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Deutsche Ausfuhren in die USA steigen wieder

Nachholeffekte und mehr Planungssicherheit bei den Zöllen treiben die deutschen Lieferungen an. Die rege Investitionstätigkeit in den USA schafft neue Absatzchancen.

Roland Rohde

Von Roland Rohde | Washington, D.C.

Nachdem die deutschen Lieferungen in die USA dreizehn Monate in Folge gesunken waren, davon sieben Monate zweistellig, hat im Mai 2026 die Trendwende eingesetzt. In den ersten acht Monaten 2026 lagen die Warenexporte mit 100,7 Milliarden Euro bereits rund 1 Prozent über dem Vorjahresniveau, so Destatis.

Die weiteren Aussichten für die deutsche Exportwirtschaft sind durchaus positiv. Der Nachholeffekt dürfte noch eine ganze Weile zu spüren sein. Außerdem bleibt die US-Konjunktur auf Wachstumskurs. So soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2026 und 2027 um jeweils rund 2 Prozent zulegen.

Warum die Exporte wieder steigen

Der Umschwung im Mai kam selbst für Landeskenner und Branchenanalysten ein wenig überraschend. Sie erklären ihn mit einem Nachhol- oder Gewöhnungseffekt. So hatten sich die US-Kunden 2025 angesichts der erratischen und kaum vorhersehbaren Zollpolitik mit Neuanschaffungen zurückgehalten. Doch zum Frühjahr 2026 stabilisierte sich die Lage.

Die effektive Zollbelastung für US-Einfuhren aus Deutschland hatte sich trotz der gerichtlichen Aufhebung früherer und der Einführung neuer Zölle kaum verändert. Die Marktteilnehmer stellten sich zunehmend auf die neuen Rahmenbedingungen ein. Bis das Handelsvolumen wieder das Vorkrisenniveau von 2024 erreicht oder übertrifft, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen.

Maschinenbau mit teils zweistelligen Wachstumsraten

Allerdings handelt es sich um eine Durchschnittsbetrachtung. Zwischen den einzelnen Branchen gibt es teils deutliche Unterschiede. Besonders früh setzte die Erholung im Maschinenbau ein. In zahlreichen Sparten stiegen die Lieferungen in den ersten acht Monaten 2026 zweistellig.

Das hat vor allem einen Grund: Deutsche Maschinenbauer liefern häufig Fertigungstechnik, für die es in den USA nur wenige einheimische Konkurrenten gibt. In einigen Sparten und Qualitätssegmenten sind die US-Kunden daher auf Importe angewiesen. Ausländische Anbieter können höhere Zollkosten dann zu einem großen Teil an ihre Kunden weitergeben.

Riesige Investitionen in Rechenzentren und Kraftwerke

Investitionen in künstliche Intelligenz und Data-Center im Umfang von rund 1.000 Milliarden US-Dollar (US$) pro Jahr steigern den Importbedarf an Spezialtechnologie, etwa Klima- oder Abwassertechnik. Zugleich kurbeln sie die Konjunktur in anderen Branchen an.

So werden die Stromerzeugungs- und -verteilungskapazitäten kräftig ausgebaut. Denn bereits jetzt stoßen die Anlagen an ihre Grenzen. Immer mehr Städte müssen daher Anträge für den Bau von Rechenzentren ablehnen. Zudem führt der steigende Verbrauch nicht nur zu Engpässen, sondern auch zu deutlich steigenden Stromkosten.

Weitere Lieferchancen bei Fabrikbau und Verteidigung

Zusätzliche Impulse für die deutsche Exportwirtschaft kommen durch umfangreiche Investitionen in neue Pharma- und Halbleiterfabriken. Der Fiskus gibt außerdem mehr Geld für Verteidigung aus: Für das Fiskaljahr 2026 hat die Trump-Regierung eine Zunahme des laufenden Militärbudgets von rund 13 Prozent beim Kongress beantragt. Damit würde erstmalig die 1-Billion-US$-Grenze überschritten.

So sollen unter anderem die leeren Lager für Munition und Raketen schnell aufgefüllt werden. Ein Vertreter eines auch in den USA ansässigen deutschen Rüstungsunternehmens sagte im Gespräch mit GTAI, dass die Trump-Regierung auf der Suche nach neuen, innovativen Lieferanten sei.

Kfz-Branche erholt sich nur langsam

Anders stellt sich die Lage bei Kraftfahrzeugen dar. Zwar decken die USA rund die Hälfte ihres Pkw-Bedarfs durch Importe. Doch zollbedingt höhere Preise treffen auf einen preissensiblen Markt und starke heimische Konkurrenz durch Ford, General Motors, Stellantis und Tesla. Die Kfz-Einfuhren erholen sich daher nur langsam und dürften auf absehbare Zeit deutlich unter dem Niveau von 2024 bleiben.

Für Schlagzeilen sorgte im Oktober 2026 die Ankündigung von Audi, rund 4 Milliarden US$ in sein erstes US-Werk in Georgia zu investieren. Neben staatlichen und lokalen Ansiedlungsanreizen stellte die US-Regierung dem Autobauer auch Zollerleichterungen in Aussicht.

Zölle treffen Stahl und Aluminium unterschiedlich

Bei Stahl und Aluminium entfalten die US-Zölle sehr unterschiedliche Wirkungen. Für beide Branchen gelten neben den allgemeinen Einfuhrzöllen zusätzliche branchenspezifische Abgaben, die auch zahlreiche Derivate erfassen. Wie stark sie den Handel bremsen, hängt jedoch wesentlich von den jeweiligen Marktstrukturen ab.

Bei Stahl können die Vereinigten Staaten rund 80 Prozent ihres Bedarfs aus eigener Produktion decken. US-Hersteller fuhren 2026 zudem ihre Exporte zurück, da der geschützte Heimatmarkt höhere Preise und Margen verspricht. Gleichzeitig sanken die Einfuhren 2025 um 17 Prozent und in den ersten acht Monaten 2026 nochmals um 16 Prozent, berichtet die U.S. International Trade Commission.

Bei Aluminium zeigt sich ein anderes Bild: Rund 60 Prozent des US-Bedarfs werden durch Importe gedeckt. Trotz der Zölle stiegen die Einfuhren von Januar bis August 2026 laut U.S. International Trade Commission gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast ein Viertel und erreichten einen Rekordwert. Die deutschen Aluminiumexporte in die Vereinigten Staaten legten nach Angaben von Destatis sogar um mehr als 70 Prozent zu. Gemessen am absoluten Lieferwert bleibt Deutschland allerdings ein vergleichsweise kleiner Anbieter.