
Special | USA | US-Zollpolitik
US-Zölle belasten deutsche Firmen sehr unterschiedlich
Je größer das Alleinstellungmerkmal eines Produktes, desto weniger ist der Hersteller von den Zöllen betroffen. Einige wälzen die Abgaben komplett auf die US-Kunden ab.
25.08.2025
Von Roland Rohde | Washington, D.C.
Die Reaktionen deutscher Unternehmen auf die am 27. Juli 2025 verkündete Einigung zwischen den USA und der EU reichen von "Wir sind enttäuscht" über "Es hätte schlimmer kommen können" bis "Unser Geschäft ist kaum betroffen".
Der Einigung zufolge wird auf einen Großteil der US-Importe aus der EU ein Zoll von 15 Prozent aufgeschlagen. Das entspricht dem Niveau, das auch andere Industrieländer - und Konkurrenten auf dem US-Markt - wie Japan oder Südkorea berappen müssen. Doch für den wichtigen Wettbewerber China verlängerte Donald Trump eine Einigung, der zufolge die meisten US-Einfuhren aus der Volksrepublik mit 30 Prozent belegt werden, bis Anfang November 2025.
Updates zur US-Zollpolitik
Die Bestimmungen können sich täglich ändern. Den aktuellen Stand finden Sie auf unserer GTAI-Sonderseite Handelspolitik unter Trump.
Einig sind sich die meisten Firmen zwar, dass die Kuh damit erst einmal vom Eis ist. Doch es bleibt eine gewisse Portion Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit. Die ersten Details bezüglich der Einigung zwischen der EU und den USA sickerten erst die jüngsten Tage durch.
Zugleich weiß niemand, wie lange sich Donald Trump an das Abkommen gebunden fühlt. Er hat bereits neue, branchenspezifische Zölle angekündigt, darunter auf Holz, Halbleiter, Pharmawaren und weitere Produkte.
Produkt | Anmerkung |
---|---|
Holz | Kanada wichtigste Bezugsquelle; Holz wichtiges Baumaterial im US-Wohnungsbau |
Halbleiter | Ausnahmen für Produzenten, die in den USA investieren; dies gilt für alle großen Hersteller (u.a. TSMC, Samsung) |
Pharmaprodukte | Irland wichtigstes Lieferland |
Luftfahrzeuge | Für Importe aus EU sollen keine Zölle anfallen. |
Lkw | 80 Prozent der Einfuhren stammen aus China und Mexiko |
Polysilikon | Kritische Komponente zur Herstellung von Solarzellen und Halbleitern |
Kommerzielle Drohnen | China wichtigster Hersteller |
Kritischen Mineralien | USA zu über 90 Prozent auf Importe angewiesen; davon kommen mehr als 80 Prozent aus China |
Dass die Reaktionen der deutschen Industrie so vielschichtig ausfallen, liegt an den teils stark unterschiedlichen Rahmenbedingungen, die in den jeweiligen Branchen und Sparten herrschen. Generell lässt sich sagen: Je weniger einheimische US-Produktion und Hersteller es gibt, desto eher werden die US-Endabnehmer die Kosten des Zolls übernehmen, weil es kaum Alternativen zur Einfuhr gibt.
Zölle auf Stahl- und Aluminium zweischneidige Schwerter
Bestes Beispiel sind die 50-Prozent-Zölle auf Stahl und Aluminium. Die USA können nur 20 Prozent ihres Aluminiumbedarfs im Inland produzieren. Daher erwarten Analysten steigende Preise nicht nur für Konserven und Getränkedosen, sondern auch für bestimmte Automodelle. So besteht die Karosserie des legendären Pick-ups Ford F150 aus dem Leichtmetall.
Bei Stahl liegt die Selbstversorgungsquote zwar bei 80 Prozent. Doch die Abhängigkeit von Spezialstahlimporten fällt sehr hoch aus. Das bekam auch die Montana Knife Company zu spüren, die sich zunächst sehr positiv zu Trumps Zollpolitik geäußert hatte. Schon bald musste sie feststellen, dass es für die für ihre Messerproduktion benötigten Stähle keine gleichwertigen einheimischen Anbieter gibt. Gleiches galt für die Schleifmaschinen.
Deutsche Autobauer bauen Kapazitäten in den USA aus
In der Kraftfahrzeugindustrie profitieren BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen (VW) davon, dass sie in den USA produzieren, vor allem große SUV. Kleinere SUV, Limousinen sowie weitere Modelle fertigen sie aber in Mexiko oder Deutschland.
Doch das soll sich teilweise ändern. So verkündete Mercedes-Benz, dass die Produktion der GLC-Klasse von Bremen in die USA umziehen werde. VW möchte in seinen US-Fabriken künftig bestimmte Audi-Modelle wie den Q3 vom Band laufen lassen. Die Marke mit den vier Ringen verfügt bislang nicht über eine eigene Fertigung in den Vereinigten Staaten.
Trumps Zollpolitik zeigt hier also die beabsichtigte Wirkung: Die deutschen Autohersteller erweitern ihre US-Kapazitäten. Bei näherem Hinsehen handelt es sich aber um überschaubare Investitionen. Es werden keine riesigen neuen Werke aus dem Boden gestampft. Ein Unternehmensvertreter berichtet im Gespräch mit Germany Trade & Invest, dass dafür die Unsicherheit immer noch zu hoch und die internationale Absatzlage zu schwach seien.
Der Bau eines neuen Werkes dauere bis zu drei Jahre. Dann sei Trump nicht mehr im Amt. Zudem müsse sich das Werk auch wirtschaftlich rechnen. Bis sich die Investitionskosten amortisiert hätten, vergingen noch einmal etliche Jahre. Zugleich gebe es in Europa ohnehin zu viele Produktionskapazitäten und es müssten auf dem alten Kontinent, aber teils auch in China Werke geschlossen werden.
Im Maschinenbau fehlt oft einheimische Konkurrenz
Anders sieht die Lage im Maschinenbau aus. In vielen Sparten gibt es keine oder zu wenige US-Anbieter. Das Land ist in hohem Maße auf die Einfuhren von Fertigungstechnologie angewiesen. Ein Hamburger Werkzeugmaschinenhersteller etwa berichtete gegenüber Germany Trade & Invest, dass es in seiner Nische überhaupt keine US-Wettbewerber gebe. Das wissen auch die Kunden in den Vereinigten Staaten, deren Verhandlungsposition entsprechend schwach ist.
Lieferanten nehmen von DDP-Bedingungen Abstand
Bisher galten bei alten Lieferverträgen aus den Jahren 2023 und 2024 vielfach noch die sogenannten DDP-Bedingungen (Delivered, Duty paid = geliefert, verzollt). Damit verpflichtete sich der Verkäufer, Abgaben sowohl für die Aus- als auch für die Einfuhr zu zahlen sowie alle Zollformalitäten zu erledigen. DDP stellt die Maximalverpflichtung für den Verkäufer dar. Doch für künftige Bestellungen dürfte sich das grundlegend ändern.
So sagte Daniel Dittmar, CEO und Präsident des deutschen Kfz-Teileherstellers Heycon USA, er müsse künftig etwa für Kunststoffmaschinen 15 Prozent mehr bezahlen. Der deutsche Zulieferer dieser Maschinen habe sich auf keine DDP-Bedingungen oder Preiszugeständnisse eingelassen. Zwar gebe es in den USA auch Hersteller in dieser Produktgruppe, doch könnten diese nicht in der gleichen Qualität liefern.
Die beiden Beispiele zeigen: Je höher das Alleinstellungsmerkmal eines Produktes ausfällt, desto geringer sind für den Hersteller die Kosten der US-Zölle auf EU-Importe.