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Wirtschaftsumfeld | Arabische Golfstaaten | Investitionsprojekte

Golfstaaten: Energie- und Infrastrukturprojekte behaupten sich

Nach dem Rekord im Vorjahr schwächte sich im Jahr 2025 die Projektvergabe in den arabischen Golfstaaten ab. Energie- und Infrastrukturprojekte bleiben jedoch stark vertreten.

Von Heena Nazir | Dubai

Nach mehreren Jahren sehr starken Wachstums werden in den arabischen Golfstaaten weniger Projekte vergeben. Von Januar bis Ende Oktober 2025 vergaben die Länder des Gulf Cooperation Council (GCC) Vorhaben im Wert von rund 192,1 Milliarden US-Dollar (US$) – 27 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Besonders in Saudi-Arabien hat sich das Vergabetempo deutlich verlangsamt. Kleinere Märkte wie Katar und Kuwait konnten dagegen zulegen. Bei vielen Großprojekten wurde der zeitliche Rahmen aus Kostengründen und wegen knapper Kapazitäten gestreckt. Zum GCC gehören neben Saudi-Arabien, Kuwait und Katar noch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Oman und Bahrain.  

Auftragsvergabe für Investitionsprojekte in den arabischen GolfstaatenSummierte Vergabewerte in Milliarden US-Dollar; Veränderung in Prozent
Land

Januar bis Oktober 2025

Veränderung 2025/2024 (%)

Bewertung / Trend
Saudi-Arabien

80,1

−42,6

Deutlicher Rückgang durch Verzögerungen und Neupriorisierung bei Megaprojekten (u. a. NEOM, The Line).
Vereinigte Arabische Emirate (VAE)

76,3

−12

Moderate Abkühlung nach starkem Vorjahr; stabile Pipeline in Bau, Energie und Logistik.
Katar

20

+10,3

Zuwachs durch Gas-, Energie- und Industrieprojekte (North Field Expansion, LNG-Terminals).
Oman

5,5

−52

Rückgang nach Projektabschlüssen im Energie- und Transportsektor; neue Vorhaben in Vorbereitung.
Kuwait

9,0

+33

Dynamischer Anstieg durch neue Vergaben im Strom-, Wasser- und Bausektor (Az Zour IWPP II & III).
Bahrain

1,2

−55

Weiterhin geringes Volumen, vor allem im Energie- und Infrastrukturbereich.
Gesamt GCC

192,1

−27,5

Konsolidierungsphase nach Rekordjahren 2023/2024; Rückgang vor allem durch Saudi-Arabien geprägt.
Quelle: MEED Projects, Recherchen von Germany Trade & Invest, November 2025

Bau schwächelt, Energie und Infrastruktur bleiben stabil

Der Rückgang bei der Projektvergabe fällt in den einzelnen Branchen unterschiedlich aus. Der Bausektor, lange der zentrale Wachstumstreiber der Region, ist besonders betroffen: Zwar entfällt weiterhin rund ein Drittel des Gesamtvolumens auf Bauprojekte, doch hohe Kosten und Fachkräftemangel bremsen neue Initiativen. Stabil zeigt sich dagegen der Energiesektor. Projekte der Stromversorgung machen rund ein Fünftel der Gesamtvergaben aus. Führende Vorhaben sind ein 5,2-Gigawatt-Solarprojekt in Abu Dhabi sowie und zusätzliche Investitionen in Speicherlösungen in den VAE.

Auch Öl- und Gasvorhaben bleiben ein zentrales Fundament des Marktes und stehen für knapp ein Viertel der Gesamtvergaben. Darüber gibt es bedeutende Investitionen in das Transportwesen und die Wasserwirtschaft. In Saudi-Arabien stehen der Ausbau der U-Bahn in Riad, neue Flughafenterminals und Straßen im Mittelpunkt der Vorbereitungen auf die Expo 2030.

Laut der Datenbank MEED Projects befinden sich Vorhaben im Gesamtwert von über 3 Billionen US$ in Planung oder Vorbereitung – in Machbarkeitsstudien, der Phase technischer Vorplanung oder Ausschreibung. Besonders diese Projekte könnten in den kommenden 12 bis 18 Monaten umgesetzt werden. Etwa die Hälfte von ihnen entfällt auf Saudi-Arabien. 

 

Größte geplante Investitionsprojekte in den arabischen GolfstaatenAuswahl nach Projektwert
ProjektnameLandBrancheStatus (Fortschritt)

Projektwert (Mrd. US$)

KACARE – Kernkraftwerksprogramm (Masterplan)Saudi-ArabienEnergieHauptvertrag – Angebotsphase

74

ENOWA – Erneuerbare-Energien-Programm (55 GW, Masterplan)Saudi-ArabienEnergieHauptvertrag – Präqualifikation

46

Group 42 – Project Stargate (4 GW)VAEBauwesenMachbarkeitsstudie

32

Marjan – Marjan Beach DevelopmentVAEBauwesenDesignphase

23

Ministry of Transport – Neuer Greenfield-FlughafenBahrainTransportMachbarkeitsstudie

10

SIS – Sur Raffinerie und PetrochemiekomplexOmanÖlindustrieMachbarkeitsstudie

10

PIF – Clean Hydrogen PlantSaudi-ArabienChemieMachbarkeitsstudie

10

QatarEnergy – North Field West Development (Upstream)KatarGasTechnische Vorplanungsphase

9

QatarEnergy – North Field West Development (Downstream)KatarGasMachbarkeitsstudie

9

Acwa Power / OQ / Air Products – Salalah Green Hydrogen & Ammonia ProjectOmanChemieMachbarkeitsstudie

9

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest, Oktober 2025

Großereignisse und Energie im Fokus: Investitionsstrategien der GCC-Staaten

In Saudi-Arabien bildet die nationale Entwicklungsstrategie Vision 2030 den strategischen Rahmen. Der Fokus der Behörden verlagert sich von visionären Großprojekten hin zu zeitnah realisierbaren Vorhaben. Im Vordergrund stehen infrastrukturelle und städtebauliche Maßnahmen im Vorfeld der Expo 2030 in Riad und der Fußball-Weltmeisterschaft 2034. Auch wenn die Vergabe im Bausektor zurückgeht, bleibt die Projektliste umfangreich. Priorität erhalten Vorhaben mit unmittelbarem Bezug zu Großereignissen. Parallel stärkt die Regierung den Energiesektor sowie die Industrie, um die Versorgungssicherheit langfristig zu sichern.

In den VAE  liegt der Investitionsschwerpunkt auf Energie, Wasserstoff und urbaner Infrastruktur. Jedoch gehen auch hier die Projektvergaben zurück. Langfristig dürften jedoch Investitionen in Infrastruktur und Zukunftstechnologien neue Impulse setzen. Die Emirate sind dabei breiter aufgestellt als andere GCC-Staaten: Neben einer aktiven Immobilienwirtschaft rücken Industrieansiedlungen, erneuerbare Energien und Digitalisierung in den Fokus. 

Katar bleibt stark auf den Energiesektor ausgerichtet. Dabei steht vor allem Gasförderung im Mittelpunkt. In Kuwait zeigte sich 2025 ein positiver Trend: Die Investitionen legten dank neuer Vergaben im Strom-, Wasser- und Bausektor deutlich zu. Oman verfolgt eine selektivere Investitionspolitik. Im Fokus stehen strategische Infrastrukturprojekte, vor allem in den Branchen Transport, Energie und Industrie. In Bahrain, dem kleinsten Markt der Region, verharren viele Großvorhaben in der Planungsphase. Priorität haben derzeit Energie- und Transportprojekte. Staatliche Projekte vergibt die bahrainische Regierung aufgrund der hohen Staatsverschuldung nur sehr zurückhaltend. 

Worauf müssen deutsche Unternehmen achten? 

Hinter dem gemeinsamen Ziel, die Abhängigkeit vom Öl zu verringern und neue Wertschöpfungsfelder zu erschließen, sind die Bedingungen für Investoren in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. 

In Saudi-Arabien spielen großvolumige staatliche Initiativen und strikte Lokalisierungsvorgaben eine große Rolle. Die VAE setzen auf liberale Öffnung und attraktive Bedingungen für internationale Investoren. In Katar kommt staatlichen Projekte die entscheidende Rolle bei den Projektvergaben zu, Oman verfolgt einen reformorientierten, aber an Haushaltsdisziplin orientierten Kurs. Kuwait kämpft mit institutionellen Blockaden und Bahrain positioniert sich als kleiner, aber liberaler Nischenstandort. Für deutsche Unternehmen bedeutet das ein heterogenes Umfeld, das detaillierte Marktkenntnis, regionale Differenzierung und Anpassungsfähigkeit erfordert. 

Empfehlenswert sind lokale Partnerschaften und Joint Ventures, um regulatorische Vorgaben zu erfüllen und Marktzugang zu sichern. Eine frühzeitige Teilnahme an Ausschreibungen sowie die Präsenz vor Ort – etwa durch Repräsentanzen oder Kooperationen mit Handelskammern – erhöhen die Erfolgschancen. Zudem sollten deutsche Firmen ihre Stärken in Technologie, Nachhaltigkeit und Effizienz klar herausstellen, um sich von Wettbewerbern abzugrenzen. Risikomanagement, flexible Projektstrukturen und die Beobachtung politischer Rahmenbedingungen sind für den langfristigen Erfolg entscheidend.

Politisch-regulatorische Rahmenbedingungen im GCCÜberblick
LandLokalisierungsdruckEigentumsrechte (Auslandsbeteiligung)Strategische AgendaHandlungsempfehlung für deutsche Unternehmen
Saudi-ArabienSehr hoch – IKTVA-Programm (Industrialisierung) und Saudisierung; seit 2024 Regional Headquarters-Pflicht (RHQ) für StaatsaufträgeBis zu 100 % Auslandsbesitz in den meisten Sektoren möglich (Genehmigung durch MISA); Ausnahmen in sensiblen BereichenVision 2030 – Diversifizierung, Industrie, LokalisierungFrühe Präsenz in Riad, lokale Fertigungspartner und Saudisierungspflichten einplanen; langfristige Investitionsstrategie erforderlich.
Vereinigte Arabische EmirateMittel – In-Country Value (ICV)-Programme von ADNOC / MoIAT prägen öffentliche Vergaben100 % Auslandsbesitz auf dem Mainland in vielen Sektoren (seit Reform des Commercial Companies Law)UAE Centennial 2071 – Zukunft, Technologie, WasserstoffStandortvorteile von Freizonen und "Mainland" kombinieren; ICV-Zertifikate und Innovationsbezug hervorheben.
KatarMittel – Tawteen-Programm mit lokaler ICV-Quote im Energie- und IndustriebereichBis zu 100 % Auslandsbesitz möglich (Law No. 1/2019); 100 % in Free Zones; Genehmigungspflicht für einige SektorenQatar National Vision 2030 – Diversifizierung über LNG-ÜberschüsseStrategische Kontakte zu QatarEnergy, Ashghal und Qatar Free Zones Authority pflegen; lokale Referenzen und ICV-Nachweise sichern.
OmanHoch – strenge Omanization-Quoten für lokale BeschäftigungBis zu 100 % Auslandsbesitz nach Foreign Capital Investment Law (FCIL 2019) – Negativliste giltVision 2040 – Nachhaltigkeit, Privatisierung, DigitalisierungProjekte mit Ausbildungs- und Lokalisierungskomponente anbieten; PPP-Erfahrung und Finanzierungspartner hervorheben.
KuwaitMittel – Kuwaitization-Quoten, aber schleppende Umsetzung im PrivatsektorBis 100 % Auslandsbesitz über KDIPA-Genehmigung möglich; außerhalb Free Zones oft 49 %-GrenzeNew Kuwait 2035 – Modernisierung, DiversifizierungLangwierige Entscheidungswege einplanen; Genehmigungen individuell absichern; lokale Partner früh einbinden.
BahrainGering – liberal, kaum Lokalisierungsvorgaben100 % Auslandsbesitz in fast allen Branchen; kleine NegativlisteEconomic Vision 2030 – Dienstleistungen, FinTech, NachhaltigkeitOptimaler Standort für regionale Service- oder Pilotprojekte; FinTech- und Logistikpotenziale nutzen.
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest, November 2025

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