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Wirtschaftsausblick | Serbien

Serbiens Wirtschaft zieht wieder an

Steigende Investitionen und eine abflauende Inflation bringen Serbiens Wirtschaft in Schwung. Politisch ist vieles neu - und doch beim Alten.

Von Martin Gaber | Belgrad

Top-Thema: Serbiens neue Regierung steht fest

Serbiens Parlament hat Anfang Mai 2024 eine neue Regierung bestätigt. Damit löst Miloš Vučević seine Vorgängerin Ana Brnabić als neuer Ministerpräsident ab. Vučević war vorher Verteidigungsminister und ist zugleich Vorsitzender der Srpska Napredna Stranka (SNS, Serbische Fortschrittspartei), der auch Präsident Aleksandar Vučić angehört. 

Weitere Neuzugänge in der Regierung sind unter anderem Marko Đurić. Der bisherige serbische Botschafter in den USA wird neuer Außenminister. Und der zurückgetretene Chef des Nachrichtendienstes, Aleksandar Vulin, wird einer von mehreren Vize-Premiers. Vulin gilt als moskaunah und prorussisch. An der Ausrichtung der Regierung dürfte sich somit wenig ändern. Das hatte auch die Antrittsrede von Ministerpräsident Vučević anklingen lassen. Serbien dürfte weiterhin versuchen, seine EU-Ambitionen mit den engen Verbindungen zu Russland und China unter einen Hut zu bringen und gleichzeitig seine Haltung gegenüber Kosovo beizubehalten. Auch an der wirtschaftsfreundlichen Politik der Regierung, gerade gegenüber ausländischen Investoren, wird sich wohl nichts ändern.

Wirtschaftsentwicklung: Wieder mehr Wachstum erwartet

Serbiens Wirtschaft zieht wieder an. Trotz globaler Krisen wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2024 voraussichtlich real um rund 3 Prozent zulegen, so die Prognose des Wiener Instituts für internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw). Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die serbische Nationalbank sind mit 3,5 Prozent optimistischer. Zuletzt hatte der Balkanstaat zwei etwas schwächere Jahre mit realen Wachstumsraten um die 2,5 Prozent erlebt.

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Auch mittelfristig zeigt der Trend nach oben. So dürfte das Wachstum im Jahr 2025 weiter zulegen. Während das wiiw mit einem Plus von 3,3 Prozent rechnet, erwartet die Nationalbank stärkere Impulse und geht von einem Plus von 4,5 Prozent aus. Das Wachstum treiben Auslandsinvestitionen, eine erstarkende Industrie, eine weiterhin solide Exportwirtschaft und staatliche Großprojekte an. Im Vordergrund steht dabei die Weltausstellung Expo 2027 in Belgrad. Im Zuge dessen hat die Regierung Investitionen von rund 12 Milliarden Euro angekündigt.

Ein Risiko für den Aufschwung stellt die schwächelnde Konjunktur in Deutschland und der EU da. In die Union gehen rund 70 Prozent der serbischen Exporte.

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Abflauende Inflation regt den Konsum an

Künftig dürfte der Konsum wieder Impulse geben. Dieser war in den vergangenen Jahren ein wichtiger Treiber des Wirtschaftswachstums bis die galoppierende Inflation die Laune der Verbraucher eingetrübt hat. Der Gipfel der Inflation ist jedoch überschritten und die Preissteigerungen in Serbien sind wieder im einstelligen Bereich mit weiter fallender Tendenz. Auf das Jahr gesehen dürfte sich die Inflationsrate für 2024 laut wiiw bei 4,5 Prozent einpendeln - nach über 12 Prozent im Vorjahr. So können Löhne und Gehälter real wieder zulegen. Für den Einzelhandel bedeutet das ein Plus: Die Umsätze liegen im ersten Quartal 2024 rund 6 Prozent über dem Vorjahreszeitraum, so Zahlen der Statistikbehörde.

Deutsche Perspektive: Nearshoring-Trend wirkt nach

Mit PWO investiert ein weiteres deutsches Unternehmen in Serbien. Der Autozulieferer aus Oberkirch in Baden-Württemberg hat sich für den Standort Čačak entscheiden. PWO will dort in den kommenden Jahren etwas mehr als 100 Millionen Euro investieren und über 800 Angestellte beschäftigen. Damit setzt sich eine Serie deutscher Investitionen fort, die schon 2020 vor der Pandemie begonnen hatte: Allein 2023 eröffneten die Firmen Continental, Hansgrohe und Bizerba neue Standorte. Mittlerweile sind rund 900 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung in Serbien tätig und beschäftigen über 80.000 Menschen.

 Serbien bietet weiterhin attraktive Konditionen für Investoren. Die prorussische Ausrichtung des Landes und der Serbien-Kosovo-Konflikt könnte neue Interessenten jedoch abschrecken. In den Zahlen spiegelt sich das aber noch nicht wider. Laut serbischer Zentralbank flossen 2023 Direktinvestitionen in Höhe von 4,5 Milliarden Euro in das Land. Die deutsche Bundesregierung hat zudem ihre Investitionsgarantien für Serbien verbessert.

Deutschland und China kämpfen um die Spitze

Für deutsche Unternehmen bleibt Serbien ein wichtiger Beschaffungsmarkt. Die Importe aus Serbien legten 2023 im Vergleich zum Vorjahr um über 10 Prozent zu. Dieser positive Trend in den bilateralen Handelsbeziehungen setzte sich auch zu Jahresbeginn weiter fort. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2024 konnte die Einfuhren nach Deutschland erneut um rund 12 Prozent zulegen.

Bei Serbiens Einfuhren bleibt die Konkurrenz groß - gerade aus China. Chinesische Unternehmen investieren vermehrt in Serbien und handeln mehr Waren. So lösten sich Deutschland und die Volksrepublik in den vergangenen drei Jahren an der Spitze der Importrangliste ab. Im Jahr 2023 lag Deutschland wieder vorne und konnte entgegen dem Gesamttrend bei den Einfuhren nach Serbien weiter zulegen. Nun könnte aber ein neues Freihandelsabkommen Serbien und China wieder enger zusammenrücken lassen und den Handel mit Fernost noch stärker ankurbeln.

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Auf der Länderseite Serbien finden Sie weitere Informationen, zum Beispiel über wichtige Branchen, rechtliche Rahmenbedingungen und Zollbestimmungen.

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