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Wirtschaftsausblick | Südkorea

KI treibt Südkoreas Wirtschaft 2026 an

Der KI-Boom soll 2026 den Export tragen. Der Konsum erholt sich nur langsam, während hohe Investitionszusagen in den USA und der starke Wonverfall Sorgen bereiten.

Von Katharina Viklenko | Seoul

Top-Thema: Politische Stabilität und US-Zolleinigung

Nach der Wahl von Lee Jae-myung zum Präsidenten Mitte 2025 ist wieder Stabilität in die südkoreanische Politik zurückgekehrt. Die innenpolitische Krise nach der kurzzeitigen Verhängung des Kriegsrechts hatte ab Dezember 2024 für ein politisches Vakuum, verunsicherte Konsumenten und ein getrübtes Geschäftsklima gesorgt.

Außenpolitisch steht das Verhältnis zu den USA im Mittelpunkt. Das im Juli 2025 durch US-Präsident Donald Trump verkündete Zollabkommen wurde erst Ende Oktober 2025 finalisiert: Zuvor angedrohte Strafzölle von 25 Prozent auf US-Importe aus Südkorea werden auf 15 Prozent reduziert – ein ähnliches Zollniveau wie mit Japan und der EU. Insbesondere für die Automobilindustrie bedeutet dies eine Erleichterung. Im Gegenzug verpflichtete sich Südkorea, in den USA Investitionen von insgesamt 350 Milliarden US-Dollar (US$) zu tätigen.

Wirtschaftsentwicklung: Schwacher Won und starker Wettbewerb aus China

Im November 2025 korrigierte die südkoreanische Zentralbank, Bank of Korea (BOK), ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das Jahr 2025 leicht nach oben auf real 1 Prozent. Erst im 3. Quartal hatte sich die Wirtschaft robuster gezeigt. Mit 3,6 Prozent wuchs hier die Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe besonders kräftig.

Im Jahr 2026 soll die reale BIP-Zunahme bei 1,8 Prozent und 2027 bei 1,9 Prozent liegen. Insgesamt muss sich die südkoreanische Wirtschaft angesichts struktureller Herausforderungen in Zukunft auf ein langsameres Wachstum einstellen. Zum erstarkenden Wettbewerb aus China kommt langfristig der demografische Wandel hinzu. 

Die Zentralbank senkte 2025 zweimal den Leitzins, im Februar und im Mai um jeweils 0,25 Prozentpunkte, auf 2,5 Prozent. Mit weiteren Zinssenkungen hält sich die BOK angesichts des starken Wertverfalls des Südkoreanischen Won gegenüber dem US-Dollar vorerst zurück.

KI-Boom sorgt für Exportnachfrage

Die Ausfuhren sind angesichts des verhaltenen Binnenwachstums eine wichtige Säule der südkoreanischen Wirtschaft. Sie profitieren aktuell vom schwachen Won. Nicht zuletzt dank des weltweiten KI-Booms legten Südkoreas Gesamtexporte von Januar bis Oktober 2025 nominal um 2,3 Prozent zu. Allerdings dürften sich im Jahr 2026 die US-Zölle auf südkoreanische Waren von 15 Prozent stärker negativ niederschlagen. 

So prognostiziert das Korea Institute for Industrial Economics and Trade (KIET) für 2026 einen Rückgang der Exporte um nominal 0,6 Prozent. Das größte Minus erwartet das Forschungsinstitut bei Batterien und Stahl. Wachstumsträger sollen neben der Ausrüstung der Informations- und Telekommunikationstechnik (IKT) auch Halbleiter sein. Der Export von Kfz und Schiffen fällt aufgrund der hohen Vergleichsbasis 2025 leicht ins Minus. Die optimistischere Prognose der Zentralbank geht aufgrund des KI-Booms für 2026 von einem nominalen Exportwachstum von 3,7 Prozent aus.

Bei den Einfuhren sieht das staatliche KIET-Institut für 2026 ein Wachstum von 2,9 Prozent voraus. Grund ist auch hier die vom KI-Boom angeschobene Nachfrage seitens der IT-Branche. Generell wächst laut KIET die Nachfrage nach Produktgruppen, bei denen deutsche Lieferanten weniger stark vertreten sind.

Investitionen sollen 2026 langsamer steigen

Bei Ausrüstungsinvestitionen hob die Zentralbank ihre Vorhersage für 2026 von ursprünglich real 1 Prozent auf 2 Prozent. Schlecht lief es 2025 im Bausektor, der unter eingebrochener Projektfinanzierung, steigenden Baukosten und strengeren Kreditvergabevorschriften zur Eindämmung der privaten Verschuldung leidet.

Generell schauen südkoreanische Firmen pessimistischer in die Zukunft und halten sich angesichts von geopolitischer Unsicherheit mit Investitionen zurück. Der Business Survey Index, durchgeführt von der Federation of Korean Industries unter den 600 größten Unternehmen, lag 2025 unterhalb von 90 Punkten; weniger als 100 bedeutet eine verhaltene Stimmung. Eine Umfrage der Korea Enterprises Federation unter 229 Firmen verdeutlichte, dass der Großteil 2026 mit gleichbleibenden oder geringeren Investitionen plant.

Angesichts der hohen Investitionszusagen südkoreanischer Firmen in den USA im Rahmen der Zolleinigung wächst die Sorge, dass die enormen Kapitalabflüsse die eigene Wirtschaft belasten könnten. Führende Großkonglomerate wie Samsung, SK Hynix und Hyundai hatten im November 2025 angekündigt, mehr als 400 Milliarden US$ in Südkorea investieren zu wollen. Dies wird teils als Signalpolitik gedeutet und es herrscht Skepsis über die tatsächliche Umsetzung.

Konsumgutscheine heben Nachfrage kurzfristig an

Die südkoreanische Regierung hat den Konsum mit Geldgutscheinen kurzfristig stabilisiert. Sie zahlte Privathaushalten je nach Einkommensniveau zwischen 150.000 Won und 550.000 Won (87 Euro bis 319 Euro). Der Einzelhandelsumsatz legte in den ersten drei Quartalen 2025 etwas weniger als 2 Prozent zu. Das Wachstum des privaten Konsums soll 2025 real bei 1,3 Prozent liegen. Für 2026 und 2027 erwartet die Zentralbank jeweils eine Zunahme von 1,7 Prozent.

Der von der BOK erhobene Composite Consumer Sentiment Index lieg seit Mai 2025 wieder über 100 Punkten und seit Juli über 110. Ein Wert über 100 Punkten bedeutet, dass der Anteil der Konsumenten überwiegt, die die weitere Entwicklung der Wirtschaft optimistisch einschätzen.

Deutsche Perspektive: Zwischen Währungsverfall und Änderungen im Arbeitsrecht

64 %

der deutschen Firmen sehen den Wertverfall des Won als größte Herausforderung für ihr Geschäft in Südkorea.

Quelle: AHK World Business Outlook, Herbst 2025

Südkorea ist für deutsche Exporteure nach China und Japan der drittgrößte Absatzmarkt in Asien. Die starke Abwertung des Won im Jahresverlauf hat Importe deutlich verteuert und wird auch für die Geschäftsplanung deutscher Firmen vor Ort zur Herausforderung. Deutsche Exporte nach Südkorea gingen in den ersten drei Quartalen 2025 um mehr als 9 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode zurück.

Die größten Einbußen in diesem Zeitraum verzeichneten deutsche Lieferungen von Elektrotechnik (-16,5 Prozent), Maschinen und Anlagen (-11,6 Prozent) sowie Arzneimitteln (-7,1 Prozent). Einen Einbruch von rund einem Drittel gab es bei Nahrungs- und Genussmitteln, dort machte sich die Importsperre für Schweinefleisch aus Deutschland vom Januar bis Oktober 2025 bemerkbar. Gegen den Trend legten deutsche Medizintechnikausfuhren um 8,2 Prozent zu.

Neben dem Wertverfall der Landeswährung sorgen sich deutsche Firmen um den "Yellow Envelope Act". Ab März 2026 könnte die Änderung im Arbeitsrecht eine Ausweitung der Streikrechte, eine stärkere Haftung von Muttergesellschaften und eine Verschlechterung des Investitionsklimas bedeuten.

Weitere Informationen zur Entwicklung der Wirtschaft und bedeutenden Branchen bietet die GTAI-Länderseite zu Südkorea

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