Zollbericht USA Zolltarif, Einfuhrzoll

Update - Section 301 Untersuchungen der US-Regierung

Die ersten Untersuchungen sind abgeschlossen. Für Brasilien und 60 Regionen aus aller Welt - unter anderem die EU - gelten nun 301-Zölle.

Dr. Melanie Jordan

Von Dr. Melanie Jordan | Bonn

Untersuchung zur deutschen Preisgestaltung von pharmazeutischen Produkten

Am 18. Juni 2026 leitete der US Handelsbeauftragte (USTR) eine Untersuchung nach Section 301 des Trade Act von 1974 gegen Deutschland ein. Die Untersuchung betrifft die Preisregulierung pharmazeutischer Produkte in Deutschland. Aus Sicht der US‑Regierung trägt der US‑Markt einen zu großen Anteil an den globalen Forschungs- und Entwicklungskosten, während andere Länder weniger zahlen. Die Untersuchung folgt auf vorherige Gespräche mit Deutschland und könnte zu handels­politischen Maßnahmen führen.

Die Frist für Stellungnahmen endet am 10. August 2026. Öffentliche Anhörungen sind für den 22. September 2026 geplant. 

Untersuchung zu Importen aus Zwangsarbeit - abgeschlossen

Der USTR hat am 12. März 2026 insgesamt 60 Untersuchungen nach Section 301(b) des Trade Act von 1974 eingeleitet. Geprüft wurde, ob Handelspartner der USA unzureichende Maßnahmen gegen die Einfuhr von mit Zwangsarbeit hergestellten Waren ergreifen und dadurch den US‑Handel beeinträchtigen. Die Untersuchungen betrafen 60 Volkswirtschaften, darunter einige der wichtigsten Handelspartner der USA wie etwa die Europäische Union, China, Indien, Mexiko, Japan, Kanada sowie weitere Industrie‑ und Schwellenländer.

Mit Wirkung zum 24. Juli 2026 verhängen die USA Zusatzzölle von 10 bis 12,5 Prozent. Weitere Informationen finden Sie unter USA führen neue Zölle nach Section 301 ein.

Untersuchung zu Brasiliens Handelspraktiken - abgeschlossen

Am 15. Juli 2025 leitete der USTR eine Untersuchung nach Section 301 des Trade Act von 1974 gegen Brasilien ein. Ziel war es zu prüfen, ob brasilianische Maßnahmen in mehreren Bereichen wie etwa digitaler Handel und elektronische Zahlungsdienste, präferenzielle Zölle, Korruptionsbekämpfung und Schutz geistigen Eigentums diskriminierend oder belastend für den US‑Handel sind.

Mit Wirkung zum 22. Juli 2026 verhängen die USA einen Zusatzzollsatz in Höhe von 25 Prozent auf Grundlage von Section 301 of the of the Trade Act of 1974. Weitere Informationen finden Sie unter Update - US-Zölle auf Waren aus Brasilien.

Untersuchung zu Vietnams Praktiken zum Schutz geistigen Eigentums

Der USTR hat am 29. Mai 2026 eine Untersuchung nach Section 301(b) des Trade Act von 1974 eingeleitet, um Vietnams Umgang mit Rechten am geistigen Eigentum zu überprüfen. Es wird überprüft, ob die Gesetze, Richtlinien und Praktiken Vietnams im Zusammenhang mit dem Schutz und der Durchsetzung des geistigen Eigentums den US-Handel belasten oder einschränkten.

Im Special 301‑Bericht vom 30. April 2026 stufte Botschafter Greer Vietnam als "priority foreign country“ ein, da das Land anhaltend bestehende, seit Langem bekannte Defizite beim Schutz und der Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte nicht behebt.

Die Frist für Stellungnahmen endete am 2. Juli 2026.

Untersuchung zu Überkapazitäten in 16 Regionen

Der USTR hat am 11. März 2026 Untersuchungen nach Section 301 des Trade Act von 1974 eingeleitet. Gegenstand sind die Maßnahmen sowie Handelspraktiken mehrerer Handelspartner im Zusammenhang mit strukturellen Überkapazitäten und Überproduktion in verschiedenen Industriesektoren. Im Fokus steht die Frage, ob entsprechende Handelspraktiken als unangemessen oder diskriminierend einzustufen sind und den US‑Handel beeinträchtigen.

Nach Angaben des US‑Handelsbeauftragten verfügen zahlreiche Volkswirtschaften über Produktionskapazitäten, die über die inländische oder globale Nachfrage hinausgehen. Dies kann in verschiedenen Sektoren Auswirkungen auf die Wettbewerbsbedingungen sowie auf Produktions‑ und Investitionsentscheidungen in den USA haben.

Von den Untersuchungen sind insgesamt 16 Länder bzw. Regionen betroffen, darunter China, die Europäische Union, Japan, Indien, Mexiko, Südkorea sowie mehrere Länder in Südostasien. Die Untersuchungen erfassen eine breite Palette von Sektoren, darunter etwa Stahl, Aluminium, Fahrzeuge, Elektronik und weitere Industriegüter.

Öffentliche Anhörungen wurden Anfang Mai durchgeführt. Die entsprechenden Protokolle können Sie online einsehen.

Weitere allgemeine Informationen: 

Section‑301‑Untersuchungen sind Verfahren der US‑Regierung (USTR) zur Prüfung, ob unfaire oder diskriminierende Handelspraktiken einzelner Länder oder Regionen den US‑Handel beeinträchtigen. Als Folge können handelspolitische Maßnahmen, etwa Zusatzzölle, ergriffen werden.