gegenzug zogen mit dem schwachen Yen die Gewinne und die Investitionen japanischer Firmen an. Im Kalenderjahr 2025 wuchs Japans Bruttoinlandsprodukt (BIP) real um 1,1 Prozent. Für 2026 wird ein etwas geringeres Wachstum erwartet.

Die Autoproduktion stieg 2025 um 2,1 Prozent auf 8,4 Millionen Fahrzeuge. Die Bruttowertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes ging real leicht zurück. Wachstum gab es in der Chemieindustrie, bei Informations- und Telekommunikationstechnik sowie Elektronik und Elektrotechnik. Die Tourismusbranche expandiert aktuell dank der vielen ausländischen Besucher. Auch das Gesundheitswesen wächst. Generell schauen über alle Branchen hinweg viele kleine, binnenmarktorientierte Firmen pessimistischer in die Zukunft als die großen, exportorientierten Unternehmen.

Investitionen wachsen langsamer

Dank des schwachen Yen erzielen exportierende Firmen gute Gewinne. Als Folge steigen die Ausrüstungsinvestitionen. Zusätzlich wirken sich staatliche Subventionen für Ansiedlungen in der Halbleiterindustrie positiv aus. So investiert die Chemieindustrie in Halbleiterchemikalien. 

Der Tourismusboom führt zu zahlreichen neuen Hotelprojekten. Auch in neue Datenzentren fließt sehr viel Geld. Zudem wird die Kühlkettenlogistik erneuert. Wegen der Knappheiten auf dem Arbeitsmarkt ist Automatisierungstechnik stark nachgefragt. Und nicht zuletzt steigert Japan seine Verteidigungsausgaben deutlich. 

Im Energiesektor setzt Japan einerseits auf die Wiederinbetriebnahme von Kernkraftwerken, baut aber andererseits auch die  erneuerbaren Energien aus. Letzteres schiebt auch den Ausbau bei Batteriespeichern an. Bei Wasserstoff entwickeln viele Firmen Lösungen für die Zukunft. Sie wollen damit bereit sein, sobald der Markt anzieht.

Dahingegen stoppen und verzögern etwa die Kfz-Hersteller Investitionsvorhaben. Auslöser hierfür sind die Zölle auf Japans Exporte in die USA und eine schwächer als erwartete Entwicklung der Elektromobilität.

Schwache Kaufkraftentwicklung bremst den privaten Konsum

Die Reallöhne sind viele Jahre lang gefallen und auch die Einwohnerzahl schrumpft stetig. Dies trägt dazu bei, dass der private Konsum generell schwach bleiben dürfte. Allerdings stiegen die Reallöhne von Januar bis Ende April 2026 zuletzt. Nach vorläufigen Angaben für April lagen sie 1,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Nominal lag das Plus bei 3,5 Prozent.

Außenhandel wächst

Im Jahr 2025 stiegen insbesondere Japans Ausfuhren von Halbleitern, Schiffen, Maschinen, Nahrungsmitteln und Pharmazeutika. Den Exporteuren hilft der nach wie vor schwache japanische Yen. Die Importe legten leicht zu. Dabei standen 2025 geringeren Ausgaben für Brenn- und Rohstoffe höhere Einfuhren von Maschinen, Elektrotechnik, Autos und Pharmazeutika gegenüber.

Deutsche Perspektive: Deutschlands Exporte nach Japan sinken

93 %

der deutschen Firmen in Japan bezeichnen die Stabilität und die Zuverlässigkeit der Geschäftsbeziehungen als Alleinstellungsmerkmal Japans (Quelle: Umfrage AHK Japan, April 2026)

Die deutschen Exporte nach Japan fielen 2025 leicht und im 1. Quartal 2026 deutlich, vor allem bei Autos. Die Maschinenausfuhren legten hingegen zu. Der schwache Yen erschwert einerseits zwar den Absatz deutscher Produkte, bietet andererseits aber Chancen für Firmenkäufe. So erwarb Bosch 2025 mit Hitachi-Johnson Controls Air Conditioning ein weiteres Werk in Japan. Auch Boehringer Ingelheim erweitert seine Fertigung vor Ort. Laut einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan vom September 2025 will eine Mehrheit der in Japan produzierenden deutschen Firmen in den kommenden Jahren ihre Produktionskapazitäten auf dem Archipel ausweiten.

Dank des Freihandelsabkommens mit der EU können die meisten Industriegüter mit Ursprung in Deutschland zollfrei nach Japan geliefert werden. Allerdings hatte Japan bereits vor dem Abkommen relativ geringe Einfuhrzölle. Interessant ist der Zollabbau bei Nahrungsmitteln. Bei diesen sinken Einfuhrzölle für deutsche Produkte, beispielsweise bei Käse, vorerst noch jährlich.

Weitere Informationen zu Entwicklungen in Japans Wirtschaft und wichtigen Branchen bietet die GTAI-Länderseite zu Japan. Hier finden Sie auch Beiträge zu Rechts- und Zollthemen.