Branchen | USA | Maschinen- und Anlagenbau

Zickzack-Zölle verleiden deutschem Maschinenbau das US-Geschäft

Eine weiterhin unvorhersehbare Handelspolitik, Bürokratie und eine schwächelnde Nachfrage drücken den Umsatz. Eine Trendwende ist 2026 nicht in Sicht. 

Von Roland Rohde | Washington, D.C.

Die US-Handelspolitik ähnelt einer Achterbahnfahrt und es gilt: Nach der Einigung ist vor der Einigung. Nachdem Präsident Donald Trump im Frühjahr 2025 Länderzölle gegen sämtliche Handelspartner verhängt hatte, kam es später im Jahr zu einer Einigung mit der Europäischen Union. Doch bevor das EU-Parlament diese verabschiedete, erklärte das Oberste US-Gericht am 20. Februar 2026 die Abgaben für verfassungswidrig. Daraufhin wurden diese von US-Seite aufgehoben.

Zum 24. Februar 2026 wurde ein Zollsatz von 10 Prozent auf sämtliche Einfuhren eingeführt. Eine Erhöhung auf 15 Prozent für einige Länder hat der Präsident bereits angekündigt. Damit ändert sich an der effektiven Zollbelastung aus deutscher Sicht zunächst wenig. Neben der 10-Prozent-Abgabe fallen die sogenannten Mehrbegünstigten-Zölle (MFN-Zölle) an, die laut der U.S. International Trade Commission überwiegend im einstelligen Bereich liegen, in etlichen Maschinenbaupositionen sogar bei null.

Neue branchenspezifische Zölle drohen ab Juli 2026

Die zum 24. Februar eingeführten Abgaben gelten nur für 150 Tage, sofern der Kongress die Zölle nicht verlängert. Eine Verlängerung gilt als wenig wahrscheinlich. Die Trump-Administration prüft deshalb Zölle mit einer längeren Laufzeit. Dafür sind Untersuchungen zu unfairen Handelspraktiken nötig, die nach Angaben von US‑Medien bereits laufen. Im Fokus stehen vor allem branchenspezifische Zölle. Sie wären aus Sicht der deutschen Maschinenbauer besonders belastend, berichtet ein Vertreter des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) im Gespräch mit Germany Trade & Invest.

Das zeigte sich bereits bei den weiterhin geltenden anteiligen Zöllen von bis zu 50 Prozent auf Aluminium und Stahl sowie zahlreiche Derivate. Laut VDMA betreffen sie die Hälfte der deutschen Maschinenexporte. Hinzu kommt ein erheblicher bürokratischer Aufwand. Große Maschinen bestehen aus Tausenden von Einzelteilen. Für jede Schraube müssen beim Lieferanten Wert und Ursprung angefragt sowie der exakte Metallgehalt angegeben werden.

Maschinenbau wälzt große Teile der Zollkosten auf US-Kunden ab

Inwieweit die Mehrkosten an die US-Kunden weitergereicht werden können, hängt von den Angebots- und Nachfragebedingungen in der jeweiligen Maschinenbausparte ab. Laut einer Studie der Universitäten Chicago und Harvard und dem Kiel Institut für Weltwirtschaft beträgt die Quote über 90 Prozent. In den USA tätige deutsche Unternehmen schätzten gegenüber Germany Trade & Invest diesen Wert aber als eindeutig zu hoch ein.

Deutsche Anbieter sind zudem dazu übergegangen, ihre Lieferbedingungen für die USA an die veränderte Lage anzupassen. Vor dem Amtswechsel im Weißen Haus galten überwiegend sogenannte DDP-Klauseln (Delivered Duty  Paid), denen zufolge der ausländische Lieferant für die Zollabwicklung verantwortlich ist. Nunmehr kommen immer öfter Klauseln zum Einsatz, die dem US-Importeur diese Aufgabe auferlegen.

Maschineneinfuhren fallen 2025 auf das Niveau von 2023

Damit haben sich aus US-Sicht die Preise für Importmaschinen deutlich erhöht. Zugleich herrscht in wichtigen Abnehmersparten Flaute: Die Kfz-Neuzulassungen sollen 2026 sinken, der Hochbau befindet sich bereits in einer leichten Rezession und den Landwirten fehlt Geld für Investitionen. Während die Importnachfrage nach Werkzeugmaschinen nur leicht schwächelte, brachen die Einfuhren von Baumaschinen und Landtechnik dramatisch ein. Im Gegenzug wächst zwar die Nachfrage vonseiten der Pharma- und Halbleiterindustrie sowie des Bedarfs an Klimatechnik. Insgesamt sind die Maschenimporte der USA 2025 aber auf das Niveau von 2023 zurückgefallen.

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Sorge: Unternehmen dürften mehr chinesische Technik kaufen

In den USA konkurrieren deutsche Maschinenbauer in vielen Sparten mit chinesischen und japanischen Anbietern, da es oft nicht genügend amerikanische Anbieter gibt. Deutsche Anlagen sind im Vergleich zu denen der ostasiatischen Konkurrenz wesentlich teurer. Deshalb sind viele Anbieter besorgt. US-Kunden könnten ihre Anschaffungsentscheidung überdenken und sich fragen: Muss es wirklich die teure Maschine "made in Germany" sein oder reicht nicht Technik aus Asien aus?

Der bereits bröckelnde Umsatz auf dem US-Markt könnte damit weiter zurückgehen. Insgesamt gingen die deutschen Lieferungen von Maschinen und Anlagen in die USA 2025 um 8 Prozent auf rund 25 Milliarden Euro zurück, meldete im Februar 2026 der VDMA. Für das laufende Jahr sieht der Verband keine Trendwende.

Im US-Geschäft belasten insbesondere die Zölle auf Stahl- und Aluminiumderivate sowie weitere drohende Zollschocks unverändert die Geschäfte. (Pressemeldung VDMA vom 23.2.26)

Langfristige Absatzchancen bleiben gut 

Immerhin bleiben die Vereinigten Staaten der größte Exportmarkt für den deutschen Maschinenbau. Die US-Zollpolitik sorgt lediglich für eine vorübergehende Delle im Geschäft. Langfristig betrachtet attestieren praktisch alle Marktanalysten einen stark steigenden Bedarf an Maschinen und Anlagen. In vielen produzierenden Betrieben herrsche einen großer Modernisierungsbedarf. Insbesondere die Sparte Automatisierungstechnik und Robotik verspricht ein hohes Wachstumspotenzial.

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